{"id":2139,"date":"2014-07-15T09:18:41","date_gmt":"2014-07-15T08:18:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=2139"},"modified":"2014-07-16T10:55:32","modified_gmt":"2014-07-16T09:55:32","slug":"wauwilermoos-geschichte-des-straflagers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2139","title":{"rendered":"Wauwilermoos: Geschichte des Straflagers"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/knast.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2141\" alt=\"knast\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/knast.jpg\" width=\"400\" height=\"266\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/knast.jpg 400w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/knast-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Geographische Lage<\/strong><\/p>\n<p>Als erstes m\u00f6chte ich auf die geographische Lage des Straflagers\/Gef\u00e4ngnis eingehen. Das Wauwilermoos befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen Luzern und Olten, bei Wauwil und Egolzwil, nahe von Sursee. Mit dem Auto dauert die Fahrt von Luzern ca. 30 Minuten.<\/p>\n<p><strong>Das Wauwilermoos heute<\/strong><\/p>\n<p>Heute ist die STA Wauwilermoos eine Strafanstalt f\u00fcr den offenen Justizvollzug (ca. 60 Pl\u00e4tze). Zudem wurde vor wenigen Jahren ein Teil der Anstalt f\u00fcr die Ausschaffungshaft umgebaut (ca. 13 Pl\u00e4tze).<\/p>\n<p>Die Gefangenen werden haupts\u00e4chlich auf dem eigenen Hof besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Die 150 Hektar landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4che werden seit 1996 ausschliesslich Biologisch bewirtschaftet.<\/p>\n<p>Ein Grossteil der Fl\u00e4che wird f\u00fcr den Feldbau (Karotten, Kartoffeln, Mais, Getreide usw.) sowie als \u00f6kologische Ausgleichsfl\u00e4che genutzt.<\/p>\n<p>Eine viel kleinere Fl\u00e4che, 4 Hektar, dient dem Gem\u00fcsebau. Neben diversen Salaten und Kohle wachsen da Zucchini, Lauch, Sellerie usw.<\/p>\n<p>Ausserdem wird ein Gew\u00e4chshaus betrieben und Schweine, K\u00fche sowie Pferde gehalten.<\/p>\n<p><strong>Das Straflager<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend dem 2. Weltkrieg (ab 1940) diente das Wauwilermoos als Internierten Straflager mit einer Kapazit\u00e4t f\u00fcr bis zu 500 Personen.<\/p>\n<p>Zum einen k\u00f6nnen Staaten, Milit\u00e4rangeh\u00f6rige und Zivilbev\u00f6lkerung feindlicher Staaten ohne Anklage internieren. Aber auch neutrale Staaten k\u00f6nnen Angeh\u00f6rige einer kriegstreibenden Nation, ohne Anklage, festhalten. Andererseits k\u00f6nnen Milit\u00e4rverb\u00e4nde und Einzelk\u00e4mpfer, die sich nahe der Grenze eines neutralen Staates befinden, diesen um Asyl ersuchen. Diese werden dann entwaffnet und bis zum Ende des Konflikts interniert. Wobei normalerweise das Herkunftsland f\u00fcr die anfallenden Kosten aufkommt. Oft wurden z.B. amerikanische Piloten, deren Maschinen bei K\u00e4mpfen, \u00fcber Deutschland, besch\u00e4digt wurden und die deshalb nicht mehr nach England zur\u00fcckfliegen konnten, in Hotels z.B. in Davos oder Adelboden interniert denn durch den ausbleibenden Tourismus im zweiten Weltkrieg, gab es viele leere Betten in den Kurorten. Insgesamt wurden, w\u00e4hrend dem zweiten Weltkrieg, ca. 104\u2018000 Personen in der Schweiz interniert.<\/p>\n<p>Ins Straflager kamen vor allem Internierte, die einen Fluchtversuch unternahmen(besonders w\u00e4hrend dem Aufstieg der Resistance, nach 1943, sahen viele wieder eine Chance, zu ihren Truppen zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Ausserdem erhielten Angeh\u00f6rige der Air Force den Befehl Fluchtversuche zu unternehmen, falls sie in Gefangenschaft geraten sollten). Das Straflager war f\u00fcr disziplinarische Massnahmen zust\u00e4ndig denn straff\u00e4llig gewordene Internierte, wurden vor ein Gericht gestellt.<\/p>\n<p>Die Bedingungen im Straflager waren mies. Es gab nur wenige sanit\u00e4re Einrichtungen. Latrinengraben f\u00fchrten quer durch die Baracken. Der Gestank war bestialisch. Es gab kaum medizinische Versorgung. Die Gefangenen wurden k\u00f6rperlich und sexuell misshandelt. Das Essen war nicht nahrhaft und auf den Betten (mit ein bisschen Stroh abgedeckte Holzpritschen) lebten vor allem L\u00e4use. \u00dcberhaupt gab es sehr viel Ungeziefer wie Ratten, Fl\u00f6he usw. Ausserdem wurde das Straflager auf einer Moorlandschaft erbaut, deshalb versanken die Gefangenen oft bis zum Kn\u00f6chel im Schlamm. Die Baracken waren weder isoliert noch wurden sie im Winter beheizt. Zudem kannten die Internierten die Dauer, ihrer zu verb\u00fcssende \u201eStrafe\u201c nicht.<\/p>\n<p>Bei einer Schl\u00e4gerei unter den Insassen der Baracke 29 am 28.9.1944 wurde ein 27 J\u00e4hriger Russe von der Wache erschossen und ein weiterer durch zwei Kugeln verletzt.<\/p>\n<p><strong>Nutzlose Kontrollen<\/strong><\/p>\n<p>Ende 1944 stellt Dollfus, der damals Generaladjutant war, fest, dass die Sanitarischen Einrichtungen ungen\u00fcgend sind und die feuchte Lage Schmutz und Krankheiten verursacht. Eine Inspektion im Januar 1945 ergab ausserdem \u201edass die Ordnung und Sauberkeit viel zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4sst\u201c.<\/p>\n<p>Oberleutnant Siegrid stellt am 24. Januar, bei einer Inspektion des Baulichen Zustands des Lagers, fest:<\/p>\n<p>Hauptmann B\u00e9guin komme seiner Aufgabe das Lager instand zu halten nicht nach. Die \u00d6fen seien gr\u00f6sstenteils kaputt. Die Planken der Barracken waren schlecht unterst\u00fctzt und es bildete sich Kondenswasser. Die gewaschene Kleidung w\u00fcrde den Gefangenen nass \u00fcbergeben. Zum trocknen st\u00fcnde ihnen kein Raum zur Verf\u00fcgung. Am schockierendsten sei aber die Eisbildung in den ungeheizten Waschr\u00e4umen \u201eDer Boden war mit einer dicken, unebenen Eisschicht bedeckt\u201c.<\/p>\n<p>\u201eMit drei Berichten (bereits) im Januar und Februar 1942 hatte Major Humbert, der verantwortliche Arzt f\u00fcr die Internierten im Sektor Seeland, drei Jahre zuvor schon die Verantwortlichen auf die \u201eanorme Krankheitsh\u00e4ufigkeit\u201c im Lager hingewiesen: \u201eDie moralische Atmosph\u00e4re im Lager Wauwilermoos ist absolut unhaltbar. Einer der Kranken aus dem Wauwilermoos erkl\u00e4rte mir mit Heftigkeit eher bringe er sich um als dahin zur\u00fcckzukehren. Die Internierten werden einerseits von Hauptmann B\u00e9guin aus nichtigem Anlass aufs gr\u00f6bste beschimpft, und andererseits wird ihnen die pers\u00f6nliche Aussprache verweigert. Die Strafen sind \u00fcbertrieben [\u2026]\u201c Major Humbert erhob sogar Klage gegen Hauptmann B\u00e9guin und verlangte \u201eSanktionen\u201c. Da er aber die Dienststelle im Februar 1942 verliess, verlief sein Vorstoss im Sand. In seinem letzten Schreiben hielt er fest, es herrsche im Lager \u201eeine Ordnung der Furcht\u201c [\u2026] \u201eMeine Schlussfolgerung ist, dass Hauptmann B\u00e9guin aus psychologischen Gr\u00fcnden nicht geeignet ist die Funktion des Kommandanten eines Straflagers zu erf\u00fcllen.\u201c (1) Aber die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden wollten nichts unternehmen und versuchten, noch zus\u00e4tzlich, den Inspektoren Steine in den Weg zu legen.<\/p>\n<p>Kontrollen von unabh\u00e4ngigen Seiten wie zum Beispiel die des IKRK blieben nutzlos, da ihnen nicht das ganze Lager gezeigt wurde.<\/p>\n<p>Obwohl die Schweizer Internierungsbeh\u00f6rden von Anfang an mit einem schlechten Ruf zu k\u00e4mpfen hatten, wurde Erst nach dem Ende des zweiten Weltkriegs das ganze Ausmass bekannt und das Internierten Straflager Wauwilermoos heftig kritisiert. Vor allem von den dort Inhaftierten, die endlich \u00fcber ihr Grauen berichten konnten. Grosse Teile der Zivilbev\u00f6lkerung sowie auch die zust\u00e4ndigen Diplomaten der Internierten wussten lange Zeit nichts von dem Lager und den Zust\u00e4nden dort<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sexuelle \u00dcbergriffe<\/strong><\/p>\n<p>Eine besonders \u00fcble Serie von Vergewaltigungen erlebte der Amerikanische Bordingenieur Dan Culler.<\/p>\n<p>Dan Culler wollte, zusammen mit ein paar Kollegen, am 12 Mai 1944 aus dem Internierungslager Adelboden fliehen. Sie versuchen sich, \u00fcber die Alpen nach Italien zu den nach Rom vorr\u00fcckenden Truppen durchzuschlagen. Mangels Nahrungsmittel ass Culler, ihm unbekannte Beeren, wovon er immer wieder erbrechen musste. Er beschloss seine Begleiter ziehen zu lassen und kehrte ins Lager zur\u00fcck. Dort wurde er, bei Wasser und Brot, mit 10 Tagen scharfem Arrest bestraft. Von dem Essen kann er aber fast nichts behalten weil er immer noch sehr oft erbrechen muss.<\/p>\n<p>Nachdem er aus dem Arrest entlassen wird, wird er in dunkler Nacht in das Straflager Wauwilermoos verschleppt, wo die H\u00f6lle \u00fcber ihn herein bricht.<\/p>\n<p>Er wird in die Baracke 9 gesperrt, wo er gleich am ersten Abend brutal vergewaltigt wird. Er wird festgehalten und von der ganzen Belegschaft vergewaltigt \u201eIch blutete aus dem Rektum und teile der Haut ragten hinaus. Wie lange das dauerte werde ich nie wissen, denn etwas in mir L\u00f6ste sich ab und versetzte mich in einen anderen Zustand.\u201c Sobald er frei kam, floh er nach draussen wo er die Nacht in der K\u00e4lte verbrachte. Beim ersten Tageslicht ging er in das B\u00fcro des Lagers, wo er B\u00e9guin und einigen Wachen schilderte, was passiert war. Diese lachten ihn jedoch nur aus. In seiner Verzweiflung beleidigte er sie und kam wieder in den Arrest. Schnell merkte Dan Culler, dass dies der einzige Ort war, wo er der H\u00f6lle in der Baracke 9 entkommen konnte.<\/p>\n<p>Denn ab dem Zeitpunkt, als er dem Lagerleiter von den Vorkommnissen berichtete, liess dieser in der Nacht die Baracke abschliessen. Er wurde immer wieder vergewaltigt. \u201eIch weiss, dass ich [jeweils] von vier M\u00e4nnern niedergedr\u00fcckt wurde, w\u00e4hrend der erste sein Gesch\u00e4ft verrichtete. Dann wurde ich von anderen festgehalten, bis jeder dran war.\u201c Um zu entkommen, zw\u00e4ngte er sich manchmal durch den Abort, wo er durch die Exkremente unter der Baracke entkommen konnte. Wenn das nicht gelang, wehrte er sich nach Leibeskr\u00e4ften. \u201eViele Male wurde ich KO geschlagen und erwachte in der Abortrinne. Einmal hielten sie mich fest und einer versuchte mir seinen Penis in den Mund zu stecken und ich liess das nicht zu und hielt meinen Mund verschlossen und wurde bewusstlos geschlagen und als ich wieder zu mir kam hatten sie mir Holzst\u00fccke unter die hinteren Z\u00e4hne geschoben um mich daran zu hindern, ihn zu schliessen und [sie] steckten ihre Penisse tief in meinen Mund hinein.<\/p>\n<p>Dan Culler unternahm alles um immer wieder in den Arrest zu kommen.<\/p>\n<p>Als er, nach einer l\u00e4ngeren Zeit, wieder einmal zur\u00fcck in die Baracke kam, waren die alten Bewohner weg und eine neue Gruppe da. Ab da h\u00f6rten die Vergewaltigungen auf. \u201eZu diesem Zeitpunkt war ich ein totales Wrack, [ich] traute niemandem, hustete Blut und blutete stark aus dem Rektum. Ich hatte dauernd Durchfall und war so krank, dass ich mich nicht auf den Beinen halten konnte und wenn ich beim Abort hinkauerte und mich an nichts halten konnte, fiel ich r\u00fcckw\u00e4rts in den Abfluss und hatte nichts als Stroh um mich zu wischen. Es ist nicht schwer sich den Geruch vorzustellen. Ich war \u00fcber und \u00fcber bedeckt mit Furunkeln und wunden Stellen, von denen viele infiziert waren. Ich hatte viele Male das Gef\u00fchl zu sterben.<\/p>\n<p>Jahrzehnte lang hatte Dan Culler Schlafst\u00f6rungen und Albtr\u00e4ume ausserdem konnte er sich nicht nur mit M\u00e4nnern in einem Raum aufhalten. Die Erfahrungen im Wauwilermoos pr\u00e4gten ihn ein Leben lang.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verst\u00f6sse gegen die Genfer Konvention<\/strong><\/p>\n<p>Am 19. Dezember 1929 unterzeichnete die Schweiz als erstes Land die Genfer Konvention. In Punkt 50 und 54 wird festgelegt, dass Fluchtversuche nur disziplinarisch und mit h\u00f6chstens 30 Tagen zu bestrafen sind. W\u00e4hrend in anderen L\u00e4ndern die Strafen oft noch deutlich unter 30 Tagen lagen, bestreitet Andr\u00e9 B\u00e9guin die G\u00fcltigkeit der Genfer Konvention, indem er behauptet die Schweiz sei keine Unterzeichnerin, konsequent. Entflohene und wieder eingefangene Amerikaner und Briten wurden bis im Herbst 1944 konstant mit zwei bis drei Monaten Lagerhaft bestraft. Angeh\u00f6rige anderer Nationen, wie Polen, sogar mit bis zu sechs Monaten. Weitere Artikel gegen die im Wauwilermoos hart verstossen wurden, sind etwa Artikel 58, welcher f\u00fcr disziplinarisch bestrafte einen t\u00e4glichen Arztbesuch vorsieht. Oder Artikel 11 der Essenk\u00fcrzungen als kollektives Bestrafungsmittel verbietet.<\/p>\n<p>Ein Amerikaner der sich in offizieller Mission in der Schweiz befand dr\u00fcckte sich wie folgt aus: \u201eDie Schweiz verletzt in grober Weise die minimalen Garantien der Genfer Konvention von 1929 \u00fcber die Behandlung von Kriegsgefangenen. Zwar glaubt sie nicht, dass die Bestimmungen auf sie Anwendung finde, da sie keine Kriegsgefangene, sondern nur Kriegsinternierte hat. Diese Ansicht k\u00f6nnten die Amerikaner verstehen, wenn internierte bei uns [in der Schweiz] besser behandelt w\u00fcrden als Kriegsgefangene andernorts. Trotzdem scheint das Gegenteil wahr zu sein (\u2026) Durch die Behandlung, die mangelhafte Einrichtungen, Ern\u00e4hrung und Unterkunft [im Wauwilermoos] wurde die Gesundheit der Internierten schwer gesch\u00e4digt. Einer ist beinahe irr geworden, mehrere sind in Spitalbehandlung wegen Augenentz\u00fcndungen, einer wird wahrscheinlich ein Auge verlieren, einer hat sicher, ein anderer wahrscheinlich Tuberkulose entwickelt, alle sind verlaust, viele haben schwere zum Teil Skorbut \u00e4hnliche Hauterkrankungen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Flucht<\/strong><\/p>\n<p>Im Herbst 1944 gelang drei Air Force Offizieren die Flucht aus dem Internierten Straflager Wauwilermoos. Sie wanderten die ganze Nacht Richtung Westen und fanden schliesslich Unterschlupf in einem Landgasthof, indem sie mit der Hilfe einer 16 J\u00e4hrigen die US-Vertretung kontaktierten. Die drei entflohenen wurden sofort von der US-Botschaft aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt erfuhren die Alliierten zum ersten Mal vom Lager in der n\u00e4he von Luzern.<\/p>\n<p>Auf druck der US-Vertreter gab die Schweiz anschliessend nach und verbessert die Bedingungen f\u00fcr amerikanische Internierte. Erst 1949 erhalten Internierte, nach Genfer Konvention, die gleichen Rechte wie Kriegsgefangene.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hauptmann Andr\u00e9 B\u00e9guin<\/strong><\/p>\n<p>Andr\u00e9 B\u00e9guin war der Lagerleiter. Er wurde 1897 in Neuenburg geboren und er war bekennender Nationalsozialist. Er engagierte sich als Jugendlicher bei der &#8220;Jeunesses nationales Neuch\u00e2teloises. 1936 trat er dann der rechten &#8220;National Union&#8221; bei. 1937 wurde er zudem Chef, der Sektion Yverdon, des rechtsextremen &#8220;Front National&#8221;(2).<\/p>\n<p>Andr\u00e9 B\u00e9guin absolvierte, im B\u00fcro seines Vaters, eine Zeichnerlehre, nannte sich aber sp\u00e4ter immer Architekt. Zwischendurch war B\u00e9guin mal f\u00fcr ein paar Monate in Tunis Zwischen 1928 und 1931 macht er eine kleine Milit\u00e4rkariere wurde dann aber, wegen seinen Schulden, ausser Dienst gesetzt. 1938 wird er gesehen. Wie er \u201ehalb in zivil- halb in milit\u00e4rischer Kleidung herumspazierte und erz\u00e4hlte, das Eidg. Milit\u00e4rdepartement habe ihm das Kommando \u00fcber den Sektor La Ferri\u00e8re erteilt\u201c. Daraufhin schreitet die Polizei wegen Missbrauchs der Uniform ein.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter ging B\u00e9guin nach M\u00fcnchen und arbeitete in einem Nationalsozialistischen Unternehmen. Nach Kriegsausbruch kehrte er jedoch in die Schweiz zur\u00fcck. 1940 wurde er auf sein Gesuch, als Offizier, reaktiviert. Im August desselben Jahres wurde er Leiter des Lagers Kalchrain (ein besonders grausamer Vorfall dokumentiert die Interpellation Brawand) und fast ein Jahr sp\u00e4ter des Wauwilermoos.<\/p>\n<p>Im Lager war er daf\u00fcr bekannt, dass er mit Stolz eine Nazi Uniform trug.<\/p>\n<p>Da er immer mit seinem Fotoapparat unterwegs war wurde er Anfang 1942 wegen Spionage angezeigt. Einige Leute aus seiner Vergangenheit dachten wohl, dass es f\u00fcr Geld alles tun w\u00fcrde. Vom Verdacht der Spionage wurde er allerdings freigesprochen Aber der Chef des Spionageabwehrdienstes, Oberst Robert Jaquillard, stiess w\u00e4hrend diesen Untersuchungen auf B\u00e9guins Finanziellen Verh\u00e4ltnisse und die politische Einstellung und so riet er davon ab B\u00e9guin als Kommandant zu belassen. \u201ePers\u00f6nlich sind wir der Ansicht, dass der Posten des Kommandanten eines Internierten Lagers verlangt, dass derjenige, der ihn einnimmt, eine Vergangenheit hat, die weniger belastet ist als diejenige B\u00e9guins, der gewiss fehl am Platze erscheint.\u201c B\u00e9guin f\u00fchrte einen eigenen Strafenkatalog ein \u201e5 Tage Arrest f\u00fcr einen nicht zugemachten Knopf. F\u00fcnf Tage Arrest f\u00fcr nicht vollst\u00e4ndige Kleidung bei Gang in den Waschraum, wer versucht das Lager zu verlassen wird ohne Vorwarnung erschossen uvm.\u201c(3) Bei einem Vortrag vor einigen Offizieren, erz\u00e4hlt B\u00e9guin wie einmal<\/p>\n<p>115 Internierte die Arbeit verweigerten, sie wurden 14 Tage in eine Baracke gesperrt und erhielten erst wieder Nahrung nachdem sie eine Stunde gearbeitet hatten.<\/p>\n<p>Trotzdem schreitet der interimistische Internierungskommissar Dollfus erst am 3. November 1944 ein, als bekannt wurde, dass den Gefangenen ihre Rotkreuzpakete vorenthalten wurden.<\/p>\n<p>Bei der Durchsuchung des B\u00fcros von Hauptmann Andr\u00e9 B\u00e9guin kamen gr\u00f6ssere Mengen an Genussmittel wie Kaffeebohnen, Schokolade, und Zigaretten zu Tage. Auch in seiner Privatwohnung wurde allerhand gefunden, wie zum Beispiel Margarine eines amerikanischen Herstellers.<\/p>\n<p>Hauptmann Andr\u00e9 B\u00e9guin sagte aus, dass er die Sachen bei Gelegenheit allen Internierten zukommen lassen wolle. Zudem wurden 483 Briefe der Internierten oder derer Angeh\u00f6riger gefunden die nie versendet, resp. nicht verteilt wurden.\u201c(4) (Mit den Folgen, dass die Angeh\u00f6rigen nichts mehr von ihren Familienangeh\u00f6rigen h\u00f6rten oder, dass Gesuche, z.B. von kranken H\u00e4ftlingen, um \u201eHafterleichterung\u201c nicht bei der zust\u00e4ndigen Stelle ankamen.) Bis zur Suspendierung B\u00e9guins, dauerte es aber noch bis zum 31. Juli 1945. Am 5. September 1945 wird ihm der Zutritt zum Lager verboten, da er im Lager diverse Akten verbrannte und am 24 September des gleichen Jahres kommt er in Untersuchungshaft.<\/p>\n<p>\u201cAm 20. Februar 1946 verurteilte ihn das Z\u00fcrcher Divisions-Gericht zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus wegen verschiedenster Vergehen wie &#8220;des Betruges, des wiederholten Betrugsversuches, der wiederholten Veruntreuung, des Sichbestechenlassens, des wiederholten Missbrauchs, der wiederholten Urkundenf\u00e4lschung, der wiederholten F\u00e4lschung dienstlicher Aktenst\u00fccke, der wiederholten Nichtbefolgung von Dienstvorschriften, des wiederholten Materialmissbrauchs und des wiederholten Ungehorsams.&#8221; (5) Andr\u00e9 B\u00e9guin wurde f\u00fcr diverse Betr\u00fcgereien, zur Selbstbereicherung, verurteilt. B\u00e9guin hatte grosse, finanzielle Schwierigkeiten. F\u00fcr seine Taten als Lagerleiter, wurde er nie belangt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kein Vergessen<\/strong><\/p>\n<p>Heute erinnern fast nur noch die sogenannten Polenwege, von polnischen Internierten angelegte Wald- und Feldwege sowie Strassen, an die Internierten im 2. Weltkrieg.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Verbrechen im Straflager Wauwilermoos wurden die Verantwortlichen nie zur Rechenschaft gezogen. Ebenso wenig erinnert ein Denk- bzw. Mahnmal an die Geschichte. Auch die Recherche zum Thema war eher m\u00fchsam. Es gibt einige kleinere Projekte (siehe Quellenangabe) die gegen das Vergessen k\u00e4mpfen. In diese Reihen soll sich auch diese Brosch\u00fcre eingliedern. Speziell sei hier das Buch \u201eSch\u00fcsse auf die Befreier\u201c von Peter Kamber, erschienen im Rotpunktverlag, erw\u00e4hnt. Ein grosser Teil besch\u00e4ftigt sich ausf\u00fchrlich mit dem Wauwilermoos.<\/p>\n<p>Speziell in der Schweiz welche sich immer wieder als lupenreinen neutralen Staat und Erfinder der Demokratie inszeniert, darf dieses Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten. Dies sind wir den misshandelten und get\u00f6teten Internierten, nicht nur im Wauwilermoos, schuldig.<\/p>\n<p>Ausserdem muss festgehalten werden, dass die Schweiz im 2. Weltkrieg keines Wegs neutral gehandelt hat. Durch die Zur\u00fcckweisung der Juden an der Grenze. Die Verhandlungen \u00fcber die Kennzeichnung derer P\u00e4sse mit einem (J) Stempel. Die Weigerung, Juden dauerhaft aufzunehmen und auf den Transitstatus zu beharren. Das Nazigold, sowie der wirtschaftlichen Unterst\u00fctzung Deutschlands im allgemeinen und durch die Sicherstellung der Transportlinie zwischen Deutschland und Italien. Mischte sich die Schweiz aktiv in den Krieg ein und bezog ihre Position an der Seite der Achsenm\u00e4chte. Ob die Schweiz Angst vor dem Nationalsozialismus hatte oder ob einige Kreise an der Macht mit ihm sympathisierten sei dahin gestellt und ist eigentlich auch egal.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(1) Zitat von: Buch\u00a0 \u2013 Sch\u00fcsse auf die Befreier von Peter Kamber, erschienen beim Rotpunktverlag (2)(3)(4)(5)Zitate von<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/raf.durham-light-infantry.ch\/index.php\/history\/internee-\">http:\/\/raf.durham-light-infantry.ch\/index.php\/history\/internee-<\/a><\/p>\n<p>switzerland\/straflager-wauwilermoos<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wauwilermoos.lu.ch\/\">http:\/\/www.wauwilermoos.lu.ch\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.20min.ch\/ausland\/news\/story\/-Ich-war-Kriegsgefangener-in-der-Schweiz\u201418129625\">http:\/\/www.20min.ch\/ausland\/news\/story\/-Ich-war-Kriegsgefangener-in-der-Schweiz\u201418129625<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/raf.durham-light-infantry.ch\/index.php\/history\/internee-switzerland\/straflager-wauwilermoos\">http:\/\/raf.durham-light-infantry.ch\/index.php\/history\/internee-switzerland\/straflager-wauwilermoos<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.geschichte-luzern.ch\/sites\/default\/files\/schweizer_lager_stadelmann.pdf\">http:\/\/www.geschichte-luzern.ch\/sites\/default\/files\/schweizer_lager_stadelmann.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.eda.admin.ch\/etc\/medialib\/downloads\/edazen\/doc\/parvor\/2ndww\/1100.Par.0037.File.tmp\/Vorstoss.pdf4\">http:\/\/www.eda.admin.ch\/etc\/medialib\/downloads\/edazen\/doc\/parvor\/2ndww\/1100.Par.0037.File.tmp\/Vorstoss.pdf4<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/politik_schweiz\/Medaillen_fuer_in_der_Schweiz_internierte_USPiloten.html?cid=34968622\">http:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/politik_schweiz\/Medaillen_fuer_in_der_Schweiz_internierte_USPiloten.html?cid=34968622<\/a><\/p>\n<p>Buch: Sch\u00fcsse auf die Befreier ISBN; 3-85869-092-9<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist die STA Wauwilermoos eine Strafanstalt f\u00fcr den offenen Justizvollzug (ca. 60 Pl\u00e4tze). Zudem wurde vor wenigen Jahren ein Teil der Anstalt f\u00fcr die Ausschaffungshaft umgebaut (ca. 13 Pl\u00e4tze).<\/p>\n<p>Die Gefangenen werden haupts\u00e4chlich auf dem eigenen Hof besch\u00e4ftigt. <\/p>\n<p>Die 150 Hektar landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4che werden seit 1996 ausschliesslich Biologisch bewirtschaftet. <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2139\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[49,172],"tags":[],"class_list":["post-2139","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antirep","category-gefangeneninfos"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2139","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2139"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2139\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2142,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2139\/revisions\/2142"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2139"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2139"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2139"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}