{"id":1129,"date":"2012-01-02T14:16:02","date_gmt":"2012-01-02T13:16:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1129"},"modified":"2012-01-02T14:16:02","modified_gmt":"2012-01-02T13:16:02","slug":"antifaschismus-in-ungarn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1129","title":{"rendered":"Antifaschismus in Ungarn"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das folgende Interview wurde zuerst auf der Seite der trotzkistischen \u201eLinkswende\u201c aus \u00d6sterreich ver\u00f6ffentlicht. Da wir die darin getroffenen Aussagen nicht nur informativ sondern einmal mehr aufr\u00fcttelnd finden, haben wir uns zur Ver\u00f6ffentlichung entschlossen. <\/strong><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/jobbik.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-1130\" title=\"jobbik\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/jobbik-300x198.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/jobbik-300x198.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/jobbik.jpg 950w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Hier nun das Interview:<br \/>\nDietmar Meister sprach mit G. M. Tam\u00e1s. Der Philosoph und revolution\u00e4re Marxist war w\u00e4hrend der \u00c4ra der UdSSR ein prominenter ungarischer Dissident. Er lebt und arbeitet in Budapest.<\/em><\/p>\n<p><strong>Immer wieder h\u00f6rt man von der faschistischen Jobbik-Partei, der Ungarischen Garde etc. \u2013 wo ist der Antifaschismus in Ungarn?<\/strong><\/p>\n<p>Klar gibt es Antifaschisten in Ungarn, aber sie sind wirkungslos. Jemanden als Rechtsextremen oder Faschisten anzuprangern, verursacht Emp\u00f6rung. Antifaschisten werden bestenfalls als Hysteriker, schlimmstenfalls als Vertreter des internationalen Judentums bezeichnet. Stattdessen bezeichnet die Regierung den zweiten Weltkrieg als \u00bbBefreiungskrieg\u00ab und Soldaten, die als Verb\u00fcndete Hitler-Deutschlands gefallen sind, als Helden. Erst j\u00fcngst wurden in Budapest alle Stra\u00dfen, die nach antifaschistischen M\u00e4rtyrern und Opfern und Helden benannt wurden, umgetauft. Nicht einmal den Platz der Republik gibt es mehr.<\/p>\n<p><strong>Wo siehst du den Unterschied zu \u00d6sterreich?<\/strong><\/p>\n<p>Der Kontext ist verschieden. Hier in \u00d6sterreich haben die Sozialdemokraten und zum Teil auch andere Parteien zumindest symbolisch das Antifaschismus-Erbe bewahrt, auch wenn ihr Antifaschismus nicht wirklich aufrichtig ist oder tief geht. Trotzdem gibt es zum Beispiel noch Stra\u00dfen, die nach gro\u00dfen Sozialisten wie Renner oder Bauer benannt sind, an Hausw\u00e4nden erinnern Plaketten an j\u00fcdische B\u00fcrger. All das existiert in Ungarn nicht mehr. Der in Ungarn herrschende Kontext macht Antifaschismus zu einer Sache f\u00fcr Kommunisten und Juden.<\/p>\n<p><strong>Antisemitismus ist in Ungarn also ein gro\u00dfes Thema?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, das ist ein zentrales Thema und h\u00e4ngt mit der Wiederbelebung der Vorkriegsvergangenheit zusammen. Aber auch mit der Tatsache, dass Ungarn in ganz Mittel- und Osteuropa das einzige Land ist, wo eine bedeutende j\u00fcdische Gemeinde existiert, die auch im Kulturleben und in der Politik eine gro\u00dfe Rolle spielt.<\/p>\n<p><strong>Mit 1. J\u00e4nner 2012 tritt in Ungarn die neue Verfassung in Kraft. Was ver\u00e4ndert sich dadurch?<\/strong><\/p>\n<p>Alles. Alle Anspr\u00fcche auf Gleichheit sind aus der Verfassung verschwunden. Ohne Ausnahme. Man hat nur Rechte, wenn der Staat sicher sein kann, dass man auch seine Pflichten aus\u00fcbt. Leute, die laut Beh\u00f6rden keiner \u00bbehrlichen Lebensweise\u00ab und flei\u00dfiger Arbeit nachgehen, werden nicht als vollberechtigte Mitb\u00fcrger betrachtet. Es gibt sogar korporatistische Elemente der austrofaschistischen Tradition wie die neue Angestelltenkammer, in der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sitzen und auf die alle bisherigen Rechte der Gewerkschaft \u00fcbergehen sollen.<\/p>\n<p><strong>Steuert Ungarn also auf den Faschismus zu?<\/strong><\/p>\n<p>Eher auf einen konservativen Polizeistaat wie jener unter Schuschnigg oder Salazar \u2013 nicht auf einen faschistischen Staat eines Hitler oder Mussolini. Ungarn wird immer mehr zu einem autorit\u00e4ren, antidemokratischen, streng rassistischen Staat. Jedenfalls ist der Faschismus in Ungarn nicht so weit entfernt, wie ich mir das w\u00fcnschen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Wie werden die n\u00e4chsten Wahlen in Ungarn ausgehen?<\/strong><\/p>\n<p>Viktor Orb\u00e1ns Fidesz wird gewinnen. Sie hat das Wahlgesetz so ver\u00e4ndert, dass niemand au\u00dfer ihnen gewinnen kann. Es ist mittlerweile auch gef\u00e4hrlich, eine Oppositionspartei zu unterst\u00fctzen. Viele bekannte Sozialisten verloren bereits daf\u00fcr ihren Job. Auch die fast g\u00e4nzlich fehlende freie Presse macht die Arbeit der Opposition schwierig. Die staatlichen Propagandam\u00f6glichkeiten hingegen sind praktisch unendlich.<\/p>\n<p><strong>Du bist ja auch ein bekannter Systemkritiker. Wie ist es f\u00fcr dich in Ungarn, sp\u00fcrst du die Ver\u00e4nderungen?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich. Ich verhungere. Die Oppositionszeitungen zahlen nicht mehr. Die H\u00e4lfte meines Einkommens kam vom Journalismus. Trotzdem hat sich meine Situation in gewisser Hinsicht auch verbessert. Vor zwei Jahren wurde ich auf der Stra\u00dfe angebr\u00fcllt und als Landesverr\u00e4ter oder \u00bbSaujud\u00ab beschimpft, heute sch\u00fctteln mir die Leute auf der Stra\u00dfe die Hand: \u00bbSie haben Recht gehabt.\u00ab Ich glaube, die Stra\u00dfe wird bald auf die Entwicklung reagieren.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/ch.indymedia.org\/de\/2012\/01\/84896.shtml\" target=\"_blank\">http:\/\/ch.indymedia.org\/de\/2012\/01\/84896.shtml<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das folgende Interview wurde zuerst auf der Seite der trotzkistischen \u201eLinkswende\u201c aus \u00d6sterreich ver\u00f6ffentlicht. 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