{"id":1827,"date":"2013-06-21T10:07:50","date_gmt":"2013-06-21T09:07:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1827"},"modified":"2013-06-21T10:07:50","modified_gmt":"2013-06-21T09:07:50","slug":"von-neonazis-ermordet-clement-meric-18-linker-aktivist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1827","title":{"rendered":"Von Neonazis ermordet: Cl\u00e9ment M\u00e9ric, 18, linker Aktivist"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: x-small;\"><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/clementmeric.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1828\" title=\"clementmeric\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/clementmeric-300x148.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"148\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/clementmeric-300x148.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/clementmeric.jpg 833w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Ein                          18j\u00e4hriger franz\u00f6sischer Antifaschist starb vergangene                         Woche (Anm. der Red.: 5. Juni) im Pariser Krankenhaus La Piti\u00e9-Salp\u00e9tri\u00e8re unter                          den Schl\u00e4gen von Neonazis. Er war am Mittwoch, den 05.                          Juni am Sp\u00e4tnachmittag in der N\u00e4he des Saint                          Lazare-Bahnhofs von rechtsextremen Skinheads angegriffen                          und schwer verletzt worden. Am Mittwoch Abend wurde er                          f\u00fcr hirntot erkl\u00e4rt, am Donnerstag Nachmittag wurden die                          Apparate ausgeschaltet. Am darauffolgenden Tag ergab                          eine Autopsie, dass er nicht \u2013 wie zun\u00e4chst vermutet \u2013                          an seinem Sturz mit dem Hinterkopf gegen einen Pfosten                          gestorben war, sondern direkt an den Folgen der                          erlittenen Schl\u00e4ge. Die Schl\u00e4ge ins Gesicht hatten das                          Nasenbein getroffen, eine Gehirnersch\u00fctterung und                          Hirnbluten ausgel\u00f6st.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: x-small;\">Bei dem                          Opfer handelt es sich um den 18j\u00e4hrigen Cl\u00e9ment M\u00e9ric,                          der vor kurzem aus Brest in die franz\u00f6sische Hauptstadt                          gezogen war und an der politikwissenschaftlichen                          Hochschule Science-Po studierte. Nachdem er zuvor bei                          der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft CNT                          organisiert gewesen war, war er an der Hochschule als                          Mitglied der linken bis linksradikalen                          Studierendengewerkschaft <em><strong>SUD-Etudiants<\/strong><\/em> aktiv. Er war ferner Mitglied der linksradikalen <em><strong> ,Action antifasciste Paris-banlieue\u2018.<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: x-small;\">Den                          t\u00f6dlichen Schl\u00e4gen voraus ging ein Streit in einem                          Klamottenladen zwischen einer Gruppe aus vier jungen                          Antifas und einer zahlenm\u00e4\u00dfig ebenb\u00fcrtigen Skinheads,                          bei denen die Ersteren die Naziskins stichelten. Es                          handelte sich um einen Sonderverkauf von englischer                          Markenkleidung, die sowohl bei Skins als auch bei                          manchen Antifas beliebt ist. Laut Aussagen von                          Verk\u00e4ufern und Aufsichtspersonal \u00e4u\u00dferten sich die                          jungen Antifas abf\u00e4llig \u00fcber <em><strong>\u201edie Nazis, die                          einkaufen gehen\u201c<\/strong><\/em> und versprachen ihnen, <em><strong> \u201eam Ausgang auf sie zu warten\u201c<\/strong><\/em>. Doch die                          Naziskins \u2013 von denen einer erwidert haben soll: <em><strong> \u201eEr ist ein schmales Hemd, und provoziert uns!\u201c<\/strong><\/em> &#8211; riefen telefonisch Verst\u00e4rkung herbei, die auch                          alsbald eintraf. Aufgrund der \u00dcberzahl der Naziskins                          ebenso wie aufgrund der soeben zitierten \u00c4u\u00dferung ist                          klar, dass die Rechtsradikalen eine \u00fcberaus klare                          k\u00f6rperliche \u00dcberlegenheit aufwiesen. Um kurz nach 18 Uhr                          fielen die t\u00f6dlichen Schl\u00e4ge, und wie die                          Sonntagszeitung <em><strong>JDD<\/strong><\/em> berichtet, zogen die                          Naziskins nach vollbrachter Tat <em><strong>\u201efrohen Gesichts                          von dannen, nachdem ihnen klar wurde, dass ihnen niemand                          folgte\u201c<\/strong><\/em> und <em><strong>\u201eklatschten sich gegenseitig                          in die H\u00e4nde, ungef\u00e4hr als ob sie gerade gemeinsam ein                          Diplom erhalten h\u00e4tten oder \u00c4hnliches\u201c<\/strong><\/em>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: x-small;\">Zu den                          Herbeigerufenen z\u00e4hlte der sp\u00e4tere Hauptt\u00e4ter, der                          20j\u00e4hrige Angestellte im Security-Gewerbe Esteban                          Morillo. Er wurde in Spanien geboren, wuchs in einem                          Kaff in der Picardie namens Neuilly-Saint-Front (sic)                          auf und machte dort als Dorfnazi auf sich aufmerksam.                          Doch in den letzten zwei Jahren kam er nach Paris, wo er                          vom Dunstkreis von Serge Ayoub \u2013 Inhaber des                          rechtsextremen Veranstaltungsorts <em><strong>,Le Local\u2018<\/strong><\/em> im Pariser S\u00fcden, ehemaliger Skin-Anf\u00fchrer in den 1980er                          Jahren und jetzt Kopf einer Minipartei unter dem Namen                         <em><strong>,Troisi\u00e8me Voie\u2018<\/strong><\/em> (Dritter Weg) \u2013 angezogen                          wurde. Serge Ayoub nimmt auch des \u00d6fteren an                          fraktions\u00fcbergreifenden rechtsextremen Mobilisierungen                          teil: von Veranstaltungen der Zeitschrift <em><strong>Synth\u00e8se                          Nationale<\/strong><\/em> (die u.a. mehrere Abspaltungen vom                          Front National wie ,Nouvelle Droite Populaire\u2018, ,Parti                          de France\u2018 und MNR vereinigt) wie am 11.11.2010 in Paris                          bis zur Jeanne d\u2019Arc-Demonstration am 12. Mai dieses                          Jahres in Paris. Bei Letzterer handelt es sich nicht um                          den j\u00e4hrlichen Aufmarsch des Front National f\u00fcr Jeanne                          d\u2019Arc (welcher immer am 1. Mai stattfindet), sondern um                          die alternativ dazu stattfindende                          Hardliner-Demonstration, deren Veranstaltern die                          Wahlpartei FN viel zu schlapp erscheint.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: x-small;\"><em><strong> ,Troisi\u00e8me Voie\u2018 <\/strong><\/em>verf\u00fcgt \u00fcber einen schlagenden                          Arm von gesch\u00e4tzten drei\u00dfig Mitgliedern unter dem Namen                         <em><strong>,Jeunesses Nationalistes R\u00e9volutionnaires\u2018<\/strong><\/em> (JNR); es handelt sich um eine Truppe, die u.a. die                          Ordnerdienste f\u00fcr die Kleinstpartei \u00fcbernimmt. Der                          Hauptt\u00e4ter, ebenso wie einige andere Teilnehmer an der                          Schl\u00e4gerei vom Sp\u00e4tnachmittag des 05. Juni, werden von                          Beh\u00f6rden und Medien als \u201emutma\u00dfliche Sympathisanten der                          JNR\u201c dargestellt. Nicht unwahrscheinlich ist, dass sie                          auch Mitglieder der Schl\u00e4gervereinigung waren \u2013 nur ist                          dies insofern schwer nachzuweisen, als die JNR \u00fcber                          keinerlei formelle Struktur verf\u00fcgen, wie Serge Ayoub                          selbst schadenfroh in mehreren Zeitungen erkl\u00e4rte. Der                          Hauptt\u00e4ter tauchte bei Facebook als<em><strong> ,Freund\u2018 <\/strong> <\/em>von<em><strong> ,Troisi\u00e8me Voie\u2018<\/strong><\/em> auf. Unterdessen                          hat Innenminister Manuel Valls \u2013 ebenso wie                          Premierminister Jean-Marc Ayrault \u2013 angek\u00fcndigt, die                          Einleitung eines Verbotsverfahrens gegen die JNR (und                          eventuell andere Nazigruppen) zu pr\u00fcfen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: x-small;\">Unklar                          ist zur Stunde, ob Morillo mit blo\u00dfen H\u00e4nden zuschlug                          (wie er selbst behauptet) oder mit einem Stahlhandschuh                          als Schl\u00e4gerwerkzeug, wie Zeugen angegeben haben. Bei                          ihm zu Hause wurde in jedem Falle ein Stahlhandschuh                          gefunden \u2013 dessen Besitz ist ihm also nachgewiesen,                          fraglich ist nur noch, ob er ihn am 05. Juni auch                          einsetzte. Bei einem anderen der Beteiligten, dem                          25j\u00e4hrigen \u201eSamuel\u201c (bislang ist nur sein Vorname \u00fcber                          die Presse bekannt geworden), wurden zwei                          blutverschmierte Ringe gefunden, mit denen er zuschlug.                          Er hat inzwischen einger\u00e4umt, dem Toten selbst Schl\u00e4ge                          zugef\u00fcgt zu haben, und wurde in Untersuchungshaft                          genommen, ebenso wie Esteban Morillo. Drei weitere                          Teilnehmer, zwei m\u00e4nnliche Naziskins und Morillos                          32j\u00e4hrige Freundin \u201eKatia\u201c, wurden nach ihrer                          polizeilichen Vernehmung auf freien Fu\u00df gesetzt, m\u00fcssen                          jedoch mit einer Anklage rechnen. Estaban Morillo als                          Verursacher der t\u00f6dlichen Schl\u00e4ge sitzt seinerseits in                          U-Haft. Der zust\u00e4ndige Untersuchungsrichter ermittelt                          derzeit wegen <em><strong>\u201efahrl\u00e4ssigen Totschlags\u201c<\/strong><\/em> (d.h. K\u00f6rperverletzung mit unbeabsichtigter Todesfolge);                          seine Auffassung steht damit im Gegensatz zu jener der                          Staatsanwaltschaft, die urspr\u00fcnglich erkl\u00e4rte, von <em> <strong>\u201evors\u00e4tzlichem Totschlag\u201c <\/strong><\/em>auszugehen.                          \u00dcblicherweise wird wegen des st\u00e4rkeren infrage kommenden                          Delikts ermittelt, auf die Gefahr hin, dass die Straftat                          dann vor Gericht heruntergestuft wird. M\u00f6glicherweise                          geht der Untersuchungsrichter von Beweisproblemen                          bez\u00fcglich des Vorsatzes aus \u2013 Morillo selbst hat die                          Schl\u00e4ge zugegeben, aber verneint jegliche                          T\u00f6tungsabsicht. Allerdings d\u00fcrfte die Benutzung von                          Stahlhandschuhen, sofern sie nachgewiesen werden kann,                          zumindest f\u00fcr einen strafrechtlichen <em><strong>,dolus                          eventualis\u2018<\/strong><\/em> (d.h. daf\u00fcr, dass der T\u00e4ter das                          T\u00f6tungsergebnis wissentlich in kauf nahm) sprechen. Ein                          solcher gilt im Strafrecht als Vorsatz.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: x-small;\">Infolge                          des Todes von Cl\u00e9ment M\u00e9ric fanden in k\u00fcrzester Zeit                          massive Protestdemonstrationen statt. Am Donnerstag                          Abend (06.06.13) fanden sich zun\u00e4chst rund 300 engere                          politische Freundinnen und Freunde des Get\u00f6teten in der                          N\u00e4he des Saint Lazare-Bahnhofs \u2013 und des Tatorts \u2013 ein.                          Anderthalb Stunden sp\u00e4ter fand eine breitere Kundgebung                          mit rund 5.000 Menschen bei Saint-Michel, d.h. im                          Pariser Stadtzentrum, statt. Die beiden Kandidatinnen                          der gro\u00dfen Parteien \u2013 sog. ,Sozialistische\u2018 Partei und                          UMP &#8211; f\u00fcr das Pariser Rathaus, Anne Hidalgo und Nathalie                          Kosciusko-Morizet, wurden durch Linksradikale an einer                          Teilnahme gehindert (wor\u00fcber man wahrscheinlich                          ernsthaft diskutieren muss, was die Sinnhaftigkeit                          betrifft). In ganz Frankreich fanden zur selben Zeit                          Demonstrationen in sechzig St\u00e4dten mit, inklusive Paris,                          insgesamt circa 15.000 Teilnehmer\/inne\/n statt. Zwei                          Tage sp\u00e4ter demonstrierten am Samstag Nachmittag erneut                          zwischen 4.000 (lt. Polizei) und 6.000 Menschen in                          Paris, und weitere 2.000 bis 3.000 in Toulouse und                          Nantes. Hinzu kamen kleinere Demos wie in Perpignan. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; font-size: x-small;\">Am Abend                          des Montag, den 10. Juni findet am Sitz des                          Gewerkschaftsverbands <em><strong>Union syndicale Solidaires<\/strong><\/em> (dem auch die Studierendengewerkschaft SUD-Etudiants                          angeh\u00f6rt, deren Mitglied Cl\u00e9ment M\u00e9ric war) ein                          B\u00fcndnistreffen statt, bei dem \u00fcber weitere Aktionen                          beraten wird.<\/p>\n<p>Quelle: <\/span><a href=\"http:\/\/www.trend.infopartisan.net\/trd0613\/t490613.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.trend.infopartisan.net\/trd0613\/t490613.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein 18j\u00e4hriger franz\u00f6sischer Antifaschist starb vergangene Woche (Anm. der Red.: 5. Juni) im Pariser Krankenhaus La Piti\u00e9-Salp\u00e9tri\u00e8re unter den Schl\u00e4gen von Neonazis. Er war am Mittwoch, den 05. Juni am Sp\u00e4tnachmittag in der N\u00e4he des Saint Lazare-Bahnhofs von rechtsextremen Skinheads angegriffen und schwer verletzt worden. Am Mittwoch Abend wurde er f\u00fcr hirntot erkl\u00e4rt, am Donnerstag Nachmittag wurden die Apparate ausgeschaltet. Am darauffolgenden Tag ergab eine Autopsie, dass er nicht \u2013 wie zun\u00e4chst vermutet \u2013 an seinem Sturz mit dem Hinterkopf gegen einen Pfosten gestorben war, sondern direkt an den Folgen der erlittenen Schl\u00e4ge. Die Schl\u00e4ge ins Gesicht hatten das Nasenbein getroffen, eine Gehirnersch\u00fctterung und Hirnbluten ausgel\u00f6st. <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1827\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13,10,6],"tags":[1149,541,542,173,448],"class_list":["post-1827","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antifa","category-aus-aller-welt","category-news","tag-antifa","tag-clement-meric","tag-cnt","tag-neonazis","tag-paris"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1827","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1827"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1827\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1830,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1827\/revisions\/1830"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1827"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1827"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1827"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}