{"id":1273,"date":"2012-03-07T17:12:24","date_gmt":"2012-03-07T16:12:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1273"},"modified":"2012-03-07T17:12:24","modified_gmt":"2012-03-07T16:12:24","slug":"nestle-wegen-mordes-an-gewerkschafter-angezeigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1273","title":{"rendered":"Nestl\u00e9 wegen Mordes an Gewerkschafter angezeigt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/luciano.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1274\" title=\"luciano\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/luciano.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"207\" \/><\/a>Das Europ\u00e4ische Zentrum f\u00fcr Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR) hat zusammen mit der kolumbianischen Gewerkschaft Sinaltrainal bei der Staatsanwaltschaft im schweizerischen Zug Strafanzeige gegen die Nestl\u00e9 AG und f\u00fchrende Direktoren des Konzerns gestellt. Die Menschenrechtsorganisation wirft ihnen vor, den Tod des Kolumbianers Luciano Romero im Jahr 2005 verursacht zu haben, weil sie nicht f\u00fcr Schutzma\u00dfnahmen gesorgt h\u00e4tten. Die Klage schafft m\u00f6glicherweise einen Pr\u00e4zedenzfall, denn erstmals k\u00f6nnte ein Schweizer Unternehmen in der Heimat f\u00fcr Unrecht haftbar gemacht werden, das im Ausland begangen wurde.<\/p>\n<p>Nach Ansicht des Generalsekret\u00e4rs des ECCHR, Wolfgang Kaleck, k\u00f6nnen durch den Pr\u00e4zedenzfall Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr Unternehmensverantwortung gesetzt werden. Dies gebe &#8220;im Ausland engagierten Firmen wichtige Hinweise f\u00fcr ihr Risikomanagement&#8221;. Zudem ermutige es Gewerkschafter weltweit, die Justiz f\u00fcr die Verteidigung ihrer Rechte zu nutzen.<\/p>\n<p>Der kolumbianische Gewerkschafter Luciano Romero war im September 2005 im Nordosten Kolumbiens von Paramilit\u00e4rs entf\u00fchrt, gefoltert und mit 50 Messerstichen ermordet worden. Zuvor hatte er jahrelang f\u00fcr die kolumbianische Nestl\u00e9-Tochter Ciolac gearbeitet. Im Unternehmen hatte er sich f\u00fcr Verbesserungen der Arbeitsbedingungen eingesetzt. Romero erhielt Todesdrohungen, nachdem er vom lokalen Nestl\u00e9-Management f\u00e4lschlich als Guerillero diffamiert worden sei, schreibt das ECCHR in ihrer Pressemitteilung. In der damals von rechten Paramilit\u00e4rs kontrollierten Region Cesar kam dies einem Todesurteil gleich.<\/p>\n<p>Die lokale Nestl\u00e9-Vertretung war auf mehreren Ebenen mit paramilit\u00e4rischen Kreisen verflochten, stellt das ECCHR fest. Demnach habe sie zum einen Lieferbeziehungen zu Gro\u00dfgrundbesitzern unterhalten, die Verbindungen zu paramilit\u00e4rischen Kreisen hatten. Zum anderen sagte ein Ex-Kommandant der Paramilit\u00e4rs, Salvatore Mancuso, bei einem Verfahren in den USA aus, Cicolac habe Zahlungen an seine Einheiten geleistet. Die Schweizer Unternehmensf\u00fchrung wusste laut ECCHR vom Fehlverhalten ihrer Vertreter in Kolumbien und der Bedrohung der Gewerkschafter in dem bewaffneten Konflikt. Sie sei dennoch unt\u00e4tig geblieben. In der Strafanzeige wird dem Unternehmen vorgeworfen, die Tat fahrl\u00e4ssig nicht verhindert zu haben.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber der S\u00fcddeutschen Zeitung sagte Nestl\u00e9, man lehne jede Art von Gewalt ab. Die Details der Strafanzeige seien noch nicht bekannt. Au\u00dferdem verwies Nestl\u00e9 demnach auf \u00e4hnliche Verfahren der Sinaltrainal gegen den Konzern, die bislang immer erfolglos geblieben seien.<\/p>\n<p>In Kolumbien werden seit Jahren fast die H\u00e4lfte aller Morde an Gewerkschaftern weltweit ver\u00fcbt. Verantwortlich daf\u00fcr sind meist Paramilit\u00e4rs und staatliche Sicherheitskr\u00e4fte. Der Nestl\u00e9-Konzern, der bereits seit 1944 in Kolumbien t\u00e4tig ist, unterh\u00e4lt mittlerweile mehrere Tochterfirmen und Fabrikstandorte. So ist der der Mord an Luciano Romero auch kein Einzelfall. Seit 1986 wurden allein mindestens 13 Nestl\u00e9-Arbeiter und Anf\u00fchrer der Lebensmittelgewerkschaft Sinaltrainal ermordet oder sie verschwanden.<\/p>\n<p>&#8220;F\u00fcr uns ist diese Anzeige ein Hoffnungsschimmer. Unabh\u00e4ngig vom Ausgang des Verfahrens werden uns die Ermittlungen helfen bei der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit f\u00fcr dieses Verbrechen an Luciano Romero, einem angek\u00fcndigten Tod, wie so viele in Kolumbien&#8221;, sagte der Opferanwalt Leonardo Jaimes.<\/p>\n<p>Anwalt Jaimes, Wolfgang Kaleck vom ECCHR und Carlos Olaya von Sinaltrainal informieren am kommenden Freitag, 9. M\u00e4rz, um 19 Uhr in Berlin \u00fcber den Fall und die Strafanzeige. Am heutigen Mittwoch findet eine Veranstaltung in Bern und am morgigen Donnerstag in Wien statt.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/amerika21.de\/nachrichten\/2012\/03\/49218\/klage-nestle-gewerkschafter\" target=\"_blank\">http:\/\/amerika21.de\/nachrichten\/2012\/03\/49218\/klage-nestle-gewerkschafter<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konzern soll Ermordung des eigenen Mitarbeiters in Kolumbien nicht verhindert haben. 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