{"id":1920,"date":"2013-10-15T08:24:59","date_gmt":"2013-10-15T07:24:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1920"},"modified":"2013-10-15T08:24:59","modified_gmt":"2013-10-15T07:24:59","slug":"pogrom-in-moskau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1920","title":{"rendered":"Pogrom in Moskau"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ru\u00dfland: Neofaschistischer \u00dcberfall und Polizeirazzia gegen Migranten<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/moskau.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1921\" title=\"moskau\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/moskau.jpg\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/moskau.jpg 380w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/moskau-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/a>Rund 1000 russische Faschisten haben am Sonntag auf einem von Migranten  aus Zentralasien betriebenen Gro\u00dfmarkt im Moskauer Stadtteil Birjulowo  ein Pogrom veranstaltet. Unter der Parole \u00bbRu\u00dfland den Russen\u00ab  verpr\u00fcgelten sie Besch\u00e4ftigte, warfen Rauchbomben, kippten Autos um und  zerschlugen Fensterscheiben. Als die Polizei erschien, warfen die  Faschisten Flaschen, Steine und Abfallk\u00f6rbe auf die Beamten. Knapp 400  der Randalierer wurden festgenommen; auch die ber\u00fcchtigte Sonderpolizei  OMON war im Einsatz.<\/p>\n<p>Am Montag morgen schob die Polizei dann eine Aktion gegen \u00bbillegale\u00ab  Arbeitsmigranten nach. Im Umfeld eines anderen Gro\u00dfmarkts wurden nach  Agenturmeldungen mindestens 1200 Migranten festgenommen; es seien Waffen  und gro\u00dfe Mengen an Bargeld sichergestellt worden, teilte die Polizei  mit.<\/p>\n<p>Ausl\u00f6ser der Randale gegen die Migranten war der Mord an einem jungen  Russen am vergangenen Donnerstag. Er war von einem unbekannten T\u00e4ter  erstochen worden, als er seine Verlobte vor Bel\u00e4stigungen sch\u00fctzen  wollte. Der T\u00e4ter ist fl\u00fcchtig; nach einem ver\u00f6ffentlichten Foto der  \u00dcberwachungskameras wird vermutet, da\u00df es sich um jemanden aus dem  Kaukasus oder Zentralasien handeln k\u00f6nnte. Die Polizei hat f\u00fcr die  Ergreifung des T\u00e4ters die au\u00dferordentlich hohe Belohnung von einer  Million Rubel (ca. 23000 Euro) ausgesetzt.<\/p>\n<p>Der Anla\u00df f\u00fcr die Ausschreitungen ist aber im Grunde beliebig. In der  russischen Hauptstadt herrscht seit Jahren ein Klima von Ha\u00df und  Ausgrenzung gegen Migranten. Es hat mehrere Grundlagen: die tiefste ist  die Verunsicherung der russischen Gesellschaft durch den  tschetschenischen Separatismus und seine terroristischen Weiterungen.  Diese Stimmung hat sich im Zuge des zweiten Tschetschenien-Krieges  radikalisiert. Pr\u00e4sident Wladimir Putin schraubte durch rigoroses  Vorgehen gegen wirkliche und vermeintliche Terroristen im Nordkaukasus  seine Popularit\u00e4tswerte nach oben; es ist Ru\u00dfland aber nur oberfl\u00e4chlich  gelungen, die Situation dort zu befrieden. Vor dem Hintergrund dieser  Verunsicherung sind nach allen Umfragen die Bewohner der an  Tschetschenien angrenzenden russischen Teilrepublik Dagestan von allen  Migranten die unbeliebtesten.<\/p>\n<p>Die zweite Ebene der Fremdenfeindlichkeit ist eine ins Rassistische  transformierte soziale Verachtung von Migranten durch die Bewohner der  vergleichsweise wohlhabenden russischen Hauptstadt. Vermutlich  Hunderttausende \u2013 denn niemand z\u00e4hlt sie \u2013 Migranten aus dem Kaukasus  und den ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens machen die  Drecksarbeit als Stra\u00dfenfeger, Putzhilfen, Bauarbeiter, Lastentr\u00e4ger  usw. Sie verdienen auch f\u00fcr russische Verh\u00e4ltnisse extrem wenig, haben  meist keinen legalen Aufenthaltsstatus und sind dadurch in besonderer  Weise durch Arbeitgeber und Polizei erpre\u00dfbar. Da\u00df manche auch in die  Klein- oder gr\u00f6\u00dfere Kriminalit\u00e4t abwandern, ist nicht erstaunlich. Da  die Wohnverh\u00e4ltnisse der Migranten in \u00fcberbelegten Wohnungen oder  Kellerl\u00f6chern prek\u00e4r sind, f\u00e4llt es \u00bbwei\u00dfen\u00ab Russen leicht, sich die  Migranten als dreckig und verkommen vorzustellen, was wiederum die  Verachtung potenziert. Auf der anderen Seite herrscht eine latente  Furcht vor Migranten: seit Jahren werden die Russen mit einer  familienpolitischen Daueragitation beschallt, wonach die \u00bbSlawen\u00ab  ausst\u00fcrben und die \u00bbSchwarzen\u00ab durch ihre h\u00f6heren Geburtenziffern das  Land zu majorisieren drohten. Der Rassismus von oben dieser Kampagne f\u00fcr  mehr \u00bbrussische\u00ab Kinder l\u00e4\u00dft gelegentliche Bekenntnisse von Politikern  zu der Tatsache, da\u00df Ru\u00dfland ein Vielv\u00f6lkerstaat ist, in den Hintergrund  treten. Wahlen sind damit jedenfalls nicht zu gewinnen. Ebenso wenig  mit einer geregelten Einwanderungspolitik, die Migranten einen  gesicherten Rechtsstatus verliehe. Denn sie w\u00fcrde gleichzeitig deren  \u00f6konomische Diskriminierung erschweren und liegt so nicht im Interesse  der Mehrheitsbev\u00f6lkerung, ob diese nun Baufirmen betreibt oder nur eine  billige Kinderfrau sucht. So kommt es, da\u00df auch die liberale Opposition,  die sich auf das gutsituierte gro\u00dfst\u00e4dtische B\u00fcrgertum st\u00fctzt, in der  Migrationspolitik keinen Gegenstandpunkt zum Alltagsrassismus der  kahlgeschorenen Jungs aus den Vorst\u00e4dten entwickelt.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2013\/10-15\/021.php\" target=\"_blank\">http:\/\/www.jungewelt.de\/2013\/10-15\/021.php<\/a><\/p>\n<div id=\"_mcePaste\" style=\"position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px; overflow: hidden;\">\n<h2>Ru\u00dfland: Neofaschistischer \u00dcberfall und Polizeirazzia gegen Migranten<\/h2>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rund 1000 russische Faschisten haben am Sonntag auf einem von Migranten aus Zentralasien betriebenen Gro\u00dfmarkt im Moskauer Stadtteil Birjulowo ein Pogrom veranstaltet. 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