{"id":2760,"date":"2017-05-10T09:44:52","date_gmt":"2017-05-10T08:44:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=2760"},"modified":"2017-05-10T09:44:52","modified_gmt":"2017-05-10T08:44:52","slug":"solidaritat-mit-inhaftierten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2760","title":{"rendered":"Solidarit\u00e4t mit Inhaftierten"},"content":{"rendered":"<p>\u00bbDie Lage der Journalistinnen und Journalisten in der T\u00fcrkei ist d\u00fcster\u00ab, erkl\u00e4rte Mustafa Kuleli, Generalsekret\u00e4r der t\u00fcrkischen Journalistengewerkschaft T\u00fcrkiye Gazeteciler Sendikasi (TGS), Ende vergangener Woche in Stuttgart. Weil Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdogan nach dem Verfassungsreferendum im April den bereits seit Juli 2016 geltenden Ausnahmezustand um drei weitere Monate verl\u00e4ngert hat, k\u00f6nnen etwa 150 Medienvertreter weiterhin ohne ordentliches Gerichtsverfahren bis zu f\u00fcnf Jahre in Untersuchungshaft festgehalten werden. Kuleli war bis zum Montag mehrere Tage durch die BRD getourt, um in Stuttgart, Frankfurt am Main, Braunschweig, Hamburg und Berlin mit Journalisten und Gewerkschaftern zu diskutieren, wie sie die t\u00fcrkischen Kollegen im Gef\u00e4ngnis sowie weitere im Exil unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Eingeladen zur Veranstaltungsreihe \u00bbJournalismus ist kein Verbrechen\u00ab hatte die Deutsche Journalistinnen- und Journalistenunion (DJU) in der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/94904.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2761\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/94904-300x175.jpg\" alt=\"94904\" width=\"300\" height=\"175\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/94904-300x175.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/94904.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><br \/>\nAm Freitag verlas im DGB-Haus in Frankfurt am Main der Fachbereichsleiter Medien, Kunst und Industrie von ver.di Hessen, Manfred Moos, eine an Kollegen gerichtete E-Mail mit besorgniserregendem Inhalt. Aus ihr wird ersichtlich, wie weit die Schikane in der T\u00fcrkei geht: Die Journalistin Aysenur Parildak sei am 2. Mai nach neun Monaten Haft aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen, jedoch am selben Tag wieder festgenommen worden, noch bevor sie den Knast habe verlassen k\u00f6nnen. Er zitierte auch aus einem Interview \u00fcber die Haftbedingungen des seit mehreren Monaten inhaftierten Journalisten Ahmet Sik, das dessen Bruder B\u00fclent Sik gegen\u00fcber<em> taz gazete<\/em> gegeben hatte. Der Knast in Silivri sei ein Ort, \u00bban dem die Gef\u00e4ngnisleitung nach Gusto handeln\u00ab k\u00f6nne, der Himmel sei \u00bbnur durch Stacheldraht\u00ab zu sehen. Die Politologin Ilkay Y\u00fccel, Schwester des seit 27. Februar in der T\u00fcrkei inhaftierten deutsch-t\u00fcrkischen Journalisten Deniz Y\u00fccel, berichtete bei der Veranstaltung in Frankfurt, dass ihr Bruder unter der Isolation leide. Er fordere ein faires Verfahren, doch von einem Rechtsstaat k\u00f6nne in der T\u00fcrkei keine Rede mehr sein, so Ilkay Y\u00fccel. Solidarit\u00e4tsbekundungen wie die Kampagne der DJU, den eingesperrten Journalisten vorgedruckte Postkarten zu schicken, um zu signalisieren, dass sie nicht in Vergessenheit geraten sind, h\u00e4lfen den Inhaftierten, ihre Lage besser zu verarbeiten.<\/p>\n<p>Hierzulande sei man \u00fcber die Situation der t\u00fcrkischen Pressevertreter vermutlich besser im Bilde als die Bev\u00f6lkerung in der T\u00fcrkei, weil dort Informationen unterdr\u00fcckt w\u00fcrden, so Mustafa Kuleli. F\u00fcr die Oppositionellen, die beim Referendum am 16. April gegen den Machtausbau von Erdogan gestimmt hatten, sei es wichtig, nicht alleingelassen zu werden. Viele f\u00fchlten sich von deutschen Politikern verraten und verkauft. Die deutschen Beziehungen zur T\u00fcrkei seien noch viel zu intakt, weshalb Erdogan gar keinen Anlass sehe, irgend etwas zu \u00e4ndern. Weder gebe es Wirtschaftssanktionen, noch sei ein Ende der Waffendeals abzusehen. Der Generalsekret\u00e4r der TGS lobte die Proteste zum Tag der Pressefreiheit am 3. Mai vor der t\u00fcrkischen Botschaft in Berlin, wo Demonstranten die sofortige Freilassung aller inhaftierten Journalisten in der T\u00fcrkei gefordert hatten. Der Druck auf die Bundesregierung m\u00fcsse aber vor der Bundestagswahl im Herbst noch zunehmen, damit letztere diesen an Erdogan weitergebe.<\/p>\n<p>\u00bbWer in der T\u00fcrkei nicht zumindest einmal im Gef\u00e4ngnis gesessen hat, ist als Journalist nicht ernst zu nehmen\u00ab, bei ihm stehe dies allerdings noch aus, so Mustafa Kuleli sarkastisch. Er sei \u00bbnur\u00ab aus seinem Job entlassen worden, im Zusammenhang mit den Gezi-Protesten von 2013. Die Frage, wie die TGS t\u00fcrkische Journalistinnen und Journalisten, die ihren Job verloren h\u00e4tten, unterst\u00fctzen k\u00f6nne, konnte er nicht beantworten. Denn dies sei dort gesetzlich verboten. Mit der K\u00fcndigung ende gewisserma\u00dfen die Mitgliedschaft. Gewerkschaften und andere Organisationen seien bereits geschlossen worden, weil sie sich nicht daran gehalten h\u00e4tten. Um so notwendiger sei die Unterst\u00fctzung durch deutsche Kollegen. Sie k\u00f6nnten Delegationen in die T\u00fcrkei schicken, um als Prozessbeobachter bei Gerichtsverfahren gegen Journalisten internationale Aufmerksamkeit zu erzeugen. Eine andere M\u00f6glichkeit sei, Projekte t\u00fcrkischer Journalisten im Exil zu f\u00f6rdern, damit diese mit ihrer Berichterstattung in die T\u00fcrkei hineinwirken.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/310386.solidarit%C3%A4t-mit-inhaftierten.html\">https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/310386.solidarit%C3%A4t-mit-inhaftierten.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Medienvertreter im t\u00fcrkischen Knast: Isolation und Schikane sind die Regel \u2013 DJU startet Kampagne \u00bbJournalismus ist kein Verbrechen\u00ab <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2760\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[49,10,172,713,6],"tags":[539,973,1163,27,447],"class_list":["post-2760","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antirep","category-aus-aller-welt","category-gefangeneninfos","category-kurdistan","category-news","tag-gefangnis","tag-journalismus","tag-kurdistan","tag-repression","tag-turkei"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2760","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2760"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2760\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2762,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2760\/revisions\/2762"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2760"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2760"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2760"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}