{"id":2294,"date":"2015-03-09T09:55:08","date_gmt":"2015-03-09T08:55:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=2294"},"modified":"2015-03-09T09:55:08","modified_gmt":"2015-03-09T08:55:08","slug":"mehr-als-nur-chabis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2294","title":{"rendered":"Mehr als nur &#8220;Chabis&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong><span class=\"laufttext-fett\">Fans des FC Luzern jagten einen \u00abSt. Galler Juden\u00bb zum Stadion \u2013 geb\u00fcsst wird vom Verein nur der Fotograf.<\/span> <\/strong><\/p>\n<p>Die Verunglimpfung von Gegnern als \u00abJuden\u00bb ist bei Fussballfans nicht allt\u00e4glich, aber dennoch keine Seltenheit \u2013 meist ohne jede Notiz in den Massenmedien. Wenn Fans auf dem Weg ins Stadion oder w\u00e4hrend des Spiels vernehmlich antisemitische Parolen skandieren, tun Sportjournalisten wie auch Vereinsfunktion\u00e4re so, als h\u00e4tten sie nur \u00abFussball\u00bb verstanden, dies auch, wenn Schiedsrichter nach unliebsamen Entscheiden antisemitisch beschimpft werden.<\/p>\n<p>Im Herbst 2007 war es beispielsweise die \u00abRundschau\u00bb des Schweizer Fernsehens, die Anh\u00e4nger des Fussballvereins FC Basel (FCB) zeigte, die im Extrazug nach Luzern \u00abEine U-Bahn bauen wir, von Luzern direkt nach Auschwitz\u00bb skandierten, sowie \u00abSieg Heil!\u00bb schrien. Nat\u00fcrlich haben FCB-Exponenten damals lauthals verk\u00fcndet, sie seien \u00abgeschockt\u00bb (siehe Kasten).<\/p>\n<p>Das tun nun auch die Verantwortlichen des Fussballclubs Luzern (FCL). Aber sie schieben gleich Verharmlosungen und widerspr\u00fcchliche Sanktionen hinterher. Mediensprecher Max Fischer sprach gegen\u00fcber \u00ab20 Minuten\u00bb von einer \u00abAktion von wenigen nur wegen eines Bildes\u00bb. Nur: Das Foto zeigt eine gr\u00f6ssere Gruppe von Luzerner Fussballfans, die der antisemitischen Darstellung hinterherliefen. Insgesamt sollen es rund 250 bis 300 Leute gewesen sein. Und es war auch kein spontaner Jux in Fasnachtslaune, wie es der Sprecher der St. Galler Kantonspolizei andeutete. Ein Luzerner Fanarbeiter hatte gegen die Aktion interveniert, war aber gescheitert.<\/p>\n<p><strong><span class=\"laufttext-fett\">Der Pr\u00e4sident verharmlost<\/span><\/strong><br \/>\nWiderspr\u00fcchlich auch die Aussagen des FCL-Pr\u00e4sidenten Ruedi St\u00e4ger. Er verharmlost die Aktion gegen\u00fcber dem Onlineportal Zentral+ als \u00abChabis\u00bb und behauptet, er k\u00f6nne sich nicht vorstellen, dass Luzerner Fans \u00abantisemitische Z\u00fcge\u00bb zeigen w\u00fcrden. Doch gleichzeitig berichtet er von einem Spruch, der seit ein paar Jahren bei den Luzerner Fans immer wieder hochkomme: \u00abEtwas mit Fahnen, Textilindustrie und Judentum.\u00bb St\u00e4ger weiter: \u00abAuf der anderen Seite singen die St.Galler Reime mit Luzerner in Verbindung mit Konzentrationslagern.\u00bb Eine diskrete Anspielung auf das bekannte \u00abU-Bahn-Lied\u00bb (siehe Kasten). St\u00e4ger liefert den Beweis, dass Antisemitismus in Fussballstadien verbreiteter ist, als er zuerst vermitteln wollte, und auch, dass die Fussballverantwortlichen bis anhin nichts unternommen haben.<\/p>\n<p><strong><span class=\"laufttext-fett\">Der Fotograf wird bestraft<\/span><\/strong><br \/>\nDie Medienaufregung ist gross, und so mimt der FCL Aktivismus und sanktioniert den \u00dcberbringer der sch\u00e4digenden Botschaft. Jener Fussballbegeisterte, der seit vielen Spielen Fanfahrten und Spiele dokumentiert und die Fotos auf einer Fanseite ver\u00f6ffentlicht, verlor per sofort die Akkreditierung. Zuerst f\u00fcr ein Spiel, aber in Zukunft soll er vor einer Publikation problematischer Bilder das Gespr\u00e4ch mit dem Klub suchen. Diese Botschaft versteht jeder Fussballfan: Wer etwas Rassistisches gesehen oder geh\u00f6rt hat, soll schweigen \u2013 zumindest in der \u00d6ffentlichkeit. Dass die Aktion der Luzerner Fangruppe antisemitisch ist, steht ausser Frage. Gem\u00e4ss aktuellem Informationsstand verletzt sie jedoch die Anti-Rassismus-Strafnorm eher nicht. Die Luzerner Fans haben weder \u00f6ffentlich zu \u00abHass oder Diskriminierung\u00bb aufgerufen, noch Ideologien zur systematischen Herabsetzung oder Verleumdung von Juden verbreitet, noch Juden \u00abin einer gegen die Menschenw\u00fcrde verstossender Weise\u00bb herabgesetzt oder diskriminiert. Auch haben sie keine \u00abPropagandaaktion\u00bb durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><span class=\"titel\">Kasten<\/span><\/p>\n<p><span class=\"titel\">&#8220;\u2026 bis nach Auschwitz&#8221;<\/span><\/p>\n<p>Die \u00fcberwiegende Mehrheit der Besucher von Eishockey- und Fallmatches haben mit Rassismus und Antisemitismus nichts am Hut. In der Masse jedoch k\u00f6nnen jedoch Rassisten, Antisemiten und Muslimfeinde &#8211; meist ohne Widerspruch f\u00fcrchten zu m\u00fcssen &#8211; lautstark ihre Abneigungen \u00e4ussern, allein oder in Gruppen. Die Chronologie &#8220;Rassismus in der Schweiz&#8221; dokumentiert seit 1991 eine beachtliche Zahl von rassistischen und antisemitischen Vorf\u00e4llen in und um Fussball- und Eishockeystadien. Zum kleineren Teil ver\u00fcbt von erkennbaren Rechtsextremisten, sei es durch das Zeigen von Hitlergr\u00fcssen oder dem Schwenken der Hakenkreuz- oder der Reichskriegsflagge. Zum \u00fcberwiegenden Teil begangen von (meist jungen) Fans. Aus aktuellem Anlass ein Beispiel aus Luzern. Ende M\u00e4rz 2007 fahren FCL-Fans in einem Bus Richtung Bahnhof. Ein junger Mann schreit pl\u00f6tzlich &#8220;Alli Jude sind schwul&#8221;. Mehrere junge M\u00e4nner wiederholen lautstark den Spruch. Ein mitfahrender Z\u00fcrcher Jude gibt sich zu erkennen. Mehrere Herumstehende \u00e4ussern ihm gegen\u00fcber ihre antisemitischen Vorurteile.<\/p>\n<p>Ein besonders langes Leben hat das &#8220;U-Bahn-Lied&#8221; (&#8220;Eine U-Bahn bauen wir, von X. bis nach Auschwitz&#8221;). Gem\u00e4ss mehreren Autoren l\u00e4sst es sich bereits seit den 1960er-Jahren nachweisen, in allen deutschsprachigen L\u00e4ndern. In den vergangenen Jahren war es besonders beliebt bei Fussballfans aus den neuen deutschen Bundesl\u00e4ndern. Einige deutsche Richter haben \u00fcberf\u00fchrte S\u00e4nger auch schon wegen Volksverhetzung f\u00fcr schuldig befunden. So verurteilte im August 2014 das Amtsgericht Frankfurt am Main einen 42j\u00e4hrigen Mann aus Dresden zu einer f\u00fcr ihn schmerzlichen Geldstrafe.<\/p>\n<p>In den vergangenen Monaten richtete sich der Diskriminierungswillen von deutschen Fussballhooligans vorwiegend gegen Muslime. Bei den Pegida-Kundgebungen in Dresden liefen auch Fans von Dynamo Dresden mit. In den alten Bundesl\u00e4ndern organisierten die &#8220;HoGeSa &#8211; Hooligans gegen Salafisten&#8221; zwei gr\u00f6ssere islamophobe Demos, in K\u00f6ln mit \u00fcber 4000 Teilnehmern und landesweit beachteter Randale.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.hans-stutz.ch\">www.hans-stutz.ch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fans des FC Luzern jagten einen \u00abSt. Galler Juden\u00bb zum Stadion \u2013 geb\u00fcsst wird vom Verein nur der Fotograf.  <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2294\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13,11,6],"tags":[332,785,173],"class_list":["post-2294","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antifa","category-luzern","category-news","tag-antisemitismus","tag-fcl","tag-neonazis"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2294","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2294"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2294\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2295,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2294\/revisions\/2295"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2294"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2294"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2294"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}