{"id":1447,"date":"2012-06-28T13:25:28","date_gmt":"2012-06-28T12:25:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1447"},"modified":"2012-06-28T13:28:04","modified_gmt":"2012-06-28T12:28:04","slug":"der-marsch-in-die-schlachtjahrzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1447","title":{"rendered":"Der Marsch in die Schlachtjahrzeit"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/neonazissempach.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/neonazissempach.jpg\" alt=\"\" title=\"neonazissempach.jpg\" width=\"300\" height=\"168\" \/><\/a><\/p>\n<p><b>Wo sich Patrioten treffen, sind Nazis nicht weit. Das gilt auch f\u00fcr die Schweiz. Dort nehmen Rechtsextreme nationale Gedenktage zum Anlass f\u00fcr Aufm\u00e4rsche. Ob sie auch in diesem Jahr in Sempach auftauchen werden, ist allerdings noch ungewiss.<\/b><\/p>\n<p>Bald ist wieder \u00bbSchlachtjahrzeit\u00ab. Dann wird in der Schweiz der in der Schlacht gegen die Habsburger gefallenen Eidgenossen gedacht. An einen Mann wird ganz besonders erinnert: Der Legende nach soll Arnold von Winkelried am 9.\u2009Juli 1386 bei der Schlacht im luzernischen Sempach in patriotischer Selbstaufopferung den Eidgenossen eine Bresche geschlagen und ihnen so den Sieg \u00fcber die Habsburger erm\u00f6glicht haben. Sein Tod gilt daher als Schl\u00fcsselereignis auf dem Weg in die Schweizer Unabh\u00e4ngigkeit. Auch wenn zeitgen\u00f6ssische Quellen das Geschehen nicht belegen, findet in Sempach allj\u00e4hrlich Ende Juni eine Gedenkfeier f\u00fcr den M\u00e4rtyrer in nationaler Sache statt, mit einem Marsch zur \u00bbSchlachtkapelle\u00ab und zum Winkelried-Denkmal. In diesem Jahr findet der Festakt am Sonntag, dem 1. Juli, statt.<\/p>\n<p>Seit 2003 beteiligen sich auch eindeutig erkennbare Rechtsextreme am Gedenken in Sempach. So riefen etwa einschl\u00e4gige Organisationen wie die Partei national orientierter Schweizer (PNOS) zur Teilnahme auf, legten Nazis nach dem offiziellen Umzug ihren eigenen Kranz nieder, sangen die alte Nationalhymne, hielten eine Rede und verteilten Flugbl\u00e4tter. Der Kanton Luzern, welcher die Gedenkfeier ausrichtet, duldete dies mit der Begr\u00fcndung, solange die Rechtsextremen nicht st\u00f6rten, w\u00fcrden sie nicht als Problem angesehen. Dies galt auch im Jahr 2008, als Nazis etwa ein Viertel der rund 1\u2009000 Besucherinnen und Besucher ausmachten.<\/p>\n<p>Im Jahr 2009 meldeten die Jungsozialisten eine Kundgebung an, die auch genehmigt wurde. Etwa 100 Menschen protestierten unter dem Motto \u00bbBunt statt braun\u00ab gegen die Teilnahme Rechtsextremer an den Feierlichkeiten. Wie die Jusos jedoch betonten, war es \u00bbnicht Ziel unserer Kundgebung, die Schlachtfeier an sich zu kritisieren\u00ab, an dem patriotischen Treiben im Gedenken an den eidgen\u00f6ssischen M\u00e4rtyrer hatten sie also nichts auszusetzen. Ein gro\u00dfes Polizeiaufgebot verhinderte ein Aufeinandertreffen der beiden Gruppen. Etwa 250 Rechtsextreme marschierten aber dennoch ohne beh\u00f6rdliche Genehmigung zum \u00bbSchlachtfeld\u00ab. Die Gegendemonstranten wurden von der Kantonspolizei unter dem Vorwand eingekesselt, einige h\u00e4tten gegen das Vermummungsverbot versto\u00dfen.<\/p>\n<p>Das Gedenken wurde zum Politikum. Es folgte eine parlamentarische Auseinandersetzung im Kanton Luzern, auf Podiumsdiskussionen wurde \u00fcber ein neues Konzept f\u00fcr die Gedenkfeier diskutiert. Anfang 2010 teilte der Kanton Luzern mit, er werde das Konzept der \u00bbSchlachtfeier\u00ab \u00fcberdenken, vor allem weil das 625-Jahr-Jubil\u00e4um bevorstehe. Im Juni 2010 lud der Kanton dann lediglich zu einem schlichten Gottesdienst. Die Rechtsextremen marschierten trotzdem auf.<\/p>\n<p>2011 blieben sie den offiziellen Feierlichkeiten zwar fern, bei denen es keinen Marsch, daf\u00fcr aber ein Mittelalterfest gab. Die PNOS meldete aber eine Demonstration f\u00fcr Anfang Juli an, 120 Personen fanden sich zu einem Marsch zum historischen Schlachtfeld ein. Trotz der Ank\u00fcndigung von Antifaschisten, den Naziaufmarsch verhindern zu wollen, kam es zu keinen Zusammenst\u00f6\u00dfen.<\/p>\n<p>Nach Aussage des Journalisten Hans Stutz, einem Beobachter der rechtsextremen Szene in der Schweiz, gibt es jedoch bislang keine Hinweise auf einen Naziaufmarsch in diesem Jahr. Auf Anfrage teilte das Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kanton Luzern Mitte Juni schriftlich mit: \u00bbVon einem Gesuch seitens der PNOS ist uns nichts bekannt.\u00ab Somit w\u00fcrden die Rechtsextremen erstmals seit 2003 den Feierlichkeiten in Sempach fernbleiben. Stutz hat daf\u00fcr auch eine Erkl\u00e4rung: \u00bbIn der Deutschschweiz d\u00fcmpelt die rechtsextreme Szene eklatant dahin. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Jahr nichts stattfindet.\u00ab<\/p>\n<p>V\u00f6llig unt\u00e4tig war sie jedoch nicht. Die Stiftung gegen Rassismus und Ausgrenzung f\u00fchrt in ihrer bisherigen Chronologie f\u00fcr 2012 drei rechtsextreme Treffen und Aufm\u00e4rsche in der Schweiz auf: ein Konzert der Band \u00bbIndiziert\u00ab mit 250 Besuchern im Januar, die Generalversammlung der PNOS mit 25 Teilnehmern im M\u00e4rz und einen Aufmarsch in der Gemeinde Hombrechtikon im Kanton Z\u00fcrich am 13.\u2009Februar.<\/p>\n<p>Dort zogen etwa 60 Rechtsextreme bei einer nicht genehmigten Demonstration mit Fackeln durch den Ort mit seinen 8\u2009000 Einwohnern. Sie trugen ein Transparent mit der Aufschrift \u00bbKein Vergeben. Kein Vergessen. 13.\u2009Februar 1945\u00ab und erinnerten damit an den alliierten Bombenangriff auf die Stadt Dresden, der Nazis als Kriegsverbrechen gilt. Schon 2011 bekundeten Schweizer Nazis mit einem vielbeachteten Aufmarsch ihre Anteilnahme an der deutschen Sache. In Genf liefen ein Dutzend Mitglieder der Gruppe \u00bbGen\u00e8ve Non Conforme\u00ab durch die Altstadt und lie\u00dfen \u00fcber einen Lautsprecher eine Flugabwehrsirene ert\u00f6nen. F\u00fcr Stutz sind diese Solidarit\u00e4tsbekundungen relativ neue Erscheinungen. Es sei schwer abzusch\u00e4tzen, wie es mit ihnen weitergeht.<\/p>\n<p>Um geschichtstr\u00e4chtige Anl\u00e4sse f\u00fcr \u00f6ffentliche Auftritte zu finden, m\u00fcssen Schweizer Nazis ohnehin nicht nach Deutschland blicken. Seit 1996 pilgern auch sie\u00a0\u2013 lediglich mit zwei Unterbrechungen 1998 und 2001\u00a0\u2013 immer am Nationalfeiertag, dem 1.\u2009August, auf das R\u00fctli, eine Bergwiese in der Gemeinde Seelisberg, wo die Schweizerische Gemeinn\u00fctzige Gesellschaft die Bundesfeier veranstaltet. Seit 2003 nehmen sie an den Feierlichkeiten in Sempach teil. In den vergangenen zwei Jahren beteiligten sie sich an den Feiern f\u00fcr die Schlacht am Morgarten und die N\u00e4felser Fahrt, zwei weiteren patriotischen Gedenkveranstaltungen. Dass solche Anl\u00e4sse Nazis anziehen, ist nicht verwunderlich. Dort versuchen diese, Aufmerksamkeit zu erregen und ihre Ideologie zu verbreiten.<\/p>\n<p>2005 gingen sie dabei auf dem R\u00fctli zu weit. Sie st\u00f6rten die Rede des Bundesrats Samuel Schmid von der Schweizerischen Volkspartei und versuchten sogar, ihn niederzuschreien. Im folgenden Jahr wurde ein Ticketsystem mit Ausweiskontrolle eingef\u00fchrt, deshalb beteiligten sich die Rechtsextremen seither immer zahlreicher an den offiziellen Feierlichkeiten in Sempach. Ihre Aufm\u00e4rsche in N\u00e4fels und Morgarten finden hingegen abseits der offiziellen Veranstaltungen statt. Dementsprechend erhalten sie weniger Beachtung. Auf dem R\u00fctli veranstalten die Rechtsextremen seit 2007 ihre eigene Nationalfeier. Bis zu 300 Teilnehmer pilgern dann auf die Bergwiese.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2012\/26\/45732.html\"  alt=\"\">http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2012\/26\/45732.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo sich Patrioten treffen, sind Nazis nicht weit. Das gilt auch f\u00fcr die Schweiz. Dort nehmen Rechtsextreme nationale Gedenktage zum Anlass f\u00fcr Aufm\u00e4rsche. Ob sie auch in diesem Jahr in Sempach auftauchen werden, ist allerdings noch ungewiss. 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