{"id":1576,"date":"2012-10-10T17:24:43","date_gmt":"2012-10-10T16:24:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1576"},"modified":"2012-10-10T17:24:43","modified_gmt":"2012-10-10T16:24:43","slug":"schutzt-der-verfassungsschutz-die-%e2%80%9chammerskins%e2%80%9d","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1576","title":{"rendered":"Sch\u00fctzt der Verfassungsschutz die \u201cHammerskins\u201d?"},"content":{"rendered":"<p><strong>neon<a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Neonazi_vs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-1577\" title=\"Neonazi_vs\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Neonazi_vs-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Neonazi_vs-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Neonazi_vs.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Auch in einem hochgesch\u00e4tzten Bundesministerium, etwa dem des Innern,  gibt es undankbare Jobs: Ende November 2011 bl\u00e4tterten Beamte in alten  Verfassungsschutz-Berichten. Was steht eigentlich darin zu  Rechtsterrorismus? In vielen Varianten stand darin einfach \u2013 nichts.  Oder nicht mehr als: \u201cRechtsterroristische Strukturen waren\u201d \u2013 hier eine  Jahreszahl einsetzen \u2013 \u201cnicht feststellbar.\u201d Ein Textbaustein, den  manche Landes\u00e4mter f\u00fcr ihre Berichte \u00fcbernommen haben. Die Sachsen waren  besonders sparsam mit der Tinte: Nach 2000, dem Jahr des \u201cBlood &amp;  Honour\u201d-Verbots, hat man den Terminus \u201cRechtsterrorismus\u201d einfach nicht  mehr benutzt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wenn Experten staunen<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Im Lichte heutigen Wissens verdutzt das sogar einen abgekl\u00e4rten  Wissenschaftler wie Uwe Backes. Das habe ihn verwundert, sagte der  Extremismus-Theoretiker <a href=\"https:\/\/uansusn.wordpress.com\/2012\/09\/17\/u-ausschuss-am-17-09-2012\/\">j\u00fcngst vor dem NSU-Untersuchungsausschuss im S\u00e4chsischen Landtag<\/a>. Da m\u00fcsse sich der Verfassungsschutz sehr sicher gewesen sein, wenn er das definitiv habe ausschlie\u00dfen wollen.<\/p>\n<p>Backes setzt sonst nicht auf Staatskritik, doch hier bekam er  Zweifel. Einige Wochen vor ihm kritisierte an derselben Stelle der  Neonazismus-Forscher Fabian Virchow die Art, wie vor allem das  s\u00e4chsische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz die \u00d6ffentlichkeit bisher  informiert hat: so gut wie gar nicht. <a href=\"http:\/\/www.addn.me\/news\/nsu-untersuchungsausschuss-rechtsterrorismus-ist-kein-neues-phaenomen\/\">Ein \u201cAmtsnarrativ\u201d habe sich da eingefahren.<\/a> Und zwar seit ungef\u00e4hr dem Jahr 2000.<\/p>\n<p>Mit dem damaligen Verbot von \u201cBlood &amp; Honour\u201d galt die rechte  Skinhead-Szene n\u00e4mlich als abgehakt, das Problem der Neonazi-Gewalt  schien geb\u00e4ndigt. Vor allem die erfolgsheischende Selbstdarstellung der  Sicherheitsbeh\u00f6rden vermittelte einen Eindruck, der schon damals  inad\u00e4quat war und heute als v\u00f6llig falsch angesehen werden muss. Dieser  Eindruck wiegt so schwer, dass er nun an der Legitimit\u00e4t des  Inlandsgeheimdienstes r\u00fchrt: Wenn die \u00c4mter nicht zum \u201cFr\u00fchwarnsystem\u201d  taugen, gibt es keinen Grund f\u00fcr ihr Bestehen.<\/p>\n<p>Bei der Aufkl\u00e4rung der Mordserie des \u201cNationalsozialistischen  Untergrundes\u201d geht es dabei um ein entscheidendes Detail: Wusste der  Verfassungsschutz jahrelang zu wenig \u2013 oder hat er Nichtwissen  vorgesch\u00fctzt? Und wer will solche Fragen entscheiden? Die Arbeit der  Geheimdienste ist das H\u00fcten von Geheimnissen \u00fcber alle, die man dort f\u00fcr  Verfassungsfeinde h\u00e4lt. Interne Dokumente des Bundesamtes f\u00fcr  Verfassungsschutz geben nun aber einen so seltenen wie verst\u00f6renden  Eindruck, was das konkret hei\u00dft.<\/p>\n<p><strong>\u201cKameradschaften bedeutungslos\u201d<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Ende 2000 steht fest, dass dieses Jahr eine Z\u00e4sur bedeutete, in  mehrerlei Hinsicht: \u201cBlood &amp; Honour\u201d wird aufgel\u00f6st und durch den  Beginn des NPD-Verbotsverfahrens steht die extreme Rechte vor einem  organisatorischen Bruch. Der staatlich orchestrierte \u201cAufstand der  Anst\u00e4ndigen\u201d hat begonnen. Und der \u201cNationalsozialistische Untergrund\u201d  (NSU) entzieht sich dem Trubel durch einen Umzug aus der bisherigen <a href=\"http:\/\/gamma.noblogs.org\/archives\/1105\">B&amp;H-Hochburg Chemnitz<\/a> ins nicht weit entfernte <a href=\"http:\/\/gamma.noblogs.org\/archives\/802\">Zwickau<\/a>.<\/p>\n<p>Dann, Anfang 2001, geht in K\u00f6ln eine gemeinsame Arbeitsgruppe von  Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt ans Werk.  Gemeinsam wollten sich die Beamten einen \u00dcberblick zu  \u201crechtsextremistischen Kameradschaften\u201d verschaffen. F\u00fcr den  Verfassungsschutz war das Thema tats\u00e4chlich etwas Originelles: Das  s\u00e4chsische Landesamt etwa hatte im Jahresbericht f\u00fcr 1997 das  Zellen-Konzept f\u00fcr gescheitert und im Folgejahr \u2013 als die drei bekannte  Mitglieder der \u201cKameradschaft Jena\u201d Uwe Mundlos, Uwe B\u00f6hnhardt und Beate  Zsch\u00e4pe als Zelle in den Untergrund gingen \u2013 Kameradschafts-Gruppen f\u00fcr  bedeutungslos erkl\u00e4rt. Eine \u00fcberraschende und durchweg falsche  Einsch\u00e4tzung.<\/p>\n<p>Zwei Jahre sp\u00e4ter dominierten, nun zur \u00dcberraschung der Beh\u00f6rden,  pl\u00f6tzlich mehr als zwei Dutzend Kameradschafts-Gruppen die Szene der  extremen Rechten im Freistaat, darunter so ber\u00fcchtigte wie die  militanten, von der NPD unterst\u00fctzten \u201cSkinheads S\u00e4chsische Schweiz\u201d  (SSS). Die werden 2001 zwar verboten. Aber Ende des Jahres wird in  Limbach-Oberfrohna ungest\u00f6rt die Kameradschaft \u201cHeimatschutz Chemnitz\u201d  gegr\u00fcndet. Ganz formell, als eingetragener Verein. Ihrem Schriftf\u00fchrer,  dem inzwischen 48-j\u00e4hrigen Ralph Hofmann, wird heute vorgeworfen, dem  NSU seinen Personalausweis \u00fcberlassen zu haben.<\/p>\n<p><strong>100 Kameradschaften \u201cvergessen\u201d<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Die Sache mit den Kameradschaften hatte man also, so scheint es  heute, wenig im Blick. Aber immerhin: Auf Bundesebene gab einen Versuch,  schlechter Prognostik mit einem \u201cgemeinsamen Lagebericht\u201d vorzubeugen.  Dazu holte das BfV ab Anfang 2001 die Expertise seiner Landes\u00e4mter ein,  das BKA befragte die Landeskriminal\u00e4mter. Das BfV legte Ende des Jahres  2001 den Entwurf zu einem eher kargen \u201cAbschlussbericht\u201d vor: 14  Kameradschaften und einige \u201cAktionsb\u00fcndnisse\u201d werden namentlich  aufgez\u00e4hlt, aber ausgerechnet der \u201cTh\u00fcringer Heimatschutz\u201d als  \u201cunstrukturierter und als Mischszene zu bezeichnender  Personenzusammenhang\u201d hingestellt. Insgesamt z\u00e4hlte der  Verfassungsschutz bundesweit 162 entsprechende Gruppierungen.<\/p>\n<p>Das klingt nach viel. Zur selben Zeit wurden auch die Erkenntnisse  der Polizei zusammengestellt \u2013 sie z\u00e4hlte aber sogar 260  Kameradschaften, hundert mehr als der Verfassungsschutz kennen wollte.  Gesamtzahl der Aktivisten: mehr als 1.600, davon fast zwei Drittel schon  polizeibekannt. Der Verfassungsschutz kam nat\u00fcrlich auf weniger  Personen, aber selbst in seiner Z\u00e4hlung tauchten acht Kameradschafter  auf, die dringend verd\u00e4chtigt wurden oder schon daf\u00fcr verurteilt waren,  T\u00f6tungsverbrechen begangen zu haben.<\/p>\n<p>Dennoch sah die Polizei nicht nur in nackten Zahlen auff\u00e4llig viele  Dinge grundlegend anders als die Geheimdienstkollegen: Den \u201cTh\u00fcringer  Heimatschutz\u201d kannten die uniformierten Beamten im Gegensatz zum  Verfassungsschutz als \u201cgefestigte Organisationsstruktur\u201d \u2013 die  Aktivit\u00e4ten des THS lie\u00dfen \u201ceine Zielrichtung erkennen, die gegen  Ausl\u00e4nder\u201d gerichtet ist. Die Polizei identifizierte Ralf Wohlleben als  F\u00fchrungsfigur in Jena \u2013 sowie Uwe Mundlos, Uwe B\u00f6hnhardt und Beate  Zsch\u00e4pe. Diese seien \u201cweiterhin fl\u00fcchtig\u201d. Ebenfalls abk\u00f6mmlich sei \u201caus  bekannten Gru\u0308nden\u201d der bisherige THS-Anf\u00fchrer Tino Brandt.<\/p>\n<p>Brandt war im Mai des Jahres, vor Fertigstellung der  Zwischenberichte, als V-Mann des Th\u00fcringer Verfassungsschutzes  aufgeflogen. Vielleicht \u2013 es ist die mildeste Erkl\u00e4rung \u2013 mochte dem  Bundesamt einfach deshalb so wenig zum THS einfallen.<\/p>\n<p>Beide Zwischenberichte widersprachen sich letztlich in so vielen  Punkten, dass daran die \u201cProjektgruppe Kameradschaften\u201d zerbrach. Das  Bundesamt bem\u00e4ngelte nachher, viele Gruppierungen, die das BKA  recherchiert habe, seien eigentlich keine Kameradschaften. Die  Geheimdienstler stellten sich darunter einen gleichfalls  geheimb\u00fcndlerischen, neonazistischen Aktivistenstamm vor. Der sei  sorgsam zu trennen von der \u201csubkulturellen Musikszene\u201d, worunter damals  ernsthaft auch das militante \u201cBlood &amp; Honour\u201d-Netzwerk rubriziert  wurde. Im Zweifelsfall lie\u00df das BfV nur solche Gruppen als  Kameradschaften gelten, die das Wort im eigenen Namen f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Name des V-Manns wegradiert<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr beide Beh\u00f6rden war das ein unl\u00f6sbares Dilemma, mit dem das  Projekt noch anderthalb Jahre gestreckt wurde, bis im Juli 2003  pl\u00f6tzlich doch ein \u201cAbschlussbericht\u201d der \u201cgemeinsamen Projektgruppe  Kameradschaften\u201d vorgelegt wurde. Tats\u00e4chlich neu war daran nur das  Layout: Das BfV hatte kurzerhand seine alte, seitdem nicht mehr  aktualisierte Ursprungsfassung verwendet. Die aktuelleren und  umfangreicheren Erkenntnisse der Polizei wurden Zierde f\u00fcrs Vorwort. Das  bei Fertigstellung schon vollst\u00e4ndig veraltete Machwerk wurde nie  ver\u00f6ffentlicht, sondern gleich in K\u00f6ln als \u201cVerschlu\u00dfsache\u201d gestempelt.<\/p>\n<p>Das war einer der wenigen nachvollziehbaren Amtshandlungen in der  BfV-Zentrale. Zumal ein detaillierter Textvergleich der  Verfassungsschutz-Fassung mit der Zuarbeit des BKA nicht nur  hinsichtlich des THS einen dubiosen Eindruck hinterl\u00e4sst.<\/p>\n<p>So im Kapitel zum sachsen-anhaltischen Halle\/Saale: Als Drahtzieher der \u00f6rtlichen Szene identifizierte das BKA den Neonazi <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/Nazi-mit-Kontakt-zum-Verfassungsschutz\/%21101988\/\">Thomas Richter<\/a>.  Er f\u00fchre gleich eine ganze Reihe von Kameradschaften an, die er im  \u201eNationalen Widerstand Halle\/Saale\u201d als einer Art \u201eDachorganisation\u201d  vereinigt habe. F\u00fcr die Polizei war es ein Beispiel f\u00fcr eine  \u201cherausragende Kameradschaft\u201d. Das BfV dagegen konzedierte ganz kurz,  die Halleschen Kameradschafter verf\u00fcgten \u201cu\u0308ber keine festen  Strukturen\u201d. Als Kopf des \u201cKameradenkreises\u201d identifizierte das BfV  nicht Richter, sondern seinen Kompagnon aus B&amp;H-Zeiten, Sven  Liebich.<\/p>\n<p>Der spielte gewiss eine Rolle. Aber die Personalie Thomas Richter l\u00e4sst heute viel mehr staunen: Er war <a href=\"http:\/\/gamma.noblogs.org\/archives\/1153\">Anfang der 2000er dem \u201cKu Klux Klan\u201d beigetreten<\/a> und schloss sich nach dem B&amp;H-Verbot dem militanten  \u201cHammerskin\u201d-Netzwerk an. Das BfV wusste das \u2013 denn unter dem Decknamen  \u201cCorelli\u201d erstattet Richter dem Verfassungsschutz Rapport \u00fcber das  Innenleben der f\u00fcr ihren verschlossenen Elite-Anspruch ber\u00fcchtigten  Organisationen. Und deswegen, so scheint es heute, verschwand Richters  Name aus dem Projektbericht.<\/p>\n<p><strong>\u201cQuelle\u201d im Helfernetzwerk gef\u00fchrt<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Die Vermutung der Tageszeitung \u201cNeues Deutschland\u201d, dass hier <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/239437.neues-zum-v-mann-corelli-oder-wie-thomas-r-verschwand.html\">zugunsten eines V-Mannes \u201cradiert\u201d<\/a> worden sein k\u00f6nnte, hat einiges f\u00fcr sich. Der Verdacht ist anr\u00fcchig:  Zumindest mit dem NSU-Terroristen Uwe Mundlos war Thomas Richter schon  vor dem Untertauchen 1998 bekannt. Richters Name, Festnetz- und  Handynummer sowie ein von ihm betreutes Postfach hatte Mundlos <a href=\"http:\/\/gamma.noblogs.org\/archives\/1058\">handschriftlich auf einer Kontaktliste notiert<\/a> (GAMMA berichtete). Sp\u00e4ter betreute Richter die Website des Neonazi-Fanzines \u201cDer Wei\u00dfe Wolf\u201d. Eine der Ausgaben <a href=\"http:\/\/nsu-watch.apabiz.de\/2012\/03\/vielen-dank-an-den-nsu-was-wusste-der-weisse-wolf\/\">richtet auf Seite 2 \u201cVielen Dank an den NSU\u201d aus<\/a>.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Ausgabe des Hetzblattes war der heutige  NPD-Landtagsabgeordnete in Mecklenburg-Vorpommern, David Petereit,  zust\u00e4ndig. Auch Petereit kommt aus der Kameradschaftsszene. Der NSU <a href=\"http:\/\/nsu-watch.apabiz.de\/2012\/05\/nsu-brief-bei-petereit-gefunden\/\">schickte ihm Anfang der 2000er einen \u201cUnterst\u00fctzerbrief\u201d<\/a>, dem eine h\u00f6here Bargeldsumme beigelegen hat \u2013 wom\u00f6glich Beute aus einem Bank\u00fcberfall.<\/p>\n<p>Ob und was Richter \u00fcber den NSU wusste, ist nicht bekannt. Auch  nicht, was insbesondere das s\u00e4chsische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz  \u00fcber Richter wei\u00df \u2013 er wohnte zuletzt in Leipzig und hielt sich hier  vermutlich schon l\u00e4nger regelm\u00e4\u00dfig auf. Das Bundesamt f\u00fcr  Verfassungsschutz hat zwar Richters V-Mann-T\u00e4tigkeit nicht dementiert,  aber erkl\u00e4rt, definitiv keine \u201cQuellen\u201d im NSU gef\u00fchrt zu haben. Mehr  habe man nicht mitzuteilen.<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich interessierte Richters etwaige <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/Umfeld-des-Neonazitrios\/%21103214\/\">Stellung im Helfernetzwerk<\/a> der fl\u00fcchtigen Jenaer wirklich niemanden. Profiliert hat er sich  vielmehr als langj\u00e4hriger \u201cAnti-Antifa\u201d-Fotograf. Er fertigte Bildserien  von Neonaziaufm\u00e4rschen, teils auf Einladung der Veranstalter, lichtete  aber auch gern Gegendemonstranten und Journalisten ab. Andere Neonazis  haben Richter ihre Fotos zugeschickt. Einen kleinen Teil stellte er auf  seine Website. Der komplette Bilderschatz aber, das vermuten auch  einstige Kameraden, k\u00f6nnte beim Verfassungsschutz gelandet sein.<\/p>\n<p><strong>\u201cBewaffnete Eliteeinheit\u201d ignoriert<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Wer Quellen sch\u00fctzen m\u00f6chte, macht nicht auf sie aufmerksam. Im  \u201cProjektbericht\u201d zu den Kameradschaften gibt es einen weiteren markanten  Fall, der so interpretiert werden k\u00f6nnte: Die \u201cSkinheads S\u00e4chsische  Schweiz\u201d. Das BfV erw\u00e4hnte sie namentlich, durch ihr Verbot war die  Gruppierung sowieso bundesweit bekannt geworden. Entsprechend w\u00fcrdigte  das BfV weniger die Gefahr dieser Gruppe, als das erfolgreiche  Einschreiten der Beh\u00f6rden. Das BKA allerdings brachte zwei Fakten auf  den Tisch, die wiederum keine Chance hatten, im Abschlussbericht zu  landen.<\/p>\n<p>Erstens: \u201cDie Organisation hatte enge Kontakte zu anderen  Organisationen, u.a. zum Kreisverband der NPD des Landkreises S\u00e4chsische  Schweiz\u201d. Es ist \u00fcbrigens derselbe NPD-Verband, der 2007 \u201cKameraden und  Interessenten\u201d zum Schie\u00dftraining mit scharfen Waffen eingeladen hat.<\/p>\n<p>Zweitens: Neben der SSS wies die Polizei auf die \u201cS\u00e4chsischen  Hammerskins\u201d hin, die sich \u2013 ebenfalls in Ostsachsen \u2013 die \u201cBildung  einer \u2018bewaffneten Eliteeinheit\u2019, die Schaffung einer \u2018reinen Rasse\u2019\u201d  und den \u201cAngriff auf die Grunds\u00e4tze des Staates und seiner  Einrichtungen\u201d zum Ziel gesetzt hatten.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich waren namhafte Kader der SSS zugleich bei den Hammerskins  aktiv. Der Gr\u00fcnder der \u201cS\u00e4chsischen Hammerskins\u201d (SHS) wurde sp\u00e4ter ein  V-Mann des BfV: Mirko Hesse. Nat\u00fcrlich erw\u00e4hnt zwar das BKA, nicht aber  das BfV diesen Namen in seinem \u201cKameradschafts\u201d-Bericht. Als das  SSS-Verbot umgangen und illegale Nachfolgetreffen abgehalten wurden,  tauchte Hesse ausgerechnet im Umfeld der verbotenen SSS wieder auf.  Obgleich sein Name in Zusammenhang mit seinem unversteuerten  Staatsdienst durch bundesweite Presse bekannt geworden war, wurde er  weiter zu Konzerten mitgenommen und beispielsweise zu einem  Strategietreffen der NPD-Jugendorganisation \u201cJunge Nationaldemokraten\u201d  eingeladen.<\/p>\n<p>Das BKA lag mit dem Hinweis auf die Hammerskins also richtig: Sie und  die Gruppierung \u201cWhite Warrior Crew Sebnitz\u201d (WWCS) seien \u201cnicht mehr  eindeutig voneinander zu trennen\u201d. Die WWCS erwies sich in der Tat rasch  als Auffangbecken f\u00fcr einstige SSS-Aktivisten. Das BfV ignorierte das  alles und wollte in seiner \u201cendg\u00fcltigen\u201d Berichtsfassung von den  Hammerskins nur so viel wissen: nichts.<\/p>\n<p><strong>Aber wer sind eigentlich die Hammerskins?<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Die \u201cHammerskins\u201d sind vor allem ein dunkler Fleck in den Schubl\u00e4den  des Verfassungsschutzes, insbesondere denen des s\u00e4chsischen Landesamtes.  Hier war 1993 in Sebnitz eine der ersten deutschen Gruppierungen des  urspr\u00fcnglich US-amerikanischen Neonazi-Netzwerks gegr\u00fcndet worden. Wer  wollte, konnte das aus dem s\u00e4chsischen Verfassungsschutzbericht erfahren  \u2013 wenn auch erst im Bericht f\u00fcr 1995, also zwei Jahre zu sp\u00e4t, dar\u00fcber  informiert wurde.<\/p>\n<p>Von der Idee her waren die Hammerskins gut vergleichbar mit dem  \u201cBlood &amp; Honour\u201d-Netzwerk, dessen Wurzeln allerdings in  Gro\u00dfbritannien liegen: Konsequente Politisierung der Skinhead-Szene,  dazu ein harter, gewaltt\u00e4tiger Neonazismus und eine sendungsbewusste,  rassistische Eliteideologie. Und in der Tat waren weder B&amp;H, noch  Hammerskins je Sammlungsbewegungen. Sie wollten eine nationalistische  Elite mit den heute noch sinnbildlichen Stilmitteln einer damals  besonders in Ostdeutschland florierenden Jugendsubkultur repr\u00e4sentieren \u2013  ein vor allem organisatorischer Akt.<\/p>\n<p>Wie B&amp;H publizierten die S\u00e4chsischen Hammerskins mit Mirko Hesse  an der Spitze ein Fanzine (\u201cHass Attacke\u201d), produzierten und vertrieben  Rechtsrock in gro\u00dfem Stil (\u201cH.A. Records\u201d) und richteten Konzerte aus.  Solche Freizeitangebote zogen Publikum, und \u00fcberdies brachten sie Geld.  Um all das zu erm\u00f6glichen, brauchte es in den 1990er Jahren bei den  zun\u00e4chst auf Ostsachsen konzentrierten Hammerskins nur ein knappes  Dutzend Leute, eine Hand voll Eiferer. Die standen mitunter in  Konkurrenz, in Sachsen aber kooperierten Hammerskins und B&amp;H  jahrelang. Bei Treffen der s\u00e4chsischen B&amp;H-Sektion \u2013 an ihrer Spitze  standen die mutma\u00dflichen <a href=\"http:\/\/gamma.noblogs.org\/archives\/840\">NSU-Unterst\u00fctzer Jan Werner<\/a> und der als <em>sp\u00e4terer<\/em> V-Mann des Berliner LKA <a href=\"http:\/\/www.addn.me\/nazis\/mutmasslicher-nsu-unterstuetzer-war-jahrelang-informant-der-polizei\/\">enttarnte Thomas Starke<\/a> \u2013 war dann auch Mirko Hesse willkommen.<\/p>\n<p>Auf diese zentrale Figur kam das LfV Sachsen ein einziges Mal zu  sprechen, in seinem Jahresbericht f\u00fcr 1997. In \u201cder Wohnung des  Herausgebers von \u2018Hass Attacke\u2019\u201d, gemeint ist Hesse, seien \u201cverschiedene  Materialien von \u2018C 18\u2032 sichergestellt\u201d worden. \u201cDiese beinhalten u.a.  auch Anleitungen zur Herstellung von Bomben und Sprengstoff.\u201d<\/p>\n<p>Trotz bekannter Auslandskontakte und der Verbindung zu \u201cCombat 18\u2033 \u2013  einer britischen Neonazi-Terrorgruppierung, die unmittelbar aus dem  B&amp;H-Netzwerk hervorgegangen ist \u2013 hat das LfV Sachsen die Rolle der  Hammerskins stets heruntergespielt: Sie seien unbedeutend, w\u00fcrden nur  punktuell Aktivit\u00e4ten entfalten und h\u00e4tten kaum Zulauf. Das war der  j\u00e4hrliche Tenor der Berichte und sollte sich erst im Jahr 2000 \u00e4ndern,  in dem die Erfolgsmeldungen \u00fcber das B&amp;H-Verbot so breit ausgew\u00e4lzt  wurden, dass die Hammerskins unterschlagen wurden. Bis 2004 tauchten sie  dann wieder sporadisch auf, aber ohne jeden Hinweis, dass sie irgendwie  noch aktiv seien. Wer gutgl\u00e4ubig nachliest, muss meinen, das Netzwerk  h\u00e4tte sich sang- und klanglos aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p><strong>Ein bundesweit aktives Kader-Netzwerk<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Sie waren aber nie weg. Im j\u00fcngsten s\u00e4chsischen  Verfassungsschutz-Bericht sind sie pl\u00f6tzlich zur\u00fcck, umfangreich wie nie  zuvor. Dort steht, dass es auf Landesebene eine \u201cDivision\u201d und  regionale \u201cChapter\u201d g\u00e4be. Aber nicht, was die so treiben. Unabh\u00e4ngig vom  amtlichen Nichtwissen geben antifaschistische Recherchen viele  Anhaltspunkte daf\u00fcr her, dass die Hammerskins in Sachsen neben dem Raum  Ostsachsen und Dresden auch in Delitzsch (Nordsachsen), dem  Vogtlandkreis, der Region Leipzig\u2013Schkeuditz bis hin ins  sachsen-anhaltische Halle sowie, vom th\u00fcringischen Altenburg aus, in  Westsachsen aktiv waren. Oder noch sind.<\/p>\n<p>Die Namen, die dahinter stehen, sind sattsam bekannt. Als \u201cBr\u00fcder\u201d im  Hammerskin-Netzwerk dabei sind der stellvertretende  NPD-Landesvorsitzende <a href=\"http:\/\/gamma.noblogs.org\/archives\/779\">Maik Scheffler<\/a>, <a href=\"http:\/\/venceremos.sytes.net\/artdd\/artikel\/cog\/thomas-ace-gerlach-fuehrender-neonazi-und-nsu-helfer.html\">Thomas \u201cAce\u201d Gerlach<\/a>,  Stefan Wagner und der schon erw\u00e4hnte V-Mann Thomas Richter. Das sind  also die hiesigen Hammerskins: Allesamt Veteranen der  Kameradschafts-Szene, untereinander bestens bekannt und teils gemeinsame  Begr\u00fcnder des <a href=\"http:\/\/gamma.noblogs.org\/archives\/723\">militanten Kameradschafts-Netzwerkes \u201cFreies Netz\u201d<\/a>. \u00c4hnlich sieht es \u00fcbrigens in Bayern beim \u201cFreien Netz S\u00fcd\u201d aus, dessen Gr\u00fcnder Tony Gentsch ebenfalls zum Netzwerk geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Triftig daran ist, dass die <a href=\"http:\/\/www.bnr.de\/artikel\/aktuelle-meldungen\/rassistische-bruderschaft\">Hammerskin-Strukturen weiterhin aktiv<\/a> sind. In einer Brosch\u00fcre von 2007 ging das BfV \u2013 bezeichnenderweise in  einer Fu\u00dfnote \u2013 von nach wie vor 100 Mitgliedern aus. Das Netzwerk hat  sich damit seit Mitte der 1990er Jahre als \u00e4u\u00dferst stabil erwiesen, und  das in einem bundesweiten Ma\u00dfstab. Nach wie vor gibt es regelm\u00e4\u00dfige  Kader-Treffen auf Bundesebene. Als einer der K\u00f6pfe des Netzwerks gilt  der Rechtsrock-H\u00e4ndler <a href=\"http:\/\/www.infobuero.org\/2011\/12\/informationen-zu-malte-redeker-den-hammerskins-westmark-und-lunara-ludwigshafen\/\">Malte Redeker aus Ludwigshafen<\/a>.<\/p>\n<p><strong>\u201cQuellenschutz\u201d rettete Hammerskins<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Die Hammerskins existieren heute vielleicht nicht trotz, sondern  wegen des Verfassungsschutzes. Und das wiederum nicht nur wegen V-Leuten  wie Mirko Hesse und Thomas Richter, sondern wegen einer dubiosen  Entscheidung im Jahr 2000. Das damalige Verbot gegen die \u201cBlood &amp;  Honour \u2013 Division Deutschland\u201d und deren Jugendgruppe \u201cWhite Youth\u201d  sollte urspr\u00fcnglich auch den Hammerskins gelten. Das BfV war vom  Bundesinnenministerium beauftragt worden, die Verbotsvoraussetzungen zu  pr\u00fcfen und gerichtsverwertbare Beweise vorzulegen, die ein  Verbotsvollzug rechtfertigen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Das klappte im Falle B&amp;H, aber die Hammerskins kamen ungeschoren  davon. Begr\u00fcndung: Das BfV sehe sich \u201cau\u00dfer Stande, ein Verbot der  neonazistischen Hammerskins\u201d anzustrengen.<\/p>\n<p>Die Argumentation ist s\u00fcffisant und soll Bedeutungslosigkeit  suggerieren: Die Hammerskins seien ja viel kleiner als B&amp;H, sie  h\u00e4tten im Jahr 2000 lediglich 80 Mitglieder. Im \u00f6ffentlichen  BfV-Jahresbericht f\u00fcr 2000 wird \u00fcbrigens gar keine Mitgliederzahl  genannt, aber 1999 mit 120 und 2001 mit 100 beziffert. Fakt ist, dass  die Hammerskins eine mit B&amp;H \u2013 deren Mitgliederzahl in Deutschland  damals plausibel auf 150 bis 200 gesch\u00e4tzt wurde \u2013 vergleichbare Gr\u00f6\u00dfe  erreicht hatten. Aber selbst das bundesweite B&amp;H-Verbot betraf am  Ende gerade einmal 37 Personen, das Gros der Aktivisten kam so davon.<\/p>\n<p>Zu diesem aus heutiger Sicht also nicht sehr \u00fcberzeugenden Punkt kam  aus damaliger Sicht des BfV noch ein zweiter Einwand gegen ein  Hammerskin-Verbot: \u201cS\u00e4mtliche personenbezogenen Informationen stammen  aus dem Einsatz von V-Personen \u2013 u\u0308berwiegend der Landesbeh\u00f6rden fu\u0308r  Verfassungsschutz. Sie sind dementsprechend als Verschlusssache  eingestuft und unterliegen dem Quellenschutz.\u201d Dieser Passus ist das  eigentliche Ergebnis der \u201cVerbotspr\u00fcfung\u201d gegen die Hammerskins. Es  grenzt an Arbeitsverweigerung.<\/p>\n<p>In anderen F\u00e4llen waren Hinweise von V-Leuten kein Hindernis f\u00fcr ein  Verbot, das naheliegendste Beispiel ist Blood &amp; Honour. Freilich  kann die Furcht, sich intensiv auf V-Leute zu st\u00fctzen, auch damit  zusammenh\u00e4ngen, dass parallel das NPD-Verbotsverfahren an diesem Problem  gescheitert ist. Trotzdem bei\u00dft sich die Katze in den Schwanz: Warum  vereitelt hier der \u201cQuellenschutz\u201d f\u00fcr V-Leute, die verbotsrelevante  Informationen sammeln, die Verwendung dieser Informationen f\u00fcr ein  Verbot? Es kam wohl nie die Zeit, in der solche Fragen gestellt worden  w\u00e4ren. Der Verbotsentwurf des BfV f\u00fcr B&amp;H \u2013 nebst Begr\u00fcndung, die  Hammerskins zu schonen \u2013 wurde n\u00e4mlich ganz knapp fertig, nur eine Woche  vor dem Verbotsvollzug.<\/p>\n<p><strong>Lauter wirkungslose Ma\u00dfnahmen<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Hammerskins gab es bald doch \u00c4rger: Im Juli 2002 durchsuchte  die Polizei 40 Wohnungen und Lagerr\u00e4ume in Sachsen, Berlin, Bayern,  Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thu\u0308ringen. Die Razzien  galten 29 Hammerskin-Mitgliedern. Ihnen wurde vorgeworfen, einen  bundesweiten Vertrieb f\u00fcr verbotene CDs aufgebaut zu haben. Hinzu kam  zeitgleich in Sachsen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der  Bildung einer kriminellen Vereinigung nach dem Paragraf 129. Anlass dazu  waren \u201cGewalttaten aus dem Kreis s\u00e4chsischer Hammerskins\u201d. Hier  gerieten insgesamt 34 Mitglieder der \u201cChapter\u201d in Ost- und Westsachsen  ins Visier der Fahnder.<\/p>\n<p>Vorl\u00e4ufig aus dem Verkehr gezogen wurde aber lediglich der V-Mann  Mirko Hesse, der im November 2002 wegen zahlreicher Vergehen, u.a.  Volksverhetzung und Gewaltverherrlichung, zu einer zweij\u00e4hrigen  Haftstrafe verurteilt worden ist. Hesse war zudem in die  \u201cLandser\u201d-Produktion der mutma\u00dflichen Chemnitzer NSU-Unterst\u00fctzer Jan  Werner und Thomas Starke eingebunden. Gleich zu Beginn der Ermittlungen  in dieser Sache wurde Starke vom Berliner LKA als V-Mann angeworben.  Ansonsten geschah nicht nur wenig, sondern nichts: Die  Paragraf-129-Ermittlung gegen die Hammerskins in Sachsen wurden ganz  eingestellt, die Ermittlungen liefen in Leere. Anlauf zu einem neuen  Verbot wurde nie wieder genommen.<\/p>\n<p>Die Frage nach dem Warum verweist auf die Erfahrungen, die im Falle  eines anderen Verbots gemacht wurden. Und diese schlechten Erfahrungen  r\u00fctteln einmal mehr an dem \u201cAmtsnarrativ\u201d, das \u201cBlood &amp;  Honour\u201d-Netzwerk erfolgreich zerschlagen zu haben. Im R\u00fcckblick sieht es  n\u00e4mlich so aus, als sei nicht nur das geplante Verbot, sondern auch der  konkrete Termin den Betroffenen schon vorher bekannt gewesen ist.<\/p>\n<p>Der Termin war der 14. September 2000. In Sachsen galt das Verbot  namentlich nur einem Mann: Sven Liebich, der in Sachsen nicht wohnhaft  war, aber in Leipzig den Naziladen \u201cMidgard\u201d betrieben hat und pro forma  in Wiedemar gemeldet war. Tats\u00e4chlich geh\u00f6rte er zur B&amp;H-Sektion  Sachsen-Anhalt. Genau wie Thomas Richter, der an dem Tag aber ganz  verschont blieb. Eine Vorzugsbehandlung erhielten auch alle s\u00e4chsischen  B&amp;H-Aktivisten, damals mehr als zwei Dutzend Leute in einer  offiziellen und \u2013 die Clique um Werner und Starke \u2013 einer \u201cunabh\u00e4ngigen\u201d  Sektion. Bei B&amp;H-Sachsen aktiv war zu dem Zeitpunkt auch der  heutige <a href=\"http:\/\/gamma.noblogs.org\/archives\/1052\">Kopf des Wurzner \u201cFront Records\u201d-Imperiums, Thomas Persdorf<\/a>.<\/p>\n<p>Zu Persdorfs \u201cSektion\u201d geh\u00f6rte auch Rico Berger aus Oschatz. Er  betrieb ein Postfach f\u00fcr seine Gruppe, deswegen klingelten Beamte am 14.  September auch bei ihm. Eine Durchsuchung war gar nicht erst vorgesehen  worden, lediglich eine Beschlagnahmung des Postfachs. Das war zuvor  sogar observiert worden. Aber Berger war aus dem Schneider: Den Beamten  \u00fcbergab er eine Quittung, die belegte, dass er das Postfach <em>am Vortag<\/em> aufgel\u00f6st hatte. Berger erkl\u00e4rte der Polizei, dass er nicht zu B&amp;H  geh\u00f6re, schlie\u00dflich sei die Organisation ja verboten. Eine  Protokollnotiz dokumentiert die \u00dcberraschung der verdutzten Beamten. Die  fragten Berger, woher er das denn wisse. Und der antwortete keck: \u201cAus  dem Radio.\u201d<\/p>\n<p><strong>B&amp;H-Verbot vorab verraten?<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Daf\u00fcr, dass das anstehende Verbot verraten worden sein k\u00f6nnte, gibt  es ein weiteres Indiz. Die Staatsanwaltschaft Halle hat nach dem  B&amp;H-Verbot ein Sammelverfahren gegen Beschuldigte aus dem ganzen  Bundesgebiet gef\u00fchrt. Sie sollen die B&amp;H-Organisation illegal  fortgef\u00fchrt haben. Unter den 38 Verd\u00e4chtigen waren auch Thomas Persdorf  und der mutma\u00dfliche NSU-Unterst\u00fctzer Jan Werner. Das Ungew\u00f6hnliche: Die  Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen entgegen der Gepflogenheit  nicht mit den Bundes- und Landes\u00e4mtern f\u00fcr Verfassungsschutz abgestimmt \u2013  und zwar \u201caus ermittlungstaktischen Gru\u0308nden\u201d.<\/p>\n<p>Das BfV beschwerte sich beim Bundesinnenministerium und kritisierte  den Anwurf aus Sachsen-Anhalt in einem Rundschreiben an die L\u00e4nder. Aber  gegen das Argument der Staatsanwaltschaft Halle fiel den  Verfassungssch\u00fctzern nichts ein: Man habe die \u201cBefu\u0308rchtung, die  Verfassungsschutzbeh\u00f6rden wu\u0308rden ihre Quellen u\u0308ber bevorstehende  Exekutivma\u00dfnahmen informieren und damit eine Weitergabe dieser  Information an Dritte erm\u00f6glichen.\u201d<\/p>\n<p>Nicht nur gegen das BfV stand dieser harte Vorwurf im Raum. Er betraf  beispielsweise auch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in Brandenburg  und wurde Mitte 2003 in den Medien thematisiert. Das brandenburgische  Landesamt hat dazu nie \u00f6ffentlich Stellung genommen, aber in einem  Rundschreiben an andere Beh\u00f6rden dementiert, dass eigene Mitarbeiter  \u201cdie Quelle auf das seinerzeit bevorstehende Verbot von \u2018Blood &amp;  Honour\u2019 und in diesem Zusammenhang durchzufu\u0308hrende Exekutivma\u00dfnahmen  hingewiesen\u201d h\u00e4tten. Das Dementi ist halbseiden, denn der letzte Absatz  l\u00e4sst sehr viel Interpretationsspielraum:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cEin gegen die fru\u0308here Quelle bereits laufendes  Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Potsdam wegen Verletzung des  Dienstgeheimnisses [\u2026] wird auch um den Aspekt ihrer Indiskretionen in  den Medien erweitert werden.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Verfassungsschutz behinderte Ermittlungen<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Sobald V-Leute \u201cDienstgeheimnisse\u201d verletzen, ist der  Informationsfluss, in den diese Quellen eingebunden sind, keine  Einbahnstra\u00dfe mehr. Der Verdacht, das B&amp;H-Verbot k\u00f6nnte auf diesem  Weg verraten worden sein, ist nie ausger\u00e4umt worden. Schon im M\u00e4rz 2000  war bei einer Durchsuchung in der Wohnung des Deutschland-Chefs von  B&amp;H, Stefan Thomas Lange (genannt \u201cPinocchio\u201d), ein interner  \u201cLehrbrief\u201d des Berliner LKA gefunden worden, Thema:  \u201cRechtsextremismus\u201d. Das ist nicht gerade die Sorte Dokumente, die man  sich in einer Bibliothek ausleihen kann.<\/p>\n<p>Einmal angenommen, es habe diesen Verrat gegeben: Wussten  B&amp;H-Mitglieder dann m\u00f6glicherweise auch von anderen  Ermittlungsma\u00dfnahmen, die gegen sie liefen? Wenn es so gewesen sein  k\u00f6nnte, sei eine Anschlussfrage gestattet: Wusste wom\u00f6glich die  Chemnitzer B&amp;H-Clique um Jan Werner und Thomas Starke, dass man sie  auf der Suche nach dem NSU observiert?<\/p>\n<p>Sicher sagen l\u00e4sst sich nur, dass die Kommunikation von  Verfassungsschutz und Polizei, bis hinauf zu BfV und BKA, nach dem  B&amp;H-Verbot kr\u00e4ftig gest\u00f6rt war \u2013 und zwar sehr lange Zeit. Aus dem  Jahr 2006 datiert ein Schreiben des BKA an das BfV und das  Bundesinnenministerium. Darin wird kritisiert, das BfV habe \u201ctrotz  mehrfacher Anfragen\u201d dem BKA niemals die Namen fr\u00fcherer  B&amp;H-Mitglieder mitgeteilt. Insbesondere die Namen derer, die nun  auch reihenweise in illegalen Nachfolgeorganisationen t\u00e4tig wurden. Dass  sie wegen der Blockade des BfV \u201cbislang als ehemalige Mitglieder nicht  bekannt\u201d waren, erschwere die Strafverfolgung, so das BKA. Das war sich  ziemlich sicher, dass die \u201cu\u0308berregionalen Fu\u0308hrungsstrukturen\u201d weiter  existieren.<\/p>\n<p>Das BfV aber sah nur noch punktuelle Aktivit\u00e4ten gegeben \u2013 und machte  diese ganz eigene Wahrheit \u00fcber viele Jahresberichte hinweg zur  einzigen offiziellen. Die Landes\u00e4mter wichen von dieser Linie nicht ab.  So steht es in den Jahresberichten.<\/p>\n<p><strong>Gewaltt\u00e4tige Gruppen zu \u201cEinzelt\u00e4tern\u201d verniedlicht<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Auff\u00e4llig an diesem Vorgang ist, dass sich das BKA vom BfV  insbesondere Informationen \u00fcber J\u00f6rg Winter erbeten hat. Der Mann aus  dem s\u00e4chsischen Leppersdorf war vor und nach dem Verbot in s\u00e4chsischen  B&amp;H-Gruppen engagiert. Er ist ein guter Freund des Thomas Starke. Im  Jahr 1997 besorgte er den Sprengstoff, den Starke dann dem Jenaer Trio  auslieferte. Doch was auch immer der Verfassungsschutz in K\u00f6ln oder  Dresden \u00fcber Winter wusste: Der Polizei verriet man es nicht.<\/p>\n<p>Das war folgenreich. Das BKA hatte n\u00e4mlich den Generalbundesanwalt  gebeten, die in vielen Bundesl\u00e4ndern angeh\u00e4uften Ermittlungsverfahren  gegen illegale B&amp;H-Gruppen zusammenzuf\u00fchren. Das wurde mangels  Erkenntnissen abgelehnt.<\/p>\n<p>Genau so war es auch im Falle dreier weiterer sattsam bekannter,  militanter Kameradschaftsstrukturen: \u201cTh\u00fcriger Heimatschutz\u201d, \u201cSturm 34\u2033  und \u201cKameradschaft Halle\u201d. Zwar seien diese Gruppierungen zweifelsohne  \u201cstrafrechtlich relevante Kameradschaften\u201d. Aber die Bundesanwaltschaft  erkl\u00e4rte sich dennoch f\u00fcr nicht zust\u00e4ndig. Eine Pr\u00fcfung habe n\u00e4mlich  ergeben: \u201cWenn u\u0308berhaupt Straftaten begangen wu\u0308rden, geschehe dies  durch Einzelt\u00e4ter\u201d. Gest\u00fctzt hat sich die Bundesanwaltschaft mit dieser  prinzipiellen und prinzipiell fragw\u00fcrdigen Einsch\u00e4tzung ausgerechnet auf  den frisierten Bericht der Arbeitsgruppe \u201cRechtsextremistische  Kameradschaften\u201d.<\/p>\n<p>Bekanntlich wurde \u201cSturm 34\u2033 im April 2007 nach zahlreichen brutalen  \u00dcberf\u00e4llen dann doch verboten. Die Berichte \u00fcber den THS sind Legion.  Und die Verharmlosung der \u201cKameradschaft Halle\u201d im Projektbericht zahlte  sich nun aus \u2013 auch f\u00fcr Thomas Richter, den V-Mann \u201cCorelli\u201d.<\/p>\n<p>Wie andere ehemalige B&amp;H-Aktivisten hat er sich nach dem Verbot,  mit einem Zwischenhalt beim \u201cKu Klux Klan\u201d, den Hammerskins  angeschlossen. Dass er mit dem Gesetz schon in Konflikt geraten war,  sprach offenbar nicht gegen seine Eignung als \u201cQuelle\u201d. Auch nicht, dass  er im Jahr 2003 in dem von ihm mitverantworteten Szene-Heftchen  \u201cNationaler Beobachter\u201d eine \u201cAnzeige\u201d mit einem sehr speziellen Angebot  abdruckte: Wehrsport. Damit waren kurz zuvor schon die \u201cSkinheads  S\u00e4chsische Schweiz\u201d und Hammerskins in Ostsachsen aufgefallen.<\/p>\n<p><strong>Rechtsterrorismus vollends verharmlost<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Wie weit geht der Verfassungsschutz beim Schutz seiner Quellen, so  dubios sie auch sein m\u00f6gen? Ein Blick nach Bayern zeigt, dass der  Verfassungsschutz im Notfall alle Register zieht, um V-Leute zu decken.  So einen Notfall gab es 2003: Mit Gesinnungsgenossen plante der Neonazi  Martin Wiese einen Sprengstoffanschlag auf das im Bau befindliche  j\u00fcdische Kulturzentrum in M\u00fcnchen, besorgte Schusswaffen und hortete  Sprengstoff. Und das, obwohl sich das BfV doch auf die Sprachregelung  eingelassen hatte, dass es in Deutschland keinen Rechtsterrorismus g\u00e4be.  Der Plan flog \u00e4u\u00dferst medienwirksam auf. Die Reaktion der  Verfassungssch\u00fctzer war keinesfalls Selbstkritik, sondern etwas  Verbl\u00fcffenderes.<\/p>\n<p>Ein Vorschlag des BfV von damals: schnellstens die Faktenlage  gl\u00e4tten. Angeregt wurde, den Abschlussbericht der  Kameradschafts-Arbeitsgruppe schleunigst zu erg\u00e4nzen. Zwar war der  Bericht, wie schon gesagt, so oder so hoffnungslos \u00fcberaltert. Aber ein  Kapitel zu Wieses \u201cKameradschaft S\u00fcd\u201d sollte zumindest nachgeschoben  werden. Eine letzte peinliche Posse in diesem missratenen Projekt.<\/p>\n<p>Zweiter Schritt war die Beschwichtigung. Um dem Eindruck  entgegenzuwirken, es g\u00e4be eventuell doch Rechtsterrorismus in  Deutschland, schrieb das BfV eine interne \u201cArgumentationshilfe\u201d \u2013 und  bediente sich dem makabersten nur denkbaren Beispiel:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cIn der Presse wird angefu\u0308hrt, dass es im  Rechtsextremismus sehr wohl ein potentielles Unterstu\u0308tzerfeld gebe.  Hierzu wird auf drei Bombenbauer aus Thu\u0308ringen verwiesen, die seit  mehreren Jahren \u201eabgetaucht\u201d seinen und dabei sicherlich die  Unterstu\u0308tzung Dritter erhalten h\u00e4tten. Dem ist entgegenzuhalten, dass  diese Personen auf der Flucht sind und soweit erkennbar seither keine  Gewalttaten begangen haben. Deren Unterstu\u0308tzung ist daher nicht zu  vergleichen mit der fu\u0308r einen bewaffneten Kampf aus der Illegalit\u00e4t.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Zur Not wird umfassend gelogen<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht war hier wieder das Amtsnarrativ unwiderstehlicher als die  Fakten. Um gar keine Fakten mehr ging es beim dritten Schritt des  Verfassungsschutzes: der Desinformation. Denn das bayrische Landesamt  hatte in Wieses Umfeld tats\u00e4chlich einen V-Mann platziert, der \u00fcber  Anschlagspl\u00e4ne und Waffenbesorgungen berichtete, w\u00e4hrend Wieses  Vorbereitungen immer konkreter wurden. Vielleicht wollte man nachher nur  dem Vorwurf entgehen, viel gewusst, aber zu sp\u00e4t eingegriffen zu haben \u2013  jedenfalls sollte der V-Mann-Einsatz unter allen Umst\u00e4nden geheim  bleiben. Man sei Wiese eher zuf\u00e4llig auf die Spur gekommen, n\u00e4mlich  durch zuf\u00e4llige Funde w\u00e4hrend der Ermittlungen gegen einen anderen  Neonazi, hie\u00df es stattdessen. Doch diese \u201cZuf\u00e4lle\u201d hat es nie gegeben.<\/p>\n<p>Es war ein klassisches Cover-Up, und dass davon Gebrauch gemacht  wurde, liegt an der dubiosen Rolle des V-Mannes Didier Magnien, einem in  Frankreich geborenen Neonazi. Er war der Verfassungsschutz-Mann im  Umfeld Wieses, chauffierte ihn gar zu einem Waffenkauf. Sp\u00e4ter, im  Prozess wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung, r\u00fchmte sich  Magnien, in der Gruppe \u201cals Erster die Idee f\u00fcr einen Selbstmordanschlag  auf dem M\u00fcnchner Marienplatz\u201d ausgesprochen zu haben. Das gemeinsame  Ziel sei die \u201cgr\u00fcndliche, k\u00f6rperliche Beseitigung des aktuellen Systems\u201d  gewesen.<\/p>\n<p>Dem Bundesinnenministerium und selbst dem Innenausschuss des  Bundestages wurde aber zun\u00e4chst die falsche Geschichte erz\u00e4hlt \u2013 einen  V-Mann habe es demnach nicht gegeben. Der Verfassungsschutz hat sich so  im Handstreich seiner parlamentarischen Kontrolle entzogen. Der amtliche  Hoax wurde an die Presse durchgestochen und dort ungepr\u00fcft \u00fcbernommen.  Das Verfahren gegen den V-Mann wurde, nicht verwunderlich, eingestellt \u2013  wegen \u201cgeringer Schuld\u201d. Aufkl\u00e4rung im Sinne des Verfassungsschutzes  verdichtet sich so in einem Wort: L\u00fcge. F\u00fcr die Aufkl\u00e4rung der  NSU-Verbrechen verhei\u00dft das Schlechtes.<\/p>\n<p><strong>Aufkl\u00e4rung auf S\u00e4chsisch<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Kehren wir schlie\u00dflich zur\u00fcck ins Jahr 2012, ein knappes Jahr nach  dem Auffliegen des NSU. Man frage nun in Sachsen nach der Rolle von  Blood &amp; Honour und Hammerskins. Und stelle fest, dass s\u00e4chsische  Beh\u00f6rden noch immer nicht mehr wissen wollen. Begr\u00fcndung: Quellenschutz.  Einige Akten zu B&amp;H wurden zwischenzeitliche selbst f\u00fcr Mitglieder  des Untersuchungsausschusses des Landtages gesperrt.<\/p>\n<p>Gefragt nach den zweifelsohne beim Verfassungsschutz angeh\u00e4uften  Erkenntnissen \u00fcber B&amp;H und Hammerskins, winkte Sachsens  Innenminister Markus Ulbig (CDU) bereits ab. Dieses Thema sei \u201czu gro\u00dfen  Teilen auf die Vergangenheit ausgerichtet\u201d, entspreche nicht \u201caktuellen  Priorit\u00e4ten\u201d, \u201cumfassende Recherchen in den Datenbest\u00e4nden und Akten  von Polizei und Verfassungsschutz\u201d seien daher gerade nicht drin. So  offen gibt den eigenen Unwillen zur Aufkl\u00e4rung sonst niemand zu.<\/p>\n<p>Sind die zwei bedeutendsten und gr\u00f6\u00dften militante Neonazinetzwerke in  Deutschland wirklich nur von historischem Interesse? Manche machen  mildernd geltend, dass Ulbig all das selber glaubt. Das w\u00e4re zu  verschmerzen, wenn es sich um einen kleinen Beamten mit einem  undankbaren Job im Innenministerium handeln w\u00fcrde. Es geht aber  ausgerechnet um dessen Kopf.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens in Sachsen kann jeder erfahren, dass hinter all dem keine  Verschw\u00f6rung steckt, sondern Staatsr\u00e4son mit W\u00e4hlermandat und  Verfassungsschutz ohne Rechenschaft. Das funktioniert bislang so gut,  dass man die vertrackte Verstrickung aus Unkenntnis, Beschwichtigung und  Desinformation nur mehr erahnen kann. Was immer daraus werden soll: Zur  Aufkl\u00e4rung der NSU-Verbrechen wird es nichts beitragen. Ein  \u201cFr\u00fchwarnsystem\u201d war es noch nie.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Leseempfehlungen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Rolf G\u00f6ssner berichtete 2003 in seinem Buch <em>Geheime Informanten. V-Leute des Verfassungsschutzes \u2013 Kriminelle im Dienst des Staates<\/em> unter anderem \u00fcber Mirko Hesse. G\u00f6ssners detailiert Einzelstudien  nehmen das V-Mann-Unwesen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck auseinander. Das Buch ist  antiquarisch und in Infol\u00e4den zu bekommen.<\/li>\n<li>Neu erschienen ist k\u00fcrzlich von Claus Leggewie und Horst Meier der Band <em>Nach dem Verfassungsschutz. Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine neue Sicherheitsarchitektur der Berliner Republik<\/em>.  Trotz kontroverser Standpunkte handelt es sich um eine engagierte,  sachliche Kritik des Verfassungsschutzes. Die Autoren pl\u00e4dieren f\u00fcr  seine Aufl\u00f6sung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Weitere lesenswerte Beitr\u00e4ge sind in unserem <a href=\"http:\/\/gamma.noblogs.org\/nsu-rechtsterrorismus\"><strong>Rechtsterrorismus-Dossier<\/strong><\/a> verzeichnet.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Hintergrund:<\/strong> Mit Thomas Richter,  alias \u201cCorelli\u201d, ist k\u00fcrzlich ein langj\u00e4hriger V-Mann aufgeflogen. Er  war ein Bekannter des Rechtsterroristen Uwe Mundlos, Mitglied bei \u201cBlood  &amp; Honour\u201d und nach dem Verbot des Netzwerks bei den Hammerskins  aktiv. Interne Dokumente zeigen nun: Beh\u00f6rden haben ihre Informationen  zur gewaltbereiten Neonazi-Szene zur\u00fcckgehalten, um \u201cQuellen\u201d wie  Richter zu decken. Der Verdacht: Wom\u00f6glich konnten Neonazis so der  Strafverfolgung entgehen. Daf\u00fcr bedurfte es keiner Verschw\u00f6rung, sondern  krasser Fehleinsch\u00e4tzungen, lauter falscher Ma\u00dfnahmen und des \u00fcblichen  \u201cVerfassungsschutzes\u201d \u2013 vor allem in Sachsen.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/68800\" target=\"_blank\">https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/68800<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch in einem hochgesch\u00e4tzten Bundesministerium, etwa dem des Innern, gibt es undankbare Jobs: Ende November 2011 bl\u00e4tterten Beamte in alten Verfassungsschutz-Berichten. Was steht eigentlich darin zu Rechtsterrorismus? In vielen Varianten stand darin einfach \u2013 nichts. Oder nicht mehr als: \u201cRechtsterroristische Strukturen waren\u201d \u2013 hier eine Jahreszahl einsetzen \u2013 \u201cnicht feststellbar.\u201d Ein Textbaustein, den manche Landes\u00e4mter f\u00fcr ihre Berichte \u00fcbernommen haben. Die Sachsen waren besonders sparsam mit der Tinte: Nach 2000, dem Jahr des \u201cBlood &#038; Honour\u201d-Verbots, hat man den Terminus \u201cRechtsterrorismus\u201d einfach nicht mehr benutzt. <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1576\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13,10,6],"tags":[391,173,392,175,174],"class_list":["post-1576","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antifa","category-aus-aller-welt","category-news","tag-bloodhonour","tag-neonazis","tag-rechtsterrorismus","tag-v-manner","tag-verfassungsschutz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1576","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1576"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1576\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1579,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1576\/revisions\/1579"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1576"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1576"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1576"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}