{"id":1137,"date":"2012-01-05T16:29:54","date_gmt":"2012-01-05T15:29:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1137"},"modified":"2012-01-05T16:29:54","modified_gmt":"2012-01-05T15:29:54","slug":"soziale-situation-in-cesar-kolumbien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1137","title":{"rendered":"Soziale Situation in Cesar (Kolumbien)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Neoliberalismus und Ausbeutung im Land des Liedes und des Tanzes<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/cesarkolumbien.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-1138\" title=\"cesarkolumbien\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/cesarkolumbien-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/cesarkolumbien-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/cesarkolumbien.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Die Region Cesar im Nordosten Kolumbien geh\u00f6rt zu den am meisten ausgebeuteten des Landes. Der Paramilitarismus ist ein wesentlicher Bestandteil der Ausbeutung mit der Aufgabe, den sozialen Protest zu vernichten. Der folgende Artikel orientiert sich an einen Aufruf der FARC-EP vom November 2011, um die Bev\u00f6lkerung aufzukl\u00e4ren und f\u00fcr den sozialen Kampf zu ermutigen.<\/p>\n<p>Wiederholt trifft uns die Erinnerung an jene Zeiten, in denen der kolumbianische Bundesstaat Cesar [1] viele andere Regionen in Kolumbien \u00fcberragte und eine der wohlhabenden und lebhaftesten im ganzen Land war. Dies lag an der Fr\u00f6hlichkeit und Kreativit\u00e4t der Menschen, die das in spontanen Zusammenk\u00fcnften oder in Festivals mit Gitarren und Akkordeons zum Ausdruck brachten und wof\u00fcr die Region schlie\u00dflich bekannt wurde, f\u00fcr die Lebenslust und die Musikkultur des Vallenato [2]. Cesar und die Hauptstadt Valledupar waren ber\u00fchmt f\u00fcr die unvergesslichen Musikkapellen, die Feste und der Kulturlandschaft unter den Augen der Sonne. Davon ist nur noch die Erinnerung und Sehnsucht an jene Zeiten geblieben.<\/p>\n<p>Mit einer neoliberalen Wucht und Welle des Gro\u00dfgrundbesitzes wurde das Land nun \u00fcberzogen, dort wo fr\u00fcher einst Baumwolle, Reis, Kaffee und Zwiebeln angebaut wurden und man das Leben und die Liebe in den Liedern besang. Nun klagt man hier \u00fcber sogenannte \u201efalsos positivos\u201c [3] und Massengr\u00e4ber. Die Region Cesar haben Santos und Uribe in ein Laboratorium des Terrors und des Todes verwandelt. Von den Familien, die einst eine regionale und lokale Instanz bildeten, jenen mit den Namen Castro, Villazones, Araujo, Mattos und Maya, kamen die Frankensteins des staatlich gef\u00f6rderten Paramilitarismus in den Bundesstaat Cesar. Diese hie\u00dfen zum Beispiel Jorge G\u00e9neco, Rodrigo Tovar Pupo alias \u201eJorge 40\u201c [4], Hernando Molina, Pedro Daza, und alle waren f\u00fchrende K\u00f6pfe im gewinnbringenden Handel  von Drogen, Erd\u00f6l und im Aussaugen des Gesundheitssystems. Dabei wurden sie besch\u00fctzt von den staatlichen Sicherheitskr\u00e4ften und der Politik.<\/p>\n<p>Durch den paramilit\u00e4rischen Terror wurde der soziale Protest zermalmt. Es betraf die unerm\u00fcdlich k\u00e4mpfenden Bauern, ArbeiterInnen, Ind\u00edgenas, Studierende und alle Personen, die Zeugen und Opfer der zielgerichteten Vertreibung, des Landraubes, der Ausbeutung der Minen, der Profitmaximierung des Gesundheitssystems, der Privatisierung der Bildung  und der \u00f6ffentlichen Dienstleitungen und der gr\u00f6\u00dften Korruption und Wahlbetruges wurden.<\/p>\n<p>Cesar entwickelte sich zu einer Region mit einem hohen Anteil von paramilit\u00e4rischen Gruppen. Hier wurden diese explizit gef\u00f6rdert und konnten sich frei entfalten. Hinzu kamen eine Negierung der Probleme vor Ort und Desinformationskampagnen der Medien. Heute sind die Repression und die Armut allgegenw\u00e4rtig. Unter dem Ex-Pr\u00e4sident Uribe verschlechterten sich von rund 70% der EinwohnerInnen die Lebensbedingungen. Aktuell leben 600.000 Menschen unterhalb der Armutsgrenze und 150.000 in absoluter Armut. Die Quote derjenigen, die keinen Zugang zum N\u00f6tigsten haben, hierzu z\u00e4hlen unter anderem ein Zugang zu Wasser, Strom, Gesundheit oder Bildung, und die der Unterern\u00e4hrung bei Kindern sind am h\u00f6chsten im ganzen Land.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite werden durch die Ausbeutung der Minen 34% des gesamten BIP Kolumbiens in der Region Cesar erwirtschaftet. In diesem Bundesstaat, reich an Bodensch\u00e4tzen, wird aber nicht in die Infrastruktur und in Wohlstand und Fortschritt der einfachen Leute investiert. Der Staat verscherbelt alle Garantien und Rechte der Kohleminen an  transnationale Konzerne wie \u201eDrummond\u201c [5], die wiederum in den Paramilitarismus investieren, damit sie in aller Ruhe und m\u00f6glichst ohne Protest und Gegenwehr bez\u00fcglich der Arbeits- und Lebensbedingungen das Land ausbeuten k\u00f6nnen. \u201eDrummond\u201c will in den Minen von \u201eDescanso Norte\u201c [6] mehr als 2 Milliarden Tonnen Kohle f\u00f6rdern. Die Region ist die gr\u00f6\u00dfte \u00dcbertagef\u00f6rderung von Kohle auf der Erdkugel und der Bundesstaat Cesar ist der gr\u00f6\u00dfte Kohlef\u00f6rderer nach La Guajira in Kolumbien. Nicht nur, dass die Bev\u00f6lkerung nicht an den Gewinnen beteiligt wird, schlimmer sind die Umweltverschmutzungen, die Gesundheitsprobleme der Menschen, die Verseuchung von Wasser, das Absinken der Trinkwasserspiegels und die Zerst\u00f6rung von Wald und Boden. Ein bekannter Liedermacher singt dazu ein Lied: \u201e F\u00fcr die (Nord-)Amerikaner die feinste Kohle, uns bleibt nur der Stollenrest \u00fcbrig.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die Menschen in Cesar und alle KolumbianerInnen gibt es keinen anderen Ausweg als den Weg des Kampfes. Erhebt die Stimme des sozialen Protestes. F\u00fcr die soziale Revolution!<\/p>\n<p>41. Kampffront der FARC-EP \u201eCacique Upar\u201c<\/p>\n<p>[1] Cesar ist ein Bundesstaat im Nordosten Kolumbiens an der Grenze zu Venezuela, ca. so gro\u00df wie Hessen, ca. 930.000 EinwohnerInnen<br \/>\n[2] vorrangig an der Karibikk\u00fcste vorkommende traditionelle Musikform<br \/>\n[3] als \u201eFalsos positivos\u201c werden von Armee und Paramilit\u00e4rs get\u00f6tete und als im Kampf gefallene Zivilpersonen bezeichnet, um Pr\u00e4mien und andere Belobigungen zu bekommen<br \/>\n[4] Jorge 40 war ein bekannter Anf\u00fchrer des Nordblocks der Paramilit\u00e4rverb\u00e4nde (AUC) aus Valledupar mit bis zu 4000 Kriminellen unter Waffen, er arbeitete mit Politikern zusammen, sorgte f\u00fcr eine Schreckensherrschaft und wurde 2011 zu einer 26j\u00e4hrigen Haftstrafe verurteilt<br \/>\n[5] Drummond ist ein US-amerikanischer Bergbaukonzern der mehrmals wegen der Zusammenarbeit mit Paramilit\u00e4rs angeklagt worden ist, andere Konzerne sind Glencore (Schweiz)\/Vale (Brasilien)\/Goldman Sachs (USA)<br \/>\n[6] Descanso Norte ist eine der gr\u00f6\u00dften freiliegenden Kohleminen der Welt<\/p>\n<p><a href=\"www.kolumbieninfo.blogspot.com\" target=\"_blank\">www.kolumbieninfo.blogspot.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Region Cesar im Nordosten Kolumbien geh\u00f6rt zu den am meisten ausgebeuteten des Landes. 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