{"id":1792,"date":"2013-05-20T16:05:23","date_gmt":"2013-05-20T15:05:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1792"},"modified":"2013-05-20T16:05:23","modified_gmt":"2013-05-20T15:05:23","slug":"smash-the-camps-zur-besetzung-des-duttweiler-areals","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1792","title":{"rendered":"Smash the Camps: Zur Besetzung des Duttweiler-Areals"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/besetzung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1793\" title=\"besetzung\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/besetzung.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/besetzung.jpg 640w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/besetzung-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a>Seit heute Samstag, 18. Mai 2013, besetzen wir  das Duttweiler-Areal in Z\u00fcrich West f\u00fcr drei Tage. Der Staat will hier  ein erstes \u00abBundeszentrum\u00bb f\u00fcr Asylsuchende errichten und ab Januar 2014  die Durchf\u00fchrbarkeit seiner neuen Strategie in der Asylpolitik testen.  Weil wir gegen jegliche Art von Herrschaft, Ausbeutung, Unterdr\u00fcckung  und Einsperrung sind, bek\u00e4mpfen wir dieses geplante Internierungslager.<\/strong><\/p>\n<p>Die Aktion \u00abSmash the Camps\u00bb wird von direkt Betroffenen und Solidarischen, Einzelnen und Gruppierungen gebildet, die das Migrationsregime als Ganzes ablehnen und deshalb das Bundeslager (als Teil staatlicher Lagerpolitik) auf dem Duttweiler-Areal verhindern wollen. Wir delegieren unsere Macht nicht an Parteien und Asylorganisationen, die sich im Bestreben, die Migration zu lenken und zu kontrollieren grunds\u00e4tzlich einig sind, sondern setzen auf Selbstorganisation und Selbsterm\u00e4chtigung. Dazu nehmen wir uns Raum, ohne darum zu bitten, und suchen gemeinsam nach M\u00f6glichkeiten, wie wir die Abl\u00e4ufe des Migrationsregimes sabotieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir lehnen jede Kooperation mit Medienschaffenden ab und verweisen f\u00fcr Stellungnahmen auf dieses Schreiben. F\u00fcr uns stehen die selbstorganisierten und selbsterm\u00e4chtigenden Prozesse vor Ort im Vordergrund und nicht das mediale Spektakel.<\/p>\n<p>********************<br \/>\nBundeslager als Teil des globalen Herrschaftssystems<br \/>\n********************<br \/>\nF\u00fcr ein effizienteres Ausweisungsverfahren soll auf dem Duttweiler Areal in Z\u00fcrich West ein neuer Repressions-Komplex entstehen, in welchem 500 Asylsuchende einquartiert werden sollen. Dieser vereint u.a. eine Rechtsberatung, zust\u00e4ndige Beh\u00f6rden und die Polizei. In der Umgebung sind zudem 700 Ausschaffungshaftpl\u00e4tze, sowie Spezialkn\u00e4ste f\u00fcr \u00abrenitente\u00bb Asylsuchende geplant; ein neuer Komplex also, in dem sich die ganze Ausschaffungsmaschinerie konzentriert. Dieser Komplex dient den Herrschenden zum Erhalt ihres Machtsystems, welches u.a. darauf beruht, all<br \/>\njene, die sich nicht profitabel verwerten lassen, also f\u00fcr das System \u00fcberfl\u00fcssig sind, einzusperren und auszuschaffen. Konkret heisst das, dass all jene, die nicht unter widrigsten Umst\u00e4nden ausgebeutet werden k\u00f6nnen, da ihre Arbeitskraft nicht ben\u00f6tigt wird, illegalisiert und abgeschoben werden sollen. Menschen, die aufgrund unterschiedlicher kapitalistischer Verwerfungen migrieren, finden sich hier in den gleichen Ausbeutungs- und Unterdr\u00fcckungsstrukturen wieder \u2013 nur der Kontext ist ein anderer. J\u00e4hrlich landen Zehntausende in der Schlaufe des Asylverfahrens, werden illegalisiert und schnellstm\u00f6glich ausgeschafft. Diese Strukturen der Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung k\u00f6nnen nur in einer autorit\u00e4ren Gesellschaft bestehen, welche die herrschenden hierarchischen Machtstrukturen als unantastbaren Status Quo akzeptiert und als Grundlage eines progressiven,<br \/>\ndemokratischen Systems versteht. Die Herrschenden setzen indes alles daran, diesen scheinheiligen Frieden inmitten eines sozialen Krieges zu bewahren und jede potenzielle Gef\u00e4hrdung wegzusperren.<\/p>\n<p>********************<br \/>\nBundeslager als Teil des postkolonialen Grenzregimes<br \/>\n********************<br \/>\nBundeszentren dienen offiziell der Abschreckung von Migrant_innen. Sie reihen sich damit in die Massnahmen zur migrationspolitischen Abschottung Europas ein und zementieren postkoloniale Machtverh\u00e4ltnisse. Seit den 1970er Jahren findet eine Globalisierung der Produktion und des Handels statt. M\u00e4rkte werden liberalisiert und grosse Teile der westlichen Industrie in ehemals kolonialisierte Niedriglohnl\u00e4nder verlagert. Damit sind Landenteignungen von Millionen subsistenzwirtschaftender Landwirt_innen sowie die Zerst\u00f6rung lokaler M\u00e4rkte und Sozialstrukturen verbunden. Als Folge dieser Ausbeutung und in der Hoffnung auf eine bessere Lebensperspektive migrieren viele nach Europa. Die europ\u00e4ischen Unternehmen sind jedoch aufgrund des wachsenden Terti\u00e4rsektors immer weniger auf niedrigqualifizierte Lohnabh\u00e4ngige aus dem S\u00fcden angewiesen und unter dem Druck der Krise k\u00f6nnen immer weniger Migrant_innen \u00fcberhaupt noch in die kapitalistische Produktion integriert werden. Innerhalb des Schengenraumes herrscht Personenfreiz\u00fcgigkeit. Sie wird als kultureller Erfolg der europ\u00e4ischen Einheit gefeiert, f\u00fchrt jedoch mangels Schutzbestimmungen der Arbeitsbedingungen zu Konkurrenz und Lohndruck. Die Einwanderung nach Europa wird durch kontingentierte Aufnahmen von Hochqualifizierten, verst\u00e4rkte Kontrollen der Aussengrenze und systematische Ausschaffungen reguliert. Mit den Bundeslagern wird die Schweiz \u00fcber eine weitere Massnahme verf\u00fcgen, um die postkolonialen Machtverh\u00e4ltnisse zu verteidigen.<\/p>\n<p>********************<br \/>\nBundeslager als Teil des kapitalistischen Ausbeutungsregimes<br \/>\n********************<br \/>\nFalls Migrant_innen trotz lebensbedrohlichen Grenzregimes in die Schweiz gelangen, werden sie zuk\u00fcnftig in Bundeslager gesperrt. Diese sind, wie Lager im Allgemeinen, ein Ort der Entrechtung, der Isolation und der Stigmatisierung. In Bundeslagern werden Fl\u00fcchtlinge in \u00abRichtige\u00bb und \u00abFalsche\u00bb unterteilt. Illegalisierte Migrant_innen werden der Ausschaffungsmaschinerie zugef\u00fchrt oder m\u00fcssen untertauchen und sich mit Schwarzarbeit durchschlagen. Niedriglohnbranchen wie Bau, Gastronomie, Landwirtschaft oder der Care-Bereich setzen auf einen ethnisch hierarchisierten Arbeitsmarkt und die Ausbeutung illegalisierter Migrant_innen. In bestimmten Sektoren ben\u00f6tigt das Kapital solche entrechteten Arbeitskr\u00e4fte, um archaische Ausbeutungsformen aufrechtzuerhalten. Die blosse Anwesenheit stigmatisierter Arbeitskr\u00e4fte dient dazu, Teile der Arbeitswelt gegeneinander auszuspielen. Durch diese Lagerpolitik wird ein rassistischer Boden bereitgelegt, welcher sich durch mediale Hetze verfestigt und zur Versch\u00e4rfung des Asylwesens beitr\u00e4gt. Illegalisierte Migrant_innen sind idealtypische Angestellte des neoliberalen Akkumulationsregimes und f\u00fchren zu Anpassungen der Lohn- und Anstellungsbedingungen nach unten. Die Bundeslager tragen dazu bei, dass das Kapital zu den ben\u00f6tigten ausbeutbaren Arbeitskr\u00e4ften kommt.<\/p>\n<p>********************<br \/>\nBundeslager als Teil des neoliberalen Asylregimes<br \/>\n********************<br \/>\nDie laufende Asylgesetzrevision hat wie die bisherigen einen ausgepr\u00e4gten unternehmerischen Managementcharakter. Die effizientere Gestaltung des Asylverfahrens und der effektivere Vollzug von Wegweisungen standen h\u00e4ufig im Mittelpunkt der Revisionen. Effizienz und Effektivit\u00e4t stellen Kriterien in einem betriebswirtschaftlichen Unternehmen dar, um Abl\u00e4ufe zu optimieren. Die Bundeslager sollen die Abl\u00e4ufe ebenfalls \u00abbeschleunigen\u00bb. Asylsuchende, BFM, Rechtsvertretung, R\u00fcckkehrhilfe, Dokumentpr\u00fcfende, Polizei, u.s.w. werden zu diesem Zweck k\u00fcnftig am gleichen Ort konzentriert. Hierzu werden in der Umgebung der f\u00fcnf Empfangszentren je vier Lager an bis zu 400 Pl\u00e4tzen und zu den 430 bestehenden Haftpl\u00e4tzen weitere 700 f\u00fcr<br \/>\nAusschaffungs- oder Beugehaft geschaffen. Diese \u00abBeschleunigung\u00bb wird im Sinne der Asylsuchenden dargelegt, da diese ein Recht auf einen raschen Entscheid h\u00e4tten. Tats\u00e4chlich geht es aber um die effiziente und effektive Lenkung der Migration. Die neuen Bundeslager gehen deshalb mit einer massiven Ausweitung des Repressionsapparates einher. Das Ziel ist die Zahl der Asylgesuche bzw. Kosten zu senken und \u00abechte\u00bb von \u00abfalschen\u00bb Fl\u00fcchtlingen zu trennen. Das sind die Qualit\u00e4tsmerkmale eines neoliberalen Asylregimes, welches Migrant_innen stigmatisiert, degradiert und wie Waren in einer Fliessbandproduktion verarbeitet.<\/p>\n<p>Die Zeiten des Dialogs sind vorbei:<br \/>\nBUNDESLAGER VERHINDERN!<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/ch.indymedia.org\/de\/2013\/05\/89680.shtml\">http:\/\/ch.indymedia.org\/de\/2013\/05\/89680.shtml<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit heute Samstag, 18. Mai 2013, besetzen wir das Duttweiler-Areal in Z\u00fcrich West f\u00fcr drei Tage. Der Staat will hier ein erstes \u00abBundeszentrum\u00bb f\u00fcr Asylsuchende errichten und ab Januar 2014 die Durchf\u00fchrbarkeit seiner neuen Strategie in der Asylpolitik testen. 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