{"id":1512,"date":"2012-08-11T21:11:14","date_gmt":"2012-08-11T20:11:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1512"},"modified":"2012-08-12T00:58:33","modified_gmt":"2012-08-11T23:58:33","slug":"grosse-tone-kleiner-zulauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1512","title":{"rendered":"Grosse T\u00f6ne, kleiner Zulauf"},"content":{"rendered":"<h3>Es h\u00e4tte \u00abeiner der gr\u00f6ssten patriotischen  Aufm\u00e4rsche der Neuzeit\u00bb werden sollen. Schliesslich zogen am letzten  Sonntag nur knapp 200 RechtsextremistInnen auf die Kuhwiese ob dem  Vierwaldst\u00e4ttersee. Was sich sonst noch rechts tummelt.<\/h3>\n<div>\n<div>\n<div>Von <a title=\"Im Archiv nach Texten von Hans Stutz suchen\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/www.woz.ch\/archiv\/%22Hans%20Stutz%22\">Hans Stutz<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.woz.ch\/sites\/woz.ch\/files\/text\/bild\/1232_03_ruetli_nazis_tk.jpg\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"271\" \/><\/p>\n<p><small><br \/>\n<\/small><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p>Zur  Erinnerung: Vor sieben Jahren marschierten noch rund 700 aufs R\u00fctli. Am  1. August 2005 hatten sie den Festredner, SVP-Bundesrat Samuel Schmid,  beschimpft und ausgebuht und die traditionelle 1.-August-Feier der  Schweizerischen Gemeinn\u00fctzigen Gesellschaft (SGG) gest\u00f6rt. Die Folge:  Seit 2006 ist die SGG-Feier nur noch mit Tickets zug\u00e4nglich, und die  Rechtsextremen verloren die Auftrittsm\u00f6glichkeit an der  nationalistischen Erinnerungsfeier.<\/p>\n<p>Auf einen j\u00e4hrlichen R\u00fctliausflug wollten die Rechtsextremen  allerdings nicht verzichten. In den vergangenen Jahren mobilisierte  jeweils die Partei National Orientierter Schweizer (Pnos), dieses Jahr  erhielt sie Unterst\u00fctzung von der Heimatbewegung, der Helvetischen  Jugend, der Avalon-Gemeinschaft, der  Hammerskin-Unterst\u00fctzungs\u00adorganisation Crew 38 und dem Naziskin-Netz  Blood and Honour Schweiz, dazu vom Waldst\u00e4tterbund und den  Kameradschaften Baden-Wettingen, Innerschweiz und Morgenstern, Letztere  beheimatet in der Region Sempach. Auf ihrer Homepage hatte auch die  Genfer Gruppe Gen\u00e8ve Non-Conforme das Flugblatt verbreitet. Die  Organisatoren hatten\u00a0\u2013 gem\u00e4ss der Pnos-Homepage \u2013 \u00abseit Wochen per SMS,  Facebook und anderen Netzwerken\u00bb mobilisiert. Im Klartext: Viel  Mobilisierungsarbeit, doch mickriger Aufmarsch.<\/p>\n<h4>Die Szene d\u00fcmpelt vor sich hin<\/h4>\n<p>In der Tat, die Deutschschweizer Rechtsextremenszene d\u00fcmpelt vor sich  hin. Zwar sympathisieren\u00a0\u2013 gem\u00e4ss Erkenntnissen des  Nationalforschungsprojekts \u00fcber Rechtsextremismus\u00a0\u2013 rund vier Prozent  der EinwohnerInnen der Schweiz mit antidemokratischen, autorit\u00e4ren und  gewaltbereiten Haltungen und Ansichten, auch lieb\u00e4ugelt ein noch  gr\u00f6sserer Bev\u00f6lkerungsanteil mit fremdenfeindlichen und rassistischen  Vorstellungen, doch die Rechtsextremen ernten nur wenig Zulauf.<\/p>\n<p>Auch der subkulturelle Rechtsextremismus\u00a0\u2013 insbesondere  Naziskinheads\u00a0\u2013 hat an Anziehungskraft f\u00fcr m\u00e4nnliche Jugendliche aus  D\u00f6rfern und Kleinst\u00e4dten eingeb\u00fcsst. Auf das R\u00fctli marschierten  vergangenen Sonntag auch wenige Naziskinheads, sowohl von Blood and  Honour wie auch von den Hammerskins. Doch noch immer reichhaltig ist in  der Deutschschweiz das Szeneangebot f\u00fcr rechtsextreme Musik und  Literatur, besonders das Angebot an Tontr\u00e4gern neonazistischer Bands,  die Nachfrage ist offenbar gross\u00a0\u2013 zumindest wenn man sich auf die  \u00abAusverkauft\u00bb- beziehungsweise \u00abDerzeit ausverkauft\u00bb-Hinweise der  Anbieter st\u00fctzt.<\/p>\n<p>Auch der Aufbau politischer Strukturen ist ins Stocken geraten. Die  Pnos, gegr\u00fcndet im September 2000, betreibt nur noch Sektionen im  Oberaargau, im Emmental und in Basel, dazu noch die Infoportale Aargau  und Z\u00fcrich. Von der Bildfl\u00e4che verschwunden sind die Sektionen Schwyz,  Willisau, Berner Oberland und Freiburg. Die Parteizeitung erscheint seit  dem vergangenen Jahr nicht mehr monatlich, sondern nur noch  viertelj\u00e4hrlich. Und Mitte Juni 2012 meldete die Partei, dass sie auf  weitere Wahlbeteiligungen verzichten werde. Man erhoffe sich, \u00abdie  Strukturen innerhalb der Partei zu festigen\u00bb. Offen sei, wann die Partei  \u00aban den n\u00e4chsten Wahlen\u00bb teilnehmen werde.<\/p>\n<p>Die Pnos hatte seit ihrer Gr\u00fcndung eine d\u00fcnne Personaldecke,  allerdings konnte sie die vielen Abg\u00e4nge jeweils ersetzen. Seit kurzem  ist die Parteispitze nun ausschliesslich M\u00e4nnersache. Denise Friedrich,  die einzige Frau im Bundesvorstand, trat vor wenigen Monaten \u00abaus  pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden\u00bb zur\u00fcck. Wie stark die Parteiarbeit mit dem  Engagement einzelner Aktivsten verkn\u00fcpft ist, demonstrierte vor einem  Jahr Michael Von\u00e4sch, einst Vorsitzender der inzwischen inaktiven  Pnos-Sektion Willisau. Er beklagt zuerst, dass \u00abpraktisch alles an [ihm]  h\u00e4ngen\u00bb geblieben sei. Dann bedankt er sich bei \u00abden wenigen Personen\u00bb,  die die Partei in den letzten Jahren \u00abimmer tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzt\u00bb  h\u00e4tten. Den politischen Tr\u00e4umen kann er aber nicht entsagen. Er  lieb\u00e4ugelt mit der Gr\u00fcndung einer \u00abstarken, nationalen Kantonalpartei\u00bb.  Er denkt dabei an \u00abdie Schweizer Demokraten und einige Exponenten der  JSVP\u00bb. Er \u00fcbersieht: Rechts der SVP gibt es in der Schweiz keine  Aussicht mehr auf politischen Erfolg.<\/p>\n<p>Nur in Z\u00fcrich soll es f\u00fcr die Pnos aufw\u00e4rtsgehen. Ein bis anhin  unbekannter \u00ad\u00abT.\u00a0Sch\u00fcler\u00bb, \u00abVerwalter\u00bb des \u00adPnos-Infoportals Z\u00fcrich,  berichtet von einem \u00abdeutlichen Anstieg von Mitgliedern und  Interessenten\u00bb. Er muss bescheiden sein, zur Gr\u00fcndung einer Ortsektion  reicht es noch (?) nicht, trotz der \u00abtatkr\u00e4ftigen Unterst\u00fctzung\u00bb  (Pnos-Infoportal Z\u00fcrich) durch die Europ\u00e4ische Aktion (EA), angef\u00fchrt  vom Holocaustleugner Bernhard Schaub. Die Frage wird sein, ob dies trotz  unterschiedlicher politischer Vorstellungen m\u00f6glich ist. Die EA will  die natio\u00adnalen Grenzen \u00fcberschreiten. Sie strebt ein  nationalsozia\u00adlistisches Europa an. Bereits sollen \u00abLandesweiter\u00bb in  mehreren L\u00e4ndern t\u00e4tig sein. Anfang September will die EA \u00abim  s\u00fcdwestdeutschen Sprachraum\u00bb ein grosses \u00abEuropafest\u00bb durchf\u00fchren.<\/p>\n<h4>Viel Aktivismus in der Region Genf<\/h4>\n<p>Rechtsextreme pflegen Kontakte meist innerhalb ihrer Sprachregionen.  Auch auf dem R\u00fctli blieben die Deutschweizer Rechtsextremen weitgehend  unter sich, trotz der Rede des Westschweizers Philippe Brennenstuhl.  Unterschiedlich ist auch die Entwicklung in den beiden Landesteilen:  Stagnation, ja R\u00fcckgang in der Deutschschweiz, seit Monaten jedoch viel  Aktivismus in der Region Genf. Vier Gruppen sind dort aktiv, erst Anfang  Juni gr\u00fcndeten sich die Gruppe \u00c9galit\u00e9 et R\u00e9conciliation (E&#038;R), als  \u00abLinke der Arbeit und Rechte der Werte, f\u00fcr eine nationale Auss\u00f6hnung\u00bb  (\u00abgauche du travail, droite des valeurs, pour une r\u00e9conciliation  nationale\u00bb). E&#038;R-Sektionen, gegr\u00fcndet von Alain Sorel, einst  Kommunist, sp\u00e4ter im nationalen Vorstand des Front National, bestehen  bereits in mehreren franz\u00f6sischen Regionen.<\/p>\n<p>Auch die Gruppe Gen\u00e8ve Non-Conforme verkn\u00fcpft die Klage \u00fcber den  ungerechten Kapitalismus mit europazentrierten und rassistischen  Ansichten, opportunistisch als \u00abKampf gegen die Globalisierung\u00bb  umschrieben. Sie orientiert sich an den Vorstellungen einer  neofaschistischen Bewegung um das R\u00f6mer Zentrum Casapound, in einem  besetzten Haus, in dem Wohnungen ausschliesslich italienischen  Staatsb\u00fcrgern vorbehalten sind. Direkt eingebunden in franz\u00f6sische  Zusammenh\u00e4nge sind die Jeunes identitaires genevois und die  Naziskingruppe Artam Brotherhood. In den vergangen Monaten machen sich  die Identitaires in Genf kaum noch bemerkbar. Anders die Artam  Brotherhood: Sie l\u00e4dt ihre Anh\u00e4nger auch zum w\u00f6chentlichen  Kampftraining.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.woz.ch\/1232\/rechtsextremismus\/grosse-toene-kleiner-zulauf\"  alt=\"\">http:\/\/www.woz.ch\/1232\/rechtsextremismus\/grosse-toene-kleiner-zulauf<\/a>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es h\u00e4tte \u00abeiner der gr\u00f6ssten patriotischen Aufm\u00e4rsche der Neuzeit\u00bb werden sollen. Schliesslich zogen am letzten Sonntag nur knapp 200 RechtsextremistInnen auf die Kuhwiese ob dem Vierwaldst\u00e4ttersee. 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