{"id":102,"date":"2010-10-01T14:19:21","date_gmt":"2010-10-01T12:19:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=102"},"modified":"2010-10-01T14:32:37","modified_gmt":"2010-10-01T12:32:37","slug":"als-augenzeuge-in-ecuador","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=102","title":{"rendered":"Als Augenzeuge in Ecuador"},"content":{"rendered":"<address><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" title=\"Rafael Correa\" src=\"\/pic\/Rafaelcorrea.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"185\" \/>Von Marco Rieckmann<br \/>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/amerika21.de\/nachrichten\/2010\/10\/14857\/als-augenzeuge-ecuador\" target=\"_blank\">amerika21.de<\/a><\/address>\n<p>In Ecuador werden derzeit verschiedene Gesetzte verabschiedet, die u.a. den \u00f6ffentlichen Dienst und das Hochschulsystem neu regeln sollen. Aus verschiedener Richtung \u2013 sowohl von links als auch von rechts \u2013 hat es in den letzten Wochen Kritik an diesen neuen Gesetzen gegeben. Dabei geht es unter anderem darum, dass die Angestellten im \u00f6ffentlichen Dienst bisher sehr viele Privilegien haben, die nun eingeschr\u00e4nkt werden sollen.  Das Gesetz zur Neuregelung des \u00f6ffentlichen Dienstes ist am Mittwoch (29.09.2010) durch die Nationalversammlung Ecuadors verabschiedet worden.<\/p>\n<p>Am Donnerstag (30.09.2010) folgte ein landesweiter Polizeiaufstand. Die Polizei hat in gro\u00dfen Teilen des Landes ihren Dienst eingestellt, und Polizeieinheiten haben den internationalen Flughafen in der Hauptstadt Quito besetzt. Pr\u00e4sident Correa hat sich in Quito zu einem Polizeiregiment begeben, um den Dialog zu suchen. Den aufgebrachten Polizisten rief er entgegen: &#8220;Wenn ihr mich t\u00f6ten wollt, t\u00f6tet mich!&#8221;. Die Polizisten schossen indes Tr\u00e4nengasgranaten auf ihn ab, durch eines dieser Geschosse wurde er verletzt. Correa ist dann von der Polizei in ein Polizeikrankenhaus gebracht und dort behandelt worden. Anschlie\u00dfend wurde er den ganzen Tag von der Polizei in dem Krankenhaus gegen seinen Willen festgehalten \u2013 bis er am Abend von einer Spezialeinheit der Armee befreit wurde.<\/p>\n<p>Die im Aufstand befindlichen Polizisten haben in einigen St\u00e4dten Stra\u00dfen mit brennenden Reifen blockiert. So haben sie in der Stadt Ibarra f\u00fcr mehrere Stunden eine wichtige Verbindungsbr\u00fccke blockiert. Aufgrund der Einstellung der regul\u00e4ren T\u00e4tigkeit der Polizei ist es vor allem in Quito, aber auch in anderen St\u00e4dten zu Pl\u00fcnderungen von Gesch\u00e4fte und Angriffen auf Banken gekommen. Wegen dieser unsicheren Lage waren am Nachmittag im ganzen Land die Schulen und Hochschulen geschlossen worden, viele Gesch\u00e4fte und Banken haben ebenfalls geschlossen.<\/p>\n<p>Im Laufe des Tages haben immer mehr Organisationen und Politiker ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr Correa erkl\u00e4rt und haben gefordert, dass die Demokratie nicht gef\u00e4hrdet wird. Auch die Armee hat sich auf die Seite der Demokratie und damit auf die Seite des gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten Correa gestellt. In Quito haben sich viele Tausend Menschen versammelt und haben die Freilassung Correas gefordert. Die Organisation Amerikanischer Staaten hat eine Notsitzung einberufen, viele lateinamerikanische Pr\u00e4sidenten, aber auch die USA und die EU haben ihre Solidarit\u00e4t mit der ecuadorianischen Regierung signalisiert. Die ecuadorianische Regierung hat am Nachmittag den Notstand ausgerufen.<\/p>\n<p>In weiten Teilen des Landes hat sich gegen Abend die Lage wieder beruhigt. In der Stadt Guayaquil hat die Polizei ihren Dienst wieder aufgenommen, so auch in anderen St\u00e4dten des Landes. Die Feuerwehr und \u00f6rtliche Sicherheitseinheiten haben mit Patrouillen begonnen, um die \u00f6ffentliche Sicherheit wiederherzustellen. Allein in Quito w\u00e4hrte der Aufstand der Polizei l\u00e4nger. Einzelne Personen, die den Polizeiaufstand unterst\u00fctzt haben, haben einen \u00f6ffentlichen Fernsehsender erst\u00fcrmt. Es ist ihnen aber nicht gelungen, die Ausstrahlung zu unterbinden.<\/p>\n<p>Kurz nach 21 Uhr (Ortszeit) haben Armeeeinheiten begonnen, das Polizeikrankenhaus, in dem Pr\u00e4sident Correa festgehalten wurde, zu st\u00fcrmen. Diese Erst\u00fcrmung ist live im ecuadorianischen Fernsehen \u00fcbertragen worden. Nicht nur im staatlichen, sondern auch im privaten Fernsehen \u2013 parallel auf allen Sendern. Rund 20 Minuten lang gab es Gefechte zwischen der Armee und der Polizei, wobei wohl mindestens ein Polizist get\u00f6tet wurde. Alles kam live im Fernsehen, die Lage war sehr un\u00fcbersichtlich. Gegen 21.30 Uhr ist es dann der Armee gelungen, in Anwesenheit des Au\u00dfenministers Rafael Correa aus dem Milit\u00e4rkrankenhaus zu befreien.<\/p>\n<p>Bereits wenige Minuten nach seiner Befreiung hat Pr\u00e4sident Correa vom Balkon des Pr\u00e4sidentenpalast in Quito eine Rede zu seinen Anh\u00e4ngern (wiederum live in allen Fernsehsendern \u00fcbertragen) gehalten. Darin hat er deutlich gemacht, dass nicht die gesamte Polizei f\u00fcr den Aufstand verantwortlich ist, sondern einzelne Einheiten und dass seiner Meinung nach hinter dem Aufstand der ehemalige Pr\u00e4sident Lucio Guti\u00e9rrez steckt. Viele Indizien sprechen daf\u00fcr und es zweifelt hier kaum jemand daran, dass dem so ist. Zudem hat Pr\u00e4sident Correa erkl\u00e4rt, dass das Gesetz zur Neuregelung des \u00d6ffentlichen Dienstes nicht ver\u00e4ndert werden wird. Den Rebellen aus der Polizei hat er vorgeworfen, dass diese das Gesetz nicht einmal gelesen haben. Er schloss seine Rede mit den Worten: &#8220;Nichts und niemand wird die B\u00fcrgerrevolution stoppen. Hasta la victoria siempre!&#8221;<\/p>\n<p>Im Anschluss an seine Rede wurde zun\u00e4chst die ecuadorianische Nationalhymne gespielt und gesungen. Dann erklang das Lied &#8220;El pueblo unido&#8221;. Dabei hat Correa zusammen mit seinen Ministern und vielen Tausend Anh\u00e4ngern auf dem Platz vor dem Pr\u00e4sidentenpalast dann in den Refrain eingestimmt: &#8220;El pueblo unido jam\u00e1s ser\u00e1 vencido.&#8221; Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden.<\/p>\n<address>Dieser Text wurde mit der freundlichen Genehmigung von <a href=\"http:\/\/amerika21.de\/\" target=\"_blank\">amerika21.de<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/address>\n<p>Weitere Links zum Thema:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/amerika21.de\/nachrichten\/2010\/10\/14863\/hier-ist-nicht-honduras\" target=\"_blank\"> &#8220;Hier ist nicht Honduras&#8221;<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.quetzal-leipzig.de\/nachrichten\/ecuador_\/ecuador-ausnahmezustand-proteste-polizei-armee-19093.html\" target=\"_blank\"> Ecuador: Ausnahmezustand aufgrund massiver Proteste seitens Kr\u00e4fte der Polizei und der Armee<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/amerika21.de\/nachrichten\/2010\/09\/14811\/putschversuch-ecuador\" target=\"_blank\"> Putschversuch in Ecuador<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Sonderkommando hat in der Nacht auf heute den Pr\u00e4sidenten von Ecuador aus dem Spital befreit und in den Palast gebracht. Marco Rieckmann bekam die dramatischen Stunden des Putschversuches live mit. Bei amerika21 schildert er das Geschehen <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=102\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,6],"tags":[],"class_list":["post-102","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-aller-welt","category-news"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/102","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=102"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/102\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":104,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/102\/revisions\/104"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=102"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=102"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=102"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}