{"id":2940,"date":"2018-02-12T13:04:48","date_gmt":"2018-02-12T12:04:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=2940"},"modified":"2018-02-12T13:04:48","modified_gmt":"2018-02-12T12:04:48","slug":"stelldichein-fur-neonazis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2940","title":{"rendered":"Stelldichein f\u00fcr Neonazis"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zum \u00bbLukowmarsch\u00ab in Bulgariens Hauptstadt Sofia kommen j\u00e4hrlich Mitte Februar auch zahlreiche ausl\u00e4ndische Rechtsextreme. Gedacht wird dabei des antikommunistischen Nazikollaborateurs Christo Lukow.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Hunderte Menschen ziehen abends, teils uniformiert und mit Fackeln und bengalischen Feuern ausgestattet, durch die Stra\u00dfen Sofias und rufen dabei nationalistische Spr\u00fcche wie \u00bbFrei, national, sozial\u00ab. Seit 2003 wiederholt sich dieses h\u00e4ssliche Schauspiel in Bulgariens Hauptstadt j\u00e4hrlich Mitte Februar. Der \u00bbLukowmarsch\u00ab zum Gedenken an Christo Lukow, den F\u00fchrer der antikommunistischen und ultra\u00adnationalistischen Partei \u00bbBund der Bulgarischen Nationalen Legionen\u00ab (SBNL), lockt seit vielen Jahren auch ausl\u00e4ndische Gruppen an, die der Neuen Rechten und der Neonazibewegung zugeordnet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Neonazisungarn.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2941\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Neonazisungarn-300x200.jpg\" alt=\"Neonazisungarn\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Neonazisungarn-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Neonazisungarn-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/Neonazisungarn.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auch au\u00dferhalb Bulgariens ist der der Lukowmarsch ein Thema. So rief Ende 2016 eine Veranstaltung zur Gegenmobilisierung der Antifa Bulgaria in Dortmund die Partei \u00bbDie Rechte\u00ab auf den Plan, deren Mitglieder seit Jahren am Marsch in Bulgarien teilnehmen. Funktion\u00e4re der rechtsextremen Partei tauchten vor der Veranstaltung im anarchistischen Buch- und Kulturzentrum \u00bbBlack Pigeon\u00ab in Dortmund auf und schwenkten Fahnen des Bulgarischen Nationalbunds (BNS), der den umstrittenen Marsch jedes Jahr anmeldet. Der BNS organisiert nach eigenen Angaben auch Wehrsportlager, an denen sich andere rechtsextreme Gruppen, nationalistische Parteien und militante Neonazis beteiligen.<\/p>\n<p>Generalleutnant Lukow wurde 1935 zum Kriegsminister ernannt. Er kn\u00fcpfte damals Kontakte zu F\u00fchrungsper\u00adsonen der deutschen Nazis und baute die SBNL mit deutscher Unterst\u00fctzung zu einer faschistischen Organisation aus. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs kollaborierte er mit den deutschen Nationalsozialisten in Bulgarien. Der Marsch endet stets vor Lukows ehemaligem Wohnhaus. Lukow wurde dort am 13. Februar 1943\u00a0\u2013 lange vor der Macht\u00fcbernahme der Roten Armee in Bulgarien am 8. September 1944\u00a0\u2013 von Iwan Burudschiew und Violeta Yakowa erschossen, die sich der kommunistischen Partisanenbewegung angeschlossen hatten.<\/p>\n<p>Die Kampagne f\u00fcr den Lukowmarsch versucht immer wieder, weitere Pers\u00f6nlichkeiten der bulgarischen Geschichte zu instrumentalisieren. So besuchten deren Mitglieder k\u00fcrzlich das Denkmal von Christo Botew. Dieser k\u00e4mpfte im 19. Jahrhundert gegen die osmanische Herrschaft, ihm schwebte aber ein demokratisches Bulgarien f\u00fcr alle ethnischen und religi\u00f6sen Gruppen vor und er war von den Ideen rus\u00adsischer Revolution\u00e4re und der Pariser Kommune beeinflusst. \u00adBereits die bulgarischen Stalinisten hatten Botew f\u00fcr sich vereinnahmt, nun versuchen dies die Neonazis, indem sie sich auf seinen Kampf gegen das Osmanische Reich und f\u00fcr eine bulgarische Nation be\u00adrufen.<\/p>\n<p>Im Zuge des Versuchs, eine neue Bewegung mit \u00bbVolkshelden\u00ab zu erzeugen, gedachte der BNS k\u00fcrzlich auch deutscher Soldaten. Ende Dezember 2017 hielten bulgarische Nationalisten ein Heldengedenken f\u00fcr die Gefallenen der deutschen Streitkr\u00e4fte des Ersten und Zweiten Weltkriegs auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Sofia ab und werteten deren Pr\u00e4senz in Bulga\u00adrien als Unterst\u00fctzung bei der \u00bbBefreiung der unterdr\u00fcckten V\u00f6lker in Bulgarien\u00ab\u00a0\u2013 eine deutliche Parteinahme. Die deutsche neonazistische Partei \u00bbDer III. Weg\u00ab postete ein deutschsprachiges Video und Fotos von der Ver\u00adanstaltung auf ihrer Website. 2017 hatte eine Delegation der Partei am Lukowmarsch teilgenommen. Ebenfalls an Ort und Stelle waren Mitglieder der \u00bbIdentit\u00e4ren Bewegung\u00ab.<\/p>\n<p>Immer wieder suchen deutsche Rechtsextreme den Schulterschluss mit bulgarischen Gesinnungsgenossen. So besuchte das fr\u00fchere AfD- und Pegida-Mitglied Tatjana Festerling im Juli 2016 die rechtsextreme Miliz \u00bb\u00adMilit\u00e4rische Union Wassil Lewski\u00ab an der bulgarisch-t\u00fcrkischen Grenze. Im August 2017 reiste sie erneut nach Bulgarien, bot kurz darauf auf ihrem You\u00adtube-Kanal taktische \u00bbTrainings in Bulgarien mit den dortigen Milit\u00e4rvete\u00adranen\u00ab an und stellte ein Interview mit einem Funktion\u00e4r der Gruppe ins Internet. Besagte Gruppe ist nach Wassil Lewski benannt, einem bulgarischen Revolution\u00e4r, der im 19. Jahrhundert gegen die osmanische Besatzung k\u00e4mpfte, wie Botew aber ein Demokrat war. Auch der BNS versucht, Lewski zu\u00a0instrumentalisieren, und legt vor seinem Denkmal immer wieder Blumen ab.<\/p>\n<p>2017 kamen etwas mehr als 800\u00a0Menschen zum Lukowmarsch, weniger als in manchen Jahren zuvor. Sofias B\u00fcrgermeisterin Jordanka Fandakowa hatte den Marsch zwar untersagt, die Polizei eskortierte die Teilnehmer dennoch durch die Stadt. Rund 400\u00a0Menschen protestierten dagegen. Die Gegenproteste sind in den vergangenen Jahren immer gr\u00f6\u00dfer geworden. Mehr als 173 000 Menschen haben zudem eine an Ministerpr\u00e4sident Bojko Borissow gerichtete Onlinepetition des J\u00fcdischen Weltkongresses unterzeichnet, den Marsch zu verbieten. Gespr\u00fchte Hakenkreuze und andere Neonazisymbole werden seit einigen Jahren seltener im Stadtbild Sofias. Wer durch die zahl\u00adreichen Plattenbausiedlungen der Stadt l\u00e4uft, wird sie aber weiterhin antreffen. Auch Souvenirs und Devotionalien mit NS-Symbolik werden noch an ei\u00adnigen Orten verkauft.<\/p>\n<p>Zu den Unterst\u00fctzern des Marschs geh\u00f6ren Mitglieder von \u00bbBlood &amp; Honour\u00ab, rechte Ultras und Hooligans der Fu\u00dfballvereine Lewski Sofia und CSKA Sofia sowie die rechtspopulistische Partei IMRO-Bulgarische Nationale Bewegung (IMRO-BNB), die Teil der Regierungskoalition ist. Auch die neofaschistische Bewegung Casa Pound aus Italien, die neonazistische Organisation Schwedische Widerstandsbewegung (SMR) und die rechtsextreme Partei Nationale Wiedergeburt Polens (NOP) unterst\u00fctzen den Marsch.<\/p>\n<p>F\u00fcr den 17. Februar hat der BNS den n\u00e4chsten Lukowmarsch angek\u00fcndigt, obwohl er von der Stadt erneut verboten wurde. Antifaschistische Gruppen k\u00fcndigen Gegenveranstaltungen an. Unklar ist, ob Stadtregierung und Polizei das Verbot des Marschs durchsetzen werden.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.jungle.world\/artikel\/2018\/06\/stelldichein-fuer-neonazis\">https:\/\/www.jungle.world\/artikel\/2018\/06\/stelldichein-fuer-neonazis<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum \u00bbLukowmarsch\u00ab in Bulgariens Hauptstadt Sofia kommen j\u00e4hrlich Mitte Februar auch zahlreiche ausl\u00e4ndische Rechtsextreme. 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