{"id":1953,"date":"2013-11-20T10:32:28","date_gmt":"2013-11-20T09:32:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=1953"},"modified":"2013-11-20T10:32:28","modified_gmt":"2013-11-20T09:32:28","slug":"zu-blond-fur-die-rassisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1953","title":{"rendered":"Zu blond f\u00fcr die Rassisten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Reaktionen auf die angebliche  Entf\u00fchrung eines Kindes durch Roma in Griechenland zeigen, wie weit  verbreitet rassistische Klischees in Europa sind.<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbSinti und Roma sind mittlerweile gezwungen, ihre Zugeh\u00f6rigkeit zur  Minderheit zu verbergen.\u00ab Dieses bittere Res\u00fcmee zog Romani Rose, der  Vorsitzende des Zentralrats deutscher Sinti und Roma, Anfang November  auf einer Pressekonferenz in Berlin. Er kommentierte die j\u00fcngste  rassistische Kampagne gegen diese Minderheit in mehreren europ\u00e4ischen  L\u00e4ndern. Als Vorwand f\u00fcr diese diente eine Razzia in einem griechischen  Roma-Lager Ende Oktober, bei der der Polizei ein blondes M\u00e4dchen  auffiel, das nicht zu ihrem Bild eines Roma-Kindes passte. Es wurde von  den Beamten einem Heim \u00fcbergeben und als \u00bbMaria\u00ab der \u00d6ffentlichkeit  vorgestellt. Nachdem ein DNA-Test nachwies, dass es nicht bei seinen  leiblichen Eltern gelebt hatte, machten Spekulationen \u00fcber eine  Kindesentf\u00fchrung die Runde.<\/p>\n<p>Dass die verd\u00e4chtige Frau falsche Papiere vorgelegt hatte, mache sie  jedoch nicht zu einer Kidnapperin. \u00bbDas Paar hat das M\u00e4dchen geliebt,  als sei es sein eigenes Kind\u00ab, betonte die Juristin Ma\u00adrietta  Palavra-Zatirion, die Anw\u00e4ltin der Roma-Familie. Auch als durch  medizinische Untersuchungen festgestellt werden konnte, dass das Kind  bei bester Gesundheit war, beruhigten sich die Gem\u00fcter nicht.<\/p>\n<p><strong>Wenige Tage sp\u00e4ter zeigte sich, dass die M\u00e4r \u00fcber ein von Roma entf\u00fchrtes Kind<\/strong> eine rassistische Projektion war: Bei den Eltern des M\u00e4dchens handelt  es sich um ein Roma-Ehepaar aus der zentralbulgarischen Stadt Gurkowo.  Die Mutter hat in einer polizeilichen Befragung erkl\u00e4rt, sie habe in  einer wirtschaftlicher Notlage und mangels g\u00fcltiger Papiere vor einigen  Jahren ihre sieben Monate alte Tochter bei ihren damaligen Arbeitgebern  in Griechenland zur\u00fcckgelassen und wolle sie eines Tages zur\u00fcckholen.  Das Kind war nicht gerettet, sondern vielmehr ihren Pflegeeltern  entrissen und mit einem christlichen Vornamen versehen an die  \u00d6ffentlichkeit gezerrt worden.<\/p>\n<p>Dass nun aber ausgerechnet die Pflegeeltern, die das Kind wohl ohne  staatliche Unterst\u00fctzung aufgenommen haben, als Kindesentf\u00fchrer an den  Pranger gestellt wurden, ist nur durch rassistische Vorurteile zu  erkl\u00e4ren. So reicht die M\u00e4r von den \u00bbZigeunern\u00ab, die christliche Kinder  entf\u00fchren, bis ins 15.\u2009Jahrhundert zur\u00fcck und war immer wieder Anlass  f\u00fcr Verfolgung. 1873 f\u00fchrte die Falschmeldung, \u00bbZigeuner\u00ab h\u00e4tten in  Stettin ein Kind entf\u00fchrt, zu Polizeima\u00dfnahmen gegen die Minderheit in  ganz Preu\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Ereignisse und die Berichterstattung zeigten, dass traditionelle  rassistische Klischees auch in der gesellschaftlichen Mitte sehr weit  verbreitet sind. Eine Adoption wurde zun\u00e4chst gar nicht erst in Erw\u00e4gung  gezogen, der polizeiliche Zugriff ohne konkreten Tatverdacht stie\u00df  nicht auf Kritik. Vielmehr teilt die griechische Polizei mit gro\u00dfen  Teilen der Bev\u00f6lkerung in vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern die Annahme, dass  Roma keine blonden Kinder haben k\u00f6nnen. Die Grund\u00adlage dieser Behauptung  ist ein Rassismus, der aus dem Aussehen auf die Herkunft der Menschen  schlie\u00dfen will.<\/p>\n<p><strong>Die Falschbehauptung vom blonden entf\u00fchrten M\u00e4dchen<\/strong> f\u00fchrte zu  staatlichen Ma\u00dfnahmen und rassistischen Angriffen auf Roma in  verschiedenen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. Im serbischen Novi Sad versuchten  Rechte, einem Rom sein Kind auf offener Stra\u00dfe wegzunehmen, weil es nach  ihrem rassistischen Weltbild zu blond war. In Irland lie\u00df die Polizei  nach einer anonymen Denunziation zwei Kinder aus Roma-Familien  vor\u00fcbergehend in Heime einweisen, weil sie den Beamten als zu blond  erschienen, um Roma sein zu k\u00f6nnen. Erst nachdem zweifelsfrei  nachgewiesen worden war, dass die Geburtsurkunden authentisch waren,  konnten die Kinder wieder zu ihren Eltern zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Dass sich in allen F\u00e4llen der Entf\u00fchrungsverdacht als haltlos erwies,  d\u00fcrfte die Ressentiments nicht mindern. Die angegriffene Minderheit  bekam kaum Unterst\u00fctzung aus der vielzitierten Mitte der Gesellschaft.  \u00bbKein Politiker hat uns beigestanden\u00ab, res\u00fcmierte Romani Rose in Berlin  ern\u00fcchtert.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2013\/46\/48824.html\" target=\"_blank\">http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2013\/46\/48824.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Reaktionen auf die angebliche Entf\u00fchrung eines Kindes durch Roma in Griechenland zeigen, wie weit verbreitet rassistische Klischees in Europa sind. <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=1953\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13,10,6],"tags":[133,103,294,596],"class_list":["post-1953","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antifa","category-aus-aller-welt","category-news","tag-griechenland","tag-rassismus","tag-roma","tag-sinti"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1953","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1953"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1953\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1955,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1953\/revisions\/1955"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1953"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1953"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1953"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}