{"id":231,"date":"2010-11-19T16:44:09","date_gmt":"2010-11-19T14:44:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=231"},"modified":"2010-11-19T16:44:09","modified_gmt":"2010-11-19T14:44:09","slug":"erst-kommt-der-profit-dann-die-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=231","title":{"rendered":"Erst kommt der Profit, dann die Menschen"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-232\" title=\"MILITARY RELIEF EFFORTS IN HAITI AFTER DEVASTING EARTHQUAKE\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Soldiers_set_up_security_and_provide_aid_in_Haiti.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"150\" \/>Zehn Monate nach dem Erdbeben, bei dem auf Haiti 300 000 starben und 2 Millionen ihre Zuflucht in Notunterk\u00fcnften suchen mussten, wird das Land noch immer betrogen, okkupiert und unterdr\u00fcckt.<br \/>\n<\/strong><br \/>\nvon Ashley Smith<\/p>\n<p>Die USA und andere M\u00e4chte sowie die UNO und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) hatten sich verpflichtet, den Opfern des Bebens mit Geld und anderen Ressourcen beizustehen und die zerst\u00f6rte Hauptstadt  Port-au-Prince wiederaufzubauen, doch keiner hat sein Versprechen gehalten, so dass die Bev\u00f6lkerung heute den Ausbruch einer Cholera-Epidemie bef\u00fcrchten muss. Auch Hurrikan Tomas, der letzte Woche \u00fcber Haiti hinwegfegte, k\u00f6nnte zur Ausbreitung der Cholera &#8211; und somit zu einer landesweiten Epidemie &#8211; beitragen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite haben die Gro\u00dfm\u00e4chte ihre sechsj\u00e4hrige Kolonialbesatzung Haitis um ein weiteres Jahr verl\u00e4ngert. Sie koordinieren Pseudowahlen (am 28. November) und ver\u00f6ffentlichen Pl\u00e4ne zur Entwicklung von Sweatshops, in denen die verzweifelte Bev\u00f6lkerung ausgebeutet werden soll.<\/p>\n<p>Bereits vor Hurrikan Tomas und vor dem Ausbruch der Cholera war die Situation schrecklich. Mehr als 1,5 Millionen Menschen sitzen immer noch in Camps fest &#8211; Camps, die man nur als Fl\u00fcchtlingslager bezeichnen kann. Es gibt mindestens 1 500 von ihnen. Sie wurden auf allen m\u00f6glichen Grundst\u00fccken errichtet. In Port-au-Prince liegen sie auf einer Plaza gegen\u00fcber dem zerst\u00f6rten Nationalpalast. Aber auch zwischen den Stra\u00dfen oder im Zwischenbereich von Golfpl\u00e4tzen wurden Lager errichtet.<\/p>\n<p>&#8216;We Have Been Forgotten&#8217; (wir wurden vergessen) ist eine ausf\u00fchrliche Studie des &#8216;Institute for Justice and Democracy in Haiti&#8217;. Laut dieser Studie findet sich in 75% aller Familien, die in den Lagern leben, eine Person, die mindestens schon einmal einen ganzen Tag ohne einen Bissen Nahrung auskommen musste. 44% der Menschen haben nur ungekl\u00e4rtes Wasser, und 27% haben keinen Zugang zu sanit\u00e4ren Einrichtungen. Um ihre Notdurft zu verrichten, bleibt diesen Menschen nur das freie Feld.<\/p>\n<p>Die &#8216;International Organization for Migration&#8217; berichtet, dass 12 000 Erdbebenfl\u00fcchtlinge bereits aus den Lagern vertrieben wurden. 87 000 st\u00fcnden unmittelbar vor der R\u00e4umung.<\/p>\n<p>In Port-au-Prince und Umgebung findet praktisch kein Wiederaufbau statt. Wie die &#8216;Los Angeles Times&#8217; berichtet, waren Ende des Sommers erst 2 Prozent der Tr\u00fcmmer aus Port-au-Prince wegger\u00e4umt. Die Hauptstadt liegt nach wie vor in Schutt und Asche. Zu allem \u00dcberfluss haben weder die UNO noch die NGOs mit dem Bau von Ersatzwohnungen f\u00fcr die Vertriebenen begonnen &#8211; jedenfalls so gut wie nicht. Von den geplanten Notunterk\u00fcnften wurden bislang lediglich 13 000 &#8211; 10 Prozent &#8211; gebaut.<\/p>\n<p>Die Bedingungen sind furchtbar. Kein Wunder, dass Kriminelle Gesch\u00e4fte mit der Verzweiflung der Menschen machen. So bl\u00fcht zum Beispiel der Kinderhandel. Wie der &#8216;Miami Herald&#8217; berichtete, wurden seit dem Erdbeben &#8220;mehr als 7 300 Jungen und M\u00e4dchen aus ihrer Heimat in die Dominikanische Republik geschmuggelt &#8211; von Menschenschleusern, die von der Verzweiflung und dem Hunger der haitianischen Kinder und ihrer Familien profitieren. 2009 wurden nur 950 Kinder aus Haiti geschmuggelt (laut einer Menschenrechtsorganisation, die den Kinderhandel an 10 Grenzpunkten \u00fcberwacht).<\/p>\n<p>W\u00c4HREND amerikanische Politiker und Medien gerne dem haitianischen Staat die Schuld f\u00fcr die verzweifelte Situation in die Schuhe schieben, tr\u00e4gt Amerika im Grunde die Hauptschuld. Amerika ist schuld an der Armut auf Haiti. Amerika hinderte die Regierung daran, Reformen, im Interesse der Menschen, durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>In den vergangenen 30 Jahren verh\u00e4ngte Amerika eine neoliberale Politik \u00fcber Haiti, durch die der staatliche Industriebereich privatisiert wurde. Einfuhrz\u00f6lle, die den heimischen Markt sch\u00fctzen sollten, wurden drastisch abgebaut. Haiti wurde f\u00fcr den Tourismus &#8211; und f\u00fcr die Sweatshops &#8211; ge\u00f6ffnet. Die Armen in den St\u00e4dten sowie die Arbeiter und Bauern reagierten auf die Lage, indem sie 1990 Jean-Bertrand Aristide und seine Lavalas-Partei an die Macht w\u00e4hlten. Die Verh\u00e4ltnisse sollten sich endlich bessern.<\/p>\n<p>Doch die USA taten sich mit der herrschenden Kaste Haitis zusammen und st\u00fcrzten Aristide &#8211; zwei Mal: 1994 und 2004. Die Regierung des aktuellen Pr\u00e4sidenten, Ren\u00e9 Pr\u00e9val, hat die Funktion eines Marionettenregimes, das die Befehle der Imperialm\u00e4chte loyal befolgt. Daf\u00fcr wurde gesorgt.<\/p>\n<p>Im Grunde \u00fcben die USA, gemeinsam mit anderen Gro\u00dfm\u00e4chten, auf Haiti die Staatsgewalt aus &#8211; mit Hilfe der neokolonialen UNO-Truppen, die das Land besetzt halten. Diese L\u00e4nder tragen die Hauptschuld an der mangelnden Hilfe f\u00fcr die Erdbebenopfer und am Ausbleiben des Wiederaufbaus.<\/p>\n<p>Ende M\u00e4rz trafen sich die m\u00e4chtigen Staaten der Welt zu einer (Geber-)Konferenz in New York City. Eine Interimskommission (IHRC) wurde eingesetzt, die den Wiederaufbau auf Haiti koordinieren soll. Als Wiederaufbauhilfe wurden $10 Milliarden versprochen, von denen $5,3 Milliarden in den folgenden 18 Monaten ausgezahlt werden sollten.<\/p>\n<p>Die Konferenz ist 7 Monate her. Wie das B\u00fcro des Sondergesandten der UNO berichtet, haben die meisten Geberl\u00e4nder ihre finanziellen Beitr\u00e4ge noch nicht geleistet. Nur 32% der Spenden f\u00fcr 2010\/2011 seien bislang eingegangen. F\u00fcr Projekte seien sogar noch weniger geflossen: lediglich 22%. Die USA sind der gr\u00f6\u00dfte Schuldner: Von den versprochenen 1,15 Milliarden US-Hilfe ist noch kein einziger Penny bezahlt worden.<\/p>\n<p>Ebenso wenig haben die NGOs &#8211; die aus dem \u00fcberw\u00e4ltigenden Mitleid der Welt f\u00fcr Haitis Bev\u00f6lkerung Kapital schlugen -, ihr Versprechen eingel\u00f6st, den Erdbebenopfern zu helfen und zum Aufbau des Landes beizutragen.<\/p>\n<p>&#8220;Die gro\u00dfen karitativen Organisationen haben viel Geld auf ihren Bankkonten, das nicht nach Haiti flie\u00dfen wird&#8221; sagt Melinda Miles von der &#8216;Haiti Response Coalition&#8217; zu AP (Associated Press). Am schlimmsten ist das &#8216;Rote Kreuz&#8217;: Von den $480 Millionen, die dort nach dem Beben an Spenden eingingen, wurde nicht einmal ein Drittel ausgegeben.<\/p>\n<p>Wen wundert es da, dass die Haitianer w\u00fctend sind auf die NGOs. Der Anthropologe Mark Schuller berichtet: &#8220;Die meisten Leute sind zornig auf die NGOs, weil diese nun einmal &#8211; ob man es gut findet oder nicht -, die Aufgabe \u00fcbernommen haben, die Menschen mit staatlichen Dienstleistungen zu versorgen&#8221;. Laut Schuller glauben die Haitianer, die &#8220;NGOs werden reich durch unser Elend. Sie wollen nicht wirklich, dass sich was \u00e4ndert &#8211; denn, wenn die Probleme gel\u00f6st w\u00e4ren, w\u00fcrden die NGOs nicht weiterexistieren&#8221;.<\/p>\n<p>Als Folge dieses imperialen Betrugs an Haiti ist es &#8211; 10 Monate nach dem Erdbeben &#8211; hilflos Hurrikanen und Krankheiten ausgesetzt. So als h\u00e4tten sie sich koordiniert, schlugen beide Ph\u00e4nomene n\u00e4mlich zur gleichen Zeit zu.<\/p>\n<p>Auf dem Zentralplateau und in der Region Artibonite ist die Cholera ausgebrochen. Artibonite ist der Brotkorb der Nation. Der Ausbruch der Seuche war keine Naturkatastrophe sondern  Folge besch\u00e4digter oder nichtexistenter Abwassersysteme im Land.<\/p>\n<p>Die Cholera-Bakterien gelangten \u00fcber menschliche F\u00e4kalien in den Fluss Arbonite. Zwei Regionen nutzen diesen Fluss f\u00fcr ihre Trinkwasserversorgung und f\u00fcr Bew\u00e4sserungsprojekte. Die Menschen baden in seinem Wasser.<\/p>\n<p>Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) sind innerhalb der letzten zweieinhalb Wochen<\/p>\n<p>9 100 Menschen auf Haiti an der Cholera erkrankt; 583 starben bereits. Inzwischen beginnt sich die Krankheit auch in den Slums und den Lagern von Port-au-Prince auszubreiten. Allein im Armenviertel Soleil de Cit\u00e9 wurden &#8211; laut &#8216;\u00c4rzte ohne Grenzen&#8217; &#8211; 200 F\u00e4lle registriert.<\/p>\n<p>Die USA und andere Gro\u00dfm\u00e4chte sind verantwortlich f\u00fcr die Bedingungen, die zum Ausbruch dieser Seuche gef\u00fchrt haben: Zwischen 2000 und 2004 verh\u00e4ngten sie ein Embargo \u00fcber Haiti. Dies war Teil einer &#8216;Destabilisierungskampagne&#8217;, die das Ziel hatte, die Regierung Aristide zu st\u00fcrzen. Durch das Embargo wurde ein Kredit der &#8216;Inter-American Development Bank&#8217;, mit dem die \u00f6ffentliche Wasserversorgung in der Region Artibonite verbessert werden sollte, eingefroren. Die Artibonite-Regierung ist somit eine ideale Brutst\u00e4tte f\u00fcr eine Krankheit wie die Cholera.<\/p>\n<p>Der eigentliche Grund, weshalb die Cholera nach Haiti kam, ist m\u00f6glicherweise bei der UNO zu suchen. In vielen Berichten ist davon die Rede, dass einige nepalesische UNO-Soldaten, die vor einiger Zeit nach Haiti verlegt wurden, die Ansteckungsquelle seien. Schlie\u00dflich gab es auf Haiti 50 Jahre lang keinen Cholera-Fall mehr. In Nepal ist Cholera eine Plage. Hinzu kommt, dass der spezifische Bakterienstamm, der bei kranken Haitianern gefunden wurde, ein Erregerstamm ist, den es auch in Nepal gibt.<\/p>\n<p>Unglaublich, dass die UNO keinen ihrer Soldaten auf Cholera testet. Im Falle der nepalesischen Soldaten, die Anfang des Jahres auf einen St\u00fctzpunkt nahe des  Artibonite-Flusses verlegt wurden, ist dies nicht geschehen. AP recherchierte vor Ort und &#8220;fand hinter der Basis offene und zerbrochene Rohre&#8230; Der Gestank von menschlichen Exkrementen war \u00fcberw\u00e4ltigend. Aus einem lecken Rohr, das zu einem angegammelten Tank f\u00fchrte, rieselte eine faulige, \u00fcbelriechende Fl\u00fcssigkeit in Richtung Fluss&#8221;.<\/p>\n<p>Als Reaktion marschierten Hunderte Haitianer aus Mirebalais zum St\u00fctzpunkt und verlangten die Verlegung der Soldaten.<\/p>\n<p>Am 5. November schlug Hurrikan Tomas zu. Die Gefahr bestand, dass der Cholera-Ausbruch sich zu einer echten Epidemie entwickeln w\u00fcrde. Zum Gl\u00fcck schw\u00e4chte sich der Hurrikan betr\u00e4chtlich ab, bevor er auf Haiti traf. Dennoch kamen bei dem Sturm, so die &#8216;New York Times&#8217;, 21 Menschen um, 6 610 verloren ihr Heim. Die Sturmwinde des Hurrikans zerrissen Zelte und Plastikplanen. Der Regen verwandelte die Fl\u00fcchtlingslager von Port-au-Prince in matschige S\u00fcmpfe. Die \u00dcberflutungen k\u00f6nnten die Choleraerreger weiterschwemmen.<\/p>\n<p>Wie &#8216;Partners in Health&#8217; berichtet, haben sich &#8220;die Lebensbedingungen in den Lagern&#8230;. durch den Sturm massiv verschlechtert. Das stehende Wasser, der M\u00fcll, der nicht mehr eingesammelt wird und die eingeschr\u00e4nkte sanit\u00e4re Lage machen die Lager zu potentiellen Brennpunkten eines Cholera-Ausbruchs&#8221;.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Hurrikans r\u00fchrten die USA kaum einen Finger, um Haiti zu helfen. Der Luftwaffentr\u00e4ger Iwo Jima wurde losgeschickt, um &#8211; mittels Luftaufkl\u00e4rung &#8211; die Sch\u00e4den auf Haiti zu ermessen. Kaum besser verhielten sich die NGOs. Violet Nicolas, eines der Hurrikan-Opfer, sagte gegen\u00fcber &#8216;Inter Press Service&#8217;: &#8220;Unsere H\u00e4user sind schon wieder kaputt. Ich habe meine Sachen verloren. Die tun \u00fcberhaupt nichts f\u00fcr uns. Wir bekommen sie nie zu Gesicht. Seit das Wasser eingedrungen ist, stecken wir in noch mehr Problemen&#8221;.<\/p>\n<p>Der Hurrikan ist vor\u00fcber, aber die Cholera wird Haiti wahrscheinlich noch jahrelang zu schaffen machen. Evan Lyon, ein Arzt von &#8216;Partners in Health&#8217;, sagte gegen\u00fcber Democracy Now!, die Cholera &#8220;wird so lange nicht aus Haiti verschwinden, wie sich nichts an den Ursachen \u00e4ndert, die die Menschen anf\u00e4llig machen&#8230; Vielleicht wird die erste Welle der Erkrankungen vorbeigehen, aber entscheidender ist, dass die Krankheit nicht weggehen wird, solange die Infrastruktur so d\u00fcrftig ist&#8221;.<\/p>\n<p>Die &#8216;New York Times&#8217; sagt voraus, dass die &#8220;Cholera allt\u00e4glich werden wird und in den n\u00e4chsten Jahren 270 000 Menschen befallen k\u00f6nnte&#8221;.<\/p>\n<p>Haiti wird von einer Katastrophe nach der anderen heimgesucht. W\u00e4hrenddessen scheinen sich die USA nur mit der Frage zu besch\u00e4ftigen, wie man Haiti, mit Hilfe repressiver Streitkr\u00e4fte, am besten stabilisieren k\u00f6nnte. Au\u00dferdem entwickeln die USA Geld-f\u00fcr-Arbeit-Modelle &#8211; um die Erdbebenopfer gerade so am Rande der Verzweiflung zu halten. Die USA dr\u00e4ngen auf Wahlen &#8211; Pseudowahlen, die dem Marionettenregime einen gewissen Anschein von Legitimit\u00e4t geben sollen. Ziel ist es, ein relativ sicheres Umfeld f\u00fcr die Gesch\u00e4fte der multinationalen Konzerne und der herrschenden Klasse Haitis zu schaffen.<\/p>\n<p>Um den Haitianern Sicherheit zu verordnen, haben die USA die UNO dazu gebracht, ihre Besatzung auf ganz Haiti auszuweiten. Die UN-Stabilisierungsmission auf Haiti (MINUSTAH) wurde kurz nach dem Putsch gegen Aristide (2004), der von den USA unterst\u00fctzt wurde, ins Land geschickt. Die Mission kostet jedes Jahr $600 Millionen.<\/p>\n<p>Derzeit verf\u00fcgt die MINUSTAH \u00fcber 9 000 Soldaten und 4 300 Offiziere, die im Land patrouillieren. Im Oktober verl\u00e4ngerte der UN-Sicherheitsrat die MINUSTAH-Mission um ein weiteres Jahr &#8211; mit der Behauptung, dies w\u00e4re notwendig, um faire Wahlen zu gew\u00e4hrleisten, &#8220;die Zahl, der in Umlauf befindlichen Waffen&#8221; unter Kontrolle zu halten und um &#8220;gravierende Verst\u00f6\u00dfe gegen Kinder, die von bewaffneter Gewalt in Mitleidenschaft gezogen werden&#8221;  zu verhindern und &#8220;die weitverbreiteten Vergewaltigungen beziehungsweise den sexuellen Missbrauch von Frauen und M\u00e4dchen&#8221; zu stoppen.<\/p>\n<p>In Wirklichkeit ist die UNO Teil des Problems und nicht der L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Die Truppen der UN-Mission sorgen nicht f\u00fcr Demokratie. Sie wurden &#8211; nach dem US-Putsch gegen die demokratisch gew\u00e4hlte Regierung Aristide &#8211; nach Haiti geschickt, um f\u00fcr Ruhe und Ordnung zu sorgen. Als gr\u00f6\u00dfte bewaffnete Macht auf Haiti war es ihnen m\u00f6glich, die Proteste, mit denen die R\u00fcckkehr Aristides gefordert wurde, immer wieder zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Was den Schutz von Frauen und Kindern angeht, so werden Soldaten der MINUSTAH immer wieder beschuldigt, Frauen vergewaltigt zu haben. Die extreme Zunahme des Kinderhandels geschieht direkt unter den Augen der UNO. Aus diesem Grund protestierten in Port-au-Prince Aktivisten gegen die Verl\u00e4ngerung der MINUSTAH-Mission. Das &#8216;Bureau of Avocats Internationaux&#8217; (BAI) erkl\u00e4rte: &#8220;Man verschwendet Geld an diese Mission; (und) die Protestierenden wollen echte Unterst\u00fctzung und nicht die Erneuerung (des Mandats)&#8230;. einer milit\u00e4rischen Besatzungsmacht&#8221;.<\/p>\n<p>Die USA wissen, dass sie die UNO-Besatzung nicht endlos ausdehnen k\u00f6nnen. Daher trainieren m\u00e4chtige Staaten die Haitian National Police. 1995 hatte Aristide die haitianische Armee aufgel\u00f6st. (Haitian Armed Forces). Seither bem\u00fchen sich die USA um den Aufbau der haitianischen Polizei &#8211; als Alternative &#8211; um die Bev\u00f6lkerung in Unterdr\u00fcckung zu halten.<\/p>\n<p>Heute hat Haiti 8 000 Polizisten. Die USA streben eine Aufstockung auf 14 000 an. Allein Kanada hat $44 Millionen in die Ausr\u00fcstung und das Training von haitianischen Polizeioffizieren investiert. Die USA und andere M\u00e4chte hoffen, dass die Polizei eines Tages die MINUSTAH ersetzen kann &#8211; als t\u00fcchtige repressive Kraft im eigenen Land.<\/p>\n<p>Den USA ist zudem klar, dass die Besatzung und der Aufbau einer Polizeimacht nicht gen\u00fcgen, um eine Gesellschaft zu stabilisieren. Sie wollen die Haitianer in Arbeit bringen. Sie sollen nicht mehr im absoluten Elend leben, sondern in gerade noch ertr\u00e4glicher Armut. Aus diesem Grunde entwickelten die USA das Cash-for-work-Programm (Bargeld f\u00fcr Arbeit): Erdbebenopfer werden f\u00fcr eine zeitweise Besch\u00e4ftigung angeworben. Die Projekte sind verschieden. Eines davon ist das Aufsammeln von Tr\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Die Cash-for-work-Programme zahlen ihren Besch\u00e4ftigten einen Mindestlohn von $5 pro Tag (oder $4 und eine Lebensmittelration). Laut der Studie von &#8216;Haiti Grassroots Watch&#8217; k\u00f6nnen die Arbeiter von diesem Einkommen kaum \u00fcberleben &#8211; ganz zu schweigen von ihren Familien. In der Studie hei\u00dft es: &#8220;Das &#8216;Workers Rights Consortium&#8217; mit Sitz in Washington, hat errechnet, wie viel ein Erwachsener mit zwei Minderj\u00e4hrigen, die er mit ern\u00e4hrt, verdienen muss, um \u00fcberleben zu k\u00f6nnen. Dabei wurden der Kalorienbedarf, Miete, Schule, Energiekosten, Nahrungsmittel und andere Lebenshaltungskosten einberechnet. (Die Summe liegt bei) $13,88 pro Tag&#8221;.<\/p>\n<p>Selbst die USA geben zu, dass durch die Geld-f\u00fcr-Arbeit-Programme nicht alle Tr\u00fcmmer eingesammelt werden k\u00f6nnen und dass die Menschen so der Armut nicht entrinnen werden. Robert Jenkins, leitender Direktor von USAID-Haiti dr\u00fcckt es zynisch aus, wenn er schreibt:<\/p>\n<p>Strategisches Ziel auf Haiti sei es, in einer sich ver\u00e4ndernden, labilen Umwelt, zur Stabilit\u00e4t beizutragen. Die ersten Ma\u00dfnahmen (Taktiken), um dieses Ziel zu erreichen, best\u00fcnden darin, eine Anzahl Arbeiter (einzustellen), um die Tr\u00fcmmer wegzur\u00e4umen. Die zugrundeliegende \u00dcberlegung, in Bezug auf dieses Ziel, sei, erstens, dass die Arbeitenden (vor allem junge M\u00e4nner) weniger gewaltt\u00e4tig seien, wenn sie eine Besch\u00e4ftigung h\u00e4tten, zweitens, dass auf diese Weise Bargeld in die \u00e4rmsten Viertel flie\u00dfe, was einen heilsamen Effekt habe, und drittens, dass die Tr\u00fcmmer in den \u00e4rmsten Vierteln wegger\u00e4umt w\u00fcrden, was einen hohen symbolischen Wert habe, weil es Hoffnung mache, dass eine R\u00fcckkehr zu einer gewissen Normalit\u00e4t stattfinde.<\/p>\n<p>Anders gesagt: Diese Programme sind ein Trick, um Sicherheit herzustellen und den Anschein von Fortschritt beim Wiederaufbau zu erwecken &#8211; nur den Anschein, wohlgemerkt, echter Fortschritt findet nicht statt.<\/p>\n<p>Die letzte Komponente des US-Stabilisierungsplanes f\u00fcr Haiti zielt darauf ab, die Illusion zu verbreiten, Haiti sei ein demokratischer, unabh\u00e4ngiger Staat. Die USA und weitere Staaten sowie die UNO pumpen Millionen in die Organisierung der bevorstehenden Wahlen (am 28. November), bei denen sowohl der Pr\u00e4sident als auch das Parlament neu gew\u00e4hlt wird. Allein Kanada will $5,8 Millionen f\u00fcr die Wahlen spenden. Um sicherzustellen, dass nur deren Kandidaten gew\u00e4hlt werden, unterst\u00fctzen die USA Pr\u00e4sident Pr\u00e9vals Provisorischen Wahlrat (CEP). Dieser verbietet die popul\u00e4rste politische Partei auf Haiti: Fanmi Lavalas, die Partei Aristides. Der CEP l\u00e4sst Fanmi Lavalas seit dem Coup 2004 zu keiner Wahl antreten.<\/p>\n<p>Auf diese Weise manipuliert der CEP &#8211; mit stillschweigender Duldung der USA &#8211; die kommenden Wahlen. Zugelassen sind ausschlie\u00dflich Kandidaten der herrschenden Elite oder Wendeh\u00e4lse aus der Volksbewegung, die ihren Frieden mit den Besatzern gemacht haben. Pr\u00e9vals handverlesener Nachfolger als Pr\u00e4sident wird Jude Celestin sein. Er f\u00fchrt in den Umfragen schon jetzt.<\/p>\n<p>Weil die Fanmi Lavalas erneut nicht zugelassen wurde, lehnen die Volksbewegungen und die Linke die Wahlen ab. Sie bezeichnen sie als Scheinwahlen und rufen zum Wahlboykott auf. Die Bauern, die Armen in Stadt und Land sowie die Arbeiter werden diesem Aufruf sehr wahrscheinlich folgen und nicht w\u00e4hlen&#8230;? Die Wahlbeteiligung d\u00fcrfte absolut niedrig sein. Kein Zweifel: Der neue Pr\u00e4sident und das neue Parlament werden nicht die Unterst\u00fctzung des Volkes haben. Sie werden nur die Funktion eines Marionettenregimes f\u00fcr die herrschende Klasse Haitis und die m\u00e4chtigen Staaten erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Von einer Stabilisierung Haitis erhoffen sich die USA &#8211; in den Worten des UN-Sondergesandten f\u00fcr Haiti, Bill Clinton -, die Gew\u00e4hr, dass das Land &#8220;offen f\u00fcr Gesch\u00e4fte&#8221; sein wird.<\/p>\n<p>Clinton will einen neoliberalen Plan umsetzen, der von Paul Collier entwickelt wurde, mit dem Titel: &#8216;Haiti: From Natural Castastrophe to Economic Security&#8217;.<\/p>\n<p>Der Plan ist Teil der Arbeit der IHRC (Interimskommision zur Koordinierung des Wiederaufbaus von Haiti) und sieht u.a. Sweatshops, Entwicklung, Tourismus und eine Export orientierte Landwirtschaft f\u00fcr Haiti vor. Es ist ein Plan, der den Interessen der multinationalen Konzerne dienlich ist sowie der herrschenden Klasse Haitis, und er basiert auf der Ausbeutung der verzweifelten Armen des Landes.<\/p>\n<p>Der Plan bringt nichts Neues. Er ist wie alles andere, das die USA seit den 70ger Jahren \u00fcber Haiti verh\u00e4ngen. Nicht um Entwicklung ging es, sondern um das Gegenteil &#8211; um eine r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Entwicklung. So wurde die b\u00e4uerliche Landwirtschaft zerst\u00f6rt, die Menschen mussten in die St\u00e4dte abwandern, wo es nicht gen\u00fcgend Arbeit f\u00fcr sie gab. Auf diese Weise sind die gro\u00dfen Slums von Port-au-Prince entstanden.<\/p>\n<p>Neoliberale Ideen wie diese haben zu Bedingungen gef\u00fchrt, die aus nat\u00fcrlichen Katastrophen &#8211; wie Erdbeben, Cholera oder Hurrikanen &#8211; soziale Katastrophen machen.<\/p>\n<p>Die USA, weitere M\u00e4chte, die UNO und die NGOs haben sich als unf\u00e4hig erwiesen, die Krise auf Haiti zu l\u00f6sen. Im Grunde sind sie die Hauptverursacher dieser Krise. Sie m\u00fcssen gezwungen werden, nicht nur ihre Hilfszusagen f\u00fcr den Wiederaufbau des Landes (die sie nach dem Erdbeben gaben) einzul\u00f6sen, sondern zus\u00e4tzlich Reparationen zu zahlen &#8211; f\u00fcr den jahrzehntelangen Schaden, den sie Haiti zugef\u00fcgt haben.<\/p>\n<p>Nur, wenn die Massen auf Haiti in den Besitz solcher Gelder gelangen und dadurch in der Lage sein werden, ihre Gesellschaft wiederaufzubauen, wie es ihren Interessen entspricht, werden diese Menschen in der Lage sein, sich aus dem endlosen Kreislauf der Krisen zu befreien, der Haiti imperialistisch aufgeb\u00fcrdet wurde.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/zmag.de\/artikel\/haiti-erst-kommt-der-profit-dann-die-menschen\" target=\"_blank\">Zmag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die USA und andere M\u00e4chte sowie die UNO und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) hatten sich verpflichtet, den Opfern des Bebens mit Geld und anderen Ressourcen beizustehen und die zerst\u00f6rte Hauptstadt  Port-au-Prince wiederaufzubauen, doch keiner hat sein Versprechen gehalten, so dass die Bev\u00f6lkerung heute den Ausbruch einer Cholera-Epidemie bef\u00fcrchten muss. Auch Hurrikan Tomas, der letzte Woche \u00fcber Haiti hinwegfegte, k\u00f6nnte zur Ausbreitung der Cholera &#8211; und somit zu einer landesweiten Epidemie &#8211; beitragen. <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=231\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,6],"tags":[],"class_list":["post-231","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-aller-welt","category-news"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/231","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=231"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/231\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":234,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/231\/revisions\/234"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=231"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=231"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}