{"id":1949,"date":"2013-11-19T09:04:27","date_gmt":"2013-11-19T08:04:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1949"},"modified":"2013-11-19T09:04:27","modified_gmt":"2013-11-19T08:04:27","slug":"hassparolen-in-warschau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1949","title":{"rendered":"Hassparolen in Warschau"},"content":{"rendered":"<p><strong>B\u00f6llersch\u00fcsse hallen durch die Schluchten der  Warschauer Wolkenkratzer. Bengalische Feuer lodern \u00fcber den K\u00f6pfen der  Masse. Zehntausende rechtsextreme Marschierer gr\u00f6len &#8220;Polen, das sind  wir!&#8221; und &#8220;Gott, Ehre, Vaterland&#8221;. Viele sind vermummt. In das Meer der  wei\u00df-roten Nationalflaggen mischen sich die hakenkreuz\u00e4hnlichen Banner  neofaschistischer Gruppen. Rechtsradikale Fu\u00dfball-Hooligans verst\u00e4rken  sie. Am Himmel dr\u00f6hnen die Rotoren der Polizeihubschrauber. Die  Sicherheitskr\u00e4fte halten sich im Hintergrund. Sie setzen auf  Deeskalation. Vergeblich.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/neonazispolen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1950\" title=\"neonazispolen\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/neonazispolen.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/neonazispolen.jpg 480w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/neonazispolen-300x131.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a>Am Montagnachmittag artet der &#8220;Marsch der  Unabh\u00e4ngigkeit&#8221; am polnischen Nationalfeiertag wie in den Vorjahren in  Stra\u00dfenschlachten aus. Pflastersteine fliegen. Die Randalierer greifen  Fotografen und jeden sichtbaren Zivilpolizisten an. Mindestens vier  Polizisten wurden am Montag verletzt, als die Demonstranten mit Steinen  warfen und Feuerwerksk\u00f6rper z\u00fcndeten. Nach Angaben eines  Polizeisprechers wurden 30 Gewaltt\u00e4ter festgenommen. Die Polizei ging  mit Wasserwerfern und Tr\u00e4nengas gegen die Randalierer vor.<\/p>\n<p>Zwischen 50 000 und 100 000 Marschierer<\/p>\n<p>Vor  der Erl\u00f6serkirche setzen sie eine Skulptur in den Regenbogenfarben der  Homosexuellen-Bewegung in Brand. Flaggen des historischen &#8220;Erzfeindes&#8221;  Russland gehen ebenfalls in Flammen auf. Selbst als auf die russische  Botschaft, die diplomatische Immunit\u00e4t genie\u00dft, Wurfgeschosse fliegen,  l\u00e4sst die Polizei die Randalierer gew\u00e4hren. Es ist eine sichtlich  fragw\u00fcrdige Strategie. Die Stadt l\u00f6st den Marsch am sp\u00e4ten Nachmittag  offiziell auf \u2013 ohne Effekt.<\/p>\n<p>Der 11. November  erinnert in Polen an die Republikgr\u00fcndung nach dem Ersten Weltkrieg.  Traditionell locken Umz\u00fcge von Veteranen, fr\u00f6hliche Feiern und das  politische Gedenken Zehnttausende Menschen an. Innerhalb weniger Jahre  jedoch haben nationalistische Gruppen \u201eden Unabh\u00e4ngigkeitstag  annektiert\u201c, wie die Zeitung \u201eGazeta Wyborcza\u201c schon im Vorfeld der  Krawalle vom Montag schrieb. Noch 2010 waren nur wenige Tausend Rechte  aufmarschiert, 2012 bereits 20.000. Am Montag waren es nach  unterschiedlichen Sch\u00e4tzungen zwischen 50.000 und 100.000 Marschierer.<\/p>\n<p>Allein  die Zahlen machen einen beunruhigenden Trend in Polen sichtbar. Am Ende  des Krawallmarsches vor einem Jahr hatten mehrere rechtsextreme Gruppen  die \u201eNationale Bewegung\u201c (RN) als Sammelbecken f\u00fcr alle \u201ewahren Polen\u201c  ins Leben gerufen. Zum RN geh\u00f6ren in vorderster Front die Allpolnische  Jugend (MW) und das Nationalradikale Lager (ONR). Abseits hielt sich  bislang die Nationale Wiedergeburt Polens (NOP), die sich am Montag aber  dem Warschauer Marsch anschloss.<\/p>\n<p>Vorbild ist der Antisemit Roman Dmowski<\/p>\n<p>Ideologisch  kn\u00fcpft der RN an die Tradition der faschistischen Rechten der  Zwischenkriegszeit an. Historisches Vorbild ist der Mitbegr\u00fcnder der  Zweiten Republik Roman Dmowski, der nicht nur die nationale Wiedergeburt  Polens nach jahrhundertelanger Fremdherrschaft forderte, sondern auch  eine offen antisemitische Ideologie propagierte. RN-Chef Robert Winnicki  erkl\u00e4rte k\u00fcrzlich im Fernsehsender Polsat: &#8220;Die Zweite Republik ist an  einer \u00dcberrepr\u00e4sentation des Judentums in polnischen Lehranstalten  zugrunde gegangen.&#8221; Niemand in der TV-Runde widersprach.<\/p>\n<p>&#8220;Es  besteht kein Zweifel, dass die Wirkung nationalistischer Ideen weit  mehr als ein Randph\u00e4nomen des politischen Spektrums ist&#8221;, erkl\u00e4rt der  Warschauer Soziologe Rafal Pankowski mit Blick auf die extreme Rechte.  Damit aber wird der RN zu einer Herausforderung f\u00fcr die  nationalkonservative Partei PIS von Ex-Premier Jaroslaw Kaczynski. Sie  deckt bislang im Parlament nahezu das gesamte rechte Spektrum ab \u2013 und  so solle es\u00a0auch bleiben, hat Kaczynski mehrfach betont.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Komorowski zeigt Gesicht<\/p>\n<p>Der  PIS-Chef lie\u00df es sich vor einem Jahr nicht nehmen, die Gewaltexzesse  der rechtsextremen Marschierer am Unabh\u00e4ngigkeitstag als versuchte  &#8220;Invasion Warschaus&#8221; anzuprangern. In diesem Jahr jedoch zog die PIS,  die immerhin rund ein Drittel der polnischen W\u00e4hler repr\u00e4sentiert, ihre  eigene Kundgebung auf den Sonntag vor. Der 10. des Monats erinnere  zugleich an die Flugzeugtrag\u00f6die von Smolensk, lautete die Begr\u00fcndung.  Wahrscheinlicher ist, dass Kaczynski sich nicht zeigen lassen wollte,  dass die Rechtsextremisten deutlich mehr Menschen auf die Stra\u00dfe bringen  als seine Nationalkonservativen.<\/p>\n<p>Die wenigen  linken Gegendemonstranten, die noch 2011 das Gleichgewicht zu den  Rechten gehalten hatten, wichen ebenfalls aus und versammelten sich  diesmal am 9. November \u2013 angeblich zum Gedenken an die Reichspogromnacht  in Deutschland. Gesicht zeigte dagegen am Montagmittag die  Staatsf\u00fchrung um Pr\u00e4sident Bronislaw Komorowski bei einem eigenen  &#8220;Marsch f\u00fcr ein unabh\u00e4ngiges Polen&#8221;. Komorowski rief seine Landsleute  dazu auf, &#8220;Freude und Dankbarkeit f\u00fcr die Freiheit&#8221; zu zeigen, die Polen  erlangt habe. Seine Worte verhallten jedoch am sp\u00e4ten Nachmittag im  L\u00e4rm der B\u00f6llersch\u00fcsse und der rechten Hassparolen.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/polen-faschisten--hassparolen-in-warschau,1472596,25005916.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/polen-faschisten&#8211;hassparolen-in-warschau,1472596,25005916.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00f6llersch\u00fcsse hallen durch die Schluchten der Warschauer Wolkenkratzer. Bengalische Feuer lodern \u00fcber den K\u00f6pfen der Masse. Zehntausende rechtsextreme Marschierer gr\u00f6len &#8220;Polen, das sind wir!&#8221; und &#8220;Gott, Ehre, Vaterland&#8221;. Viele sind vermummt. In das Meer der wei\u00df-roten Nationalflaggen mischen sich die hakenkreuz\u00e4hnlichen Banner neofaschistischer Gruppen. Rechtsradikale Fu\u00dfball-Hooligans verst\u00e4rken sie. Am Himmel dr\u00f6hnen die Rotoren der Polizeihubschrauber. 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