{"id":2651,"date":"2016-10-26T15:56:36","date_gmt":"2016-10-26T14:56:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=2651"},"modified":"2016-10-26T15:56:36","modified_gmt":"2016-10-26T14:56:36","slug":"zu-den-angriffen-auf-vincis-tochterfirmen-in-bern-und-luzern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2651","title":{"rendered":"Zu den Angriffen auf Vincis Tochterfirmen in Bern und Luzern"},"content":{"rendered":"<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td height=\"25\"><\/td>\n<td colspan=\"2\"><span class=\"articletext\">Quelle: <a href=\"http:\/\/ch.indymedia.org\/de\/2016\/10\/98218.shtml\">http:\/\/ch.indymedia.org\/de\/2016\/10\/98218.shtml<\/a><\/p>\n<p>Calais, Nordfrankreich<br \/>\nSeit Jahren wohnen hier mehrere tausend Menschen zusammengerottet in einem Camp. Sie leben vorwiegend in kleinen ungeheizten Holzh\u00fctten, manche in Zelten. Viele dieser Menschen mussten zusehen, wie Bagger grosser Baufirmen, begleitet von franz\u00f6sischen Polizist_innen ihre H\u00fctten plattwalzten. Zuletzt passierte das Anfang dieses Jahres, als im Januar ein \u00e4usserer Streifen des Camps und mehr als einen Monat sp\u00e4ter die komplette s\u00fcdliche H\u00e4lfte des Camps ger\u00e4umt wurde.<br \/>\nQuasi n\u00e4chtlich m\u00fcssen sich die Bewohner_innen in dichtem Tr\u00e4nengas zurechtfinden, welches die Polizei von ausserhalb abfeuert, um die Menschen im Camp zu zerm\u00fcrben und zu dem\u00fctigen. Nicht selten fallen H\u00fctten, angez\u00fcndet von den Granaten, dem Feuer zum Opfer. Wer das Camp in der Nacht verl\u00e4sst, setzt sich der Gefahr aus, von Faschist_innen und Polizist_innen (je ziviler desto gef\u00e4hrlicher) ins Spital gepr\u00fcgelt zu werden.<\/p>\n<p>Dieser Lebenssituation setzen sich die Bewohner_innen wegen zweierlei Gr\u00fcnden aus. Erstens wollen die meisten von ihnen nach Grossbritannien, zweitens fehlt ihnen ein kleines St\u00fcck Plastik in Form einer Identit\u00e4tskarte oder eines Passes. Ein St\u00fcck Plastik, welches Menschen anhand eines Konstrukts zur Aufrechterhaltung der bestehenden M\u00e4chte in Zugeh\u00f6rige und Nicht-Zugeh\u00f6rige gewisser Gebiete unterteilt. Dadurch werden Grenzen und deren Schutz legitimiert und im Sinne dieses Konstruktes sogar notwendig macht. So bleiben den Bewohner_innen des Camps in Calais nur noch diejenigen M\u00f6glichkeiten den \u00c4rmelkanal zu \u00fcberqueren, die mit den herrschenden Gesetzen brechen.<\/p>\n<p>Vom Camp aus versuchen sie unbemerkt in Lastw\u00e4gen zu steigen, die gr\u00f6sstenteils entweder per F\u00e4hre oder unterirdischem Zug nach Grossbritannien \u00fcbersetzen. Das Unterfangen ist aufwendig, gef\u00e4hrlich und praktisch ein Ding der Unm\u00f6glichkeit. Mit Hilfe mehrerer Scans an der Grenze werden fast alle die es versuchen gefunden und anschliessend zusammengeschlagen wieder ins Camp gebracht. Kontrolliert werden z.B. Sauerstoffgehaltsentwicklungen und das Vorhandensein eines Herzschlags in Lastw\u00e4gen. Immer wieder werden im Eurotunnel Leichen entdeckt &#8211; Menschen, die nach dem letzten Zug den Weg Richtung England antreten, nicht schnell genug sind und vom ersten Zug des Morgens \u00fcberrollt werden. Die st\u00e4ndig zunehmende \u00dcberwachung und Militarisierung der Grenzen und derer, die sie \u00fcberqueren wollen, l\u00e4sst auch in Calais die Zahl der Toten steigen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Teil dieser Entwicklungen ist der Bau einer Mauer zwischen dem Camp und der Autobahn. Seit Beginn dieses Monats sind Arbeiter_innen damit besch\u00e4ftigt, diese weitere Erschwerung der \u00dcberreise in Angriff zu nehmen. Ausserdem walzen in dem Moment, in dem du das liest, wahrscheinlich gerade die Bulldozer grosser Bauunternehmen die \u00fcbriggebliebenen Reste des Camps platt; Francois Hollande hat f\u00fcr diese Woche die R\u00e4umung des Camps angesagt, gestern Montag begann die Polizei, die Kontrollen um das Camp herum enger zu machen. Menschen ohne Papiere d\u00fcrfen das Camp nicht verlassen. Sie sollen in den folgenden Tagen von Bussen in \u201ecentres d&#8217;aceuils\u201c deportiert werden, wo sie registriert werden und ihr Leben durch staatliche Institutionen noch sch\u00e4rfer reguliert wird. Eine Wahl haben sie nicht. Diese Massnahme bedeutet einen weiteren, tiefen Einschnitt in die Selbstbestimmung und die Mobilit\u00e4t von Migrant_innen, einen weiteren Schritt in Richtung absolute Kontrolle des Staates. Trotz der schlechten Lebensstandards im Camp ist Calais einer der letzten Orte in Frankreich, von wo aus Migrant_innen selbstbestimmt Versuche starten konnten, die Grenze zu \u00fcberqueren und wo sich das Leben den Kontrollen durch die Schergen des Staates einigermassen entziehen konnte. Damit wird wohl bald Schluss sein.<\/p>\n<p>Am 24. Oktober 2016 haben wir in Bern und Luzern in einer koordinierten Aktion mehrere Akteur_innen der aktuellen Entwicklungen angegriffen. Die Ziele der Angriffe sind allesamt Tochterfirmen des multinationalen Bauunternehmens VINCI. VINCI war bereits zu Beginn des Jahres Hauptbeteiligte an der R\u00e4umung der s\u00fcdlichen H\u00e4lfte des Camps in Calais. Nun hat die Firma den Auftrag bekommen, die Mauer zu bauen und f\u00fchrt diesen aus. Ob die Firma an der R\u00e4umung die nun beginnt, beteiligt ist, ist noch nicht klar, es ist jedoch davon auszugehen. Firmen wie VINCI machen sich zu tragenden St\u00fctzen des voranschreitenden Ausbaus der staatlichen Kontrolle. Neben der R\u00e4umung des Camps von Calais, will VINCI auf dem Gebiet der \u201eZone a defendre\u201c (ZAD) in Notre-Dames-des-Landes einen Flughafen bauen und bedroht damit ein selbstbestimmtes Projekt. Zu den Zust\u00e4nden im ZAD haben wir unten noch einen Link angef\u00fcgt.<\/p>\n<p>Mit unseren Angriffen wollen wir der Firma VINCI direkten Schaden zuf\u00fcgen, einerseits durch die Angriffe selbst und andererseits indem wir die Rolle der Firma in den genannten Prozessen offenlegen. Auch sollen die Angriffe einen Beitrag dazu liefern, den Kampf gegen die Tr\u00e4ger_innen der sich zuspitzenden Unterdr\u00fcckung und Zerschlagung migrantischer und nicht-migrantischer, solidarischer Strukturen zu intensivieren. Das alleine reicht jedoch nicht aus. In der heutigen Welt, gezeichnet von Kriegen um Macht und Kapital, von Unterdr\u00fcckung und Kontrolle, gilt es, auf allen Ebenen zu k\u00e4mpfen. Erk\u00e4mpfen wir gemeinsam selbstbestimmte und solidarische Freir\u00e4ume, die den Kampf gegen Nationen, Grenzen, all ihre Institutionen und Verfechter_innen aufnehmen und weiterf\u00fchren. Benennen und dekonstruieren wir unsere anerzogenen Muster dieser Gesellschaft, t\u00f6ten wir den\/die Rassist_in, Sexist_in, Nationalist_in und Polizist_in in unserem Kopf.<\/p>\n<p>Gemeinsam f\u00fcr eine andere Welt<\/p>\n<p>Infos zur Geschichte und aktuellen Lage in Calais: <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ch.indymedia.org\/img\/extlink.png\" alt=\"\" border=\"0\" \/>\u00a0<a href=\"https:\/\/calaismigrantsolidarity.wordpress.com\/\">https:\/\/calaismigrantsolidarity.wordpress.com\/<\/a><br \/>\nInfos zur ZAD: zad.nadir.org<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Jahren wohnen hier mehrere tausend Menschen zusammengerottet in einem Camp. Sie leben vorwiegend in kleinen ungeheizten Holzh\u00fctten, manche in Zelten. Viele dieser Menschen mussten zusehen, wie Bagger grosser Baufirmen, begleitet von franz\u00f6sischen Polizist_innen ihre H\u00fctten plattwalzten. 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