{"id":2878,"date":"2017-11-29T09:52:02","date_gmt":"2017-11-29T08:52:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=2878"},"modified":"2017-11-29T09:52:02","modified_gmt":"2017-11-29T08:52:02","slug":"es-tut-weh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2878","title":{"rendered":"\u00bbEs tut weh\u00ab"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit 2010 regiert Ministerpr\u00e4sident Viktor Orb\u00e1n mit seiner Partei Fidesz in Ungarn. Die Prognosen sagen ihm auch f\u00fcr die Wahlen im Fr\u00fchjahr 2018 einen Sieg voraus. Wie also weiter, fragt sich die Opposition in Ungarn.<\/strong><\/p>\n<p>Heftig diskutiert wird derzeit der Vorsto\u00df des Vorsitzenden der neofaschistischen Partei Jobbik. G\u00e1bor Vona versucht, die W\u00e4hler und Parteien des mittleren politischen Spektrums f\u00fcr einen Regierungswechsel zu gewinnen.<\/p>\n<p>Die erste Initiative dieser Art hatte es von ihm Anfang Oktober gegeben, nachdem der Spitzenkandidat der Ungarischen Sozialistischen Partei (MSZP), L\u00e1szl\u00f3 Botka, seinen Ausstieg aus dem Wahlkampf erkl\u00e4rt hatte. Vona rief in einem offenen Brief seine \u00bbverehrten linken Volksgenossen\u00ab auf, bei den kommenden Wahlen f\u00fcr Jobbik zu stimmen. Diese sei nunmehr nicht nur die gr\u00f6\u00dfte, sondern auch die einzige ernstzunehmende Oppositionskraft. Die Frage sei heute nicht mehr, wer links und wer rechts sei, sondern wer einen Regierungswechsel wolle und wer nicht. In einem Interview mit der Tageszeitung <em>Magyar Nemzet<\/em> vom 21. November wurde er konkret. Er sei bereit, einen Kompromiss mit den \u00bbParteien des 21. Jahrhunderts\u00ab einzugehen. Gemeint sind damit die beiden relativ neuen Parteien LMP und Momentum, die nicht f\u00fcr die katastrophalen Bilanz des \u00bbSystemwechsels\u00ab nach 1989 verantwortlich gemacht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bislang haben diese Parteien Vona mehr oder weniger klare Absagen erteilt. Auch die ehemalige Vorsitzende von MSZP, Ildik\u00f3 Lendvai, sagte in einem Interview am 24. November gegen\u00fcber <em>mandiner.hu<\/em>, dass sie f\u00fcr eine Zusammenarbeit nicht zur Verf\u00fcgung stehe. Das Problem sei nicht nur die Vergangenheit der Partei, sondern dass Jobbik in vielen Punkten mit Fidesz \u00fcbereinstimme. \u00bbFidesz hat den Gro\u00dfteil ihrer Slogans \u00fcbernommen. Das Jobbik-Programm von 2014 hat Fidesz in weiten Teilen verwirklicht und ihren Platz auf der politischen Landkarte eingenommen.\u00ab<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/fuckfidesz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2879\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/fuckfidesz-300x175.jpg\" alt=\"fuckfidesz\" width=\"300\" height=\"175\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/fuckfidesz-300x175.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/fuckfidesz.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><br \/>\nVonas Mitstreiter bekommen nun in den regierungsnahen Medien Raum, um ihr Befremden \u00fcber sein Werben um die politische Mitte Ungarns zu \u00e4u\u00dfern. So zum Beispiel die Jobbik-Europarlamentsabgeordnete Krisztina Morvai, die in einem Interview am 23. November im Magazin <em>heti v\u00e1lasz<\/em> erkl\u00e4rte, sie wisse nicht, ob sie bei den n\u00e4chsten Wahlen f\u00fcr Jobbik stimmen k\u00f6nne. Zu Vona habe sie seit drei Jahren keinen Kontakt mehr. \u00bbAls Frau darf ich zugeben, es tut weh.\u00ab Vona habe die urspr\u00fcnglichen Prinzipien Jobbiks aufgeben, um den Linken den Hof zu machen.<\/p>\n<p>Damit verweist sie wohl auf die Prinzipien der Zeit vor 2013. Die Partei hatte damals noch mehr oder weniger offen die faschistische und erzreaktion\u00e4re Vergangenheit Ungarns verherrlicht und war mit aggressiver Hetze gegen Juden, Homosexuelle und Roma \u00fcber die ungarische Landesgrenze hinweg bekanntgeworden. Seit 2013 versucht Jobbik mit einer \u00bbZuckerkampagne\u00ab, \u00bbradikale Inhalte\u00ab mit moderater Rhetorik zu verbinden um die von Fidesz entt\u00e4uschten W\u00e4hler zu erreichen. Das F\u00fchrungspersonal wurde teilweise ausgetauscht. Das Ziel sei, zur Volkspartei zu werden. Mitte Oktober hatte Vona in einem Interview mit dem Fernsehsender <em>atv<\/em> gesagt, er sei bereit, sich bei Juden und Roma zu entschuldigen.<\/p>\n<p>Zustimmung findet er von ungewohnter Seite. Die auch in Deutschland bekannte Philosophin \u00c1gnes Heller: \u00bbWarum sollen sie nicht zusammenarbeiten, um ein normales Land zu schaffen?\u00ab, sagte sie gegen\u00fcber <em>mandiner.hu<\/em>. Der fr\u00fchere Standpunkt der Partei sei \u00bbbedauerlich\u00ab, die Partei vertrete derzeit aber andere politische Ansichten, und nur darauf komme es an.<\/p>\n<p>F\u00fcr die regierungsnahen Medien ist die Angelegenheit ein gefundenes Fressen. Es verging kein Tag in den letzten Wochen, in denen von Orb\u00e1ns Medien nicht Beweise pr\u00e4sentiert wurden, wie antisemitisch und rassistisch Jobbik sei. Den linksliberalen Kr\u00e4ften werfen sie vor, kein Mittel sei ihnen zu schade, um an die Regierung zu kommen.<\/p>\n<p>Im Ergebnis hat dies alles zu der absurden Situation gef\u00fchrt, dass demokratische Parteien \u00fcber eine \u00d6ffnung hin zu einer neofaschistischen Partei diskutieren. Linke Perspektiven zur \u00dcberwindung der gegenw\u00e4rtigen Lage und eine sozialistische Alternative bleiben aber weiterhin mit einem Tabu belegt. Darin war der Vorsto\u00df erfolgreich, auch wenn Jobbik die Wahlen gegen Orb\u00e1n 2018 nicht gewinnen wird.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/322639.es-tut-weh.html\">https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/322639.es-tut-weh.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2010 regiert Ministerpr\u00e4sident Viktor Orb\u00e1n mit seiner Partei Fidesz in Ungarn. Die Prognosen sagen ihm auch f\u00fcr die Wahlen im Fr\u00fchjahr 2018 einen Sieg voraus. 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