{"id":2747,"date":"2017-04-17T10:36:34","date_gmt":"2017-04-17T09:36:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=2747"},"modified":"2017-04-17T10:36:34","modified_gmt":"2017-04-17T09:36:34","slug":"schwerer-vorwurf-an-luzerner-polizisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2747","title":{"rendered":"Schwerer Vorwurf an Luzerner Polizisten"},"content":{"rendered":"<p><strong> Quelle: <\/strong>Luzerner Zeitung<strong><\/p>\n<p>Erneut steht ein Luzerner Polizist in der Kritik. Er soll eine Frau w\u00e4hrend eines Einsatzes ins Gesicht geschlagen und als \u00abHure\u00bb beschimpft haben. Doch das angebliche Opfer muss sich auch selbst vor Gericht verantworten.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Die Frau ist klein und hat eine leise Stimme. Sie wirkt sch\u00fcchtern, wie sie da vor dem Richterpult des Luzerner Bezirksgerichtes sitzt. Sie musste sich Ende M\u00e4rz wegen versuchter Gewalt und Drohung gegen Beh\u00f6rden verantworten \u2013 ein Vorwurf, den ihre Verteidigerin als \u00abl\u00e4cherlich\u00bb bezeichnet.<\/p>\n<p>Ein Blick zur\u00fcck: Es ist der Abend des 18. Novembers 2015. Die Pflegehelferin hat eingekauft und will ihrer Nachbarin Gem\u00fcse vorbeibringen. Im Treppenhaus stellt sie fest, dass die Wohnungst\u00fcr nur angelehnt ist. Sie klopft vorsichtig an. Der Sohn der Nachbarin nimmt die Tasche entgegen. Die 39-J\u00e4hrige will sich schon auf dem Heimweg machen, da ruft ihr ein Mann zu. \u00abNein, nein, nein. Reinkommen!\u00bb Sie tut wie geheissen. Es sind mehrere M\u00e4nner in der Wohnung, die sie noch nie gesehen hat. Die Pflegehelferin merkt, dass die Nachbarin in einem Zimmer eingesperrt wurde. Sie h\u00f6rt ihre Stimme hinter der T\u00fcr und erschrickt. \u00abEs war klar, dass wir keine S\u00e4ngerknaben sind\u00bb, wird einer der M\u00e4nner sp\u00e4ter zu Protokoll geben. \u00abIch habe nicht gewusst, dass das Polizisten sind\u00bb, sagt die Frau.<\/p>\n<h4>Keiner weiss, wor\u00fcber gesprochen wurde<\/h4>\n<p>Doch die M\u00e4nner sind tats\u00e4chlich von der Polizei \u2013 und sie sind gerade dabei, die Wohnung zu durchsuchen. Weswegen, das erf\u00e4hrt man in der Gerichtsverhandlung nicht. Jedenfalls tragen sie weder Uniform noch Armbinden. Einer der M\u00e4nner fordert die Frau auf, sich auszuweisen. Als er sich als Polizist zu erkennen gibt, kommt sie der Aufforderung sofort nach und gibt auch ihre Adresse preis. Damit h\u00e4tte die Sache eigentlich gegessen sein k\u00f6nnen. Denn gegen die Frau lag nichts vor. Der Polizist will nun aber auch noch den Namen und die Adresse des Arbeitgebers der Frau wissen. \u00abDiese Informationen wollte ich ihm nicht geben, weil mein Chef mit dieser Sache gar nichts zu tun hatte. Ich habe deshalb gesagt, er k\u00f6nne direkt mit mir Kontakt aufnehmen, wenn etwas anstehe.\u00bb<\/p>\n<p>In dem Moment schaltet sich ein weiterer Polizist ein. Auf Spanisch redet er auf die Domini\u00adkanerin ein. Der Inhalt des Gespr\u00e4chs entzieht sich den umliegenden Polizisten \u2013 und das ist ein Problem. Denn gem\u00e4ss der Beschuldigten hat er zu ihr gesagt: \u00abDu verdammte Hure, entweder du beantwortest die Frage, oder es wird dir schlecht gehen.\u00bb Sie habe daraufhin gefragt, was er eigentlich denke, wer er sei. Er habe geantwortet: \u00abIch bin Polizist, und ich bin auch in deinem Land Polizist.\u00bb Daraufhin habe er ihr ins Gesicht und gegen den Kopf geschlagen. Sie habe versucht, die Schl\u00e4ge mit dem Arm abzuwehren.<\/p>\n<h4>Der Rapport-Schreiber war gar nicht vor Ort<\/h4>\n<p>Die Staatsanwaltschaft sieht die Sache aber gerade umgekehrt. Die 39-j\u00e4hrige Frau soll den Polizisten als Teufel beschimpft und versucht haben, ihn zu kratzen und zu schlagen. \u00abSie ist eine kleine rabiate und giftige Frau\u00bb, sagte der Betroffene gegen\u00fcber der Staatsanwaltschaft aus. Die Vorw\u00fcrfe gegen ihn seien erfunden. \u00abH\u00e4tte ich sie mit der Faust geschlagen, h\u00e4tte sie anders ausgesehen\u00bb, gab er zu Protokoll. Die Staatsanwaltschaft will die Dominikanerin wegen versuchter Gewalt und Drohung gegen Be\u00adh\u00f6rden zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilen.<\/p>\n<p>Die Verteidigerin wiederum findet das v\u00f6llig daneben. \u00abEs ist unglaubw\u00fcrdig, dass meine 1,60 Meter grosse Mandantin diesen 1,90 Meter grossen B\u00e4ren von einem Mann aus dem Nichts heraus angegriffen haben soll.\u00bb Ein Arzt habe vier Tage sp\u00e4ter einen blauen Fleck im Gesicht und einen Tinnitus bei ihr festgestellt. \u00abEs ist schwer zu glauben, dass sich so etwas in der Schweiz abgespielt hat. Aber die Schilderung meiner Mandantin ist authentisch. Sie \u00e4ussert sich pr\u00e4zis und \u00fcbertreibt nicht.\u00bb Es sei davon auszugehen, dass der Polizist die Frau bewusst auf Spanisch ansprach, damit die anderen ihn nicht verstehen konnten. Es sei sonst kein Grund ersichtlich, da die Frau gut Deutsch spreche. Auf die Arbeit der Polizei werfe der Vorfall gar kein gutes Licht. Die Aussagen der Polizisten w\u00fcrden sich widersprechen, und der Rapport wurde von einem geschrieben, der gar nicht vor Ort war. \u00abEs liegt nahe, dass er faktisch von dem betroffenen Polizisten selbst erstellt wurde, was dieser auch einr\u00e4umt\u00bb, so die Verteidigerin. \u00abDas ist nicht transparent.\u00bb<\/p>\n<p>Das Bezirksgericht spricht die Beschuldigte frei. Was die Frau versucht habe, reiche nicht aus, dass man von versuchter Gewalt gegen Beh\u00f6rden sprechen k\u00f6nne. Die Staatsanwaltschaft ist damit nicht einverstanden und hat Berufung eingereicht. Der Fall kommt vor das Kantonsgericht. Das Verfahren gegen den Polizisten wegen Amtsmissbrauch, Drohung, K\u00f6rperverletzung, Beschimpfung und N\u00f6tigung hatte die Staatsanwaltschaft schon eingestellt. Die Frau legte dagegen Beschwerde ein, daher ist der Fall noch h\u00e4ngig.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erneut steht ein Luzerner Polizist in der Kritik. Er soll eine Frau w\u00e4hrend eines Einsatzes ins Gesicht geschlagen und als \u00abHure\u00bb beschimpft haben. Doch das angebliche Opfer muss sich auch selbst vor Gericht verantworten. <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2747\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[49,11],"tags":[966,579],"class_list":["post-2747","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antirep","category-luzern","tag-ftp","tag-polizeigewalt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2747","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2747"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2747\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2748,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2747\/revisions\/2748"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2747"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2747"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2747"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}