Freiheit für Mumia Abu-Jamal: Rundbrief Februar 2011

01/02/2011

Es gibt noch immer keine Nachricht über eine Entscheidung vor dem 3. Bundesberufungsgericht. Dieses Gericht sitzt derzeit erneut über die Frage der Todesstrafe gegen Mumia.

Eine Bitte: schreibt Mumia jetzt wieder öfter. Jede Karte, jeder Brief zeigt den Behörden, wie groß das öffentliche Interesse an Gerechtigkeit in seinem Fall ist. Adresse und alle Details.

Am 18. März 2011 ist der Tag der politischen Gefangenen. Es wird dort auch Aktivitäten im Zusammenhang mit Mumia Abu-Jamal geben (siehe “Termine” weiter unten).
Die Rote Hilfe bringt am 18. März eine Zeitung als Sonderbeilage in der Jungen Welt heraus.

Der Buchverlag LAIKA erstellt momentan in Zusammenarbeit mit AktivistInnen aus der Free Mumia Bewegung einen Band über Mumia Abu-Jamal.

Neben zahlreichen Texten von Mumia und anderen Autoren aus den USA werden auch verschiedene Filme auf DVD darin enthalten sein. Die Veröffentlichung ist für kurz vor Mumias 57. Geburtstag am 24. April 2011 geplant.

Die Forderung nach einer Bürgerrechtsuntersuchung in Mumias Fall in den USA wird lauter. Um Mumias Geburtstag herum werden deshalb erneut UnterstützerInnen das Justizministerium in Washington aufsuchen. Die Forderung kann auch im Internet unterschrieben werden. Der deutsche Text steht hier.

Von dort geht es weiter zum Unterschreiben auf das Online Formular.

Amnesty International erneuerte anlässlich der Anhörung vor dem 3. Bundesberufungsgericht im vergangenen November, dass Mumia ein in neues Verfahren und kein neues Todesurteil verdiene.

Wir werden momentan häufig gebeten, etwas zu den Veränderungen in Mumias Verteidigungsteam zu schreiben – in den letzten Wochen wurde an verschiedenen Stellen von einem angeblichen “Wechsel” gesprochen. Das ist falsch. Anfang November ist lediglich Robert R. Bryan aus der Verteidigung ausgeschieden. Mumia schrieb dazu selbst am 11. November 2010:

“Liebe Brüder, Schwestern, Freundinnen und Freunde – ona move! Wie ihr vielleicht schon wisst, hat es Veränderungen in meiner anwaltlichen Vertretung gegeben. Was ihr vielleicht nicht wisst: das Team, das geblieben ist, ist schon seit Jahren dabei – und ihr kennt deren Arbeit, falls ihr die Anträge gelesen habt. Keine Sorge also – sie sind erfahrene, kluge und von der Sache überzeugte AnwältInnen, die wissen, was sie tun. (…) Ich danke euch allen dafür, dass ihr meine Entscheidung in dieser Sache respektiert. Manchmal ist Veränderung nicht nur gut – sie ist notwendig. Danke! Euer Bruder Mumia”

Vollständiger Text und Brief im Original.

Spendenkonto für die Verteidigung von Mumia Abu-Jamal in Deutschland:

Rote Hilfe e.V.
Kontonummer 19 11 00 462
BLZ 440 100 46
Postbank Dortmund
Verwendungszweck: Mumia

Von dort werden die Spenden an die National Lawyers Guild in New York weitergeleitet und dem gesammten Verteidigunsgteam von Mumia zur Verfügung gestellt.

Sehr viele politische Gefangene in den USA sind bereits seit den 70iger Jahren (und teilweise auch noch länger) inhaftiert. Sie wurden Opfer des verdeckten FBI Programms COINTELPRO. Das war ein mit geheimdienstlichen Methoden angelegtes Aufstandsbekämpfungsprogramm, mit dem das FBI seit den 50iger Jahren systematisch linke Opposition gegeneinander aufhetzte, politische Brüche durch AgentInnen herbeiführte, AktivistInnen mit gefälschten Beweisen inhaftierte und teilweise in die Todestrakte brachte sowie in Zusammenarbeit mit lokalen Polizeien politische Morde initiierte. Das wohl bekannteste Mordopfer des FBI war 1969 der Black Panther Aktivist Fred Hampton in Chicago. Die Hintergründe seiner Ermordung wurden 1975 aufgedeckt. Nach verschiedenen Verfahren und Anhörungen im Kongress musste das FBI die Existenz dieses Programmes zugeben und mehrere Dutzend Morde und einige Hundert manipulierte Verurteilungen einräumen. Häufigster Methode, um “Lebenslänglich” für linke AktivistInnen zu erreichen, waren übrigens untergeschobene Polizistenmorde. Der Zusammenhang zu Mumia Abu-Jamal, der selbst seit seinem 15. Lebensjahr im Visier des FBI stand, ist offensichtlich.

Vor einigen Monaten begann in den USA eine Kampagne zur Freilassung von politischen Langzeitgefangenen aus der Zeit des COINTELPRO. Dazu diesmal einige Artikel Links unter “Gegen Rassismus und Repression”. Bitte beachtet in diesem Zusammenhang auch die Demo für Leonard Peltier in Frankfurt am 5. Februar sowie den Anruf-Fax-E-mailtag am 6. Februar.

In den USA hat das Ermorden von Gefangenen in den letzten Wochen einiges an “geregelter Normalität” verloren. Durch den Verlust von Nachschub an Thiopental sind die Henker inzwischen damit beschäftigt, das für Hinrichtungen nötige Gift aus der EU und Indien zu importieren, oder auf andere Gifte aus der Tiermedizin umzusteigen, wie z.B. in Oklahoma. Letzteres birgt zwar “rechtsstaatliche” Komplikationen. Es scheint sich aber niemand so richtig zuständig zu fühlen.

Ein Händler aus Westlondon hatte Ende September 2010 bereits den US Bundesstaat Arizona beliefert. Damals war Thiopental für mindestens 10 Hinrichtungen aus der EU ausgeführt worden. Arizona hat seine erworbenen Rationen Thiopental nun mit Georgia geteilt. Nebraska, ein weiterer Bundesstaat, importierte anscheinend 500 Gramm aus Indien.

Andere US Bundesstaaten wie z.B. Texas haben auch nur noch sehr wenig Thiopental. Sie alle schauen nach Oklahoma, wo gerade Pentobarbital eingesetzt wird, was einem Medikament aus der Tiermedizin ähnelt. Es dürfte den beobachtenden Bundesstaaten hierbei weniger um die Wirkung der Chemikalie gehen, sondern eher darum, wie sich Oklahoma öffentlich und juristisch damit behauptet.

Der Hintergrund: In verschiedenen US Bundesstaaten ist seit einigen Monaten das Gift für Hinrichtungen knapp. Eine zunächst erstaunliche Meldung erreichte uns im Januar über den Pharma Konzern Hospira. Sie werden in Zukunft kein Natrium Thiopental mehr herstellen. Das Produkt von Hospira ist durch Grundsatzurteile in den Hinrichtungsprotokollen der US Bundesstaaten vorgeschrieben. Es ist die erste der drei Chemikalien, welche bei der Hinrichtung mit der Giftspritze injiziert werden. Hospira geriet in Nöte, als seine in Italien ansässige Produktion kein Natrium Thiopental mehr an die USA liefern durfte, weil die EU eine Beteiligung europäischer Firmen an Hinrichtungen nicht billigt und nach der erfolgten Lieferung aus London inzwischen aktiv dagegen vorzugehen scheint.

Das wird vielleicht in mehreren US Bundesstaaten, die Hinrichtungen mit der Giftspritze durchführen, zu neuen Anhörungen führen. Momentan ist eine wichtige Zeit für TodesstrafengegnerInnen, die Brutalität dieser Hinrichtungsmethode in das öffentliche Bewusstsein zu bringen. Gleichzeitig gilt es insbesondere in Europa zu beobachten, ob sich Pharma Firmen erneut über das EU Ausfuhrverbot hinweg setzten um doch die hinrichtenden Bundesstaaten in den USA beliefern. Laut “Berliner Umschau” prüfe die Bundesregierung gerade ein generelles Exportverbot für Thiopental.

Zum weiteren Inhalt:

Termine

regelmässige Beiträge von und über Mumia Abu-Jamal auf RADIO AKTIV
Radio Aktiv” Montag 20-21 im Internet
Wiederholung die gante Woche zu jeder geraden Stunde

Sa, 05.02.2011, Frankfurt am Main 12:00, Hauptwache
Demonstration und Informationskundgebung: Gesundheitsversorgung für Leonard Peltier, indigener politischer Gefangener in den USA seit 1976
Demo zum US-Generalkonsulat in Frankfurt am Main
Giessener Str.
Frankfurt am Main

Tag der politischen Gefangenen 2011
Veranstaltungen mit Bezug auf Mumia Abu-Jamal

Sa, 19.03.201, Berlin
Kongreß zum Tag der politischen Gefangenen 2011
Ort/Zeit demnächst auf http://political-prisoners.net/home.html

Mo, 21.03.2011, Berlin 20:30, Zilona Gora
Politische Langzeitgefangene in den USA
über Mumia Abu-Jamal und andere Gefangene des afroamerikanischen und indigenen Widerstands
Zilona Gora
Grünberger Str. 73
10245 Berlin/F-Hain
gemeinsam vom Internationalistischen Abend und Berliner Free Mumia Bündnis
Infos

Berichte aus der Bewegung

Die französische Free Mumia Bewegung hat ihre Webseite komplett neu gestaltet.
Dort finden sich neben Berichten und Aufrufen in französicher Sprache auch Audios und Videos, die hier kaum bekannt sind.

deutsche Übersetzung der Stellungnahme von Amnesty International über Mumia Abu-Jamal (3.01.2011)

(Philly IMC) Jahresrückblick von Indymedia Philadelphia – Mumia Berichterstattung als vorbildhaft aufgeführt (01.01.2010 – engl)

(weiteres Video) Mumia Demo 11.12.10 Berlin (13.12.2010)

Presse über Mumia Abu-Jamal

(ND) Der Protest muss hörbar sein (18.01.2011)
Interview mit Suzanne Ross über die Solidaritätsbewegung für Mumia Abu-Jamal

(GRITtv) Justice on Trial: Mumia Abu-Jamal and the Prison Industry (8. Jan. 2011 – engl)

Beiträge von Mumia Abu-Jamal

2 neuere Artikel von Mumia Artikel auf Indymedia:
JAY-Z: The Roots of Rap (Die Wurzeln des Rap) (27.01.2011)
siehe auch Ergänzung: Rede an jur. HochschulabsolventInnen

Stoppt rassistische Polizeigewalt!

Berlin: 750 Menschen gegen Polizeigewalt (29.01.2011)

Pressemitteilung zum begonnenen Verfahren in Magdeburg zu Oury Jalloh und der Vernehmung des ehemals angeklagten Polizeibeamten März (18.01.2010)

Beachtet dort bitte auch die Prozesstermine bis zum Mai 2011. Fahrt hin, beobachtet dieses Verfahren und stellt Öffentlichkeit her!

What It Means To Be Black in America (17.01.2011)

Oury Jalloh: Videobericht von Demo am 6. Todestag in Magdeburg (08.01.2011)

Laye Condé – das war Mord (07.01.2011)

Gegen Repression – Solidarität mit Gefangenen

JERICHO ist ein Bündnis für die Freiheit von politischen Gefangenen in den USA.

Sie haben gerade eine Unterschriftenaktion an die afroamerikanischen Kongress Abgeordneten gestartet. Diese werden darin aufgefordert, eine Anhörung über die Langzeitfolgen von COINTELPRO im Kongress durchzuführen. Gefordert wird, die Gefangenen endlich freizulassen. Link und dazugehöriger Text.

A video documentary on COINTELPRO (2011 – engl)

Dankeschreiben von Bomani Shakur Lucasville (27.01.2011)

Deutsche Übersetzung eines Briefes von Bomani Shakur aus dem Todestrakt in Lucasville, Ohio, USA. Dort war Anfang bis Mitte Januar ein Hungerstreik von Gefangenen nach knapp 10 Tagen erfolgreich beendet worden, nachdem die Behörden die Forderungen akzeptierten.

Schweiz: Marco Camenisch erneut verlegt
Der anarchistische Gefangene wurde vor kurzem zum zweiten Mal innert einem halben Jahr verlegt. Diesmal nach Lenzburg im Aargau. Der Grund dafür bleibt unklar. Sicher ist: Verlegungen sind für Gefangene ein großer Stress – neue Situation, neues Regime, neue Schikanen. Marco braucht
unsere Solidarität! Er sitzt seit fast 20 Jahren als ungebrochener politischer Gefangener. Schickt ihm Soligrüsse:
Marco Camenisch
Justizvollzugsanstalt Lenzburg
Postfach 75
5600 Lenzburg
Schweiz

Fall der Cuban Five: Berlin spart an Kritik (22.01.2011)

Die Georgia Gefangenen haben Gestreikt (22.01.2011)

Leonard Peltier schwer erkrankt (19.01.2011)

(Counterpunch) What It Means to be Black in America – Race and America’s Criminal Justice System (17.01.2011 – engl)

Weg mit der Todesstrafe – überall!

More Lethal Injection News From the States (27.01.2011 – engl)

Tell Quinn to end the death penalty (24.01.2011 – engl)

Hospira to Stop Making Lethal-Injection Drug (21.01.2011 – engl)

Der letzte Brief von Hüseyin Xizrî (19.01.2011)

(Video) “A Saint on Death Row” film adaptation (Januar 2011 – engl)

New appeal by Troy Davis (Januar 2011 – engl)

Wir hoffen, gut informiert zu haben.

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