{"id":2682,"date":"2016-12-07T17:09:26","date_gmt":"2016-12-07T16:09:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=2682"},"modified":"2016-12-07T17:09:26","modified_gmt":"2016-12-07T16:09:26","slug":"ich-habe-nur-gezeigt-dass-es-die-bombe-gibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2682","title":{"rendered":"&#8220;Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt&#8221;"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\">Am 9. November gegen 8.30 Uhr erwacht Michal Kosinski in Z\u00fcrich im Hotel Sunnehus. Der 34-j\u00e4hrige Forscher ist f\u00fcr einen Vortrag am Risikocenter der ETH angereist, zu einer Tagung \u00fcber die Gefahren von Big Data und des sogenannten digitalen Umsturzes. Solche Vortr\u00e4ge h\u00e4lt Kosinski st\u00e4ndig, \u00fcberall auf der Welt. Er ist ein f\u00fchrender Experte f\u00fcr Psychometrik, einen datengetriebenen Nebenzweig der Psychologie. Als er an diesem Mor<span class=\"s1\">gen den Fernseher einschaltet, sieht er, dass die Bombe<\/span> geplatzt ist: Entgegen den Hochrechnungen aller f\u00fchrenden Statistiker ist Donald J. Trump gew\u00e4hlt worden.<\/p>\n<p class=\"p2\">Lange betrachtet Kosinski Trumps Jubelfeier und die Wahlergebnisse der einzelnen Bundesstaaten. Er ahnt, dass das Ergebnis etwas mit seiner Forschung zu tun haben k\u00f6nnte. Dann atmet er tief durch und schaltet den Fernseher aus.<\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">Am gleichen Tag versendet eine bis dahin kaum bekannte britische Firma mit Sitz in London eine Pressemitteilung: \u00abWir sind begeistert, dass unser revolution\u00e4rer Ansatz der datengetriebenen Kommunikation einen derart grundlegenden Beitrag zum Sieg f\u00fcr Donald Trump leistet\u00bb, wird ein Alexander James Ashburner Nix zitiert. Nix ist Brite, 41 Jahre alt und CEO von Cambridge Analytica. Er tritt stets im Massanzug und mit Designerbrille auf, die leicht gewellten blonden Haare nach hinten gek\u00e4mmt.<\/span><\/p>\n<p class=\"p2\">Der nachdenkliche Kosinski, der gestriegelte Nix, der breit grinsende Trump \u2013 einer hat den digitalen Umsturz erm\u00f6glicht, einer hat ihn vollf\u00fchrt, einer davon profitiert.<\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><b>Wie gef\u00e4hrlich ist Big Data?<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\">Jeder, der nicht die letzten f\u00fcnf Jahre auf dem Mond gelebt hat, kennt den Begriff \u00abBig Data\u00bb. Big Data bedeutet auch, dass alles, was wir treiben, ob im Netz oder ausserhalb, digitale Spuren hinterl\u00e4sst. Jeder Einkauf mit der Karte, jede Google-Anfrage, jede Bewegung mit dem Handy in der Tasche, jeder Like wird gespeichert. Besonders jeder Like. Lange war nicht ganz klar, wozu diese Daten gut sein sollen \u2013 ausser dass in unserem Facebook-Feed Blutdrucksenker beworben werden, weil wir grad \u00abBlutdruck senken\u00bb gegoogelt haben. Unklar war auch, ob Big Data eine grosse Gefahr oder ein grosser Gewinn f\u00fcr die Menschheit ist. Seit dem 9. November kennen wir die Antwort. Denn hinter Trumps Onlinewahlkampf und auch hinter der Brexit-Kampagne steckt ein und dieselbe Big-Data-Firma: Cambridge Analytica mit ihrem CEO Alexander Nix. Wer den Ausgang der Wahl verstehen will \u2013 und was auf Europa in den n\u00e4chsten Monaten zukommen k\u00f6nnte \u2013, muss mit einem merkw\u00fcrdigen Vorfall an der britischen Universit\u00e4t Cambridge im Jahr 2014 beginnen. Und zwar an Kosinskis Department f\u00fcr Psychometrik.<\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Psychometrie, manchmal auch Psychografie genannt, ist der wissenschaftliche Versuch, die Pers\u00f6nlichkeit eines Menschen zu vermessen. In der modernen Psychologie ist daf\u00fcr die sogenannte Ocean-Methode zum Standard geworden. Zwei Psychologen war in den 1980ern der Nachweis gelungen, dass jeder Charakterzug eines Menschen sich anhand von f\u00fcnf Pers\u00f6nlichkeitsdimensionen messen l\u00e4sst, den <i>Big Five<\/i>: Offenheit (Wie aufgeschlossen sind Sie gegen\u00fcber Neuem?), Gewissenhaftigkeit (Wie perfektionistisch sind Sie?), Extraversion (Wie gesellig sind Sie?), Vertr\u00e4glichkeit (Wie r\u00fccksichtsvoll und kooperativ sind Sie?) und Neurotizismus (Sind Sie leicht verletzlich?). Anhand dieser Dimensionen kann man relativ genau sagen, mit <\/span>was<span class=\"s1\"> f\u00fcr einem Menschen wir es zu tun haben, also welche Bed\u00fcrfnisse und \u00c4ngste er hat, und aber auch, <\/span>wie <span class=\"s1\">er sich tendenziell verhalten wird. Das Problem aber war lange Zeit die Datenbeschaffung, denn zur Bestimmung musste man einen komplizierten, sehr pers\u00f6nlichen Fragebogen ausf\u00fcllen. Dann kam das Internet. Und Facebook. Und Kosinski.<\/span><\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">F\u00fcr den Warschauer Studenten Michal Kosinski begann ein neues Leben, als er 2008 an der ehrw\u00fcrdigen Cambridge University in England aufgenommen wurde: am Zentrum f\u00fcr Psychometrie, im Cavendish Laboratory, dem ersten Psychometrie-Labor \u00fcberhaupt. Mit einem Studienkollegen stellte Kosinski eine kleine App ins damals noch \u00fcberschaubare Facebook: Auf MyPersonality, so hiess die Applikation, konnte man eine Handvoll psychologischer Fragen aus dem Ocean-Fragebogen ausf\u00fcllen (\u00abLassen Sie sich bei Stress leicht aus der Ruhe bringen?\u00bb \u2013 \u00abNeigen Sie dazu, andere zu kritisieren?\u00bb). Als Auswertung erhielt man sein \u00abPers\u00f6nlichkeitsprofil\u00bb \u2013 eigene Ocean-Werte \u2013, und die Forscher bekamen die wertvollen pers\u00f6nlichen Daten. Statt, wie erwartet, ein paar Dutzend Studienfreunde hatten schnell Hunderte, Tausende, bald Millionen ihre innersten \u00dcberzeugungen verraten. Pl\u00f6tzlich verf\u00fcgten die beiden Doktoranden \u00fcber den gr\u00f6ssten jemals erhobenen psychologischen Datensatz.<\/span><\/p>\n<p class=\"p2\">Das Verfahren, das Kosinski mit seinen Kollegen \u00fcber die n\u00e4chsten Jahre entwickelt, ist eigentlich recht einfach. Zuerst legt man Testpersonen einen Fragebogen vor. Das ist das Onlinequiz. Aus ihren Antworten kalkulieren die Psychologen die pers\u00f6nlichen Ocean-Werte der Befragten. Damit gleicht Kosinskis Team dann alle m\u00f6glichen anderen Onlinedaten der Testpersonen ab: was sie auf Facebook gelikt, geshared oder gepostet haben, welches Geschlecht, Alter, welchen Wohnort sie angegeben haben. So bekommen die Forscher Zusammenh\u00e4nge. Aus einfachen Onlineaktionen lassen sich verbl\u00fcffend zuverl\u00e4ssige Schl\u00fcsse ziehen. Zum <span class=\"s1\">Beispiel sind M\u00e4nner, die die Kosmetikmarke <\/span>MAC liken, mit hoher Wahrscheinlichkeit schwul. Einer der besten Indikatoren f\u00fcr Heterosexualit\u00e4t ist das Liken von Wu-Tang Clan, einer New Yorker Hip-Hop-Gruppe. Lady-Gaga-Follower wiederum sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit extrovertiert. Wer Philosophie likt, ist eher introvertiert.<\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">Kosinski und sein Team verfeinern die Modelle unabl\u00e4ssig. 2012 erbringt Kosinski den Nachweis, dass man aus durchschnittlich 68 Facebook-Likes eines Users vorhersagen kann, welche Hautfarbe er hat (95-prozentige Treffsicherheit), ob er homosexuell ist (88-prozentige Wahrscheinlichkeit), ob Demokrat oder Republikaner (85 Prozent). Aber es geht noch weiter: Intelligenz, Religionszugeh\u00f6rigkeit, Alkohol-, Zigaretten- und Drogenkonsum lassen sich berechnen. Sogar, ob die Eltern einer Person bis zu deren 21. Lebensjahr zusammengeblieben sind oder nicht, l\u00e4sst sich anhand der Daten ablesen. Wie gut ein Modell ist, zeigt sich daran, wie gut es vorhersagen kann, wie eine Testperson bestimmte Fragen beantworten wird. Kosinski geht wie im Rausch immer weiter: Bald kann sein Modell anhand von zehn Facebooks-Likes eine Person besser einsch\u00e4tzen als ein durchschnittlicher Arbeitskollege. 70 Likes reichen, um die Menschenkenntnis eines Freundes zu \u00fcberbieten, 150 um die der Eltern, mit 300 Likes kann die Maschine das Verhalten einer Person eindeutiger vorhersagen als deren Partner. Und mit noch mehr Likes l\u00e4sst sich sogar \u00fcbertreffen, was Menschen von sich selber zu wissen glauben. Am Tag, als Kosinski diese Erkenntnisse publiziert, erh\u00e4lt er zwei Anrufe. Eine Klageandrohung und ein Stellenangebot. Beide von Facebook.<\/span><\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><b>Nur f\u00fcr Freunde sichtbar<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Facebook hat inzwischen die Unterscheidung zwischen \u00f6ffentlichem und privatem Posten eingef\u00fchrt. Im \u00abprivaten\u00bb Modus k\u00f6nnen nur die eigenen Freunde sehen, was man likt. Aber das bleibt kein Hindernis f\u00fcr Datensammler: W\u00e4hrend Kosinski stets das Einverst\u00e4ndnis der Facebook-User erfragt, verlangen viele Onlinequiz heute den Zugang zu privaten Daten als Vorbedingung f\u00fcr Pers\u00f6nlichkeitstests. (Wer keine grosse Sorge um die eigenen Daten hat und sich selbst anhand seiner Likes auf Facebook einsch\u00e4tzen lassen will, kann das auf Kosinskis Seite<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span><a href=\"http:\/\/applymagicsauce.com\" target=\"_blank\"><i>applymagicsauce.com<\/i><\/a> machen und anschliessend seine Ergebnisse mit denen eines \u00abklassischen\u00bb Ocean-Fragebogens vergleichen: <a href=\"http:\/\/discovermyprofile.com\/personality.html\" target=\"_blank\"><i>discovermyprofile.com\/personality.html<\/i><\/a>.)<\/span><\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">Aber es geht nicht nur um die Likes auf Facebook: Kosinski und sein Team k\u00f6nnen inzwischen Menschen allein anhand des Portr\u00e4tfotos den Ocean-Kriterien zuordnen. Oder anhand der Anzahl unserer Social-Media-Kontakte (ein guter Indikator f\u00fcr Extraversion). Aber wir verraten auch etwas \u00fcber uns, wenn wir offline sind. Der Bewegungssensor zeigt zum Beispiel, wie schnell wir das Telefon bewegen oder wie weit wir reisen (korreliert mit emotionaler Instabilit\u00e4t). Das Smartphone, stellt Kosinski fest, ist ein gewaltiger psychologischer Fragebogen, den wir konstant bewusst und unbewusst ausf\u00fcllen. Vor allem aber, und das ist wichtig zu verstehen, funktioniert es auch umgekehrt: Man kann nicht nur aus Daten psychologische Profile erstellen, man kann auch umgekehrt nach bestimmten Profilen suchen \u2013 etwa: alle besorgten Familienv\u00e4ter, alle w\u00fctenden Introvertierten. Oder auch: alle unentschlossenen Demokraten. Was Kosinski genau genommen erfunden hat, ist eine Menschensuchmaschine.<\/span><\/p>\n<p class=\"p2\">Immer deutlicher erkennt Kosinski das Potenzial \u2013 aber auch die Gefahr seiner Arbeit.<\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">Das Netz erschien ihm immer wie ein Geschenk des Himmels. Er will ja eigentlich zur\u00fcckgeben, teilen, sharen. Daten sind kopierbar, sollen doch alle etwas davon haben. Es ist der Geist einer ganzen Generation, der Beginn eines neuen Zeitalters ohne die Grenzen der physischen Welt. Aber was passiert, fragt sich Kosinski, wenn jemand seine Menschensuchmaschine missbraucht, um Menschen zu manipulieren? Er beginnt, alle seine wissenschaftlichen Arbeiten mit Warnungen zu versehen. Mit seinen Methoden k\u00f6nnten \u00abdas Wohlergehen, die Freiheit oder sogar das Leben von Menschen bedroht\u00bb werden. Aber niemand scheint zu verstehen, was er meint.<\/span><\/p>\n<p class=\"p2\">In dieser Zeit, Anfang 2014, tritt ein junger Assistenzprofessor namens Aleksandr Kogan an Kosinski heran. Er habe eine Anfrage eines Unternehmen, das sich f\u00fcr Kosinskis Methode interessiere. Die Facebook-Profile von zehn Millionen US-Nutzern sollen psychometrisch vermessen werden. Zu welchem Zweck, das k\u00f6nne er nicht sagen, es gebe strenge Geheimhaltungsauflagen. Kosinski will erst zusagen, es geht um sehr viel Geld f\u00fcr sein Institut, z\u00f6gert dann aber. Schliesslich r\u00fcckt Kogan mit dem Namen der Firma heraus: SCL \u2013 Strategic Communications Laboratories. Kosinski googelt die Firma: \u00abWir sind eine weltweit agierende Wahl-Management-Agentur\u00bb, liest er auf der Unternehmenswebsite. SCL bieten Marketing auf Basis eines psycho-logischen Modells. Schwerpunkt: Wahlbeeinflussung. Wahlbeeinflussung? Verst\u00f6rt klickt sich Kosinski <span class=\"s1\">durch die Seiten. Was ist das f\u00fcr eine Firma? <\/span>Und was haben diese Leute in den USA vor?<\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">Was Kosinski zu diesem Zeitpunkt nicht weiss: Hinter SCL verbirgt sich ein kompliziertes Firmenkonstrukt mit Ablegern in Steuerparadiesen \u2013 wie die Panama Papers und Wikileaks-Enth\u00fcllungen zeigen. Manche haben bei Umst\u00fcrzen in Entwicklungsl\u00e4ndern mitgewirkt, andere entwickelten f\u00fcr die Nato Methoden zur psychologischen Manipulation der Bev\u00f6lkerung in Afghanistan. Und mittlerweile sind SCL auch die Mutterfirma von Cambridge Analytica, jener omin\u00f6sen Big-Data-Bude, die f\u00fcr Trump und Brexit den Onlinewahlkampf organisierte.<\/span><\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">Kosinski weiss davon nichts, aber er ahnt Ungutes. \u00abDie Sache begann zu stinken\u00bb, erinnert er sich. Bei seinen Nachforschungen entdeckt er, dass Aleksandr Kogan heimlich eine Firma registriert hat, die mit SCL Gesch\u00e4fte macht. Aus einem Dokument, das dem \u00abMagazin\u00bb vorliegt, geht hervor, dass SCL Kosinskis Methode durch Kogan kennenlernte. Pl\u00f6tzlich d\u00e4mmert Kosinski, dass Kogan sein Ocean-Modell kopiert oder nachgebaut haben k\u00f6nnte, um es der Wahlbeeinflussungsfirma zu verkaufen. Sofort bricht er den Kontakt zu ihm ab und informiert den Institutsleiter. Innerhalb der Universit\u00e4t entfacht sich ein komplizierter Konflikt. Das Institut sorgt sich um seinen Ruf. Aleksandr Kogan zieht erst einmal nach Singapur, heiratet und nennt sich fortan Dr. Spectre. Michal Kosinski wechselt an die Stanford University in den USA.<\/span><\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">Ein Jahr lang ist es ziemlich ruhig, dann, im November 2015, verk\u00fcndet die radikalere der beiden Brexit-Kampagnen, \u00ableave.eu\u00bb, getragen von Nigel Farage, sie habe eine Big-Data-Firma beauftragt, ihren Wahlkampf online zu unterst\u00fctzen: Cambridge Analytica. Kernkompetenz der Firma: neuartiges Politmarketing, sogenanntes Mikrotargeting \u2013 auf Basis des psychologischen Ocean-Modells.\u2003<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Kosinski bekommt Mails, was er damit zu tun habe \u2013 bei den Stichworten Cambridge, Ocean und Analytics denken viele zuerst an ihn. Zum ersten Mal h\u00f6rt er von der Firma. Entsetzt schaut er auf die Website. Sein Albtraum ist wahr geworden: Seine Methodik wird im grossen Stil f\u00fcr politische Zwecke eingesetzt.<\/span><\/p>\n<p class=\"p2\">Nach dem Brexit im Juli prasseln Beschimpfungen auf ihn ein: Schau nur, was du getan hast, schreiben Freunde und Bekannte. \u00dcberall muss Kosinski erkl\u00e4ren, dass er mit dieser Firma nichts zu tun hat.<\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><b>Erst Brexit, dann Trump<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\">Zehn Monate sp\u00e4ter. Es ist der 19. September 2016, die US-Wahl r\u00fcckt n\u00e4her. Gitarrenriffs erf\u00fcllen den dunkelblauen Saal des New Yorker Grand Hyatt Hotels, Creedence Clearwater Revival: \u00abBad Moon Rising\u00bb. Der Concordia Summit ist eine Art Weltwirtschaftsforum in Klein. Entscheidungstr\u00e4ger aus aller Welt sind eingeladen, unter den G\u00e4sten befindet sich auch Bundesrat Schneider-Ammann. \u00abBitte heissen Sie Alexander Nix, Chief Executive Officer von Cambridge Analytica, willkommen\u00bb, verk\u00fcndet eine sanfte Frauenstimme aus dem Off. Ein schlanker Mann im dunklen Anzug betritt die B\u00fchnenmitte. Es herrscht gebannte Stille. Viele hier wissen: Das ist Trumps neuer Digital-Mann. \u00abBald werden Sie mich Mr. Brexit nennen\u00bb, hatte Trump einige Wochen zuvor etwas kryptisch getwittert. Politikbeobachter hatten zwar auf die inhaltliche \u00c4hnlichkeit zwischen Trumps Agenda und jener des rechten Brexit-Lagers verwiesen. Die wenigsten aber hatten den Zusammenhang mit Trumps k\u00fcrzlichem Engagement einer weithin unbekannten Marketingfirma bemerkt: Cambridge Analytica.<\/p>\n<p class=\"p2\">Trumps Digitalkampagne hatte davor mehr oder minder aus einer Person bestanden: Brad Parscale, einem Marketingunternehmer und gescheiterten Start-up-Gr\u00fcnder, der Trump f\u00fcr 1500 Dollar eine rudiment\u00e4re Website aufgebaut hatte. Der 70-j\u00e4hrige Trump ist kein Digitaltyp, auf seinem Arbeitstisch steht nicht einmal ein Computer. So etwas wie eine E-Mail von Trump gibt es nicht, hat seine pers\u00f6nliche Assistentin einmal verraten. Sie selber habe ihn zum Smartphone \u00fcberredet \u2013 von dem aus er seither unkontrolliert twittert.<\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">Hillary Clinton hingegen verliess sich auf das Erbe des ersten Social-Media-Pr\u00e4sidenten, Barack Obama. Sie hatte die Adresslisten der Demokratischen Partei, sammelte Millionen \u00fcber das Netz, bekam Unterst\u00fctzung von Google und Dreamworks. Als im Juni 2016 bekannt wurde, dass Trump Cambridge Analytica angeheuert hatte, r\u00fcmpfte man in Washington die Nase. Ausl\u00e4ndische Gecken in Massanz\u00fcgen, die Land und Leute nicht verstehen? Seriously?<\/span><\/p>\n<p class=\"p2\">\u00abEs ist mein Privileg, vor Ihnen, verehrte Zuh\u00f6rer, \u00fcber die Macht von Big Data und der Psychografie im Wahlkampf zu sprechen.\u00bb Hinter Alexander Nix erscheint das Logo von Cambridge Analytica \u2013 ein Gehirn, zusammengesetzt aus ein paar Netzwerkknoten, wie eine Landkarte. \u00abVor ein paar Monaten war Cruz noch einer der weniger beliebten Kandidaten\u00bb, sagt der blonde Mann mit diesem britischen Zungenschlag, der Amerikanern dasselbe Gef\u00fchl einjagt wie vielen Schweizern Hochdeutsch, \u00abnur 40 Prozent der W\u00e4hler kannten seinen Namen.\u00bb Alle im Saal haben den Blitzaufstieg des konservativen Senators Cruz mitbekommen. Es war einer der seltsamsten Momente des Wahlkampfes. Der letzte grosse innerparteiliche Gegner Trumps, der aus dem Nichts gekommen war. \u00abWie also hat er das geschafft?\u00bb, f\u00e4hrt Nix fort. Ende 2014 war Cambridge Analytica in den US-Wahlkampf eingestiegen, zun\u00e4chst als Berater des Republikaners Ted Cruz, finanziert vom verschwiegenen US-Softwaremilliard\u00e4r Robert Mercer. Bisher, so Nix, seien Wahlkampagnen nach demografischen Konzepten gef\u00fchrt worden, \u00abeine l\u00e4cherliche Idee, wenn Sie dr\u00fcber nachdenken: Alle Frauen erhalten die gleiche Nachricht, bloss weil sie das gleiche Geschlecht haben \u2013 oder alle Afroamerikaner, wegen ihrer Rasse?\u00bb So dilettantisch arbeitet das Kampagnenteam von Hillary Clinton, das braucht Nix hier gar nicht zu erw\u00e4hnen, es unterteilt die Bev\u00f6lkerung in vermeintlich homogene Gruppen \u2013 genauso wie all die Meinungsforschungsinstitute es taten, die Clinton bis zuletzt als Gewinnerin sahen.<\/p>\n<p class=\"p2\">Stattdessen klickt Nix weiter zur n\u00e4chsten Folie: f\u00fcnf verschiedene Gesichter, jedes Gesicht entspricht einem Pers\u00f6nlichkeitsprofil. Es ist das Ocean-Modell. \u00abWir bei Cambridge Analytica\u00bb, sagt Nix, \u00abhaben ein Modell entwickelt, das die Pers\u00f6nlichkeit jedes Erwachsenen in den USA berechnen kann.\u00bb Jetzt ist es absolut still im Saal. Der Erfolg des Marketings von Cambridge Analytica beruhe auf der Kombination dreier Elemente: psychologische Verhaltensanalyse nach dem Ocean-Modell, Big-Data-Auswertung und Ad-Targeting. Ad-Targeting, das ist personalisierte Werbung, also Werbung, die sich m\u00f6glichst genau an den Charakter eines einzelnen Konsumenten anpasst.<\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">Nix erkl\u00e4rt freim\u00fctig, wie seine Firma das macht (der Vortrag ist auf Youtube frei einsehbar). Aus allen m\u00f6glichen Quellen kauft Cambridge Analytica pers\u00f6nliche Daten: Grundbucheintr\u00e4ge, Bonuskarten, W\u00e4hlerverzeichnisse, Clubmitgliedschaften, Zeitschriftenabonnements, medizinische Daten. Nix zeigt die Logos global t\u00e4tiger Datenh\u00e4ndler wie Acxiom und Experian \u2013 in den USA sind quasi alle pers\u00f6nlichen Daten k\u00e4uflich zu erwerben. Wenn man wissen will, wo zum Beispiel j\u00fcdische Frauen wohnen, kann man diese Informationen einfach kaufen. Inklusive Telefonnummern. Nun kreuzt Cambridge Analytica diese Zahlenpakete mit W\u00e4hlerlisten der Republikanischen Partei und Onlinedaten wie Facebook-Likes \u2013<\/span> <span class=\"s1\">dann errechnet man das Ocean-Pers\u00f6nlichkeitsprofil: Aus digitalen Fussabdr\u00fccken werden pl\u00f6tzlich reale Menschen mit \u00c4ngsten, Bed\u00fcrfnissen, Interessen \u2013 und mit einer Wohnadresse.<\/span><\/p>\n<p class=\"p2\">Das Vorgehen ist identisch mit den Modellen, die Michal Kosinski entwickelt hatte. Auch Cambridge Analytica verwendet IQ-Quiz und andere kleine Ocean-Test-Apps, um an die aussagekr\u00e4ftigen Facebook-Likes von Usern zu gelangen. Und Cambridge Analytica macht genau das, wovor Kosinski gewarnt hatte: \u00abWir haben Psychogramme von allen erwachsenen US B\u00fcrgern \u2013 220 Millionen Menschen\u00bb, Nix \u00f6ffnet den Screenshot, \u00abso sehen unsere Kontrollzentren aus. Lassen Sie mich zeigen, was wir damit tun.\u00bb Ein digitales Cockpit erscheint. Links Diagramme, rechts eine Karte von Iowa, wo Cruz \u00fcberraschend viele Stimmen im Vorwahlkampf gesammelt hatte. Darauf Hunderttausende kleiner Punkte, rot und blau. Nix grenzt die Kriterien ein: Republikaner \u2013 die blauen Punkte verschwinden; \u00abnoch nicht \u00fcberzeugt\u00bb \u2013 wieder verschwinden Punkte; \u00abm\u00e4nnlich\u00bb und so weiter. Am Schluss erscheint ein einzelner Name, darunter Alter, Adresse, Interessen, politische Neigung. Wie bearbeitet Cambridge Analytica nun eine solche Person mit politischen Botschaften?<\/p>\n<p class=\"p1\">In einer anderen Pr\u00e4sentation zeigt Nix am Beispiel des Waffengesetzes zwei Versionen, wie man psychografisch durchleuchtete W\u00e4hler ansprechen kann: \u00abF\u00fcr einen \u00e4ngstlichen Menschen mit hohen Neurotizismus-Werten verkaufen wir die Waffe als Versicherung. Sehen Sie links das Bild dazu: die Hand eines Einbrechers, die eine Scheibe einschl\u00e4gt.\u00bb Die rechte Seite zeigt einen Mann und ein Kind im Sonnenuntergang, beide mit Flinten in einem Feld, offensichtlich bei der Entenjagd: \u00abDas ist f\u00fcr konservative Typen mit hoher Extraversion.\u00bb<\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><b>Wie man Clinton-W\u00e4hler von der Urne fernh\u00e4lt<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\">Trumps auff\u00e4llige Widerspr\u00fcche, seine oft kritisierte Haltungslosigkeit und die daraus resultierende ungeheure Menge an unterschiedlichen Botschaften entpuppen sich pl\u00f6tzlich als sein grosser Vorteil: Jedem W\u00e4hler seine Botschaft. \u00abTrump agiert wie ein perfekt opportunistischer Algorithmus, der sich nur nach Publikumsreaktionen richtet\u00bb, notiert bereits im August die Mathematikerin Cathy O\u2019Neil. Am Tag der dritten Pr\u00e4sidentschaftsdebatte zwischen Trump und Clinton versendet Trumps Team 175\u2009000 verschiedene Variationen seiner Argumente, vor allem via Facebook. Die Botschaften unterscheiden sich meist nur in mikroskopischen Details, um den Empf\u00e4ngern psychologisch optimal zu entsprechen: verschiedene Titel, Farben, Untertitel, mit Foto oder mit Video. Die Feink\u00f6rnigkeit der Anpassung geht hinunter bis zu Kleinstgruppen, erkl\u00e4rt Nix im Gespr\u00e4ch mit \u00abDas Magazin\u00bb. \u00abWir k\u00f6nnen D\u00f6rfer oder H\u00e4userblocks gezielt erreichen. Sogar Einzelpersonen.\u00bb In Miamis Stadtteil Little Haiti versorgte Cambridge Analytica Einwohner mit Nachrichten \u00fcber das Versagen der Clinton-Stiftung nach dem Erdbeben in Haiti \u2013 um sie davon abzuhalten, Clinton zu w\u00e4hlen. Das ist eines der Ziele: potenzielle Clinton-W\u00e4hler \u2013 hierzu geh\u00f6ren zweifelnde Linke, Afroamerikaner, junge Frauen \u2013 von der Urne fernzuhalten, ihre Wahl zu \u00abunterdr\u00fccken\u00bb, wie ein Trump-Mitarbeiter erz\u00e4hlt. In sogenannten <span class=\"s1\"><i>dark posts<\/i><\/span>, das sind gekaufte Facebook-Inserate in der Timeline, die nur User mit passendem Profil sehen k\u00f6nnen, werden zum Beispiel Afroamerikanern Videos zugespielt, in denen Hillary Clinton schwarze M\u00e4nner als Raubtiere bezeichnet.<\/p>\n<p class=\"p2\">\u00abMeine Kinder\u00bb, beendet Nix seinen Vortrag am Concordia Summit, \u00abwerden sich so etwas wie ein Werbeplakat mit der gleichen Nachricht f\u00fcr alle, ja das ganze Konzept eines Massenmediums, nicht mehr erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Ich bedanke mich f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit und kann Ihnen sagen, dass wir mittlerweile f\u00fcr einen der beiden verbliebenen Kandidaten arbeiten.\u00bb Dann verl\u00e4sst er die B\u00fchne.<\/p>\n<p class=\"p2\">Wie gezielt die amerikanische Bev\u00f6lkerung bereits in diesem Moment von Trumps digitalen Truppen massiert wird, ist nicht erkennbar \u2013 weil sie selten breit im Mainstream-TV attackieren, sondern meist personalisiert auf Social Media oder im Digitalfernsehen. Und w\u00e4hrend sich das Clinton-Team auf Basis demografischer Hochrechnungen in Sicherheit wiegt, entsteht in San Antonio im Sitz der Trump-Digitalkampagne ein \u00abzweites Hauptquartier\u00bb, wie Bloomberg-Journalist Sasha Issenberg nach einem Besuch \u00fcberrascht notiert. Das Cambridge-Analytica-Team, angeblich nur ein Dutzend Leute, hatte im Juli von Trump etwa 100\u2009000 Dollar erhalten, im August bereits 250\u2009000 Dollar, f\u00fcnf Millionen im September. Insgesamt, so sagt Nix, habe man etwa 15 Millionen Dollar eingenommen.<\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">Und die Massnahmen der Firma sind radikal: Ab Juli 2016 wird f\u00fcr Trump-Wahlhelfer eine App bereitgestellt, mit der sie erkennen k\u00f6nnen, welche politische Einstellung und welchen Pers\u00f6nlichkeitstyp die Bewohner eines Hauses haben. Wenn Trumps Leute an der T\u00fcr klingeln, dann nur bei jenen, die die App als empf\u00e4nglich f\u00fcr seine Botschaften einstuft. Die Wahlhelfer haben auf den Pers\u00f6nlichkeitstyp des Bewohners angepasste Gespr\u00e4chsleitfaden bereit. Die Reaktion wiederum geben die Wahlhelfer in die App ein \u2013 und die neuen Daten fliessen zur\u00fcck in den Kontrollraum von Cambridge Analytica.<\/span><\/p>\n<p class=\"p2\">Die Firma unterteilt die US-Bev\u00f6lkerung in 32 Pers\u00f6nlichkeitstypen, man konzentriert sich nur auf 17 Staaten. Und wie Kosinski festgestellt hatte, dass M\u00e4nner, die MAC Cosmetic liken, sehr wahrscheinlich schwul sind, fand Cambridge Analytica heraus, dass eine Vorliebe f\u00fcr US-gefertigte Autos das beste Anzeichen f\u00fcr m\u00f6gliche Trump-W\u00e4hler ist. Unter anderem solche Erkenntnisse zeigen nun Trump, welche Botschaften ziehen und wo genau am besten. Die Entscheidung, dass er sich in den letzten Wochen auf Michigan und Wisconsin konzentriert, geschieht auf Basis einer Datenauswertung. Der Kandidat wird zum Umsetzungsinstrument eines Modells.<\/p>\n<p class=\"p3\"><span class=\"s1\"><b>Was macht Cambridge Analytica in Europa?<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\">Aber wie gross war der Einfluss der psychometrischen Methoden auf den Ausgang der Wahl? Cambridge Analytica will auf Anfrage keine Belege f\u00fcr die Wirksamkeit der Kampagne liefern. Und es ist gut m\u00f6glich, dass die Frage nicht zu beantworten ist. Und doch gibt es Anhaltspunkte: Da ist die Tatsache, dass Ted Cruz dank der Hilfe von Cambridge Analytica aus dem Nichts zum sch\u00e4rfsten Konkurrenten Trumps in den Primaries aufstieg. Da ist die Zunahme der l\u00e4ndlichen W\u00e4hlerschaft. Da ist der R\u00fcckgang der Stimmenabgabe durch Afroamerikaner. Auch der Umstand, dass Trump so wenig Geld ausgab, k\u00f6nnte sich mit der Effektivit\u00e4t pers\u00f6nlichkeitsbasierter Werbung erkl\u00e4ren. Und auch, dass er drei Viertel seines Marketingbudgets in den Digitalbereich steckte. Facebook erwies sich als die ultimative Waffe und der beste Wahlhelfer, wie ein Trump-Mitarbeiter twitterte. Das d\u00fcrfte beispielsweise in Deutschland der AfD gefallen, die mehr Facebook-Freunde hat als CDU und SPD zusammen.<\/p>\n<p class=\"p2\">Es ist also keineswegs so, wie oft behauptet wird, dass die Statistiker diese Wahl verloren haben, weil sie mit ihren Polls so danebenlagen. Das Gegenteil ist richtig: Die Statistiker haben die Wahl gewonnen. Aber nur jene mit der neuen Methode. Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass Trump oft \u00fcber die Wissenschaft schimpfte, aber wohl dank ihr die Wahl gewonnen hat.<\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">Ein anderer grosser Gewinner heisst Cambridge Analytica. Ihr Vorstandsmitglied Steve Bannon, Herausgeber der ultrarechten Onlinezeitung \u00abBreitbart News\u00bb, ist gerade zu Donald Trumps Chefstrategen ernannt worden.\u00a0<\/span><span class=\"s1\">Marion Mar\u00e9chal-Le Pen<\/span><span class=\"s1\">, aufstrebende Front-National-Aktivistin und Nichte der\u00a0Pr\u00e4sidentschaftskandi<\/span><span class=\"s2\">d<\/span><span class=\"s3\">atin<\/span><span class=\"s4\">, t<\/span><span class=\"s1\">witterte bereits, dass sie seine Einladung zur Zusammenarbeit annehme<\/span><span class=\"s1\">, und auf einem internen Firmenvideo steht \u00fcber dem Mitschnitt einer Besprechung \u00abItaly\u00bb. Alexander Nix best\u00e4tigt, dass er auf Kundenakquise sei, weltweit. Es gebe Anfragen aus der Schweiz und Deutschland.<\/span><\/p>\n<p class=\"p2\">All das hat Kosinski von seinem B\u00fcro in Stanford aus beobachtet. Nach der US-Wahl steht die Universit\u00e4t kopf. Kosinski antwortet auf die Entwicklungen mit der sch\u00e4rfsten Waffe, die einem Forscher zur Verf\u00fcgung steht: mit einer wissenschaftlichen Analyse. Zusammen mit seiner Forscherkollegin Sandra Matz hat er eine Reihe von Tests durchgef\u00fchrt, die bald ver\u00f6ffentlicht werden. Erste Ergebnisse, die dem \u00abMagazin\u00bb vorliegen, sind beunruhigend: Psychologisches Targeting, wie Cambridge Analytica es verwendete, steigert die Clickraten von Facebook-Anzeigen um \u00fcber 60Prozent. Die sogenannte Conversion-Rate, also wie stark Leute \u2013 nachdem sie die pers\u00f6nlich zugeschnittene Werbung gesehen haben \u2013 auch danach handeln, also einen Kauf t\u00e4tigen oder eben w\u00e4hlen gehen, steigerte sich um unfassbare 1400 Prozent*.<\/p>\n<p class=\"p2\">Die Welt hat sich gedreht. Die Briten verlassen die EU, in Amerika regiert Donald Trump. Begonnen hat alles mit einem Mann, der eigentlich vor der Gefahr warnen wollte. Bei dem jetzt wieder diese Mails eintreffen, die ihn anklagen. \u00abNein\u00bb, sagt Kosinski leise und sch\u00fcttelt den Kopf, \u00abdas hier ist nicht meine Schuld. Ich habe die Bombe nicht gebaut. Ich habe nur gezeigt, dass es sie gibt.\u00bb<span class=\"s1\"><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.dasmagazin.ch\/2016\/12\/03\/ich-habe-nur-gezeigt-dass-es-die-bombe-gibt\/\">https:\/\/www.dasmagazin.ch\/2016\/12\/03\/ich-habe-nur-gezeigt-dass-es-die-bombe-gibt\/<\/a><br \/>\n<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Psychologe Michal Kosinski hat eine Methode entwickelt, um Menschen anhand ihres Verhaltens auf Facebook minuti\u00f6s zu analysieren. 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