{"id":1760,"date":"2013-04-03T19:41:40","date_gmt":"2013-04-03T18:41:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1760"},"modified":"2013-04-03T19:41:40","modified_gmt":"2013-04-03T18:41:40","slug":"eine-kleine-insel-in-thessaloniki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1760","title":{"rendered":"Eine kleine Insel in Thessaloniki"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Arbeiterinnen und Arbeiter einer Baustoff-Fabrik im Norden Griechenlands \u00adhaben sich zur Selbstverwaltung entschlossen und sind schnell auch im Ausland zum Symbol der Selbstorganisation gegen die Krise geworden. Ein Besuch bei VIO.ME.<\/strong><\/p>\n<p>Das Gel\u00e4nde der Firma Philkeram liegt mitten in einem scheinbar  verlassenen Industriegebiet am Rande von Thessaloniki. Das verrostete  Schild mit der Aufschrift \u00bbAG Viomichaniki Metaleftiki\u00ab ist nur mit  Hilfe einer komplizierten Wegbeschreibung zu finden. Ein Werkstor ist  nirgendwo zu sehen. Die Arbeiter, die am Tor von Philkeram stehen,  erkl\u00e4ren dann endlich, es sei ein zus\u00e4tzlicher Eingang errichtet worden,  der sich auf der anderen Seite des Gel\u00e4ndes befinde. Doch das Tor auf  dem verlassenen Parkplatz ist geschlossen. Nach einem Anruf geht es aber  auf, das Ziel scheint erreicht zu sein.<\/p>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/jungle-world.com\/images\/000\/004\/965\/\/big_m10a.jpg\" alt=\"Die selbstverwaltete Fabrik \u00bbViomichaniki Metaleftiki\u00ab ist nicht einfach zu finden. Die Arbeiter sind stolz auf sie\" \/><\/p>\n<div>Die selbstverwaltete Fabrik \u00bbViomichaniki Metaleftiki\u00ab ist nicht einfach zu finden. Die Arbeiter sind stolz auf sie (Foto: Anna Dohm)<\/div>\n<\/div>\n<p>\u00bbDa seit ihr ja endlich! Es ist nicht einfach, uns zu finden, oder?\u00ab  begr\u00fc\u00dft uns ein Arbeiter, der eine blaue Jacke mit der Aufschrift VIO.ME  tr\u00e4gt. Alekos ist der Kassenwart der Basisgewerkschaft der Fabrik, wir  haben ihn beim Generalstreik am 20.\u2009Februar auf der  Solidarit\u00e4tsversammlung in Thessaloniki kennengelernt. Stolz erz\u00e4hlt  Alekos, die Arbeiterinnen und Arbeiter h\u00e4tten das Tor selbst errichtet,  \u00bbum vom Rest des Gel\u00e4ndes, das eigentlich dem Mutterkonzern  Philkeram-Johnson geh\u00f6rt, unabh\u00e4ngig zu sein\u00ab.<\/p>\n<p>Die 1982 gegr\u00fcndete Fabrik Viomichaniki Metaleftiki, heute allgemein  bekannt unter dem Namen VIO.ME, war eine von drei Tochterfirmen der  Keramikfirma Philkeram, die der Familie Fi\u00adlippou geh\u00f6rt. VIO.ME stellte  chemische Baumaterialien wie etwa Fugenkleber f\u00fcr den Bausektor her.  Die Fabrik lieferte Produkte nach ganz Griechenland und ins benachbarte  Ausland\u00a0\u2013 und z\u00e4hlte 2006 noch zu den 20 erfolgreichsten Unternehmen  Nordgriechenlands. Doch von einem Tag auf den anderen tauchten die  Besitzer einfach ab und im Mai 2011 meldete die Familie Filippou Konkurs  an. Die Arbeiterinnen und Arbeiter reagierten mit wiederholten  48st\u00fcndigen Streiks und organisierten Vollversammlungen. F\u00fcr sie war  klar, dass sie ihren Arbeitsplatz nicht verlassen w\u00fcrden. Bereits in den  ersten Vollversammlungen wurde \u00fcber M\u00f6glichkeiten der Selbstverwaltung  diskutiert. Diese L\u00f6sung wurde dann mit 97\u00a0Prozent der Stimmen  angenommen und die Vollversammlung zum h\u00f6chsten Gremium erkl\u00e4rt. Seitdem  halten die Arbeiterinnen und Arbeiter die Fabrik besetzt und bewachen  sie, damit die Eigent\u00fcmer nicht auf die Idee kommen, die Maschinen oder  sonstiges Material zu entwenden.<\/p>\n<p><strong>Es ist schon sp\u00e4t am Nachmittag, das Ende der Schicht.<\/strong> Die  versammelte Mannschaft steht da. Auch ein Kamerateam aus Spanien ist  gerade in der Fabrik unterwegs. Makis, der Vorsitzende der  Arbeitsgewerkschaft des Betriebs, ruft in die Menge: \u00bbLeute, es gibt  Kekse f\u00fcr alle!\u00ab und schon beginnt die Tour durch die Fabrik. Stolz  erz\u00e4hlt er, er sei gerade aus Wien zur\u00fcckgekommen, wohin er und andere  Kollegen eingeladen worden waren, um \u00fcber die besetzte Fabrik zu  berichten. \u00bbEs werden weitere Reisen folgen. Die Resonanz der Besetzung  ist riesig\u00ab, sagt er, w\u00e4hrend er die ersten Maschinen zeigt. \u00bbDamit  mischen wir das Zeug, das zum Kleber wird. Mit der n\u00e4chsten Maschine  packen wir die Ware ein.\u00ab<\/p>\n<p>Was vor zwei Jahren noch als Utopie galt, ist f\u00fcr die Arbeiterinnen  und Arbeiter von VIO.ME zum Alltag geworden. Seit vergangene September  ist das Arbeitslosengeld\u00a0\u2013 rund 360\u00a0Euro\u00a0\u2013 ausgelaufen. Fast zwei Jahre  lang war ihnen kein Lohn ausgezahlt worden. Eine Erfahrung, die sie mit  vielen anderen Arbeiterinnen und Arbeitern in Griechenland teilen. Aber  sie haben gemeinsam reagiert und finanzieren sich seitdem kollektiv  durch Essens- und Geldspenden. Noch k\u00f6nnen sie sich den erhofften Lohn  nicht auszahlen, sondern teilen alles unter sich, je nach  Notwendigkeiten: \u00bbMeine Frau verdient noch etwas Geld, bei anderen  Kollegen gibt es dagegen gar kein Einkommen mehr in der Familie. Diese  bekommen daher zuerst Geld aus der gemeinsamen Kasse\u00ab, erl\u00e4utert Makis  die Prinzipien, nach denen der Kollektivbetrieb organisiert ist.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich besch\u00e4ftigte die Firma etwa 80 Menschen; heute versuchen  38 von ihnen, die alle Mitglieder der unabh\u00e4ngigen Gewerkschaft von  VIO.ME sind, die Produktion und damit auch ihr eigenes Leben selbst in  die Hand zu nehmen. Manche aus der Entwicklungs- und B\u00fcroabteilung, \u00bbdie  den Eigent\u00fcmern n\u00e4herstanden\u00ab, h\u00e4tten sich nicht getraut, sich  anzuschlie\u00dfen, erz\u00e4hlt Makis.<\/p>\n<p>Im April vergangenen Jahres nahmen die Arbeiterinnen und Arbeiter  zuerst Kontakt zu verschiedenen Kollektiven und Gewerkschaften der Stadt  auf. Das gro\u00dfe Interesse von verschiedenen Gruppen und Bewegungen, vor  allem aus dem anarchistischen und linken Milieu, motivierte die  Besch\u00e4ftigten, den Schritt zur Selbstverwaltung zu wagen. Im Juli fand  dann eine Solidarit\u00e4tsversammlung in Thessaloniki statt. Aus ganz  Griechenland erreichten sie weitere Solidarit\u00e4tsbekundungen. Im Oktober  organisierten die Arbeiterinnen und Arbeiter eine Karawane durch  verschiedene St\u00e4dte nach Athen, um ihren Vorschlag einem Berater des  Ministers f\u00fcr Arbeit vorzustellen, der sich aber f\u00fcr \u00bbnicht zust\u00e4ndig\u00ab  erkl\u00e4rte. Sie forderten den Erwerb der Aktien des Unternehmens ohne die  angeh\u00e4uften Schulden; eine Subventionierung in H\u00f6he von 1,8\u00a0Millionen  Euro\u00a0\u2013 zum Teil aus Fonds der Europ\u00e4ischen Union, die das Projekt  finanzieren sollen; eine gesetzliche Vorlage, die das Risiko f\u00fcr die  Besch\u00e4ftigten begrenzt, also eine Versicherung, dass sie nicht selbst  mit pers\u00f6nlichem Verm\u00f6gen haften; und schlie\u00dflich die R\u00fcckgabe von  1,9\u00a0Millionen Euro an VIO.ME, die an den Mutterkonzern Philkeram  ausgeliehen worden waren.<\/p>\n<p>\u00bbUnser Vorhaben befindet sich noch in den Startl\u00f6chern\u00ab, gibt Makis  zu. Zuerst sollen die Produkte, die im Lager liegen, zu zwei Dritteln  ihres Preises versteigert werden. Ziel dabei sei es, Startkapital zu  sammeln, um die teuren Maschinen in Stand zu halten und erste Rohstoffe  einzukaufen. \u00bbHier liegen bestimmt noch Waren im Wert von mindestens  400\u2009000\u00a0Euro herum\u00ab, sagt Makis, als er den Besuchern das beeindruckende  Lager zeigt. Diese fertig verpackten Produkte, die die Arbeiterinnen  und Arbeiter mit ihren eigenen H\u00e4nden produziert haben, sollen ge\u00f6ffnet  und kontrolliert werden, gleichzeitig sollen Verbesserungsarbeiten an  der lange stillgelegten Fabrik vorgenommen werden. Die Kontrolle der  Produkte sei von enormer Bedeutung, um \u00bbdie Qualit\u00e4t zu sichern und das  Vertrauen der Kunden zu gewinnen\u00ab, sagt Makis, \u00bbmittlerweile melden sich  Abnehmer aus ganz Griechenland und sogar Gewerkschaften aus dem Ausland  haben angek\u00fcndigt, das Projekt auf diesen Wege finanziell zu  unterst\u00fctzen\u00ab. Aber vor allem die alte Kundschaft soll auch angesprochen  und neue Beziehungen in den Balkan sollen aufgebaut werden.<\/p>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/jungle-world.com\/images\/000\/004\/966\/\/big_m11a.jpg\" alt=\"Die Resonanz der Besetzung ist riesig. Die versammelte Mannschaft von VIO.ME zur Zeit des \u00bbFestivals der Direkten Demokratie\u00ab im September 2012\" \/><\/p>\n<div>Die  Resonanz der Besetzung ist riesig. Die versammelte Mannschaft von  VIO.ME zur Zeit des \u00bbFestivals der Direkten Demokratie\u00ab im September  2012 (Foto: Anna Dohm)<\/div>\n<\/div>\n<p>Erst in einer zweiten Phase werde man die Maschinen anschalten, um  die Produktion zu beginnen. Dazu m\u00fcssen aber noch einige Hindernisse  \u00fcberwunden werden. Da die Arbeiterinnen und Arbeiter nicht auf den Staat  hoffen k\u00f6nnen, haben sie zum Beispiel zur NGO Working World Kontakt  aufgenommen, die \u00e4hnliche Selbstverwaltungsprojekte und  Arbeitskooperativen in Argentinien nach dem Bankrott im Jahr 2001  finanziert hatte. Ein bekanntes Mitglied dieser NGO, Ernesto \u00bbLalo\u00ab  Paret, der die Fabrik in Thessaloniki im Rahmen des j\u00e4hrlichen  \u00bbFestivals der Direkten Demokratie\u00ab besucht hatte, inspirierte die  Arbeiterinnen und Arbeiter mit seinen Ideen. So wurde etwa eine  Solidarit\u00e4tskasse geplant, in die drei Prozent des Gewinns einflie\u00dfen  sollen, um \u00e4hnliche Projekte in Griechenland zu unterst\u00fctzen. Etwa  30\u00a0Prozent des Gewinns sollen in die Kasse der \u00bbReinvestition\u00ab  einflie\u00dfen, um die Produktion zu erweitern, neue Maschinen zu erwerben  und weitere Menschen zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Die Arbeiterinnen und Arbeiter von VIO.ME haben auch einen \u00bbPlan B\u00ab  entworfen. Falls das gew\u00fcnschte Startkapital nicht angesammelt werden  kann und die beantragten Subventionen nicht bewilligt werden, also der  Zugang zu den Krediten und den M\u00e4rkten scheitern sollte, soll die  Produktion umgestellt werden. Eine Idee ist, sich auf die Herstellung  von Produkten f\u00fcr den h\u00e4uslichen und t\u00e4glichen Gebrauch zu  konzentrieren. Diverse Reinigungsmittel sollen mit dem Know-how aus dem  selbstorganisierten Betrieb Thessalonikis in das Netz des  Warenaustausches ohne Zwischenh\u00e4ndler integriert werden.<\/p>\n<p><strong>Die Er\u00f6ffnung der Fabrik Mitte Februar wurde von einer pomp\u00f6sen Feier begleitet.<\/strong> Am 11.\u2009Februar, am Vorabend der geplanten Er\u00f6ffnung, fand eine gro\u00dfe  Demonstration durch die Innenstadt statt, die im Ivanophio, dem  Basketballstadion des Traditionsvereins Iraklis, endete. Etwa 4\u2009000  Menschen f\u00fcllten die Basketballhalle, wo bekannte griechische K\u00fcnstler  auftraten. Weitere 2\u2009000 Personen, die nicht in die \u00fcberf\u00fcllte Halle  hineinpassten, warteten drau\u00dfen und mussten sich mit dem  selbstorganisierten Markt im Vorgel\u00e4nde begn\u00fcgen.<\/p>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/jungle-world.com\/images\/000\/004\/967\/\/big_m11b.jpg\" alt=\"Im Lager von VIO.ME liegen noch Waren im Wert von 400\u2009000 Euro\" \/><\/p>\n<div>Im Lager von VIO.ME liegen noch Waren im Wert von 400\u2009000 Euro (Foto: Anna Dohm)<\/div>\n<\/div>\n<p>Fast ein Jahr lang hatte man sich vorbereitet, mit Hilfe der  VIO.ME-Solidarit\u00e4tsversammlung aus Thessaloniki, einer Versammlung, an  der die Arbeiter beteiligt sind und die die Initiative von Anfang an  begleitet. Vor allem Aktivistinnen und Aktivisten aus den sozialen  Bewegungen und anarchistischen Gruppen haben im Projekt der  Selbstverwaltung einer gro\u00dfen Fabrik die M\u00f6glichkeit gesehen, eine  Utopie, die sie nur aus Erz\u00e4hlungen und B\u00fcchern kennen, zu realisieren.<\/p>\n<p>Am Tag nach dem Konzert er\u00f6ffneten die Arbeiterinnen und Arbeiter, in  Anwesenheit mehrerer Hundert sich Solidarisierender aus ganz  Griechenland und zahlreicher Journalistinnen und Journalisten, das Tor  zur Fabrik. Seitdem kommen auch von au\u00dferhalb Griechenlands  Soldarit\u00e4tsbekundungen. Wer sich \u00fcber die Aktivit\u00e4ten und Debatten rund  um VIO.ME informieren und die Beteiligten auch finanziell unterst\u00fctzen  m\u00f6chte, kann dies \u00fcber die Seite www.viome.org. Solidarit\u00e4tskomitees mit  der selbstverwalteten Fabrik haben sich von Australien bis in den USA  gegr\u00fcndet. Namhafte Intellektuelle wie Naomi Klein und David Harvey  unterst\u00fctzten die internationale Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rung. Im unabh\u00e4ngigen  griechischen Magazin Unfollow \u00e4u\u00dferte sich John Holloway wie folgt: \u00bbDie  Selbstverwaltung der Fabrik VIO.ME durch die Arbeiter ist eine wichtige  Neuigkeit. Die Krise in Griechenland schreit der ganzen Welt zu, dass  der Kapitalismus gescheitert ist. Es ist unsere Zeit gekommen, zu  \u00fcbernehmen. Es gibt keinen anderen Weg als den nach vorn.\u00ab Der  Vorsitzende des Linksb\u00fcndnisses Syriza, Alexis Tsipras, besuchte die  Fabrik am 27. Februar und sicherte den Arbeiterinnen und Arbeitern seine  Unterst\u00fctzung zu.<\/p>\n<p><strong>Die Hoffnung auf Unterst\u00fctzung vom Staat oder von  Dachgewerkschaften haben Makis und seine Kolleginnen und Kollegen so gut  wie aufgegeben.<\/strong> Nach mehreren Treffen mit Vertretern des  griechischen Staats h\u00e4tten sie nur \u00bbvage Antworten\u00ab auf ihre Forderungen  bekommen. \u00bbAm 21.\u2009Januar haben wir sogar den Vertreter des Ministers  f\u00fcr Arbeit getroffen\u00ab, erz\u00e4hlt Makis. Dieser habe ihnen mit den Worten  Mut machen wollen, dass \u00bbvielleicht die Verh\u00e4ltnisse reif sind, dass  Fabriken in die H\u00e4nde der Arbeiter gelangen\u00ab. Die Antwort der  Betroffenen auf die vergebliche Aufmunterung war: \u00bbDas sagst du alles  sehr sch\u00f6n. Aber wir fangen damit an und setzen genau dieses Vorhaben in  die Praxis um.\u00ab Keiner von denen habe sich bis jetzt gemeldet, aber  \u00bbangegriffen wurden wir auch nicht\u00ab, sagt Makis lachend.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Gewerkschaftsdachverb\u00e4nde, die von politischen Parteien  kontrolliert werden, haben bislang weder Interesse an der Erfahrung von  VIO.ME gezeigt noch gar den Kampf der Arbeiterinnen und Arbeiter aus  Thessaloniki als einen Arbeitskampf anerkannt. Zahlreiche Treffen und  Interventionen im Gewerkschaftshaus in Thessaloniki sowie die  Beteiligung an allen Generalstreiks mit eigener Mobilisierung \u00e4nderten  daran nichts. Nur von unabh\u00e4ngigen Basisgewerkschaften, die sich im  Zusammenhang mit der Krise gegr\u00fcndet haben, gibt es Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Nichtsdestoweniger ist das Leuchten in den Augen der Besch\u00e4ftigten  nicht zu \u00fcbersehen. Trotz aller Anfangschwierigkeiten glauben sie fest  an ihre Vision. Aber wie wollen sie als einsame Insel im Kapitalismus  \u00fcberleben? \u00bbHoffentlich entstehen viele solcher Inseln wie unsere, die  zu einer Halbinsel werden, die sich weiter entwickelt und vergr\u00f6\u00dfert\u00ab,  sagt Makis und f\u00fcgt hinzu: \u00bbWir streben eine Ver\u00e4nderung der  Gesellschaft an, ohne Chefs, ohne Unterdr\u00fcckung.\u00ab Den Arbeiterinnen und  Arbeitern von VIO.ME ist bewusst, dass ohne die Verbreitung dieser Idee  auch ihr Betrieb nicht \u00fcberleben wird. Direkte Demokratie sei schon  immer auf ihren Versammlungen praktiziert worden, \u00bbohne von Castoriadis  oder anderen Theoretikern geh\u00f6rt zu haben\u00ab, sagt er l\u00e4chelnd. \u00bbObwohl  ich der Vorsitzende der Gewerkschaft bin, haben wir immer alles in der  Vollversammlung besprochen und abgestimmt.\u00ab<\/p>\n<p>Versuche der Selbstorganisation im Kapitalismus werfen viele Fragen  auf. Nicht nur unter den Beteiligten selbst, sondern auch f\u00fcr die Linke  und die sozialen Bewegungen. Der Frust nach jahrelangen Protesten ist  gro\u00df. Wie werden die Menschen auf die andauernde Repression und weitere  Austerit\u00e4tsma\u00dfnahmen reagieren? Schaffen es die Massengewerkschaften,  durch die rituellen Generalstreiks, wie j\u00fcngst am 20.\u2009Februar, die Wut  der Menschen zu z\u00fcgeln? Oder setzen sich offensive Aktionsformen wie  wilde Streiks und konkrete Vergesellschaftungsprozesse durch?<\/p>\n<p>Aktionen der einzelnen Gewerkschaften wie Blockaden oder Streiks  finden in verschiedenen Sektoren weiterhin statt. Soziale Zentren,  Kooperativen und Kollektive entstehen im ganzen Land. Viele Menschen  w\u00e4hlen den Weg der Selbstorganisation aus Entt\u00e4uschung \u00fcber die  Massengewerkschaften und die Parteien, aber auch aus Alternativlosigkeit  und purer Not. Der Ruf nach einem dauerhaften Generalstreik wird  lauter. Erst vor einigen Wochen hat die Polizei auf der Grundlage der  Notstandsgesetze den Dauerstreik der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter  der Metro, der acht Tage anhielt, gebrochen \u2013 ein Pr\u00e4zedenzfall.<\/p>\n<p>Die Inbetriebnahme von VIO.ME kann sich zu einem weiteren,  einflussreichen Symbol der Selbst\u00ad\u00adorganisation entwickeln. Das erhoffen  sich viele hier\u00a0\u2013 von den anarchistischen Aktivistinnen und Aktivisten,  die schon seit Beginn der Krise soziale Zentren und Kollektive  aufbauen, bis zu Makis und Alekos, die nicht nur einen sicheren  Arbeitsplatz haben, sondern selbstverwaltet und ohne Vorgesetzte  arbeiten wollen, und das am besten in einer ganz anderen Gesellschaft  als der jetzigen.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2013\/13\/47410.html\" target=\"_blank\">http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2013\/13\/47410.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Arbeiterinnen und Arbeiter einer Baustoff-Fabrik im Norden Griechenlands \u00adhaben sich zur Selbstverwaltung entschlossen und sind schnell auch im Ausland zum Symbol der Selbstorganisation gegen die Krise geworden. 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