{"id":2148,"date":"2014-08-25T08:46:10","date_gmt":"2014-08-25T07:46:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=2148"},"modified":"2014-08-25T08:46:10","modified_gmt":"2014-08-25T07:46:10","slug":"kreuzzug-fur-weisse-rassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2148","title":{"rendered":"&#8220;Kreuzzug f\u00fcr weisse Rassen&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Bataillon \u00bbAsow\u00ab k\u00e4mpfen internationale Freiwillige gegen Aufst\u00e4ndische in der Ostukraine. Anwerber und Ausbilder Gaston Besson lernte das Mordhandwerk \u00adw\u00e4hrend des Bosnien-Krieges an der Seite kroatischer Neofaschisten<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/ukraine.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2149\" alt=\"ukraine\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/ukraine.jpg\" width=\"760\" height=\"428\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/ukraine.jpg 760w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/ukraine-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 760px) 100vw, 760px\" \/><\/a>Das Flugblatt ist mit einer schwarzen Sonne verziert. Darunter sind M\u00e4nner in Sturmmasken abgebildet, rechts das Abzeichen des Bataillons \u00bbAsow\u00ab. F\u00fcr finanzielle Transaktionen solle man sich bei einem \u00bbEvgen Moskalets\u00ab melden, f\u00fcr \u00bballe anderen Angelegenheiten\u00ab bei einem Mann namens Gaston Besson, dem f\u00fcr die \u00bbinternationalen Freiwilligen\u00ab zust\u00e4ndigen Koordinator. Schreibt man eine Mail an die Adresse Bessons und \u00e4u\u00dfert den Wunsch, bei \u00bbAsow\u00ab mitk\u00e4mpfen zu wollen, erh\u00e4lt man in kurzer Zeit das Anforderungsprofil der Gruppe: \u00bbSie m\u00fcssen verstehen, da\u00df es sich um eine Freiwilligeneinheit handelt. Niemand wird bezahlt, auch nicht die Ukrainer.\u00ab Man solle ihm schreiben, ob man Familie hat, wie lange man bleiben k\u00f6nne, welche milit\u00e4rischen Vorkenntnisse bestehen, ob man an die Front gehen oder nur \u00bbden Jungs\u00ab das n\u00f6tige Knowhow als Trainer vermitteln wolle. Vor allem sei aber wichtig: \u00bbVerge\u00dft nicht, da\u00df wir der milit\u00e4rische Arm der SNA-Ukraine (Social-Nationalist Assembly, Sozial-Nationale Versammlung; T. E.) sind, assoziiert mit dem \u203aRechten Sektor\u2039. Wir sind Sozialisten, Nationalisten und radikal.\u00ab<\/p>\n<h3>Krieg gegen \u00bbUntermenschen\u00ab<\/h3>\n<p>Das \u00bbAsow\u00ab-Bataillon \u2013 eine einige hundert Mann umfassende Kampfeinheit, formal dem ukrainischen Innenministerium unterstellt \u2013 versammelt rechte Militante unterschiedlichen ideologischen Hintergrunds, von Anh\u00e4ngern des F\u00fchrers der ukrainischen Faschisten, Stepan Bandera (1909\u20131959), \u00fcber die klerikal-nationalistischen \u00bbHundert Soldaten von Jesus Christus\u00ab bis zu offenen Nationalsozialisten und Hitler-Anh\u00e4ngern. Fotos zeigen die Milizion\u00e4re gut ausger\u00fcstet, dunkel oder in Tarnfarben gekleidet, vermummt, mit Schutzwesten und modernen Waffen. Immer dabei: die gelbe Fahne mit der in Deutschland verbotenen Wolfsangel. Der Wahlspruch der Einheit lautet: \u00bbTod dem Feind!\u00ab<\/p>\n<p>Das \u00bbAsow\u00ab ist zwar keineswegs die einzige stramm rechte Einheit, die an der Seite der prowestlichen Regimes gegen tats\u00e4chliche und vermeintliche Separatisten in der Ostukraine k\u00e4mpft. Allerdings d\u00fcrfte bei kaum einer anderen so klar sein, worum es den in ihr organisierten K\u00e4mpfern geht. Einige tragen SS-T\u00e4towierungen, andere posieren vor dem Keltenkreuz. \u00bbSlawa ukraini \u2013 Gerojam slawa\u00ab (Ehre der Ukraine \u2013 Ehre den Helden; T. E.), die Gru\u00dfformel der Bandera-Anh\u00e4nger, rufen sie vor jedem Einsatz. Auf ihren Konzerten, die der Geldbeschaffung dienen, spielen neofaschistische Bands wie \u00bbKomu Wnis\u00ab. In den Facebook- und Vkontakte1-Profilen der K\u00e4mpfer und Sympathisanten finden sich Hitler-Devotionalien, Hakenkreuze und die Verherrlichung von Kriegsverbrechen.<\/p>\n<p>Den Kern der Gruppe bilden hochrangige Aktivisten der SNA, deren F\u00fchrer, Andrij Bilezki, zugleich Kommandeur des \u00bbAsow\u00ab-Bataillons ist. Oleg Ljaschko, der bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen im Mai auf immerhin 8,33 Prozent kam, habe die SNA dem \u00bbRechten Sektor\u00ab, dem w\u00e4hrend der Maidan-Proteste hegemonialen Zusammenschlu\u00df der neofaschistischen Kr\u00e4fte, entfremdet. F\u00fcr ihn, so schreibt das prowestliche Magazin Ukrai\u00adnian Policy, sei die SNA ohnehin zu radikal gewesen. Der von ihr vertretene Nationalismus sei \u00bbrassistisch\u00ab und \u00bbauf Gro\u00dfmachtimperialismus ausgerichtet\u00ab.2 Die SNA habe sich sodann mit dem \u00bbAsow\u00ab-Bataillon einen eigenen bewaffneten Arm geschaffen. Gleichwohl bestehen enge Kontakte zum \u00bbRechten Sektor\u00ab weiter, und die Gruppe gilt nach wie vor als in selbigen eingebunden.<\/p>\n<p>Es ist kein Geheimnis, da\u00df die SNA- und \u00bbAsow\u00ab-Leute weitgehendere politische Ziele als die Kiewer Regierung haben; ihnen geht es um die \u00bbVollendung der nationalen Revolution\u00ab. Die britische Tageszeitung The Daily Telegraph zitiert aus einem k\u00fcrzlich verfa\u00dften Kommentar des Nationalistenf\u00fchrers Bilezki: \u00bbDie historische Mission unserer Nation in diesem kritischen Moment ist es, die wei\u00dfen Rassen der Welt in einen finalen Kreuzzug f\u00fcr ihr \u00dcberleben zu f\u00fchren.\u00ab Der Kreuzzug sei einer \u00bbgegen die von Semiten gef\u00fchrten Untermenschen\u00ab.3 Die SNA, aus der die gesamte F\u00fchrungsriege des \u00bbAsow\u00ab-Bataillons stammt, war bereits nach ihrer Gr\u00fcndung 2008 als Fusion kleinerer Neonazigruppen durch fremdenfeindliche Gewalttaten aufgefallen. Im j\u00e4hrlichen Report von Human Rights Ukraine f\u00fcr das Jahr 2009\/10 wird eine ihrer Stellungnahmen zitiert, in der sich die SNA f\u00fcr ihre \u00dcbergriffe auf Vietnamesen, Usbeken und \u00bbZigeuner\u00ab r\u00fchmt. \u00bbMit gemeinsamer Anstrengung zwangen die Patrioten und die Unternehmer w\u00e4hrend der letzten zwei Wochen die Mehrheit der Fremden, den Marktplatz von Wasilkiw zu verlassen. Einige Vietnamesen mu\u00dften mit Zwang dazu gebracht werden, und einige von ihnen brauchten einen Krankenwagen.\u00ab4<\/p>\n<p>Den Kampf f\u00fcr die \u00bbReinheit der wei\u00dfen Rasse\u00ab, den die SNA zusammen mit anderen heute in die ukrainische Nationalgarde eingegliederten Neofaschistengruppen bereits lange vor dem \u00bbEuromaidan\u00ab f\u00fchrte, kann sie heute \u2013 eingegliedert in den staatlichen Machtapparat \u2013 ohne jegliche Furcht vor Repression mit anderen, weitaus t\u00f6dlicheren Waffen fortf\u00fchren. Letztendlich sogar gedeckt von der NATO-Schutzmacht zieht das \u00bbAsow\u00ab-Bataillon durch den aufst\u00e4ndischen Osten und S\u00fcden des Landes, auf der Suche nach \u00bbRussen\u00ab und \u00bbVerr\u00e4tern\u00ab.<\/p>\n<p>Ein von der bei hiesigen Leitmedien beliebten prowestlichen ukrainischen Nichtregierungsorganisation \u00bbEuromaidan-PR\u00ab ver\u00f6ffentlichtes Bild zeigt die \u00bbAsow\u00ab-K\u00e4mpfer beim Einmarsch in einen Vorort von Donezk. Die Fotozeile erkl\u00e4rt, die Milizion\u00e4re seien gerade dabei, einen \u00bbAngriff auf Terroristen\u00ab durchzuf\u00fchren. Der erste Kommentar unter dem Schnappschu\u00df: \u00bbMacht keine Gefangenen!\u00ab<\/p>\n<h3>\u00bbWir machen keine Gefangenen\u00ab<\/h3>\n<p>Vor nun mehr als 20 Jahren haben auch andere keine Gefangenen gemacht: die Freiwilligen der Hrvatske Obrambene Snage (HOS), der \u00bbKroatischen Verteidigungskr\u00e4fte\u00ab. Gegr\u00fcndet als paramilit\u00e4rischer Arm der faschistischen Kroatischen Partei des Rechts (HSP), k\u00e4mpften sie an zahlreichen Kriegsschaupl\u00e4tzen auf dem Balkan gegen serbische Soldaten. Bekanntheit erlangten die HOS vor allem aufgrund zweier Eigenschaften: Sie bestanden zu einem gro\u00dfen Teil aus Faschisten, die gnadenlos Zivilisten mi\u00dfhandelten und t\u00f6teten.<\/p>\n<p>Am 21. September 1992 ver\u00f6ffentlichte das Wochenmagazin Der Spiegel eine ausf\u00fchrliche Reportage seines heutigen stellvertretenden Chefredakteurs Clemens H\u00f6ges \u00fcber eine Gruppe von HOS-K\u00e4mpfern,5 die in dem kroatischen Fischerdorf Klek stationiert war. Spiegel TV drehte einen Film am gleichen Ort:6 \u00dcber der Zentrale der Milizion\u00e4re weht die Hakenkreuzfahne, ein Mann in SS-Uniform tritt auf, Hitler-Bilder h\u00e4ngen in den R\u00e4umlichkeiten der Paramilit\u00e4rs. \u00bbIch bin, eigentlich schon seitdem ich denken kann, Nationalsozialist\u00ab, sagt ein \u00f6sterreichischer Freiwilliger. \u00bbUnd ich solidarisiere mich auch mit Kroatien, weil ich glaube, da\u00df die politische Entwicklung in Kroatien in diese Richtung geht.\u00ab H\u00f6ges portr\u00e4tierte den Kommandeur der Einheit, einen aus den Vereinigten Staaten zur\u00fcckgekehrten Kroaten, Tomislav Madi, Spitzname \u00bbChicago\u00ab. Chicago sagt: \u00bbIch bin Nazi.\u00ab Die milit\u00e4rischen Prinzipien seiner Einheit: \u00bbWir kommen von hinten.\u00ab Und: \u00bbWir haben noch nie Gefangene gemacht.\u00ab<\/p>\n<p>\u00dcber jenen \u00bbChicago\u00ab wei\u00df auch ein anderer aus erster Hand zu berichten: Gaston Besson, der heute, 47j\u00e4hrige Ausbilder der internationalen Freiwilligen des ukrainischen \u00bbAsow\u00ab-Bataillons. Der hat n\u00e4mlich genau dort, in den Hrvatske Obrambene Snage, schon einmal einen \u00bbKreuzzug f\u00fcr die wei\u00dfen Rassen\u00ab gef\u00fchrt. Besson erinnert sich in einem Interview im Jahr 1993: \u00bbIch fand mich unter dem Kommando des 6. Bataillons der HOS in Vinkovci wieder. Wir hatten uns in Kellern eingerichtet, gingen in der Nacht nach drau\u00dfen, ins Niemandsland, zwischen die serbischen Linien, um einen Panzer oder einen M\u00f6rser zu \u203aschlagen\u2039. Am Anfang war ich zusammen mit einem Typen, den man \u203aChicago\u2039 nannte, ein grimmiger Irrer, der zw\u00f6lf Jahre in den Vereinigten Staaten verbracht hatte. Er hie\u00df uns alles tun, egal was, einfach nach vorne rausgehen, in die Linien, und den Feind aufs Geratewohl fassen.\u00ab Schon damals war Besson nicht einfach ein S\u00f6ldner, wie ihn die nicht allzu zahlreichen verf\u00fcgbaren Quellen beschreiben, sondern einer, der sich einredete, aus \u00bbIdealismus\u00ab zu morden. Es war eine \u00bbEndzeitatmosph\u00e4re\u00ab, gemischt mit einem \u00bbimmensen nationalistischen Elan\u00ab, es war eine \u00bbArt eines tollen Kampfes f\u00fcr die Freiheit\u00ab, beschreibt er die Situation, die ihn dazu motivierte erneut die Kalaschnikow in die Hand zu nehmen, die er bereits zuvor in Birma, in Surinam, Laos und Kambodscha getragen hatte.7 Seine Erfahrung lie\u00df ihn rasch in der Hierarchie der HOS aufsteigen, und so brachte er es bald zum Kommandeur. Eine Spiegel-Reportage vom 16. August 1993 spricht beil\u00e4ufig von einer \u00bbinternationale(n) Sondereinheit der kroatischen Bosnier, gef\u00fchrt von einem richtigen Landsknecht: Gaston Besson\u00ab.<\/p>\n<p>Nun konnte nicht ewig auf dem Balkan gek\u00e4mpft werden, und Besson verschwand wieder von der Bildfl\u00e4che. Bis die EU sich anschickte, Jahrzehnte nach der Zerschlagung Jugoslawiens nun die Ukraine an sich zu rei\u00dfen und der Euromaidan begann. Am 6. M\u00e4rz 2013 berichtete Besson auf seiner Facebook-Seite von seiner Ankunft in Kiew: \u00bbErste Reise nach Kiew. Alles l\u00e4uft gut.\u00ab Sein direkter Anlaufpunkt: Das B\u00fcro des \u00bbRechten Sektors\u00ab. Wenig sp\u00e4ter die Erfolgsmeldung: Am 8. M\u00e4rz steht das \u00bbgro\u00dfe Meeting\u00ab mit den \u00bbChefs\u00ab des \u00bbSektors\u00ab an. Wenig sp\u00e4ter beginnt er, Spenden und G\u00fcter f\u00fcr den Zusammenschlu\u00df der Rechten zu sammeln. Am 16. Juni spricht er zum ersten Mal davon, da\u00df es zu wenige Freiwillige aus Frankreich gebe. Schweden seien schon da, ein Kanadier, ein Italiener, drei Finnen. Das ist zu wenig, wird Besson sich gedacht haben, und nimmt von nun an die Sache selbst in die Hand. In den folgenden Monaten entwickelt er sich zu der zentralen Figur bei der Rekrutierung ausl\u00e4ndischer Neofaschisten f\u00fcr die ukrainische \u00bbnationale Revolution\u00ab.<\/p>\n<h3>\u00bbWhite-Power\u00ab-Warrior<\/h3>\n<div>\n<table summary=\"Designtabelle\" width=\"50\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<div><a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/serveImage.php?id=52754&amp;type=large&amp;ext=.jpg\"><img decoding=\"async\" id=\"img52754\" alt=\"Unter den Augen des Kiewer Regimes, der EU und der NATO: Eine &amp;r\" src=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/serveImage.php?id=52754&amp;type=o&amp;ext=.jpg\" \/><\/a><\/div>\n<div>Unter den Augen des Kiewer Regimes, der EU und der NATO: Eine \u00bbAsow\u00ab-Einheit terrorisiert am 13. Juni 2014 die Bev\u00f6lkerung in der ostukrainischen Stadt Mariupol<\/div>\n<div>Foto: REUTERS\/Osman Karimov<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>In einem Videointerview mit der italienischen Tageszeitung Il Giornale, gef\u00fchrt von Fausto Biloslavo auf dem Kiewer Maidan, erkl\u00e4rt Besson: \u00bbWer ich bin? Ein Revolution\u00e4r und Idealist. (\u2026) Und mit all meiner Erfahrung aus Kriegen und Revolutionen sagte ich: Okay, ich mu\u00df hierher kommen und wieder helfen. Und dieses Mal durch die Schaffung einer internationalen Brigade.\u00ab Die \u00bbIdealisten\u00ab seiner Truppe \u00bbkommen aus sehr verschiedenen L\u00e4ndern: Finnland, Norwegen, Gro\u00dfbritannien, Frankreich, Italien \u2026\u00ab9 Er bek\u00e4me 15, 16 E-Mails am Tag, so Besson, zwei, drei davon k\u00e4men in Frage, \u00bbernsthafte Leute\u00ab. \u00bbWir versuchen Personen auszuw\u00e4hlen, die keine Familie, keine Kinder haben. Die bereit sind, der Ukraine f\u00fcr eine lange Zeit zu dienen.\u00ab<\/p>\n<p>Einer der \u00bbernsthaften Leute\u00ab, die Besson um sich geschart hat, ist Francesco Saverio Fontana. Fotos zeigen den 53j\u00e4hrigen mit Kalaschnikow neben der ukrainischen Flagge, auch in der Dokumentation Fausto Biloslavos kommt er \u2013 allerdings ohne Klarnamen \u2013 zu Wort. Francesco Fontana soll der italienischen neofaschistischen Bewegung \u00bbCasa Pound\u00ab nahestehen, die sich verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig erfolgreich um eine Modernisierung des Images ihrer Ideologie bem\u00fcht. Das sollte gelingen, indem sie Hausbesetzungen, futuristische Kunstausstellungen und Lesungen durchf\u00fchrten und zugleich Stra\u00dfenschlachten sowie schwere Gewalttaten ver\u00fcbten.<\/p>\n<p>Allerdings ist \u00bbCasa Pound\u00ab nicht die erste politische Heimat des von seinen Kameraden \u00bbDon\u00ab genannten Fontana. Vor einigen Jahrzehnten war er Mitglied in der \u00bbAvanguardia Nazionale\u00ab und sp\u00e4ter im \u00bbFronte Della Giovent\u00fa\u00ab, der Jugendbewegung des \u00bbMovimento Sociale Italiano\u00ab. Die \u00bbAvanguardia Nazionale\u00ab wiederum war von dem italienischen Rechtsterroristen Stefano Delle Chiaie gegr\u00fcndet worden, der eine wichtige Rolle f\u00fcr die von der NATO-Geheimarmee Gladio verfolgte \u00bbStrategie der Spannung\u00ab spielte und sp\u00e4ter, angeheuert von mehreren Geheimdiensten, in S\u00fcdamerika mehrere Morde begann.<\/p>\n<div><a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/abo-service\/kiosk.php\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" alt=\"Kauf am Kiosk!\" src=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/images_tmp\/thema.png\" \/><\/a><\/div>\n<p>Er habe sich inmitten einer \u00bbVolksrevolution\u00ab wiedergefunden, erz\u00e4hlte Fontana dem Journalisten Fausto Biloslavo. Als er die Barrikaden in Kiew gesehen habe, sei \u00bbetwas in mir wieder aufgewacht, das mich an meine Jugend erinnerte, als ich Mitglied der \u203aAvanguardia Nazionale\u2039 war\u00ab. Nach der Annexion der Krim durch Ru\u00dfland und dem Beginn des Aufstands im Osten habe er sich entschieden, in dem Bataillon der internationalen Freiwilligen mitzuk\u00e4mpfen, am 13. Juni erhielt er bei der Schlacht um Mariupol seine \u00bbFeuertaufe\u00ab.10<\/p>\n<p>Ebenfalls seit langem in der Ukraine aktiv ist der schwedische Neonazi Mikael Skillt. Die britische BBC beschrieb ihn als \u00bb\u203aWhite-Power\u2039-Warrior aus Schweden\u00ab. Sieben Jahre Erfahrung als Scharfsch\u00fctze in der schwedischen Armee und Nationalgarde bringt Skillt mit. Im Gespr\u00e4ch mit der BBC zeigten sich deutlich die Eckpunkte seiner Weltanschauung, die vor allem aus Rassismus und Antisemitismus besteht.11 In seiner Heimat geh\u00f6rte er zuerst zur nationalsozialistischen \u00bbSvenska Motst\u00e5ndsr\u00f6relsen\u00ab (Schwedische Widerstandsbewegung) des verurteilten M\u00f6rders Klas Lund, sp\u00e4ter zur faschistischen Partei der Schweden \u00bbSvenskarnas Parti\u00ab.<\/p>\n<h3>Netzwerk von Unterst\u00fctzern<\/h3>\n<p>Skillt sprach mindestens von einem weiteren \u00bbsehr erfahrenen Ausbilder\u00ab aus Schweden, der inzwischen in der Ukraine angekommen sei. Wie viele ausl\u00e4ndische Faschisten mittlerweile an der Seite des \u00bbAsow\u00ab-Bataillons k\u00e4mpfen, ist schwer zu sagen. Das ukrainische Innenministerium macht dazu keine Angaben, eine Anfrage der jungen Welt blieb unbeantwortet. Gegen\u00fcber der BBC reagierte ein Sprecher des Innenministerium in Kiew, Anton Geraschtschenko, ungehalten: \u00bbWann, wenn ich fragen darf, werden Engl\u00e4nder hierher kommen und uns helfen, die Terroristen, die von Ru\u00dfland geschickt werden, zu bek\u00e4mpfen, anstatt uns \u00fcber unsere moralischen Werte oder die politischen Zugeh\u00f6rigkeiten von Menschen zu belehren?\u00ab Nazis gebe es keine, und ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer auch nicht, behauptete der Sprecher offenkundig wahrheitswidrig.<\/p>\n<p>Christian Esch, der aus Donezk berichtet und das Asow-Bataillon offenbar aus n\u00e4chster N\u00e4he erlebt hat, zitiert in einer Reportage f\u00fcr die Berliner Zeitung vom 10. August 2014 Kommandant Belizki mit den Worten: \u00bbWir haben K\u00e4mpfer aus ganz Europa, vom S\u00fcden bis Irland und Skandinavien.\u00ab Russische Quellen sprechen zudem von georgischen K\u00e4mpfern und russischen Neonazis aus der \u00bbMysanthropic Division\u00ab, einer neuheidnischen Neonazitruppe (Motto: \u00bbT\u00f6ten f\u00fcr Wotan\u00ab), die ebenfalls bei \u00bbAsow\u00ab k\u00e4mpfen. Auch aus Ru\u00dfland kam der k\u00fcrzlich im Rahmen von Kampfhandlungen gefallene Neonazi Sergej Grek (Kampfname \u00bbBalagan\u00ab). Er war dort Mitglied der \u00bbWotan-Jugend\u00ab, einer Gruppe, die f\u00fcr Gewalttaten gegen Ausl\u00e4nder bekannt ist. Ebenfalls der \u00bbWotan-Jugend\u00ab zugeh\u00f6rig ist Roman Schelesnow, der vor einem Haftbefehl in Ru\u00dfland in die Ukraine floh, um sich dort nach eigenen Angaben ebenfalls dem \u00bbAsow\u00ab-Bataillon anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Der ukrainische Journalist Dmitri Kolesnik gab zudem gegen\u00fcber junge Welt an, da\u00df auch in den anderen rechten Bataillonen, etwa dem vom \u00bbRechten Sektor\u00ab befehligten \u00bbDonbass\u00ab, ausl\u00e4ndische Rechte aktiv seien. Bevor ihm seine Funktion als offizieller Sprecher des \u00bbAsow\u00ab-Bataillons entzogen wurde, sagte der ukrainische Faschist Igor Mosiytschuk \u00f6ffentlich, es gebe 20 K\u00e4mpfer aus Skandinavien und Italien in der Einheit. Zieht man in Betracht, wie gro\u00df das Sympathisantenumfeld ist und wie sehr sich Besson und sein Gefolge um internationale Unterst\u00fctzung bem\u00fchen, k\u00f6nnten es mittlerweile bedeutend mehr sein. Momentan l\u00e4\u00dft sich die genaue Zahl aber nicht absch\u00e4tzen. Verschiedenen Medienberichten zufolge soll es sich um einige Dutzend M\u00e4nner handeln. Recherchen in sozialen Netzwerken legen aber zumindest nahe, da\u00df es im Kreis bestimmter Gruppen \u2013 vor allem der schwedischen \u00bbSvenskarnas Parti\u00ab und der italienischen \u00bbCasa Pound\u00ab \u2013 mehrere Freiwillige geben d\u00fcrfte und zudem ein organisiertes Unterst\u00fctzerumfeld existiert.<\/p>\n<p>Internationale Hilfe erf\u00e4hrt das Bataillon zudem nicht allein durch die faschistischen Freiwilligen, die seine Reihen f\u00fcllen. Geworben wird auch um materiellen Support, von der Zahnb\u00fcrste \u00fcber Medikamente zum Stillen von Blutungen bis zum Nachtsichtger\u00e4t. Regelm\u00e4\u00dfig ver\u00f6ffentlichen die offiziellen \u00bbAsow\u00ab-Internetseiten umfangreiche Listen von G\u00fctern, die sie ben\u00f6tigen. Geld kann zudem an eine \u00bbStiftung f\u00fcr Bildungsinnovation\u00ab \u00fcberwiesen werden. Spenden f\u00fcr Munition sind mittels einer SMS an eine ukrainische Nummer m\u00f6glich.<\/p>\n<h3>Ziel: \u00bbNationale Revolution\u00ab<\/h3>\n<p>Selbst dem Regime in Kiew und den es st\u00fctzenden westlichen Regierungen d\u00fcrfte nicht entgangen sein, da\u00df die nationalistischen Bataillone wie \u00bbAsow\u00ab rasch zu einem Problem f\u00fcr den eigenen Machtanspruch werden k\u00f6nnten. Dann n\u00e4mlich, wenn der gemeinsame Feind im Osten das fragile B\u00fcndnis zwischen neoliberalen Chauvinisten und offen neofaschistischen Kr\u00e4ften nicht mehr zusammenh\u00e4lt. Bereits jetzt kommt es regelm\u00e4\u00dfig zu Konflikten zwischen dem Innenministerium und den rechten Militanten, zuletzt Mitte August, als Dmitro Jarosch, Chef des \u00bbRechten Sektors\u00ab, Kiew mit einem \u00bbFeldzug\u00ab drohte, sollten verhaftete Kameraden nicht freigelassen werden. Die prowestliche Regierung beugte sich dem Druck, lie\u00df die Gefangenen frei und tauschte sogar eine dem Sektor unliebsame Personen im Innenministerium aus (jW berichtete; siehe auch jW vom 20.8.2014).<\/p>\n<p>Mittelfristig wird es dennoch zum offenen Kampf zwischen Kiew und den faschistischen Milizen kommen, die jetzt noch an einem Strang ziehen. Denn klar ist: Diese K\u00e4mpfer haben zwar zum Teil dieselben Feindbilder wie das Regime in Kiew, keineswegs aber die gleichen Ziele.<\/p>\n<p>Welche immense Gefahr es birgt, da\u00df fanatische Neofaschisten sich in der Ukraine im Rahmen einer dem dortigen Innenministerium unterstellten Kampfeinheit an der Waffe ausbilden lassen k\u00f6nnen, zeigt auch ein wenige Monate zur\u00fcckliegender Fall aus Schweden. Bei einem Angriff auf linke Aktivisten durch sechs mit Messern bewaffnete Mitglieder und Sympathisanten der \u00bbSvenskarnas Parti\u00ab wurde ein junger Mann ins Koma gepr\u00fcgelt, mehrere andere erlitten Verletzungen. Einer der sechs Neonazis war kurz zuvor aus der Ukraine zur\u00fcckgekehrt. Dort, so br\u00fcstete sich einer der schwedischen Ukraine-Freiwilligen, habe man den \u00bbMesserkampf\u00ab erlernt und sei in Kiew auf Jagd nach Antifaschisten gegangen.12 Das allerdings war zu einem Zeitpunkt, als die Faschisten in Kiew noch Kn\u00fcppel und Messer nutzten. Das \u00bbAsow\u00ab-Bataillon unterrichtet seine Freiwilligen im Umgang mit Kalaschnikow und Scharfsch\u00fctzengewehr.<\/p>\n<p><i>Anmerkungen<\/i><\/p>\n<p><i><br \/>\n1 Vkontakte \u2013 sprich: w kontaktje, in Verbindung \u2013 ist die Internetwebsite eines russischen sozialen Netzwerks, das Facebook \u00e4hnlich ist.<\/i><\/p>\n<p>2 <a href=\"http:\/\/ukrainianpolicy.com\/look-far-right-and-look-right-again\" target=\"_blank\">ukrainianpolicy.com\/look-far-right-and-look-right-again<\/a>\/<\/p>\n<p>3 <a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/worldnews\/europe\/ukraine\/11025137\/Ukraine-crisis-the-neo-Nazi-brigade-fighting-pro-Russian-separatists.html\" target=\"_blank\">www.telegraph.co.uk\/news\/worldnews\/europe\/ukraine\/11025137\/Ukraine-crisis-the-neo-Nazi-brigade-fighting-pro-Russian-separatists.html<\/a>#<\/p>\n<p>4 <a href=\"http:\/\/helsinki.org.ua\/index.php?id=1298444209\" target=\"_blank\">helsinki.org.ua\/index.php?id=1298444209<\/a><\/p>\n<p>5 <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-13682359.html\" target=\"_blank\">www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-13682359.html<\/a><\/p>\n<p>6 https:\/\/<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-VghHABmD_c\" target=\"_blank\">www.youtube.com\/watch?v=-VghHABmD_c<\/a><\/p>\n<p>7 <a href=\"http:\/\/www.grands-reporters.com\/Moi-Gaston-Besson-mercenaire.html\" target=\"_blank\">www.grands-reporters.com\/Moi-Gaston-Besson-mercenaire.html<\/a><\/p>\n<p>8 <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-13681722.html\" target=\"_blank\">www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-13681722.html<\/a><\/p>\n<p>9 vimeo.com\/99620396<\/p>\n<p>10 <a href=\"http:\/\/www.ilgiornale.it\/static\/reportage\/ucraina\/uomini_neri.htm\" target=\"_blank\">www.ilgiornale.it\/static\/reportage\/ucraina\/uomini_neri.htm<\/a><\/p>\n<p>11 <a href=\"http:\/\/www.bbc.com\/news\/world-europe-28329329\" target=\"_blank\">www.bbc.com\/news\/world-europe-28329329<\/a><\/p>\n<p>12 <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/%21135537\" target=\"_blank\">www.taz.de\/!135537<\/a>\/<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2014\/08-25\/004.php\">http:\/\/www.jungewelt.de\/2014\/08-25\/004.php<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Bataillon \u00bbAsow\u00ab k\u00e4mpfen internationale Freiwillige gegen Aufst\u00e4ndische in der Ostukraine. 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