{"id":2701,"date":"2017-01-27T12:49:33","date_gmt":"2017-01-27T11:49:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=2701"},"modified":"2017-01-27T12:49:33","modified_gmt":"2017-01-27T11:49:33","slug":"stimmungskanonen-gegen-trump","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2701","title":{"rendered":"Stimmungskanonen gegen Trump"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der \u00bbWomen\u2019s March on Washington\u00ab war ein globales Ph\u00e4nomen, das die Amtseinf\u00fchrung von Donald Trump in den Schatten stellte. Nicht nur nahmen mehr Menschen daran teil, auch die Stimmung war besser als vor dem Capitol.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Am vergangenen Wochenende, zum Beginn seiner Amtszeit, wurde der neue US-Pr\u00e4sident Donald Trump mit weltweiten Massendemonstrationen begr\u00fc\u00dft. Bereits kurz nach der Wahl am 8.\u2009November 2016 kam es in vielen US-amerikanischen Gro\u00dfst\u00e4dten zu Anti-Trump-Kundgebungen. Auch andere Pr\u00e4sidenten wie Richard Nixon und George W. Bush mussten bei ihren Amtseinf\u00fchrungen Demonstranten tolerieren. Aber beim \u00bbWomen\u2019s March on Washington\u00ab wurde ein historischer Rekord erreicht. Auf der ganzen Welt versammelten sich weit \u00fcber eine Million Demonstrantinnen und Demonstranten, um f\u00fcr die Rechte von Frauen, Migranten und Minderheiten einzustehen, die sie durch die Regierung Trumps bedroht sehen. Allein in der US-Hauptstadt Washington, D.C., marschierten eine halbe Million Menschen auf das Wei\u00dfe Haus zu. In Chicago legten 150\u2009000 Demonstranten die Innenstadt lahm, in Boston waren es 125\u2009000 und in Los Angeles rekordverd\u00e4chtige 750\u2009000 Menschen. \u00c4hnliche Bilder sah man auch in St\u00e4dten wie Tel Aviv, Barcelona, Paris, London, Oslo und Berlin.<\/p>\n<div class=\"pic\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/jungle-world.com\/images\/000\/009\/355\/\/big_04-illegitimate-hack.jpg\" alt=\"Wegen der russischen Einmischung in den US-Wahlkampf zweifeln die Protestierenden die Legitimit\u00e4t Trumps an\" \/><\/p>\n<div class=\"cap\">Wegen der russischen Einmischung in den US-Wahlkampf zweifeln die Protestierenden die Legitimit\u00e4t Trumps an <span class=\"agency\">(Foto: Emanuel Bergmann)<\/span><\/div>\n<\/div>\n<p>Die Besucherzahlen bei der Amtseinf\u00fchrung Trumps waren \u00fcberschaubar. Die Bilder von den teils leeren Zuschauertrib\u00fcnen im Regen haben nicht zur Steigerung der Laune des Pr\u00e4sidenten beigetragen. Trump reagierte erwartungsgem\u00e4\u00df d\u00fcnnh\u00e4utig und wollte den Affront nicht unkommentiert lassen. Der neue Pressesprecher des Wei\u00dfen Hauses, Sean Spicer, berief am Tag der Demonstrationen eine spontane Pressekonferenz ein, die erste der Trump-Regierung, und beklagte sich dar\u00fcber, dass die Presse vors\u00e4tzlich falsch \u00fcber die beiden Events berichtet habe. Er sprach von der \u00bbgr\u00f6\u00dften Menschenmenge, die jemals einer Amtseinf\u00fchrung beigewohnt\u00ab habe.<\/p>\n<p>Statt zur Vers\u00f6hnung aufzurufen, sprach Trump bei seiner Rede zum Amtsantritt wie w\u00e4hrend des Wahlkampfs: \u00bbAusl\u00e4ndische Wirtschaftsm\u00e4chte\u00ab h\u00e4tten sich am \u00bbamerikanischen Flei\u00df\u00ab bereichert, dr\u00f6hnte der Pr\u00e4sident, er beklagte sich \u00fcber \u00bbdas Verbrechen, die Gangs, die Drogen\u00ab und sprach von einem \u00bbamerikanischen Massaker\u00ab, das er hier und jetzt beenden werde. Die W\u00fcrdentr\u00e4ger Washingtons, unter anderem auch Trumps unterlegene Kontrahentin Hillary Clinton, sa\u00dfen mehr oder minder gefasst da und lie\u00dfen es \u00fcber sich ergehen. Trumps Rede war eine \u00bbKriegserkl\u00e4rung\u00ab, wie die konservative Website The Federalist beif\u00e4llig anmerkte.<\/p>\n<p>Der \u00bbWomen\u2019s March on Washington\u00ab begann mit Teresa Shook, einer ehemaligen Anw\u00e4ltin und Gro\u00dfmutter aus Hawaii, die gleich nach der Wahl Trumps 40 Freundinnen und Freunde auf Facebook zu einer Protestaktion in Washington aufgerufen hat. Als der Aufruf die 3,7 Millionen Mitglieder der Pro-Hillary-Internetgruppe \u00bbPantsuit Nation\u00ab erreichte, wurde binnen weniger Wochen aus einer bescheidenen Demo eine gut organisierte Protestbewegung, mit einer enormen Pr\u00e4senz in sozialen Medien, einem professionellen Public-Relations-Apparat samt griffigem Logo und einem Online-Shop f\u00fcr T-Shirts. Zum Leitungskomitee geh\u00f6rten die New Yorker Modedesignerin Bob Bland; Tamika Mallory, die Vorsitzende der B\u00fcrgerrechtsbewegung \u00bbNational Action Network\u00ab; Carmen Perez, die Direktorin der 2005 von Harry Belafonte gegr\u00fcndeten Organisation \u00bbThe Gathering for Justice\u00ab; sowie die Direktorin der \u00bbArab American Association of New York\u00ab, Linda Sarsour. Auch diverse NGOs beteiligten sich am Marsch, so zum Beispiel \u00bbDefine American\u00ab und \u00bbUnited We Dream\u00ab, die sich f\u00fcr die Rechte von Migranten einsetzen, sowie \u00bbPlanned Parenthood\u00ab, die in den USA medizinische Dienstleistungen f\u00fcr Frauen anbietet, und \u00bbNARAL Pro-Choice America\u00ab, eine politische Vereinigung f\u00fcr die Rechte schwangerer Frauen und M\u00e4dchen. Die beiden Ehrenvorsitzenden der Kundgebung waren die feministische Autorin und Aktivistin Gloria Steinem und der S\u00e4nger und B\u00fcrgerrechtler Harry Belafonte. \u00bbDas ist Teil der Korrektur einer Schieflage. Frauen hatten jahrelang kein Mitspracherecht\u00ab, so Belafonte, der bereits mit Martin Luther King Jr. demonstriert hatte. Sie alle haben guten Grund, Trump zu f\u00fcrchten, drohte dieser doch unter anderem mit K\u00fcrzungen bei \u00bbPlanned Parenthood\u00ab und mit Massenabschiebungen illegaler Einwanderer.<\/p>\n<p>Die Organisatorinnen haben eine Reihe von Prinzipien ver\u00f6ffentlicht. Sie fordern unter anderem mehr \u00bbGerechtigkeit im Umgang mit Polizeigewalt\u00ab, das Ende der Benachteiligung von Frauen und Minderheiten im Rechtssystem, die Ratifizierung eines \u00bbEqual Rights Amendment\u00ab, das die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen gew\u00e4hrleisten soll, das Recht auf einen Mindestlohn, besseren Schutz f\u00fcr Arbeitnehmer, Migranten und Mitglieder der LGBT-Community und vieles mehr. Die zuvor eng gesteckte feministische Zielsetzung der Veranstaltung wurde erweitert, was zum enormen Erfolg beitrug. Beim \u00bbWomen\u2019s March on Washington\u00ab war so ziemlich jeder willkommen, von den \u00bbLesben gegen Trump\u00ab bis zu den \u00bbVeganern gegen Trump\u00ab. Nat\u00fcrlich waren auch Pro\u00adminente mit von der Partie, Popstars wie Katy Perry, Madonna und Cher, Schauspielerinnen wie Scarlett Johansson, Julianne Moore und Frances McDormand, die Komikerin Amy Schumer und viele andere. Es sprachen auch Gloria Steinem, Michael Moore sowie die Gewerkschafter George Gresham und Randi Weingarten, ein Who\u2019s Who der US-amerikanischen Linken. Auch Angela Davis meldete sich zu Wort und lie\u00df es sich auch nicht nehmen eine Verbindung zum Nahen Osten herzustellen: \u00bbDas Ringen um unseren Planeten, darum den Klimawandel zu beenden und den Zugang zu Wasser zu erm\u00f6glichen von Standing Rock Sioux bis Flint, Michigan, und in die West Bank und nach Gaza. Die Rettung unserer Flora und Fauna, unserer Luft, das ist der Ausgangspunkt f\u00fcr den Kampf um soziale Grechtigkeit.\u00ab<\/p>\n<div class=\"pic\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/jungle-world.com\/images\/000\/009\/356\/\/big_04-leia.jpg\" alt=\"Auch Prinzessinnen protestieren\" \/><\/p>\n<div class=\"cap\">Auch Prinzessinnen protestieren <span class=\"agency\">(Foto: Emanuel Bergmann)<\/span><\/div>\n<\/div>\n<p>Die eigentliche Amtseinf\u00fchrung hingegen haben viele geschw\u00e4nzt. 55\u00a0demokratische Kongressabgeordnete blieben fern. Zu ihnen z\u00e4hlt der B\u00fcrgerrechtler John Lewis, der vor mehr als 50 Jahren bereits an den \u00bbSelma-Montgomery-M\u00e4rschen\u00ab mit Martin Luther King Jr. teilnahm und dabei schwer verletzt wurde. Er nannte den neu gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten in einem Interview \u00bbnicht legitim\u00ab und wurde daf\u00fcr von Trump auf Twitter heftig angegriffen.<\/p>\n<p>Beim \u00bbWomen\u2019s March\u00ab in Los Angeles waren gro\u00dfe Teile der politischen F\u00fchrungsriege der Stadt vertreten, sowie diverse Mitglieder des kalifornischen Senats. Fast den ganzen Samstag \u00fcber tummelte sich eine gut gelaunte Menschenmenge singend, skandierend, trommelnd und tanzend vor dem Rathaus in Los Angeles. Der Stadtkern der Metropole wurde zu einer riesigen Partyzone unter der Sonne Kaliforniens. Die Polizei schaute dem Massenandrang wohlwollend zu. Es gab Dixi-Klos und Hotdogverk\u00e4ufer, Hunde und Babys. Nur eines wurde vers\u00e4umt: Weder in Washington noch bei den vielen Schwesterm\u00e4rschen wurde ein ernsthafter Versuch unternommen, die zahlreichen Anwesenden miteinander zu vernetzen, um eine Protestbewegung aufzubauen. Dabei war genau dies das erkl\u00e4rte Ziel der Organisatorinnen, denn vereinzelte Demonstrationen, egal wie gro\u00df sie sind, haben an sich kaum Einfluss auf die Regierungspolitik. So ist der \u00bbWomen\u2019s March\u00ab bei \u00adallem Enthusiasmus bislang nur ein Symbol, wenn auch ein \u00e4u\u00dfert kraftvolles. \u00bbDas gibt mir Hoffnung\u00ab, so Sasha Couch, eine behinderte, afroame\u00adrikanische Demonstrantin, der bei dem Gedanken an Trump die Knie schlackern. \u00bbIch hatte das Gef\u00fchl, machtlos zu sein, aber hier wird mir bewusst, dass andere auch so denken wie ich. Ich bin angenehm \u00fcberrascht, wie viele junge Menschen ich hier sehe. Wenn wir alle zusammenkommen, k\u00f6nnen wir etwas bewirken.\u00ab Die 76j\u00e4hrige Phyllis Farrell kann nicht fassen, dass man nach den harten K\u00e4mpfen der B\u00fcrgerrechts- und der Frauenbewegung immer noch f\u00fcr das auf die Stra\u00dfe gehen muss, was eigentlich selbstverst\u00e4ndlich sein sollte: \u00bbTrump will uns wieder in die F\u00fcnfziger katapultierten, aber das war f\u00fcr uns Frauen hier keine gute Zeit. Ich will in die Zukunft blicken.\u00ab Es bleibt abzuwarten, ob der linke Aktivismus in der Trump-\u00c4ra sich in erster Linie durch witzige Spr\u00fcche, l\u00e4ssige Tweets und coole Partys definiert oder ob es gelingt, einen wirkungsvollen Widerstand zu organi\u00adsieren. Die Organisatorinnen des \u00bbWomen\u2019s March\u00ab legen zumindest einen gewissen Zweckoptimismus an den Tag. \u00bbIch freue mich \u00fcber den \u00adpositiven Ton des Marschs\u00ab, sagte Bob Bland. \u00bbEs geht f\u00fcr uns um viel mehr als nur diesen Wahlzyklus. All die Menschen, die jetzt Opfer werden k\u00f6nnten, m\u00fcssen zusammenkommen, um zu zeigen, dass wir stark sind und dass wir eine Stimme haben\u00a0\u2013 und dass wir in die Zukunft marschieren.\u00ab<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2017\/04\/55641.html\">http:\/\/jungle-world.com\/artikel\/2017\/04\/55641.html<\/a><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der \u00bbWomen\u2019s March on Washington\u00ab war ein globales Ph\u00e4nomen, das die Amtseinf\u00fchrung von Donald Trump in den Schatten stellte. 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