{"id":2974,"date":"2018-04-22T19:24:24","date_gmt":"2018-04-22T18:24:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=2974"},"modified":"2018-04-22T19:24:24","modified_gmt":"2018-04-22T18:24:24","slug":"den-rechten-ins-bier-spucken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=2974","title":{"rendered":"Den Rechten ins Bier spucken"},"content":{"rendered":"<div class=\"body-wrapper col-xs-12 col-md-10 col-md-offset-1 col-xl-8 col-xl-offset-2\">\n<p><strong>Antifaschisten haben eine europaweite Konferenz der Identit\u00e4ren Bewegung in Gro\u00df\u00adbritannien gest\u00f6rt. Die Konferenz verdeutlichte, wie sich Rechtsextreme dort vernetzen und rekrutieren.<\/strong><\/p>\n<p>Ungest\u00f6rt blieben sie nicht. Am 14. April wollte die Gruppe \u00bbGeneration Identity\u00ab (GI) in London eine internationale Konferenz abhalten. GI ist ein Ableger der 2012 in Frankreich gegr\u00fcndeten Identit\u00e4ren Bewegung (IB), die sich seither auch in Deutschland und \u00d6sterreich etablieren konnte. <a class=\"external\" href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2017\/47\/nazi-hipster-im-anflug\" target=\"_blank\">2017 fasste die Bewegung auch in Gro\u00dfbritannien und Irland Fu\u00df<\/a>. Bekannt ist, dass Martin Sellner, der Sprecher der IB in \u00d6sterreich, bei der Gr\u00fcndung von GI in Gro\u00dfbritannien und Irland eine Rolle spielte. Sellner nahm im Oktober 2017 an einer Konferenz der rechtsextremen \u00bbTraditional Britain Group\u00ab (TBG) teil, nach der die erste \u00f6ffentliche Aktion von GI stattfand: Die Identit\u00e4ren entrollten ein Transparent mit der Aufschrift \u00bbDefend London\u00a0\u2013 Stop Islamisation\u00ab auf der Westminster Bridge in London.<\/p>\n<p>Recherchen der Organisation \u00bbHope not Hate\u00ab zufolge bel\u00e4uft sich die Mitgliederzahl der von Jordan Diamond, Sebastian Seccombe und Damhnait McKenna angef\u00fchrten Gruppe in Gro\u00dfbritannien und Irland auf rund 30\u00a0Personen. Mit \u00fcber 7 000 Facebook-Fans scheinen sie aber weitaus mehr Sympathisanten zu besitzen. Sie sind \u00bbHope not Hate\u00ab zufolge die am schnellsten wachsende rechte Gruppe und eine Anlaufstelle f\u00fcr Mitglieder von inzwischen verbotenen rechtsextremen Gruppen wie beispielsweise National Action. Bisher beschr\u00e4nkten sich die Aktionen von GI haupts\u00e4chlich auf das Anbringen von Aufklebern und das Verteilen von Brosch\u00fcren in London, Belfast, Dublin, Glasgow, Manchester und Edinburgh. In Dublin und London entrollten Mitglieder von GI im Januar auch Transparente.<\/p>\n<p>Im Zentrum der Ideologie der Identit\u00e4ren stehen die Ablehnung von Einwanderung und die Feindschaft gegen Muslime. In manchen linken Kreisen auch als \u00bbNazi-Hipster\u00ab bezeichnet, gibt sich die Bewegung jugendlich und hip. Teil der Strategie von GI ist die Rekrutierung rassistischer Studierender, etwa durch Transparentaktionen. GI-Aufkleber wurden auf mehreren Unversit\u00e4ts-Campussen in London gefunden.<\/p>\n<p>F\u00fcr das vergangene Wochenende hatte GI nun eine Konferenz in London zur europaweiten Vernetzung angek\u00fcndigt. Die Gruppe wollte die unterschiedlichen \u00bbKulturen\u00ab Europas feiern, den Teilnehmern sollten Wissen und Kompetenzen vermittelt werden. GI sieht sich zwar als europaweite \u00adBewegung, bevorzugt aber eine klare Trennung zwischen den einzelnen \u00adeurop\u00e4ischen Nationen. Als Sprecher waren Mitglieder von Gruppen der IB aus Deutschland, Ungarn und Italien angek\u00fcndigt. Sellner sollte ebenfalls erscheinen, doch ihm untersagten die britischen Beh\u00f6rden erneut die Einreise wegen seines Engagements bei der rechtsextremen Bewegung. Kurz vor ihm war auch der Leiter der ungarischen Identit\u00e4ren, \u00c1bel B\u00f3di, als \u00bbunerw\u00fcnschte Person\u00ab abgewiesen worden. Lorenzo Fiato von den italienischen Identit\u00e4ren hatte zuvor wegen Krankheit abgesagt.<\/p>\n<p>Die Organisatoren der Konferenz hatten den Teilnehmern Kontakte zu den Referenten versprochen sowie ein kostenloses Mittagsbuffet. Ob sie tats\u00e4chlich in den Genuss eines Buffets kamen, ist unklar. Der Ort der Veranstaltung war lange geheimgehalten worden. Zun\u00e4chst war sie in London geplant. Als die Identit\u00e4ren offenbar \u00adPanik bekamen, wichen sie kurzfristig auf das Stag Theatre in Sevenoaks s\u00fcd\u00f6stlich von London aus. Antifaschisten fanden das jedoch schnell heraus, so dass die Veranstalter nach einigen Stunden weiterziehen mussten. Als rund 30\u00a0Identit\u00e4re sich daraufhin in einem Pub in Sevenoaks versammelten, die Antifaschisten machten den Inhaber des Pubs per Twitter auf seine rechtsextremen G\u00e4ste aufmerksam, der diese des Lokals verwies.<\/p>\n<p>Nach der mehr oder weniger gescheiterten Versammlung am Samstag versuchte GI es einen Tag sp\u00e4ter erneut. Am Sonntagmorgen versammelten sich an die 30\u00a0Identit\u00e4re an der Speaker\u2019s Corner im Hyde Park in London, weil Vertreterinnen der von den Identit\u00e4ren initiierten Kampagne \u00bb120\u00a0dB\u00ab dort reden wollten. Es ist ein Ort, an dem B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger traditionell \u00f6ffentliche Reden halten k\u00f6nnen. Auch Sellner h\u00e4tte dort Anfang M\u00e4rz sprechen wollen, w\u00e4re ihm nicht die Einreise verweigert worden. Am Sonntag wurden die Identit\u00e4ren nach ungef\u00e4hr einer halben Stunde von Antifaschisten unterbrochen, die eine Gegenveranstaltung organisiert hatten, und mussten unter Polizeischutz aus dem Park eskortiert werden. Zun\u00e4chst fanden sie Zuflucht im nahegelegenen Pub \u00bbDuke of York\u00ab, bekamen jedoch nach anhaltenden Protesten von Antifaschisten kein Bier mehr ausgeschenkt. Eine Polizeieskorte begleitete die Rechten daraufhin zur n\u00e4chsten U-Bahnstation.<\/p>\n<p>Trotz aller Fehlschl\u00e4ge wurde deutlich, wie die alte Rechte in Gro\u00dfbritannien sich in neuem Gewand zeigt. Nicht nur sind viele GI-Mitglieder \u00dcberl\u00e4ufer aus anderen rechten Gruppen, GI pflegt auch enge Beziehungen zu einigen der bekanntesten Pers\u00f6nlichkeiten der britischen und internatio\u00adnalen Rechten, wie etwa Stephen Yaxley-Lennon, besser bekannt als Tommy \u00adRobinson, der Gr\u00fcnder und ehemalige Anf\u00fchrer der English Defence League. 2017 nahm er Videos f\u00fcr die rechte Webseite Rebel Media auf. Zu deren Dunstkreis geh\u00f6ren auch Lauren Southern, eine rechte kanadische Youtuberin, sowie Brittany Pettibone, eine US-amerikanische Youtuberin der Alt-Right-Bewegung und die Freundin von Sellner. Auch ihr wurde am Freitag die Einreise nach Gro\u00dfbritannien \u00adverweigert.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.jungle.world\/artikel\/2018\/16\/den-rechten-ins-bier-spucken\">https:\/\/www.jungle.world\/artikel\/2018\/16\/den-rechten-ins-bier-spucken<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antifaschisten haben eine europaweite Konferenz der Identit\u00e4ren Bewegung in Gro\u00df\u00adbritannien gest\u00f6rt. 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