{"id":1046,"date":"2011-11-25T17:04:45","date_gmt":"2011-11-25T15:04:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1046"},"modified":"2011-11-25T17:04:45","modified_gmt":"2011-11-25T15:04:45","slug":"sauvage-in-brunnen-sz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1046","title":{"rendered":"Sauvage in Brunnen (SZ)"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Squat-the-world.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1047\" title=\"Squat-the-world\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Squat-the-world.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Squat-the-world.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Squat-the-world-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Am Samstag 19. November fand in Brunnen im Kanton Schwyz eine Sauvage statt. Die b\u00fcrgerlichen Medien hatten ziemlich M\u00fche, sich darauf einen Reim zu machen: &#8220;So ist im Moment nicht bekannt, wer die Party organisiert hat und wie viele Personen sich auf dem Areal befanden.&#8221; (Schwyzer Zeitung vom 22. November 2011) Kein Wunder, die Bullen getrauten sich n\u00e4mlich nicht, rein zu kommen&#8230;Und wir waren viele, sehr viele: zwischen 300 und 500 Leute von \u00fcberall her feierten zu Minimal und Tech-House in einer Halle der ehemaligen Zementfabrik, die Atmosph\u00e4re erinnerte an die Urspr\u00fcnge der Techno-Kultur als diese noch nicht vereinnahmt und kommerzialisiert war. Das Areal, auf welchem das Geb\u00e4ude steht, liegt brach, geh\u00f6rt der Holcim AG und wird von der Liegenschaftsverwaltung der Kantonalbank Schwyz verwaltet. In einigen Jahren soll hier ein neues Ghetto f\u00fcr Reiche entstehen: Brunnen Nova, ein Quartier voller Luxuslofts und schicker L\u00e4den. Doch im Raum Schwyz gibt es noch genug h\u00fcbsche Geb\u00e4ude, um eine Party zu feiern, und wir kommen sicher wieder&#8230;<br \/>\n<\/strong><br \/>\nFolgender Text ist an der Party verteilt worden:<\/p>\n<p>&#8220;Wir nehmen uns hier und heute einen Raum, um unsere Leben zumindest f\u00fcr einen Abend in die eigenen H\u00e4nde zu nehmen, fernab der allt\u00e4glichen Zw\u00e4nge und Einschr\u00e4nkungen treffen wir uns, um, je nach individuellen Bed\u00fcrfnissen, uns kreativ zu beteiligen, \u00fcber unsere Ideen zu diskutieren oder einfach nur zum Tanzen und Feiern.<\/p>\n<p>Das Bed\u00fcrfnis nach einem selbstorganisierten, nicht-kommerziellen Freiraum (1) existiert nach wie vor in unserem Talkessel (2). Leider vergessen einige Leute, dass Freiheit nicht erbettelt, sondern nur erk\u00e4mpft werden kann (3) ! Denn die Herrschenden in dieser Gesellschaft werden uns nur genau so viel &#8220;Freiheit&#8221; zugestehen wie unbedingt n\u00f6tig ist, um die Profitmaximierung, also die Ausbeutung unserer Leben und unserer nat\u00fcrlichen Lebensgrundlage, weiter zu f\u00fchren und zu verst\u00e4rken. Dies zeigt sich, wenn Leute sich die M\u00fche machen, Unterschriften zu sammeln und den staatlichen Institutionen Vertrauen schenken, nur um zu erfahren, dass im b\u00fcrokratischen M\u00fcllhaufen die Verantwortung hin- und hergeschoben wird. Schliesslich stellt der Staat fest, dass es kein Bed\u00fcrfnis nach Freir\u00e4umen gibt (oder geben darf) und jegliche Energie verpufft an der (ach so demokratischen) staatlichen Heuchelei. Verschiedene Objekte, die sich eignen w\u00fcrden, werden nat\u00fcrlich viel lieber mit Gewerber\u00e4umen gef\u00fcllt oder luxussaniert. Und selbstverst\u00e4ndlich werden Areale lieber leer stehen gelassen, um damit zu spekulieren, anstatt unser Leben jenseits der Logik der Warengesellschaft lebenswerter zu machen. Aber wo denken wir da auch hin&#8230;<\/p>\n<p>Dies verwundert uns gar nicht, denn wer auch mal \u00fcber den Kessel hinaus schaut, weiss, dass die Gentrifizierung (4) nicht nur ein grossst\u00e4dtisches Ph\u00e4nomen ist. Hier, wo wir nun tanzen und feiern, plant beispielsweise die Kantonalbank ein neues Ghetto f\u00fcr Reiche.<\/p>\n<p>Wir wollen hier aber keine Forderungen stellen oder Pl\u00e4ne schmieden zur weiteren Befriedung im kapitalistischen Ausbeutungsverh\u00e4ltnis. Wir wollen die Freiheit, eine Freiheit ohne die allt\u00e4glichen Herrschaftsstrukturen, die wir l\u00e4ngst auch selbst reproduzieren, wir wollen Herrschaftsfreiheit! Dies verlangt nach Selbstverantwortung und gegenseitiger Hilfe, also sind wir alle ein Teil dieser Party und k\u00f6nnen nur gemeinsam mit gegenseitigem Respekt einen wirklichen Freiraum gestalten.<\/p>\n<p>Der Kessel dampft!<\/p>\n<p>(1) Von 1998 bis 2009 gab es in Schwyz den Himmel, einen selbstorganisierten Treffpunkt und Konzertraum.<\/p>\n<p>(2) &#8220;Talkessel Schwyz&#8221; bezeichnet das Tal von Schwyz, Brunnen und Umgebung.<\/p>\n<p>(3) Vor nicht allzu langer Zeit lancierte ein Gruppe namens Kultur(t)raum Schwyz eine Petition f\u00fcr einen alternativen Konzertraum mit Hunderten von Unterschriften. Die Reaktion des Regierungsrates von Schwyz beschr\u00e4nkte sich auf ein trockenes &#8220;Nein&#8221;&#8230;<\/p>\n<p>(4) Hergeleitet vom englischen Begriff f\u00fcr Adel, beschreibt dieser aus der Stadtsoziologie kommende Begriff die &#8220;Aufwertung&#8221; von Quartieren durch Sanierungen oder Neubauten. Dabei werden in der Regel g\u00fcnstige Wohnungen durch Luxuslofts und schicke Caf\u00e9s ersetzt. Die Folge davon ist, dass ganze Quartierbev\u00f6lkerungen umziehen m\u00fcssen, weil sie die gestiegenen Mieten und anderen Lebenserhaltungskosten nicht mehr bezahlen k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ch.indymedia.org\/de\/2011\/11\/84481.shtml\" target=\"_blank\">http:\/\/ch.indymedia.org\/de\/2011\/11\/84481.shtml<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Samstag 19. November fand in Brunnen im Kanton Schwyz eine Sauvage statt. Die b\u00fcrgerlichen Medien hatten ziemlich M\u00fche, sich darauf einen Reim zu machen: &#8220;So ist im Moment nicht bekannt, wer die Party organisiert hat und wie viele Personen sich auf dem Areal befanden.&#8221; (Schwyzer Zeitung vom 22. November 2011) Kein Wunder, die Bullen getrauten sich n\u00e4mlich nicht, rein zu kommen&#8230;Und wir waren viele, sehr viele: zwischen 300 und 500 Leute von \u00fcberall her feierten zu Minimal und Tech-House in einer Halle der ehemaligen Zementfabrik, die Atmosph\u00e4re erinnerte an die Urspr\u00fcnge der Techno-Kultur als diese noch nicht vereinnahmt und kommerzialisiert war. Das Areal, auf welchem das Geb\u00e4ude steht, liegt brach, geh\u00f6rt der Holcim AG und wird von der Liegenschaftsverwaltung der Kantonalbank Schwyz verwaltet. In einigen Jahren soll hier ein neues Ghetto f\u00fcr Reiche entstehen: Brunnen Nova, ein Quartier voller Luxuslofts und schicker L\u00e4den. 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