{"id":1122,"date":"2011-12-29T14:42:22","date_gmt":"2011-12-29T13:42:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1122"},"modified":"2011-12-29T14:42:22","modified_gmt":"2011-12-29T13:42:22","slug":"wir-brauchen-eure-solidaritat-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1122","title":{"rendered":"&#8220;Wir brauchen Eure Solidarit\u00e4t jetzt&#8221;"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/syrienaufstand.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-1123\" title=\"syrienaufstand\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/syrienaufstand-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/syrienaufstand-300x168.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/syrienaufstand.jpg 540w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Aktivisten des syrischen Aufstandes haben kurz vor Weihnachten  einen Solidarit\u00e4tsappell ver\u00f6ffentlicht, der mittlerweile auch ins  deutsche \u00fcbersetzt worden ist. In ihm wenden sie sich gegen die Gefahr  der religi\u00f6sen Spaltung und gegen die Tendenz zum B\u00fcrgerkrieg. Diese  Haltung spiegelt auch die Position der lokalen Koordinationskomitees  wieder. Der Aufruf soll auch dazu dienen, Geldspenden zu sammeln, die  dringend ben\u00f6tigt werden, um z.B. Verletzte in &#8220;Untergrund- Lazaretten&#8221;  zu behandeln, damit sie nicht den Folterknechten der Geheimdienste in  die H\u00e4nde fallen, wenn sie in die offiziellen Krankenh\u00e4user gebracht  werden.<\/strong><\/p>\n<p>Unter \u00a0<a href=\"https:\/\/www.adoptrevolution.org\/\">https:\/\/www.adoptrevolution.org\/<\/a> ist eine neue webseite in deutsch\/englisch\/ franz\u00f6sich entstanden,  die \u00fcber die Situation in Syrien informiert und \u00fcber die die Spenden  gesammelt werden. Unterst\u00fctzt wird diese Seite u.a. von medico, dem  Komitee f\u00fcr Grundrechte und der Koordination der \u00a0lokalen  Koordinationskomitees . Der Aufruf aus Syrien (u.a. auch in der taz  ver\u00f6ffentlicht):<\/p>\n<hr \/>\n<p>&#8220;<strong>Wof\u00fcr wir k\u00e4mpfen und was wir schon erreicht haben. Wie das Regime gegen uns vorgeht und was wir von euch wollen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein Appell aus dem syrischen Untergrund.<\/strong><\/p>\n<p>Seit dem Beginn der syrischen Revolution sind mehr als neun Monate  vergangen. Aber noch immer herrscht Unklarheit dar\u00fcber, was die syrische  Revolution wirklich ist: Handelt es sich nur um einen Aufstand oder  doch um eine echte Revolution? Ist es eine Revolution der Einheit oder  eine der konfessionellen Spaltung? Wird die Revolution bestehen \u2013 oder  ist sie zum Scheitern verurteilt? Fest steht nur: Das Ende ist noch  nicht abzusehen.<\/p>\n<p>Aus den arabischen Staaten oder von der internationalen Gemeinschaft  ist keine wirkliche Hilfe in Sicht, die das brutale Regime in die  Schranken weisen w\u00fcrde. Deshalb spiegelt dieser Ausruf der Verzweiflung  die Lage der Syrer am besten wider: \u201eWir haben keinen au\u00dfer dir, oh  Gott!\u201c<\/p>\n<p>Die Hoffnung, dass der Arabische Fr\u00fchling auch in Syrien die  Unterdr\u00fcckung und die Tyrannei, das Morden und die Folter beenden w\u00fcrde,  war lange mit schweren Zweifeln belastet: Mehr als vierzig Jahre lang  waren alle Anstrengungen der Opposition, die Demokratie in unser Land zu  tragen, zum Scheitern verurteilt. Doch als die Beh\u00f6rden in Daraa einige  Kinder verhafteten und mit unnachgiebiger Brutalit\u00e4t folterten, begann  sich die Revolution wie ein Lauffeuer zu verbreiten.<\/p>\n<p>Wir Aktivistinnen und Aktivisten hatten gleich zu Beginn des  Aufstands gesagt, dass wir nur mit friedlichen Mitteln erfolgreich sein  k\u00f6nnen. Und trotz des st\u00e4ndigen Beschusses von Demonstrationen und trotz  der willk\u00fcrlichen Verhaftungen und Folter ist es uns gelungen, den  friedlichen Charakter der Revolution zu wahren.<\/p>\n<p>Die Aktivistinnen und Aktivisten riskieren ihr Leben, um friedlich  ihre grundlegenden Rechte einzufordern. F\u00fcr ihr Engagement zahlen sie  und alle Syrer einen hohen Preis. Die Gef\u00e4ngnisse sind gef\u00fcllt mit  Menschen, die sich f\u00fcr Demokratie und das Ende der Diktatur eingesetzt  haben. Man kann sie unter der Folter schreien h\u00f6ren. Auf den Stra\u00dfen  unserer St\u00e4dte wird t\u00e4glich Blut vergossen.<\/p>\n<p>Das Regime versucht, die Gesellschaft zu spalten, indem es die  Aktivistinnen und Aktivisten einsch\u00fcchtert, verfolgt, qu\u00e4lt und  ermordet. Es bezahlt Menschen, die in seinem Auftrag verraten und t\u00f6ten,  die aus Angst oder Profitgier handeln, weil sie sich von diesem System  eine Zukunft versprechen.<\/p>\n<p><strong>Strategie der Spaltung<\/strong><\/p>\n<p>Auch konfessionelle Spannungen versucht die  Regierung zu erzeugen, indem sie St\u00e4dte und Regionen voneinander  abschirmt und damit auch religi\u00f6se Gruppierungen trennt. So kann sie  Furcht erzeugen vor der Dominanz der jeweils anderen Religionen. Denn  nur durch einen B\u00fcrgerkrieg, der die Arbeit der friedlichen  Aktivistinnen und Aktivisten zwangsl\u00e4ufig beenden w\u00fcrde, k\u00f6nnte sich  diese Regierung an der Macht halten.<\/p>\n<p>Leider war diese Strategie der Spaltung bis zu einem gewissen Grad  erfolgreich: Immer wieder h\u00f6ren wir, dass die Minderheiten Angst vor dem  Fall des Regimes haben. Somit lastet auf den Aktivisten die B\u00fcrde, die  staatliche Einheit Syriens zu bewahren. Sie versuchen, den Menschen mit  Diskussionen und Kampagnen diese Strategie klarzumachen. Mit diesen  Gespr\u00e4chen schaffen sie es, Begriffe und Konzepte zu diskutieren, die  seit Jahrzehnten nicht mehr verwendet wurden und die in viele Regionen  des Landes noch \u00fcberhaupt nicht vorgedrungen waren: Demokratie,  Verfassung, transparente Wahlen, Zivilgesellschaft.<\/p>\n<p>Ja, es ist tats\u00e4chlich wie eine Wiedergeburt, die sich gerade f\u00fcr  Syrien vollzieht, f\u00fcr seine Menschen und f\u00fcr alle Teile der  Gesellschaft: Es ist inzwischen nicht mehr ungew\u00f6hnlich, wenn eine  s\u00e4kulare und eine religi\u00f6se Frau gemeinsam demonstrieren gehen, wenn ein  religi\u00f6ser Prediger mit einem Linken komplexe gesellschaftliche Themen  diskutiert oder wenn sich Menschen aus st\u00e4dtischen und l\u00e4ndlichen  Gebieten in einem Privathaus treffen, au\u00dferhalb der Sicht- und  Reichweite der Sicherheitsdienste, um sich \u00fcber Demokratie und einen  zivilen Staat zu unterhalten. Daraus entsteht der auf Demonstrationen  h\u00e4ufig erklingende Ruf: \u201eEins, eins, eins \u2013 das syrische Volk ist eins!\u201c<\/p>\n<p>Doch obwohl Syrien heute ein Land ist, das zum ersten Mal so etwas  wie eine zivilgesellschaftliche \u00d6ffentlichkeit erlebt, m\u00fcssen wir  Aktivistinnen und Aktivisten im Geheimen und aus dem Untergrund heraus  arbeiten. Zu viel Offenheit m\u00fcssten wir mit unserem Leben bezahlen.<\/p>\n<p>Manchmal werden angesichts der brutalen Gewalt des Regimes Rufe nach  Rache und Bewaffnung laut, um das Blutvergie\u00dfen zu beenden. Doch das  w\u00fcrde nur noch mehr Blutvergie\u00dfen nach sich ziehen. Das k\u00f6nnen wir nicht  hinnehmen. Dies kann genauso wenig hingenommen werden wie die Tatsache,  dass Soldaten Menschen aus dem eigenen Volk t\u00f6ten, oder dass ein Soldat  erschossen wird, wenn er sich weigert, auf friedliche Demonstranten zu  schie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Friedliche Revolution<\/strong><\/p>\n<p>In den vergangenen drei Monaten haben sich  immer mehr Soldaten dazu entschieden, sich an die Seite ihrer Br\u00fcder und  Schwestern zu stellen, statt f\u00fcr das Regime zu t\u00f6ten. Ihre Zahl steigt  t\u00e4glich an, obwohl auch sie eine schwere B\u00fcrde auf sich nehmen: Sie  m\u00fcssen ins Exil. Oder sie m\u00fcssen in den Untergrund, um so die  friedlichen Demonstrationen zu besch\u00fctzen und zu verhindern, dass auf  Unbewaffnete geschossen wird.<\/p>\n<p>Trotz der gro\u00dfen Anzahl an desertierten Soldaten, trotz der vielen  Toten und der Folter ist unsere Revolution friedlich geblieben. Unser  Aufruf zum Streik, der hoffentlich in einen Generalstreik m\u00fcnden wird,  findet gr\u00f6\u00dfere Unterst\u00fctzung als die Rufe nach Bewaffnung. Keiner will  in einen Teufelskreis der Gewalt hineingeraten, auch wenn der Preis f\u00fcr  den friedlichen Widerstand erst einmal h\u00f6her erscheint. Der Preis eines  B\u00fcrgerkriegs w\u00e4re noch tausendmal h\u00f6her.<\/p>\n<p>Diese Position wird vor allem gest\u00fctzt von den Aktivistinnen und  Aktivisten in den lokalen Koordinierungskomitees, die in den St\u00e4dten und  D\u00f6rfern Demonstrationen organisieren, die von den Verbrechen des  Regimes \u00fcber das Internet berichten und die zum Streik aufrufen.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre selbst auferlegte Verpflichtung gegen\u00fcber der friedlichen  Revolution geben die Menschen ihre Arbeit und ihr normales Leben auf.  Denn sie m\u00fcssen sich verstecken. Sie m\u00fcssen von Ort zu Ort und von Haus  zu Haus ziehen, um vor den Sicherheitsdiensten und ihren t\u00f6dlichen  Kugeln zu fl\u00fcchten.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend diese Aktivistinnen und Aktivisten der Bev\u00f6lkerung  helfen, sich von der Unterdr\u00fcckung und dem Terror des Staates zu  befreien, erfahren sie selbst kaum Unterst\u00fctzung. Kaum jemand sieht die  Opfer, die sie bringen m\u00fcssen, kaum jemand sieht, dass sie ihre H\u00e4user  und Familien aufgegeben haben, um sich ganz der Revolution zu widmen und  um ihren gl\u00fchenden Kampf f\u00fcr Freiheit, Menschenrechte und eine  friedliche Revolution zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Als Aktivistinnen und Aktivisten brauchen wir dringend Unterst\u00fctzung,  um unsere Arbeit im Dienst der friedlichen Revolution weiterf\u00fchren zu  k\u00f6nnen, bis wir diese Diktatur besiegt haben.<\/p>\n<p>Wir brauchen die Unterst\u00fctzung der Zivilgesellschaft in anderen  L\u00e4ndern, um eure Erfahrungen in unseren Streit f\u00fcr Demokratie und  Menschenrechte einflechten zu k\u00f6nnen. Wir brauchen Unterst\u00fctzung f\u00fcr die  \u00c4rzte, die verletzte Demonstranten nur behandeln k\u00f6nnen, wenn die  Polizei weit weg ist. Die Koordinierungskomitees brauchen finanzielle  Unterst\u00fctzung, um ihr endloses Engagement f\u00fcr einen unbewaffnete  Aufstand fortsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es braucht aber auch Geld, um die Wohnungen der Untergetauchten zu  finanzieren und die Materialien f\u00fcr unsere Demonstrationen zu bezahlen.  Menschen, die ihr dies lest: Wir brauchen eure aktive Solidarit\u00e4t! Und  wir brauchen sie jetzt! &#8221;<\/p>\n<p>Damaskus, 20. Dezember 2011<\/p>\n<p>gepostet von <a href=\"http:\/\/uprising.blogsport.de\/\">http:\/\/uprising.blogsport.de\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aktivisten des syrischen Aufstandes haben kurz vor Weihnachten einen Solidarit\u00e4tsappell ver\u00f6ffentlicht, der mittlerweile auch ins deutsche \u00fcbersetzt worden ist. In ihm wenden sie sich gegen die Gefahr der religi\u00f6sen Spaltung und gegen die Tendenz zum B\u00fcrgerkrieg. 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Verletzte in &#8220;Untergrund- Lazaretten&#8221; zu behandeln, damit sie nicht den Folterknechten der Geheimdienste in die H\u00e4nde fallen, wenn sie in die offiziellen Krankenh\u00e4user gebracht werden. <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1122\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,6],"tags":[101,30,100],"class_list":["post-1122","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-aller-welt","category-news","tag-assad","tag-solidaritat","tag-syrien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1122","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1122"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1122\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1125,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1122\/revisions\/1125"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1122"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1122"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1122"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}