{"id":1467,"date":"2012-07-11T21:11:50","date_gmt":"2012-07-11T20:11:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1467"},"modified":"2012-07-11T21:11:50","modified_gmt":"2012-07-11T20:11:50","slug":"was-will-der-staatsschutz-%e2%80%93-anna-und-arthur-haltens-maul","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1467","title":{"rendered":"Was will der Staatsschutz? \u2013 Anna und Arthur halten&#8217;s Maul!"},"content":{"rendered":"<p>Beim Staatsschutz die Fresse halten \u2013<br \/>\nBei Anquatschversuchen das Maul aufreissen!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/annaundarthur.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/annaundarthur-300x225.png\" alt=\"\" title=\"annaundarthur\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1468\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/annaundarthur-300x225.png 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/annaundarthur.png 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Im Kanton Aargau ist der Staatsschutz eine Abteilung der Kantonspolizei, fachlich direkt dem Polizeikommandanten und administrativ dem Abteilungschef der Kriminalpolizei unterstellt. Er erf\u00fcllt jedoch mit der \u00abExtremismus-Pr\u00e4vention\u00bb eine \u00abBundesaufgabe\u00bb und ist somit gegen\u00fcber dem Bund rechenschaftspflichtig. Im Aargau sind es nach unserem Wissen noch zwei Polizisten, die diesen Job aus\u00fcben: Herr Rolf Urech, Leiter dieser Abteilung und Herr Roth. Thomas Erismann, in der Vergangenheit h\u00e4ufiger in Erscheinung getreten, ist seit zwei Jahren nicht mehr in der Abteilung Staatsschutz t\u00e4tig, geht jedoch als Fahnder weiterhin in zivil als Kantonspolizist seiner Arbeit nach. \t<\/p>\n<p>\tSchon in Zeiten, als der Verein f\u00fcr alternative Kultur in Aarau (fak aarau) aktiv war, war das der Staatsschutz ebenso. In diesen Jahren (2002 bis ca. 2005) stach vor allem Herr Urech als engagierter Beamter hervor. Schon damals wurden Personen aus dem Umfeld des fak aarau jeweils vor anstehenden Aktionen wie Demonstrationen, Konzerte etc. angerufen, um so an Informationen heranzukommen. Schon damals versuchte der Staatschutz mit einer Einladung zu einem Kaffee oder einer Pizza etwas l\u00e4nger mit Personen \u00fcber die \u00abSzene\u00bb zu plaudern. Zu einem solchen Treffen kam es jedoch gl\u00fccklicherweise nie.<\/p>\n<p>Im Jahr 2007 tauchte das erste Mal Thomas Erismann in der \u00d6ffentlichkeit auf. W\u00e4hrend der \u00abReclaim the Streets\u00bb-Strassenparty in Lenzburg (Aufgrund der Verhinderung des \u00abThink&#8217;n&#8217;Move\u00bb-Festivals im Tommasini) war auch Herr Erismann vor Ort. Ab diesen Zeitpunkt, tauchte dieser dann h\u00e4ufiger auf.<\/p>\n<p>Im Rahmen der Hausbesetzungen und anderen Aktionen der Gruppe Klaustrophobia in den Jahren 2008 bis 2009 kam es dann auch wieder h\u00e4ufiger zu Kontakt mit dem Staatsschutz, sei es durch Vorladungen oder Hausbesuche. Anbei ein kleiner und unvollst\u00e4ndiger \u00dcberblicke der letzten Jahren:<\/p>\n<p>Im April 2008 fand in W\u00f6schnau SO eine Platzsauvage statt. Vorher besammelte mensch sich jedoch im Aarauer Graben, wo vereinzelt Personenkontrollen durchgef\u00fchrt worden sind. Ein paar Tage sp\u00e4ter klingelte das Telefon bei der Mutter des noch minderj\u00e4hrigen Kurt, der Staatsschutz wolle vorbei kommen. Dieser kam dann auch in Gestalt von Herr Urech, Chef des Staatsschutzes des Kantons Aargau. Urech redete beinahe unerm\u00fcdlich, dass Kurt nun am Rande der \u00ablinksextremen Szene\u00bb sei und er keine \u00abgeordneten Bahnen\u00bb verlassen d\u00fcrfe, weil sonst schlimmeres passiere. Nebenbei wollte er unbedingt Infos, mit wem Kurt da gewesen sei, wen er sonst kenne und ob er wisse, wer die Sauvage organisiert h\u00e4tte. Ohne verwertbare Infos zog Urech nach einer knappen halben Stunde wieder ab.<\/p>\n<p>Am 13. Juni 2009 h\u00e4tte es zu einer Nazi-Demo der \u00abFreien Nationalen Kameradschaft Schweiz-Germania\u00bb kommen sollen. Urspr\u00fcnglich hat die Stadtpolizei die Demo bewilligt, auf Dr\u00e4ngen der Kantonspolizei wurde die Bewilligung jedoch wieder zur\u00fcckgezogen. Jedenfalls waren einige Antifaschist_innen in Aarau unterwegs. So wurde Franz angehalten und da er anscheinend in der lokalen Hausbesetzer-Szene unterwegs sei, vorl\u00e4ufig festgenommen. Im Polizeigewahrsam tauchte dann Thomas Erismann auf, welcher Franz dann auch befragte. Aus der Fragestellung liess sich lesen, dass der Staatsschutz wissen wollte, wie tief Franz in der \u00abSzene\u00bb sei. Nebenbei bot Erismann Fr. 1000.\u2013 f\u00fcr Hinweise bez\u00fcglich der Urheber_innen der Sprayerei auf dem Sandstein am Grossratsgeb\u00e4ude. Franz gab nur sehr ausweichend Antworten und wurde so mit einer Wegweisung wieder entlassen.<\/p>\n<p>Am Sonntag, 15. August 2009 wurde das kurz zuvor besetzte Haus an der Melligerstrasse 33 in Baden wieder verlassen. Als Alvin etwa 150 Meter vom Haus entfernt war, wurde er von hinten mit seinem Nachnamen angesprochen. Staatssch\u00fctzer Erismann wollte ein wenig plaudern und lud Alvin auf eine Pizza ein. Der hungrige Alvin liess sich aufs Pizza-Essen ein, sprach ansonsten jedoch nicht mit Erismann, der sich f\u00fcr den Bezug von Alvin zum besetzten Haus interessierte. Ebenfalls wollte er wissen, was f\u00fcr eine Gruppe das Haus besetzt hat.<\/p>\n<p>Im darauffolgenden Monat erhielten drei Personen eine Vorladung des Staatsschutzes. Der angegebene Grund, war die davor stattgefundene und nach einem Tag abgebrochenen H\u00fcttensiedlung im Aarauer Schachen. Aufgrund welcher Kriterien diese drei Personen eine Vorladung erhielten blieb unklar. Quentin war zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht im Lande und erschien so gar nicht bei Herr Erismann. Romolus folgte der Vorladung und plauderte auch mit dem Staatssch\u00fctzer, da diese Person die Bedeutung und Auswirkung eines solchen Gespr\u00e4ches nicht wirklich kannte. Und auch die aktiven Besetzer_innen erfuhren erst sp\u00e4ter von der Vorladung und dem Gespr\u00e4ch von Romolus. Die dritte Person, Tim, erschien ebenfalls beim Staatsschutz, war aber nicht gespr\u00e4chsbereit und musste sich so nur ein paar mahnende Worte vom besorgten Herr Erismann anh\u00f6ren.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Samstag, 5. Dezember 2009 wurde ein Knastspaziergang f\u00fcr Philipp und Ivo, die damals in Untersuchungshaft sassen, angek\u00fcndigt. Rund 30 mutmassliche Demonstrant_innen wurden am Bahnhof von Robo-Cops gekesselt und mit dem Zug zur\u00fcck nach Bern gebracht. 40 Menschen gelang es w\u00e4hrenddessen, Philipp und Ivo solidarisch zu gr\u00fcssen. Erschreckende Szenen spielten sich jedoch in der Bahnhofsunterf\u00fchrung ab: Der sichtlich nerv\u00f6se und \u00fcberforderte Thomas Erismann verhaftete mehrere Menschen indem er ihnen den Nachnamen entgegenbr\u00fcllte und eine Schusswaffe auf diese Personen richtete.<\/p>\n<p>Mitte April 2011 wurde Lena beim Klebern erwischt. Der doch recht ansehnliche Stapel Aufkleber wurde konfisziert und laut dem Streifenpolizisten nach Aarau zum Staatsschutz geschickt. Nach einigen Tagen rief dann einer der drei Staatssch\u00fctzer an und sprach Lena auf die Aufkleber an. Diese wollte jedoch nicht mit dem Polizisten sprechen. Obwohl der Staatssch\u00fctzer sagte, dass Lena einen grossen Fehler mache und sie sie abholen w\u00fcrden, wenn sie nicht spreche, beendete Lena das Telefonat bestimmt durch Auflegen des Telefons. Konsequenzen hatte dies keine.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren tauchte dann ein weiterer Staatssch\u00fctzer immer h\u00e4ufiger in Erscheinung. So war Herr Roth an der 1.-Mai-Demo 2010 in der Stadt unterwegs, um sich ein Bild des revolution\u00e4ren Blocks zu machen oder auch an der letzten Nacht-Tanz-Demo (Dezember 2011) oder dem Knastspaziergang f\u00fcr Marco Camenisch in Lenzburg (April 2012) schlich er umher. Aber auch bereits w\u00e4hrend den Knastspazierg\u00e4ngen f\u00fcr Ivo und Philipp war er vor Ort. Carlos, der f\u00fcr eine Personalien-\u00dcberpr\u00fcfung auf den Posten mitgenommen wurde, drohte Roth mit den Worten \u00abwenn du so weiter machst, bist du der n\u00e4chste der hier [im Knast] sitzt.\u00bb.<\/p>\n<p>Das dies nicht einfach M\u00e4rchen und Geschichten aus fr\u00fcheren Zeiten sind, beweist der Staatsschutz gleich selber, indem er immer noch versucht, einige Personen anzurufen um so Infos \u00fcber vergangene oder kommende Veranstaltungen zu erhalten.<\/p>\n<p>Am Donnerstag, 12. April bekamen zwei Menschen aus der Region Aarau-Olten einen Anruf von Herr Urech. Dieser wollte \u00fcber die letzte Nacht-Tanz-Demo in Aarau plaudern, wollte wissen, was am 1. Mai 2012 in Aarau geplant ist und was das am Samstag genau f\u00fcr eine Veranstaltung im Kulturzentrum Bremgarten KuZeB sei [Antifa-Soli-Day mit Workshop, Film, K\u00fcfa\/Vok\u00fc und Konzerten]. Es wurde ausweichend geantwortet und sich schnell wieder von Seiten der Angerufenen verabschiedet. Noch am gleichen Tag klingelte das Telefon in der alten Kleiderfabrik in Bremgarten. Werner Jappert, Stellvertretender Chef der Regionalpolizei Bremgarten erkundigte sich auf Geheiss des Staatsschutzes \u00fcber den Antifa-Soli-Tag. Einen Tag sp\u00e4ter erkundigte er sich noch einmal, ob denn wirklich keine Aktivit\u00e4ten draussen geplant seien und wie viele Menschen erwartet w\u00fcrden, ob keine Angst vor Nazis vorhanden w\u00e4re und wie die Situation deswegen eingesch\u00e4tzt wird. Er schloss damit ab, dass er nicht hoffe, dass das KuZeB jetzt in die \u00abStaatenfeindlichkeit\u00bb abrutsche und erw\u00e4hnte schon fast beil\u00e4ufig, dass der Staatsschutz vor Ort sein werde. Tats\u00e4chlich wurden am Abend dann noch drei doch sehr auff\u00e4llige M\u00e4nner weggewiesen und am n\u00e4chsten Mittag versuchte auch noch einer sein Gl\u00fcck, welcher jedoch auch nicht hereingelassen wurde.<\/p>\n<p>Wiederum klingelte am 27. Juni bei drei Menschen das Mobiltelefon und Herr Urech wollte etwas plaudern. Die eine Person, Magdalena wusste von nichts und konnte\/wollte dem Staatssch\u00fctzer keine Angaben zu eventuellen Aktivit\u00e4ten der Antifa Aarau bez\u00fcglich \u00abFrei.Wild\u00bb und dem anstehenden \u00abN\u00e4chtlichen Tanzvergn\u00fcgen 2.0\u00bb geben. Jakob nahm das klingende Telefon gar nicht erst ab. Besonders interessant ist, dass der Staatsschutz jetzt schon versucht, via Juso Infos zu beschaffen: So wurde uns \u00fcber Umwege zugetragen, dass Herr Urech versuchte, telefonisch bei einem Jungsozialisten an Infos zur Antifa Aarau und m\u00f6glichen Gegenaktivit\u00e4ten zum \u00abFrei.Wild\u00bb-Konzert am Heitere-Openair zu gelangen. Herr Urech soll jedoch auch beim Juso auf keinerlei relevanten Informationen gestossen sein.<\/p>\n<p>Wir wollen mit diesem Text, das herrschende Schweigen bei Staatsschutz-T\u00e4tigkeiten durchbrechen. Wir hoffen, mit diesem Statement zu einem sichereren und vor allem offeneren Umgang mit Repression beizutragen. Niemand von uns ist alleine, egal ob er_sie verhaftet, kontrolliert, misshandelt, \u00fcberwacht, ausgequetscht, erpresst, eingesch\u00fcchtert oder auch nur angesprochen wird. Macht Anquatsch-Versuche \u00f6ffentlich und meldet euch bei lokalen Antirep-Gruppen! Zeigt auf, was Staatsschutz und Co. wollen und helft so anderen dabei, sich zu wehren. Macht keine Aussagen gegen\u00fcber Staatsschutz, anderen Polizist_innen oder Staatsanwaltschaft und unterschreibt auch nichts! Lasst euch nicht auf (Telefon-)Gespr\u00e4che mit dem Staatsschutz ein! R\u00e4umt euer Zimmer wieder mal auf und informiert euch \u00fcber eure Rechte. Dies sch\u00fctzt euch und eure Freund_innen.<\/p>\n<p>Es bleibt dabei: Anna und Arthur halten&#8217;s Maul!<br \/>\nUnsere Solidarit\u00e4t gegen ihre Repression!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Kanton Aargau ist der Staatsschutz eine Abteilung der Kantonspolizei, fachlich direkt dem Polizeikommandanten und administrativ dem Abteilungschef der Kriminalpolizei unterstellt. Er erf\u00fcllt jedoch mit der \u00abExtremismus-Pr\u00e4vention\u00bb eine \u00abBundesaufgabe\u00bb und ist somit gegen\u00fcber dem Bund rechenschaftspflichtig. Im Aargau sind es nach unserem Wissen noch zwei Polizisten, die diesen Job aus\u00fcben: Herr Rolf Urech, Leiter dieser Abteilung und Herr Roth. Thomas Erismann, in der Vergangenheit h\u00e4ufiger in Erscheinung getreten, ist seit zwei Jahren nicht mehr in der Abteilung Staatsschutz t\u00e4tig, geht jedoch als Fahnder weiterhin in zivil als Kantonspolizist seiner Arbeit nach.  <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1467\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[49,6,16],"tags":[185,344,343,345],"class_list":["post-1467","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antirep","category-news","category-schweiz","tag-aarau","tag-spitzel","tag-staatsschutz","tag-zivil"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1467","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1467"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1467\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1469,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1467\/revisions\/1469"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1467"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1467"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1467"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}