{"id":2943,"date":"2018-02-16T11:16:23","date_gmt":"2018-02-16T10:16:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=2943"},"modified":"2018-02-16T11:16:23","modified_gmt":"2018-02-16T10:16:23","slug":"neonazis-geben-sich-volksnah","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2943","title":{"rendered":"Neonazis geben sich &#8220;volksnah&#8221;"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry-content\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 6\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><em>Nur weil es seit dem Konzertanlass in Unterwasser im Oktober 2016 medial wieder ruhiger geworden ist, heisst das nicht, dass sich die extreme Rechte in der Schweiz still verha\u0308lt. Wir blicken ein Jahr zuru\u0308ck.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Sechzehn Jahre nach ihrer Gr\u00fcndung will die altbekannte Neonazipartei <a href=\"https:\/\/www.antifa.ch\/pnos-schweiz\/\">Partei national orientierter Schweizer (PNOS)<\/a> neue Wege gehen. Sie geben sich ein neues Image und wollen f\u00fcr den Nachwuchs ansprechender werden. Als im Sommer 2016 einige junge Leute der Region Oberaargau auf die aus ihrer Sicht unbefriedigende Nachtleben-Situation aufmerksam machen und f\u00fcr eine Nacht das Risi-Bad in Aarwangen BE besetzen wollten, stellten sich die Angeh\u00f6rigen des PNOS-eigenen Sicherheitsdienstes \u00ab<a href=\"https:\/\/www.antifa.ch\/ahnensturm\/\">Ahnensturm<\/a>\u00bb auf die Hinterbeine und proklamierten eine \u00abnational befreite Zone\u00bb. Offen drohte der Ahnensturm den Organisator_innen und liess durchblicken, dass wer sich in dieser Nacht auf dem Gel\u00e4nde des Freibades bewegen sollte, sofort angegriffen w\u00fcrde. Die Veranstalter_innen des so genannten Risi-Dance zogen den Aufruf f\u00fcr ihre Protestaktion aus Angst vor gewaltt\u00e4tigen \u00dcbergriffen zur\u00fcck. Im Sommer 2017 wagte die PNOS gar den Zusammenschluss mit der dem Untergang geweihten <a href=\"https:\/\/www.antifa.ch\/dps\/\">Direktdemokratischen Partei Schweiz (DPS)<\/a>.<\/p>\n<p>In Wileroltigen BE tobte diesen Sommer ein Sturm gegen einen Transitplatz f\u00fcr Sinti, Jenische und Roma. In B\u00fcrger_innenwehr- Manier formierte sich der Widerstand gegen das \u00abUnbekannte\u00bb, das \u00abrichtig\u00bb instrumentalisiert, Menschen Angst einzufl\u00f6ssen vermag. Pl\u00f6tzlich engagierten sich dort Rechtspopulist_innen, Neonazis und selbsternannte Heimatsch\u00fctzer_innen von nah und fern gemeinsam f\u00fcr die ihnen bisher v\u00f6llig unbekannte Gemeinde im Berner Mittelland und versuchten, \u00abalteingesessene Werte\u00bb zu erhalten und zu verteidigen.<\/p>\n<p>Auch anderswo versuchen Deutschschweizer Neonazis und ihre verwandten etablierten Parteien, durch volksnahe Aktionen Stimmung zu machen. Die Junge SVP verteilte am 16. September 2017 in Biel\/Bienne BE 1\u2019000 Schokok\u00fcsse, um gegen eine \u00ab\u00fcbertriebene politische Korrektheit in der deutschen Sprache\u00bb zu demonstrieren. Mit Slogans wie \u00abKein Mohrenkopf ist illegal\u00bb und \u00abJe suis Mohrenkopf\u00bb versuchten sie, B\u00fcrger_innen f\u00fcr ihre Anliegen zu gewinnen.<\/p>\n<p><strong>Dynamik in der Westschweiz<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend in der Deutschschweiz szeneinterne Umstrukturierungen das Bild pr\u00e4gen, ist die Westschweiz weiterhin von der rechten Dynamik aus Frankreich beeinflusst. Die franz\u00f6sische Bewegung der Identit\u00e4ren bildet sowohl aktionistisch wie ideologisch ein starkes Vorbild. Einzelne Westschweizer Exponent _innen sind im \u00abBloc identitaire\u00bb aktiv. So etwa der aus Genf stammende Jean-David Cattin, der f\u00fcr die Identit\u00e4re Bewegung die Aktion \u00abDefense Europe\u00bb koordiniert(e).<\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit in der Grenzregion Genf verst\u00e4rkte sich in den letzten Jahren laufend. Das franz\u00f6sische B\u00fcndnis \u00abAutour du Lac\u00bb agiert etwa in der ganzen Region Genfersee und macht damit seinem Namen alle Ehre. Die Walliser Gruppe \u00abRenaissance Helv\u00e9tique\u00bb hat sich unl\u00e4ngst umbenannt und tritt nun unter dem Label \u00abR\u00e9sistance Helv\u00e9tique\u00bb auf. Sie hat ihr Einflussgebiet ausgebaut und verf\u00fcgt \u00fcber mehrere Ableger in der Westschweiz. Damit gibt es neben der von Philippe Brennenstuhl dominierten <a href=\"https:\/\/www.antifa.ch\/pns-romandie\/\">Parti Nationaliste Suisse (PNS)<\/a> eine weitere etablierte Struktur in der Waadt.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzt werden diese rechtsextremen Gruppierungen durch die in Genf aktive Kameradschaft Kalvingrad Patriote, die als Br\u00fcckenbauerin zwischen den neueren Gruppen agiert. So waren es Angeh\u00f6rige von \u00abKalvingrad Patriote\u00bb, die im April 2017 in Genf ein erstes Kampfsportevent unter dem Namen \u00abCabochards Contest\u00bb organisierten. Beteiligt haben sich alle genannten Gruppen, res- pektive ihre assoziierten Sportler_innen.<\/p>\n<p>Am 10. Juni 2017 nahmen an einem weiteren Kampfsportevent in der Region Rh\u00f4ne-Alpes rund 300 Personen teil. Sie liessen den Abend bei Konzerten von Green Arrows (I), Jolly Rogers (E) und KMVII (I) ausklingen. Auch <a href=\"https:\/\/www.antifa.ch\/hammerskins-schweiz\/\">Schweizer Hammerskins (SHS)<\/a> waren an diesem Anlass beteiligt.<\/p>\n<p>\u00abR\u00e9sistance Helv\u00e9tique\u00bb bem\u00fcht sich aber auch um ein politisches Image. Sie organisierte Konferenzen, nahm an diversen Veranstaltungen im Ausland teil und gibt sich, im Gegensatz zu den anderen Organisationen der Westschweiz, sehr medienaffin.<\/p>\n<p><strong>Musik verbindet<\/strong><\/p>\n<p>Der Grossanlass \u00ab<a href=\"https:\/\/www.antifa.ch\/das-rocktoberfest-in-unterwasser-sg-5000-neonazis-feiern-ungestort\/\">Rocktoberfest<\/a>\u00bb am 15. Oktober 2016 in Unterwasser SG zeigte deutlich, dass es f\u00fcr Neonazis bisher relativ einfach war, in der Schweiz Konzerte durchzuf\u00fchren. Organisator_ innen liefen kaum Gefahr, dass Veranstaltungen von Beh\u00f6rdenseite verboten oder aufgel\u00f6st w\u00fcrden. Kurz nach Unterwasser war der Druck auf die Beh\u00f6rden, aktiver gegen solche Veranstaltungen vorzugehen, gestiegen. Trotzdem fanden weitere Konzerte in und um die Schweiz statt: Im Grenzgebiet um Genf gab es mindestens zwei Events. Auch im Tessiner Grenzgebiet ist ein Konzert aus den Reihen von <a href=\"https:\/\/www.antifa.ch\/bhc18-militante-musik-netzwerke\/\">B&amp;H\/C18<\/a> bekannt geworden. Zudem hat die deutsche Band Skalinger diesen Sommer in der Schweiz gespielt.<\/p>\n<p>In Lausanne verhinderte die Polizei am 2. November 2016 die \u00abKonferenz zum Nationalismus\u00bb, an der die Band Frakass (F) h\u00e4tte auftreten sollen. Ein weiteres Konzert, das durch die Strukturen der \u00abCrew 38 Romandie\u00bb organisiert wurde, ist polizeilich verhindert worden. Im Sommer vorher, am 2. Juli 2016, fand im Kanton Waadt ein <a href=\"https:\/\/www.antifa.ch\/hammerskin-konzert-in-villarimboud-fr\/\">Konzertabend mit drei Bands<\/a> statt. Organisiert wurde der damalige Anlass ebenfalls \u00fcber die ans\u00e4ssigen Hammerskin-Strukturen. Diese Konzerte konnten ungest\u00f6rt \u00fcber die B\u00fchne gehen.<br \/>\nNat\u00fcrlich versuchte die rechtsextreme Szene, an den grossen \u00abErfolg\u00bb von Unterwasser anzukn\u00fcpfen: Im Juli 2017 wurden in Themar (Th\u00fcringen\/D) durch das selbe Umfeld weitere Konzerte veranstaltet.<\/p>\n<p>Der Gewinn der Anl\u00e4sse d\u00fcrfte hoch ausgefallen sein und wird wohl mindestens zum Teil den Angeklagten im so genannten Ballst\u00e4dt-Prozess zugute kommen. Ein Teil des Gewinns d\u00fcrfte zudem in die hiesigen Strukturen geflossen sein. Aufgrund des medialen Drucks im Nachgang zu Unterwasser wurden zwar mehrere beh\u00f6rdliche Einreisesperren gegen rechtsextreme Bands ausgesprochen. Die gegen Phil Neumann, alias Flak (D) im Oktober 2016 verh\u00e4ngte Einreisesperre wurde durch die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden jedoch erst nach seinem Auftritt am Event der <a href=\"https:\/\/www.antifa.ch\/pnos-ostschweiz\/\">Ostschweizer PNOS-Sektionen<\/a> durchgesetzt. Im Januar 2017 wurde bei Polizeikontrollen vor einem durch die PNOS organisierten Konzert in Willisau eine Person dank g\u00fcltiger Einreisesperre angehalten. Beim Hammerskin-Konzert im Sommer 2017 im fribourgischen S\u00e9ry konnten die Bandmitglieder von Katastrof (I) wegen der Einreisesperren die Grenze nicht passieren \u2013 dieser Konzertabend fiel ins Wasser.<\/p>\n<p><strong>Reisefreudige Schweizer Neonazis<\/strong><\/p>\n<p>Nach wie vor scheinen Schweizer Neonazis gerne an Anl\u00e4ssen im Ausland teilzunehmen und sich europ\u00e4isch besser zu vernetzen. So sind auch dieses Jahr Mitglieder von B&amp;H\/C18 Z\u00fcrich am Rudolf Hess-Gedenkmarsch in Spandau beobachtet worden und Exponent_innen der frankophonen Gruppen rund um \u00abR\u00e9sistance Helv\u00e9tique\u00bb nahmen im November 2016 am Grossaufmarsch der Nationalist_innen in Polen teil.<\/p>\n<p>Die Anl\u00e4sse im Ausland scheinen wichtiger geworden zu sein, weil praktisch alle schweizerischen (Schlacht)-Aufm\u00e4rsche ausgesetzt wurden oder nicht mehr in der fr\u00fcheren Form durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen (R\u00fctli, Sempach, Morgarten). Beobachtet wurde zudem eine Ann\u00e4herung der Schweizer und der osteurop\u00e4ischen Neonaziszene. Den Hammerskins nahestehende Neonazis aus der Romandie reisten mit der franz\u00f6sischen NSBM-Band Peste Noire nach Kiew und pflegten dort bereits bestehende Kontakte. Dass Schweizer Neonazis aus der Romandie via \u00abMisanthropic Division\u00bb die K\u00e4mpfe in der Ukraine und des \u00abAzov-Bataillons\u00bb unterst\u00fctzten, war bereits fr\u00fcher bekannt geworden. Weitere Beispiele f\u00fcr eine Ann\u00e4herung sind Ausfl\u00fcge von Exponent_innen der Hammerskins nach Polen und Tschechien sowie in den Balkan im Jahr 2017. Auch das Moskauer \u00abCrew 38\u00bb Chapter steht mindestens seit 2012 unter dem Patronat der Schweizer Hammerkins. Schliesslich hat die PNOS im Februar 2017 den Russen Denis Nikitin ans Selbstverteidigungsseminar und an den russischen Kulturtag in einer Waldh\u00fctte in Aarberg eingeladen. Die gleiche Offenheit gegen\u00fcber den osteurop\u00e4ischen Rechtsextremen zeigte auch die Schweizer Rechtsrockband <a href=\"https:\/\/www.antifa.ch\/amok\/\">Amok:<\/a> sie trat am 11. M\u00e4rz 2017 in Polen auf. Organisiert wurde das Event von B&amp;H\/C18-Strukturen. Nebst Amok traten Szenegr\u00f6ssen wie Oidoxie (D) und weitere Bands aus dem <a href=\"https:\/\/www.antifa.ch\/blood-honour\/\">B&amp;H<\/a>-Spektrum auf.<\/p>\n<p>Amok sorgte diesen Sommer f\u00fcr ein Novum: Die Musiker der Band, die stets darauf bedacht waren, nicht \u00f6ffentlich aufzutreten, machten eine Ausnahme und gaben Bandinfos bekannt: Am <a href=\"https:\/\/www.antifa.ch\/auftakt-zum-braunen-festival-sommer\/\">Eichsfeldtag in Leinefelde<\/a> (Th\u00fcringen\/D), organisiert von Thorsten Heise, waren neben dem langj\u00e4hrigen und konstanten Mitglied Kevin Gutmann auch J\u00fcrg Steiner und Stefan Sch\u00e4lchli auf der B\u00fchne zu sehen. Es erstaunt wenig, dass die \u00fcber die Jahre frei gewordenen Pl\u00e4tze in der Band allesamt aus den B&amp;H\/C18-Reihen besetzt wurden.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.antifa.ch\/neonazis-geben-sich-volksnah\/\">https:\/\/www.antifa.ch\/neonazis-geben-sich-volksnah\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur weil es seit dem Konzertanlass in Unterwasser im Oktober 2016 medial wieder ruhiger geworden ist, heisst das nicht, dass sich die extreme Rechte in der Schweiz still verha\u0308lt. 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