{"id":1485,"date":"2012-07-28T18:15:04","date_gmt":"2012-07-28T17:15:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1485"},"modified":"2012-07-28T18:15:04","modified_gmt":"2012-07-28T17:15:04","slug":"interview-bergarbeiterinnen-im-streik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1485","title":{"rendered":"Interview: Bergarbeiterinnen im Streik"},"content":{"rendered":"<p><em>Die BergarbeiterInnen im Spanischen Staat streiken seit acht  Wochen. Subventionen zur Schaffung neuer Arbeitspl\u00e4tze wurden meist  zweckentfremdet. Unter den Streikenden sind auch viele Frauen. Ein  Gespr\u00e4ch mit Maria Gonz\u00e1lez, Bergarbeiterin aus der Grube &#8220;Mar\u00eda Luisa&#8221;  in Asturien.<\/em><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/spanienstreik.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1486\" title=\"spanienstreik\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/spanienstreik-300x198.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/spanienstreik-300x198.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/spanienstreik.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Seit Wochen streiken  BergarbeiterInnen im Spanischen Staat gegen die K\u00fcrzung von staatlichen  Subventionen um zwei Drittel. in deren Folge werden Minen geschlossen  und Tausende Kumpels entlassen. An dem Arbeitskampf in Asturien sind  nicht wenige Frauen beteiligt. Wie viele arbeiten unter Tage?<\/strong><\/p>\n<p>In  der Grube &#8220;Mar\u00eda Luisa&#8221; arbeiten 2000 BergarbeiterInnen, darunter 200  Frauen. Ich fing mit 29 Jahren an. Zuvor haben wir einen langen Kampf  daf\u00fcr gef\u00fchrt, dass Frauen in den Minen arbeiten k\u00f6nnen. Jeden Tag fahre  ich 689 Meter unter die Erde, in einem &#8220;K\u00e4fig&#8221;, wie wir es nennen. Wir  wissen, zu welcher Uhrzeit wir reinfahren, aber nicht, ob wir wieder  rauskommen. Es ist eine sehr harte Arbeit in der Mine, f\u00fcr M\u00e4nner und  f\u00fcr Frauen. Deswegen sind wir aber auch so entschlossen und k\u00e4mpferisch.  Mein Gro\u00dfvater arbeitete in der Mine und mein Vater auch, dort starb er  im Alter von 47 Jahren. Es war besonders schwer f\u00fcr meinen Bruder, in  der Grube zu arbeiten, in der mein Vater gestorben ist.<\/p>\n<p><strong>Was f\u00fcr Jobs machen Frauen in den Minen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir  machen die gleiche Arbeit wie die M\u00e4nner. Aber nat\u00fcrlich ist es  schwieriger f\u00fcr eine Frau, zum Beispiel wegen der fehlenden Toiletten  unter Tage. Dennoch behandeln uns die M\u00e4nner mit viel Respekt, zumindest  im Vergleich zu anderen Sektoren, in denen ich gearbeitet habe. Es gibt  viel Kameradschaft, weil wir alle die gleiche, harte Arbeit machen.<\/p>\n<p>F\u00fcr  das Recht, in der Mine zu arbeiten, musste ich zun\u00e4chst vor dem  Verfassungsgericht klagen und gewinnen. 1985 begehrten Frauen, unter  Tage zu arbeiten, nachdem eine Firma etwa 1.000 neue Stellen  ausgeschrieben hatte. Das Urteil kam im Dezember 1992, bis dahin durften  Frauen nicht im Bergbau arbeiten.<\/p>\n<p><strong>Wie sind die Arbeitsbedingungen?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr  beide Geschlechter sind sie unmenschlich. Wir m\u00fcssen aufpassen, dass  unser Brot nicht von Kakerlaken und Ratten aufgefressen wird. Es ist  sehr feucht und sehr hei\u00df unten, so dass wir nach acht Stunden  nassgeschwitzt sind. Ein Unfall im Bergwerk ist nicht das Gleiche wie  bei einer anderen Arbeit. Als ich anfing, hatte ein Kumpel einen Unfall,  und ich musste ihn allein fast 300 Meter schleppen. Ich rettete ihm das  Leben. Am n\u00e4chsten Tag musste ich um sechs aufstehen und zur Arbeit  gehen, wie an jedem anderen Tag.<\/p>\n<p>Wir sind fast 700 Meter in der  Tiefe, in der Dunkelheit. Wir sehen kein Licht und merken nur an den  Ger\u00fcchen, ob es drau\u00dfen Sonne oder Regen gibt.<\/p>\n<p><strong>In den Medien hei\u00dft es, die Bergarbeiter seien privilegiert, mit relativ hohen L\u00f6hnen und Rentenanspr\u00fcchen \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Wieso  redet man nicht \u00fcber die Polizisten, die mit 52 in Rente gehen? Es kann  doch kein Privileg sein, die Gesundheit oder das Leben in der Grube zu  lassen. Die harte Arbeit vereint uns. Deswegen sind wir stolz darauf,  dass wir jetzt k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Die Unternehmen haben nach der Schlie\u00dfung  von Minen Subventionen f\u00fcr das Schaffen anderer Arbeitspl\u00e4tze in der  Region bekommen. In der Regel haben sie damit Scheinfirmen aufgebaut,  wieder geschlossen und so ein Verm\u00f6gen gemacht. Diese Hilfen waren  jedoch f\u00fcr die Diversifizierung der Wirtschaft in den D\u00f6rfern nach der  Schlie\u00dfung der Mine, damit wir auch alternative Arbeitspl\u00e4tze bekommen.  Doch die Mehrheit der Unternehmen hat sich das Geld einfach eingesteckt.<\/p>\n<p><strong>Wie organisieren sich die Frauen im Streik?<\/strong><\/p>\n<p>Im  Laufe des Arbeitskampfes organisierte sich eine &#8220;Plattform der  Bergarbeiter-Frauen&#8221;, darin haben sich sowohl Frauen von Bergarbeitern  als auch Bergarbeiterinnen selbst zusammengeschlossen. Wir organisieren  uns, um die Demonstrationen zu unterst\u00fctzten und damit man uns h\u00f6rt,  weil die Medien uns boykottieren. Es ist unglaublich, in einer  Demokratie verhalten sich die Medien als w\u00e4re es eine Diktatur.<\/p>\n<p><strong>Wie reagiert der Staat auf den anhaltenden Protest?<\/strong><\/p>\n<p>Die  Nationalpolizei dringt in die H\u00e4user ein und greift alle an, auch alte  Menschen und Kinder. Sie notieren Nummernschilder von Autos. Wenn jemand  seinen Wagen stehen l\u00e4sst, um zu protestieren oder eine Barrikade zu  bauen, werden die Reifen durchstochen. Die Regierung tut alles, um  unseren Streik zu stoppen. Aber nicht einmal die H\u00e4lfte von dem, was  passiert, kommt in den Nachrichten.<\/p>\n<p>In allen Bergbau-D\u00f6rfern  Spaniens gibt es Proteste. In Asturien ist der Bergbau besonders stark  verwurzelt, hier gibt es die meisten Minen, und der Arbeitskampf ist  gewaltig. Die Regierung hatte zun\u00e4chst 300 Polizisten aus Madrid hierher  geschickt, dann weitere 400. Nun sind schon mehr als 1000 Angeh\u00f6rige  der Nationalpolizei in Asturien, neben der Zivilgarde. Sie versuchen  unseren Widerstand zu brechen.<\/p>\n<p>Denn wenn wir BergarbeiterInnen  demonstrieren, bauen wir Barrikaden und k\u00e4mpfen mit unseren Leben. Wir  haben keine Angst zu sterben. Hoffentlich kopieren uns andere Menschen  und nehmen uns als Beispiel. Nicht nur dieses ganze Land sondern die  ganze Welt muss sich bewegen.<\/p>\n<p>Interview: Cynthia Lub (<a href=\"http:\/\/www.clasecontraclase.org\/\">Clase contra Clase<\/a>) und Wladek Flakin (<a href=\"http:\/\/www.klassegegenklasse.org\/\">Revolution\u00e4re Internationalistische Organisation<\/a>)<\/p>\n<p>Eine k\u00fcrzere Version dieses Interviews erschein in der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2012\/07-26\/042.php\">jungen Welt vom 26. Juli<\/p>\n<p><\/a>Quelle: <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/64526\" target=\"_blank\">https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/64526<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die BergarbeiterInnen im Spanischen Staat streiken seit acht Wochen. Subventionen zur Schaffung neuer Arbeitspl\u00e4tze wurden meist zweckentfremdet. Unter den Streikenden sind auch viele Frauen. 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