{"id":1656,"date":"2013-01-04T21:05:10","date_gmt":"2013-01-04T20:05:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1656"},"modified":"2013-01-04T21:05:10","modified_gmt":"2013-01-04T20:05:10","slug":"zapatistas-marschieren-in-chiapas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1656","title":{"rendered":"Zapatistas marschieren in Chiapas"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Aufmarsch der zapatistischen Bewegung im  s\u00fcdmexikanischen Bundesstaat Chiapas am vergangenen Freitag war vor  allem ein symbolischer Akt. Klassische zapatistische Politik also.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/zapatistas.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1657\" title=\"zapatistas\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/zapatistas-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/zapatistas-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/zapatistas.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Genau genommen waren es f\u00fcnf Aufm\u00e4rsche. Es  war die erneute symbolische Einnahmen f\u00fcnf lokaler Bezirkshauptst\u00e4dte:  Palenque, Ocosingo, Altamirano, Las Margaritas und San Crist\u00f3bal de las  Casas.<\/p>\n<p>Einige Jahre zuvor, am 1. Januar 1994, wurden sie schon  einmal eingenommen. Damals trat die Zapatistische Armee der Nationalen  Befreiung (EZLN) erstmals ans Licht der mexikanischen und  internationalen \u00d6ffentlichkeit. Doch dieser Freitag verlief anders. Mit  schwarzen Pasamonta\u00f1as \u2013 einer Art Skimasken \u2013 und roten Halst\u00fcchern  marschierten Tausende diszipliniert und schweigend in die Zentren dieser  ehemaligen Gefechtsschaupl\u00e4tze zwischen Guerilla und Armee. Dort wurden  zuvor in den fr\u00fchen Morgenstunden flugs f\u00fcnf wenige Quadratmeter gro\u00dfe  Holzb\u00fchnen aufgebaut. Au\u00dfenstehende warteten derweil und spekulierten.  Doch weder Subcomandante Marcos, der Sprecher der EZLN und Koordinator  der rebellischen Streitkr\u00e4fte, noch ein Mitglied des &#8220;Geheimen  Revolution\u00e4ren Indigenen Komitees \u2013 Generalkommandatur der  Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung&#8221; (CCRI-CG EZLN) war  erschienen, um auf der provisorischen Plattform ein Kommuniqu\u00e9 zu  verlesen. Stattdessen betraten die zu tausenden vermummten M\u00e4nner und  Frauen selbst die Holzb\u00fchnen. Es waren auffallend viele Jugendliche  dabei. Sie stellen heute die zweite und dritte Generation der Bewegung  dar. Damals, sowohl w\u00e4hrend der jahrelangen geheimen Vorbereitung als  auch zum Zeitpunkt der Ver\u00f6ffentlichung der immer noch bestehenden  &#8220;Kriegserkl\u00e4rung&#8221; an die mexikanische Regierung am ersten Januartag  1994, waren sie entweder Kinder oder noch gar nicht geboren, als ihre  Eltern in den Reihen der Guerilla und in den Unterst\u00fctzergemeinden f\u00fcr  die 13 Forderungen \u2013 Haus, Land, Arbeit, Ern\u00e4hrung, Gesundheit, Bildung,  Information, Kultur, Unabh\u00e4ngigkeit, Demokratie, Gerechtigkeit,  Freiheit und Frieden \u2013 eintraten und k\u00e4mpften.<\/p>\n<p>Schnellen  Schrittes \u2013 viele hoben die geballte Faust in die H\u00f6he \u2013 nahmen die  jungen Demonstranten die drei, vier Stufen, passierten die B\u00fchne und  stiegen wieder hinab. Keine Parolen. Keine Rufe. Keine Ges\u00e4nge. Keine  politische Selbstdarstellung. Lediglich die Flaggen der mexikanischen  Nation und die der Guerilla wurden vorneweg hergetragen. So abrupt das  Spektakel anfing, so rasch war es vorbei und die schweigende Masse  verlie\u00df die f\u00fcnf Bezirkshauptst\u00e4dte in Richtung ihrer f\u00fcnf autonomen  Regierungszentren, den Caracoles.<\/p>\n<p>Das von vielen erwartete und  bereits einen Monat zuvor angek\u00fcndigte Komnuniqu\u00e9 erfolgte schlie\u00dflich  doch noch im Laufe des Tages. Es fasst nur wenige Zeilen und h\u00e4lt sich  im Abstrakten: &#8220;K\u00f6nnt ihr das h\u00f6ren? Es ist der Klang ihrer Welt, die  zusammenbricht. Es ist die unsere, die wiederkehrt. Der Tag, der Tag  war, wurde Nacht, und die Nacht wird der Tag sein, der Tag sein wird.&#8221;<\/p>\n<p>Vier  Jahre sind es fast her, seit Subcomandante Marcos und die  EZLN-Kommandantu das letzte Mal selbst \u00f6ffentlich in Erscheinung trat.  Dies war in den ersten Januartagen 2009, zusammen mit tausenden G\u00e4sten  und Repr\u00e4sentanten verschiedenster nationaler und internationaler  sozialer Organisationen zum &#8220;Festival der W\u00fcrdigen Wut&#8221; in San Crist\u00f3bal  de las Casas. Am 7. Mai 2011 kam es dann zwar zur zweitgr\u00f6\u00dften  Mobilisierung in der Geschichte der EZLN, als sich in der gleichen Stadt  mehr als 20.000 Zapatisten dem Aufruf der Bewegung f\u00fcr Frieden mit  Gerechtigkeit und W\u00fcrde anschlossen. Doch eine Stellungnahme zu den  aktuellen landesweiten Ereignissen oder zur eigenen Situation erfolgte  nicht.<\/p>\n<p>Wenige Worte waren am Freitag zu h\u00f6ren. Die Stille  dominierte und hat den gew\u00fcnschten Effekt erzielt: das Schweigen der  Zapatisten provozierte das Interesse der Au\u00dfenstehenden. Es wird wieder  gemutma\u00dft \u00fcber die Zapatisten, nachdem sie von vielen in den letzten  Jahren bereits totgesagt wurden. Von ihrer Wiederkehr ist jetzt die  Rede.<\/p>\n<p>Dabei war weder die staatliche Repression abwesend, noch  das Bestreben der Zapatisten, ihren 13 Forderungen selbst Gestalt zu  verleihen, indem sie ihre autonomen Strukturen weiterhin ausbauten.<\/p>\n<p>Allen  Unklarheiten zum trotz schrieb das mexikanische  Online-Nachrichtenportal Animal Pol\u00edtico: &#8220;Bereits gewohnt an den  symbolischen Diskurs der EZLN wissen alle, dass soeben etwas geschehen  ist. Aber sie wissen nicht was.&#8221;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend aus der westlichen Welt  unz\u00e4hlige Missdeutungen der Maya-Zeitrechnung vernommen wurden, fand am  21. Dezember kein Weltuntergang statt, sondern ein neuer Zyklus der  Maya begann, der 14. Baktun. Zeitgleich j\u00e4hrte sich der 1992 gefallene  Beschluss zum bewaffneten Aufstand der EZLN zum 1. Januar 1994 zum 20.  Mal. Damit schlie\u00dft sich in der Maya-Zeitrechnung der Zyklus eines  Katun. Mit den Mobilisierungen, die vor allem durch ihre Anzahl und  Breite \u00fcberraschten, wurde ebenso eine neue Phase des zapatistischen  Kampfes offiziell angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Mexikanischen Medienberichten  zufolge kamen in Altamirano 5.000, in Ocosingo 6.000, in Las Margaritas  7.000, in Palenque 8.000 und in San Crist\u00f3bal de las Casas bis zu 20.000  Zapatisten friedlich zusammen. Hinzu kommen vermutlich noch 8.000  weitere, die aufgrund fehlender Transportkapazit\u00e4ten im Caracol von La  Garrucha bleiben mussten. Insgesamt k\u00f6nnte also deren Anzahl auf bis zu  50.000 gesch\u00e4tzt werden \u2013 das gr\u00f6\u00dfte \u00f6ffentliche Auftreten seit den  ersten Januartagen 1994.<\/p>\n<p>50.000 vermummte Zapatistas, die aus  den f\u00fcnf zapatistischen Regionen f\u00fcnf Bezirkshauptst\u00e4dte symbolisch  einnahmen. Es ist ein Zeichen der St\u00e4rke, Einheit und Geschlossenheit,  das verbreitet wurde. Die Botschaft f\u00fcr die Regierenden in Mexiko hei\u00dft:  All die Jahre der Aufstandsbek\u00e4mpfung, des Krieges niederer Intensit\u00e4t,  der Paramilit\u00e4rs, von Megaprojekten, Vertreibungen, Inhaftierungen,  Korrumpierungen und Morden haben nicht dazu gef\u00fchrt, die zapatistischen  Strukturen zu zersetzen oder gar auszul\u00f6schen. Die Bewegung \u00fcberlebte  bisher vier mexikanische Pr\u00e4sidenten und sieben chiapanekische  Gouverneure. Den Juntas der Guten Regierung zufolge ist das aktuelle  Jahr eines der repressivsten, wenn nicht sogar das repressivste. Stets  wenn sich auf Landes- und Bundesebene die Spitze austauscht, nehmen die  Aggressionen und Attacken gegen\u00fcber den zapatistischen Gemeinden zu,  bemerkt Gloria Mu\u00f1os Ram\u00edrez, eine mexikanische Journalistin, die  mehrere Jahre mit der Guerilla in den Bergen lebte.<\/p>\n<p>Das  metaphernreiche Bild der j\u00fcngsten Erkl\u00e4rung weist Parallelen zu \u00e4lteren  Texten auf. So hei\u00dft es bereits 1996 in der Vierten Erkl\u00e4rung aus dem  lakandonischen Urwald: &#8220;Wir sind aus der Nacht heraus geboren. In ihr  leben wir. In ihr werden wir sterben. Aber das Licht wird morgen f\u00fcr die  anderen sein, f\u00fcr all jene, die in der Nacht weinen, f\u00fcr die, denen der  Tag verneint wird.&#8221;<\/p>\n<p>Wenngleich die zapatistische Bewegung \u00fcber  die Jahre hinweg stets ihre Taktiken und Strategien \u00e4nderte und mit  einem undogmatischen Politikansatz inspirierte, hat sie stets Koh\u00e4renz  und Einheit in ihrer grundlegenden Handlungs- und Denkweise bewiesen.  Daher auch das dem Kommuniqu\u00e9 beigef\u00fcgte Lied &#8220;Como la cigarra&#8221;, das von  Mercedes Sosa, Leon Gieco oder Victor Heredia interpretiert wurde.  Darin hei\u00dft es: &#8220;So viele Male haben sie mich get\u00f6tet, so viele Male bin  ich gestorben, und dennoch stehe ich hier wieder auf.&#8221;<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/ch.indymedia.org\/de\/2013\/01\/88405.shtml\" target=\"_blank\">http:\/\/ch.indymedia.org\/de\/2013\/01\/88405.shtml<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Aufmarsch der zapatistischen Bewegung im s\u00fcdmexikanischen Bundesstaat Chiapas am vergangenen Freitag war vor allem ein symbolischer Akt. Klassische zapatistische Politik also. <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1656\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,6,18],"tags":[],"class_list":["post-1656","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-aller-welt","category-news","category-squat-the-world"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1656","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1656"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1656\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1658,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1656\/revisions\/1658"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1656"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1656"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1656"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}