{"id":1596,"date":"2012-10-24T12:11:35","date_gmt":"2012-10-24T11:11:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1596"},"modified":"2012-10-24T12:12:01","modified_gmt":"2012-10-24T11:12:01","slug":"der-krieg-des-nordens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1596","title":{"rendered":"Der Krieg des Nordens"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zur Aufrechterhaltung der globalen Ausbeutungsstrukturen gehen die Eliten zunehmend milit\u00e4risch gegen die Verlierer der herrschenden Verh\u00e4ltnisse vor<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/frieden.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-1597\" title=\"Friedensnobelpreis\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/frieden-300x216.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"216\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/frieden-300x216.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/frieden.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Europ\u00e4ische Union stellt  einen weiteren H\u00f6hepunkt der Orwellisierung der derzeitigen Weltordnung  dar. W\u00e4hrend weite Regionen von Kriegen und Interventionen heimgesucht  werden, bekommen die Hauptverantwortlichen der weltweiten Gewaltexzesse  Nobelpreise umgeh\u00e4ngt. Bei der Verleihung an US-Pr\u00e4sident Barack Obama  2009 verwiesen Bef\u00fcrworter auf dessen Versprechen, Kriege und Folter zu  beenden. Eingetreten ist schlie\u00dflich genau das, was schon damals  absehbar war: der \u00bbKrieg gegen den Terror\u00ab wurde nicht nur  weitergef\u00fchrt, sondern sogar noch ausgeweitet. Nach wie vor werden  Gefangene gefoltert und jahrelang ohne jegliche rechtliche Grundlage  festgehalten. Die Zahl der Drohnenangriffe und illegaler T\u00f6tungen stieg  unter Obamas Befehl stetig.<\/p>\n<p>Die Verleihung der h\u00f6chsten Friedensauszeichnung an die EU konnte  ohnehin nur unter Ausblendung gro\u00dfer Teile der Realit\u00e4t begr\u00fcndet  werden. Allein die im Lissabon-Vertrag verankerte  Aufr\u00fcstungsverpflichtung f\u00fcr die Mitgliedsstaaten disqualifiziert die  Union f\u00fcr den Nobelpreis. Hinzu kommen k\u00fcrzlich durchgef\u00fchrte, derzeit  stattfindende oder geplante Kriegseins\u00e4tze in Afghanistan, Somalia, C\u00f4te  d\u2019Ivoire, Libyen und Mali, die Beteiligung an der Militarisierung  unz\u00e4hliger Konflikte weltweit oder die kriegsartigen Eins\u00e4tze an den  EU-Au\u00dfengrenzen. Von der EU als \u00bbFriedensprojekt\u00ab zu sprechen kann nur,  wer alles ignoriert, was au\u00dferhalb Europas passiert \u2013 und wer au\u00dfer acht  l\u00e4\u00dft, da\u00df dieses \u00bbProjekt\u00ab auch innenpolitisch in weiten Teilen der  Union nur mehr unter Einsatz von Polizeikn\u00fcppeln aufrechtzuerhalten ist.<\/p>\n<p>Milit\u00e4rische Aktivit\u00e4ten au\u00dferhalb der westlichen Metropolen werden seit  jeher mit anderen Ma\u00dfst\u00e4ben bewertet als die \u2013 derzeit eben nicht  vorhandenen \u2013 Kriege zwischen diesen. Die Verlagerung der bewaffneten  Auseinandersetzungen in die Peripherie wird dabei noch mit einer  besonderen Verantwortung der Metropolen begr\u00fcndet. Das neueste  ideologische Konstrukt zur Rechtfertigung solcher Waffeng\u00e4nge hei\u00dft  \u00bbSchutzverantwortung\u00ab. Staatliche Souver\u00e4nit\u00e4t existiert nur mehr,  solange dies nicht den Interessen der Hegemonialm\u00e4chte zuwiderl\u00e4uft.  Menschenrechte k\u00f6nnen mit dem Konzept der \u00bbSchutzverantwortung\u00ab noch  leichter f\u00fcr Interventionen instrumentalisiert werden, als dies schon  bei den \u00bbhumanit\u00e4ten\u00ab Milit\u00e4reins\u00e4tzen der Fall war. Die Demontage des  V\u00f6lkerrechts ist wieder einen Schritt vorangekommen.<\/p>\n<p>Die Militarisierung der Weltpolitik begleitet den verzweifelten Versuch  der Profiteure der bestehenden Verh\u00e4ltnisse, angesichts der tiefen Krise  des Kapitalismus die globalen Ausbeutungsstrukturen zu sichern. Je mehr  die Weltwirtschaft wackelt, desto fester m\u00fcssen die Schrauben angezogen  werden \u2013 um auch weiterhin Extraprofite einzufahren und um die  Verlierer dieser Weltordnung davon abzuhalten, sich gegen die vermehrten  Angriffe auf ihre Lebensgrundlagen zur Wehr zu setzen.<\/p>\n<p>Innenpolitisch bedeutet das in den kapitalistischen Metropolen des  Westens, da\u00df trotz des Totalversagens des Neoliberalismus dieser nach  ein paar kurzen Schreckmomenten und voreiligen Abges\u00e4ngen auf den  Markttotalitarismus zu Beginn der Krise nun von Regierungen und  Konzernme\u00addien wieder als einzig m\u00f6glicher Ausweg dargestellt wird.  Errungenschaften eines Jahrhunderts werden zur\u00fcckgenommen, soziale  Sicherungssysteme zerschlagen und die Verursacher der jetzigen Situation  nicht mal mehr erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Au\u00dfenpolitisch wird die Gewalt zur Durchsetzung der Interessen des  globalen Nordens und zur Bek\u00e4mpfung punktuellen Aufbegehrens der Opfer  der imperialistischen Machtverh\u00e4ltnisse zur Normalit\u00e4t. Zu den  Kriegsaktivit\u00e4ten von USA bzw. NATO und EU kommen die Gewaltexzesse, in  denen sogenannte Schwellenl\u00e4nder zunehmend versinken. Bei dem Versuch,  neoliberale Konzepte und Konzerninteressen gegen den Widerstand von  gro\u00dfen Teilen der eigenen Bev\u00f6lkerung durchzusetzen, agieren die  Regierungen dieser L\u00e4nder als willige Handlanger der Metropolen. Ob  Militarisierung der EU-Au\u00dfengrenzen oder die Instrumentalisierung des  \u00bbDrogenkrieges\u00ab zur Bek\u00e4mpfung sozialer Bewegungen in Mexiko \u2013 stets  geht es darum, die sozialen Auswirkungen dieser Weltwirtschaftsordnung  gewaltsam niederzuhalten.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2012\/10-24\/063.php\" target=\"_blank\">http:\/\/www.jungewelt.de\/2012\/10-24\/063.php<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Aufrechterhaltung der globalen Ausbeutungsstrukturen gehen die Eliten zunehmend milit\u00e4risch gegen die Verlierer der herrschenden Verh\u00e4ltnisse vor <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1596\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14,10,6,108],"tags":[35,401,160,400],"class_list":["post-1596","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitskampf","category-aus-aller-welt","category-news","category-wirtschaftskrise","tag-eu","tag-friedensnobelpreis","tag-krieg","tag-nato"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1596","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1596"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1596\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1600,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1596\/revisions\/1600"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1596"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1596"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1596"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}