{"id":2709,"date":"2017-02-10T16:56:39","date_gmt":"2017-02-10T15:56:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=2709"},"modified":"2017-02-10T16:56:39","modified_gmt":"2017-02-10T15:56:39","slug":"rechtsradikaler-hacker-attackiert-linke-websites","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2709","title":{"rendered":"Rechtsradikaler Hacker attackiert linke Websites"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.watson.ch\/Digital\/Schweiz\/579113242-Rechtsradikaler-Hacker-attackiert-linke-Websites-\">https:\/\/www.watson.ch\/Digital\/Schweiz\/579113242-Rechtsradikaler-Hacker-attackiert-linke-Websites-<\/a><\/p>\n<p><strong>Internetkriminalit\u00e4t: Ein rechtsradikaler Hacker hat Antifa-Seiten lahmgelegt \u2013 der Provider hat deshalb Anzeige erstattet. Der Bund verzeichnet immer mehr sogenannte DDoS-Attacken. Doch die Strafverfolger hinken hinterher.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p class=\" \">Es war eine Attacke mit Ansage. Und mit Kollateralschaden: Ein offenbar rechtsradikaler Hacker versuchte, die Website der antifaschistischen Gruppe Antifa Bern lahmzulegen. Betroffen waren auch andere Websites, die auf den Servern des Winterthurer Internetproviders Init7 AG gespeichert sind. Teilweise waren sie f\u00fcr Internetnutzer nur noch schwer zu erreichen, teilweise haben sie sich sehr langsam aufgebaut. Nach eineinhalb Stunden gelang es den Spezialisten der Init7 AG, die \u00abDistributed Denial of Service\u00bb-Attacke (DDoS-Attacke) abzuwenden. Der Vorfall ereignete sich vor wenigen Tagen.<\/p>\n<p class=\" \">Eine solche Attacke ist kein Hackerangriff im eigentlichen Sinne. Denn die Angreifer m\u00fcssen daf\u00fcr nicht in ein System eindringen \u2013 genau das macht DDoSAttacken wiederum so unberechenbar. Websites werden mit so vielen Anfragen \u00fcberh\u00e4uft, dass sie diese nicht mehr verarbeiten k\u00f6nnen. Auf diese Weise wird versucht, ihre Server zu \u00fcberlasten.<\/p>\n<div class=\"insert \">\n<div class=\"widget image shareholder_done\">Gestartet werden die b\u00f6swilligen Anfragen aus einem Botnet: Einem Netz aus Computern, die mit Schadsoftware infiziert sind und von Fremden ferngesteuert werden. Kriminelle Betreiber vermieten Botnets mehr oder weniger unverhohlen im Internet. Theoretisch kann jeder von seinem Wohnzimmer aus grossen Schaden anrichten.<\/div>\n<\/div>\n<h4 class=\"tweentitle\">T\u00e4ter bekennt sich auf Twitter<\/h4>\n<p class=\" \">Fachleute warnen schon seit Monaten, dass es f\u00fcr Angreifer leichter wird, Attacken dieser Art durchzuf\u00fchren. Ins Visier gerieten bisher vor allem Unternehmen. Gleich mehrere Schweizer Internetshops wurden im vergangenen Fr\u00fchjahr bei einem gross angelegten Angriff lahmgelegt. Manche der Betroffenen erhielten Drohschreiben einer Hacker-Gruppe: Wer nicht Schutzgeld bezahle, m\u00fcsse mit massiven Angriffen auf seine Server rechnen.<\/p>\n<div class=\"insert nospacing force_full_width_mobile jumbo\">Eher selten sind DDoS-Attacken aus rein politischen Motiven, erst recht mit Schweizer Urheberschaft. Die Init7 AG hat einen mutmasslichen Neonazi als T\u00e4ter ausgemacht. Noch w\u00e4hrend die Attacke gegen die Antifa <a class=\"tag_link\" href=\"https:\/\/www.watson.ch\/Bern\">Bern<\/a> lief, bekannte sich der Mann auf <a class=\"tag_link\" href=\"https:\/\/www.watson.ch\/Twitter\">Twitter<\/a> dazu. Gleichzeitig attackierte er auch die Website von Hans Stutz. Der Luzerner Kantonsrat der Gr\u00fcnen befasst sich journalistisch seit Jahrzehnten mit der rechtsextremen Szene.<\/p>\n<p>Der Angreifer hat viel Geld f\u00fcr die Miete eines Botnets ausgegeben, vermutet die Inti7 AG. Das Unternehmen kennt E-Mail-Adressen des Angreifers. \u00abF\u00fcr einmal bestehen wohl gute Chancen, den T\u00e4ter dingfest zu machen\u00bb, sagt Firmenchef Fredy K\u00fcnzler. Oft ist es kaum m\u00f6glich, den Urheber zu finden. Zu un\u00fcbersichtlich sind die Wege der beteiligten Computer. Und nicht selten stammen die Urheber aus dem Ausland. K\u00fcnzler geht es um das Grunds\u00e4tzliche, wenn er sagt: \u00abDas Internet ist kein rechtsfreier Raum.\u00bb Als Internetprovider k\u00f6nne man nicht tolerieren, dass Kunden mit DDoS-Attacken wirtschaftlich gesch\u00e4digt oder aus politischen Motiven zensiert werden.<\/p>\n<h4 class=\"tweentitle\">Tummelfeld f\u00fcr Angreifer<\/h4>\n<p class=\" \">Deshalb geht das Unternehmen nun in die Offensive. Zum einen informiert es f\u00fcr einen Provider ungewohnt transparent \u00fcber den Vorfall. Zum anderen hat es den Z\u00fcrcher Internetrechtler Simon Schlauri eingeschaltet. Der Rechtsanwalt und Titularprofessor hat eine Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht. Die Vorw\u00fcrfe lauten auf Datenbesch\u00e4digung und N\u00f6tigung.<\/p>\n<p class=\" \">F\u00fcr Schlauri ist klar: \u00abEs lohnt sich, gegen Attacken vorzugehen.\u00bb In der Schweiz sei die rechtliche Handhabe dazu vorhanden. Tats\u00e4chlich ist eine Datenbesch\u00e4digung laut Gesetz selbst dann gegeben, wenn Daten durch einen Angriff \u00fcber eine gewisse Zeit nicht verf\u00fcgbar sind.<\/p>\n<div class=\"insert nospacing force_full_width_mobile jumbo\">Die Meldestelle f\u00fcr Internetsicherheit (Melani) des Bundes sch\u00fctzt kritische Infrastrukturen vor Cyberangriffen. Seit Anfang 2016 beobachtet sie eine deutliche Zunahme an DDoS-Attacken, best\u00e4tigt Melani-Vizechef Max Klaus gegen\u00fcber der \u00abAargauer Zeitung\u00bb.<\/div>\n<p class=\" \">Die Fachstelle spricht von einem \u00abriesigen Tummelfeld von Angreifern mit unterschiedlichsten F\u00e4higkeiten\u00bb. Genutzt werde dieses f\u00fcr Erpressungen ebenso wie f\u00fcr politischen Aktivismus, sagt Klaus. \u00abJeder kann sich heute quasi ohne grossen Aufwand eine DDoS-Attacke erkaufen.\u00bb<\/p>\n<p>Hierzulande besteht keine Meldepflicht f\u00fcr Cyberangriffe. Die Dunkelziffer d\u00fcrfte hoch sein. Gerade Provider behielten entsprechende Vorf\u00e4lle lieber f\u00fcr sich, sagt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer eines Providers, der nicht namentlich genannt werden will. \u00abEs herrscht die Meinung vor, dass DDoS-Attacken ohnehin nicht ernsthaft verfolgt werden.\u00bb Zudem best\u00fcnde bisweilen kein Interesse daran, dass Vorf\u00e4lle \u00f6ffentlich werden.<\/p>\n<div class=\"insert nospacing force_full_width_mobile jumbo\">Die Verfolgung von entsprechenden Delikten obliegt den kantonalen Strafverfolgern. Allerdings verf\u00fcgen nur die Z\u00fcrcher Beh\u00f6rden \u00fcber ein Cybercrime-Kompetenzzentrum. In anderen Kantonen befinden sich solche Abteilungen bestenfalls im Aufbau, oft k\u00f6nnen Strafanzeigen wegen Ressourcenmangels gar nicht ernsthaft bearbeitet werden. Spezialisten sind rar. Regelm\u00e4ssig werden Forderungen laut, die Ermittlungen zumindest auf regionaler Ebene zu zentralisieren. Eine Arbeitsgruppe der Schweizerischen Staatsanw\u00e4lte-Konferenz arbeitet seit Jahren an einer gemeinsamen Strategie \u2013 bislang ohne nennenswerte Ergebnisse.<\/p>\n<p class=\" \">Max Klaus von Melani kennt das Problem. \u00abDas Bewusstsein f\u00fcr Cyberkriminalit\u00e4t ist bei den kantonalen Beh\u00f6rden noch nicht fl\u00e4chendeckend vorhanden\u00bb, sagt er. Gerade deshalb raten die Experten des Bundes, DDoS-Attacken auf jeden Fall bei der zust\u00e4ndigen Kantonspolizei anzuzeigen. Nur so k\u00f6nne auch politischer Druck erzeugt werden.<br \/>\nAls Firma mit Sitz in Winterthur hat die Init7 AG also Gl\u00fcck, wenn man so will: Das Z\u00fcrcher Cybercrime-Kompetenzzentrum wird in ihrem Fall ermitteln.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Internetkriminalit\u00e4t: Ein rechtsradikaler Hacker hat Antifa-Seiten lahmgelegt \u2013 der Provider hat deshalb Anzeige erstattet. Der Bund verzeichnet immer mehr sogenannte DDoS-Attacken. 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