{"id":1294,"date":"2012-03-21T23:08:40","date_gmt":"2012-03-21T22:08:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1294"},"modified":"2012-03-21T23:08:40","modified_gmt":"2012-03-21T22:08:40","slug":"newroz-2012-ein-wichtiger-sieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1294","title":{"rendered":"Newroz 2012: Ein Wichtiger Sieg"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/newroz2012.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1295\" title=\"newroz2012\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/newroz2012.jpg\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"220\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/newroz2012.jpg 380w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/newroz2012-300x173.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/a>Am vergangenen Wochenende in Diyarbakir. Die Situation ist gespannt. Auf den Stra\u00dfen patrouillieren Sondereinsatzkommandos der Armee, im gesamten Stadtgebiet stehen Agenten der Geheimpolizei. So sollen Newroz-Feiern vor dem 21. M\u00e4rz, dem offiziellen Datum f\u00fcr das Fr\u00fchjahrs- und Freiheitsfest, entsprechend einem Verbot der t\u00fcrkischen AKP-Regierung verhindert werden. Die kurdische Freiheitsbewegung hatte aber bereits f\u00fcr Sonntag zu Feierlichkeiten aufgerufen, damit so viele Menschen wie m\u00f6glich teilnehmen k\u00f6nnen. So kommt es auch. Ab den fr\u00fchen Morgenstunden des Sonntags finden sich Zehntausende auf dem von Polizisten umstellten Newroz-Platz ein. Sammelpunkte sind die Stadtteilb\u00fcros der kurdischen Partei f\u00fcr Frieden und Demokratie (BDP), von wo es zu Fu\u00df Richtung Festplatz geht.<\/p>\n<p><strong>Forderung nach Autonomie<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDie Polizei setzt massenhaft Tr\u00e4nengas ein und schie\u00dft \u00fcber die K\u00f6pfe der Ankommenden, die sich von allen Seiten dem Platz n\u00e4hern, hinweg. Stra\u00dfensperren werden von Herandr\u00e4ngenden \u00fcberwunden, schlie\u00dflich ist eine riesige Menge versammelt, die von Armeehubschraubern aus mit Tr\u00e4nengasgranaten beschossen wird. Die Menschen scheinen das gewohnt zu sein und haben eine eigene Abwehrtechnik entwickelt: Kaum ist eine Granate auf dem Boden gelandet, laufen viele zu der Stelle und h\u00e4ufen Erde darauf. Die Stimmung bleibt heiter, Frauen und M\u00e4nner, Alte und Junge rufen \u00bbAn Azadi, An Azadi\u00ab (kurdisch: Entweder Freiheit oder Freiheit). Der Newroz-Platz, der von der BDP-Stadtregierung ausgebaut wurde, fa\u00dft mehr als eine Million Menschen, so viele versammeln sich auch. Nur die Festb\u00fchne ist unfertig: Die Polizei hat am Vortag die gesamte Technik beschlagnahmt.<\/p>\n<p>An einem Eingang zum Platz steht \u00d6zlem*. Sie ist Verk\u00e4uferin der kurdischen Tageszeitung \u00d6zg\u00fcr G\u00fcndem und verteilt die neueste Ausgabe. F\u00fcr sie ist Newroz das Symbol des Widerstands. Die einzige L\u00f6sung des Konflikts liege in Gespr\u00e4chen mit Imrali, sagt sie. Auf dieser Gef\u00e4ngnisinsel im Marmarameer sitzt der F\u00fchrer der kurdischen Bewegung, Abdullah \u00d6calan, seit mehr als zw\u00f6lf Jahren in Einzelhaft. \u00d6zlem betont: \u00bbWir wollen keinen eigenen Staat, sondern Autonomie. Das ist es, worauf es uns ankommt\u00ab.<\/p>\n<p><strong>Kein Krieg<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDie Wut auf die AKP-Regierung, die jede Hoffnung auf eine Ann\u00e4herung an die kurdischen Forderungen im vergangenen Jahr zunichte gemacht hat, bricht sich Bahn. In der N\u00e4he des Platzes werden \u00dcbertragungswagen der Telefongesellschaft Turkcell in Brand gesteckt. Erz\u00e4hlt wird, da\u00df der Konzern Handy-Daten an die Beh\u00f6rden weiterleitet. Auf vor\u00fcberfahrende Polizeiautos prasseln Steine.<\/p>\n<p>Erst gegen Mittag entspannt sich die Lage, die Polizei hat sich zur\u00fcckgezogen. In aller Eile werden Essensst\u00e4nde aufgebaut. \u00dcberall auf dem Gel\u00e4nde und den umliegenden Gr\u00fcnfl\u00e4chen sitzen Familien und machen Picknick. Neben einem Bild von \u00d6calan wird aus leeren Tr\u00e4nengasgranaten das Wort \u00bbApo\u00ab geformt, die Abk\u00fcrzung seines Vornamens.<\/p>\n<p>Etwas abseits sitzt Hasan, ein Mitglied des BDP-Kreisvorstandes von Diyarbakir, mit seinen j\u00fcngeren Schwestern. Sein Bruder ist 2003 in die Berge zur Guerilla gegangen, im gleichen Jahr wurde Hasan zur t\u00fcrkischen Armee eingezogen. Er sagt im Gespr\u00e4ch, das kurdische Volk wolle keinen Krieg. Mit Waffen und Blutvergie\u00dfen werde es keinen Frieden geben. Seine Forderung: Die Politiker sollen sich zur\u00fcckziehen und die V\u00f6lker miteinander reden lassen.<\/p>\n<p>Das Fest wird jetzt wirklich zur Feier: Trommeln sind zu h\u00f6ren, die Menschen singen kurdische Freiheitslieder. Pl\u00f6tzlich wird deutlich sichtbar eine Fahne der SLBT-Bewegung (SLBT steht f\u00fcr Schwul, Lesbisch, Bisexuell, Transgender) in die H\u00f6he gehalten und geschwenkt. Der Tr\u00e4ger ist Mehmet, ein Student aus Istanbul. Er ist dort in der kurdischen Bewegung aktiv und arbeitet momentan daran, einen SLBT-Verein in Diyarbakir zu gr\u00fcnden. Das st\u00f6\u00dft auf Widerstand, aber er ist positiv gestimmt: \u00bbDie BDP arbeitet mit uns zusammen, wir wollen uns als SLBT-Bewegung innerhalb ihrer Strukturen organisieren.\u00ab Die BDP und auch die PKK akzeptierten Rechte f\u00fcr Schwule.<\/p>\n<p>Am Nachmittag machen sich die Feiernden in einem Demonstrationszug gemeinsam auf den Weg nach Hause. Erneut attackiert die Polizei sie mit Wasserwerfern und Tr\u00e4nengas. Die Menschen bleiben gelassen, ihnen ist bewu\u00dft, da\u00df sie einen wichtigen Sieg errungen haben.<\/p>\n<p>* Alle Namen wurden ge\u00e4ndert<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2012\/03-22\/016.php\" target=\"_blank\">http:\/\/www.jungewelt.de\/2012\/03-22\/016.php<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz Verbot feierten eine Million Menschen am Sonntag in Diyarbakir Newroz. 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