{"id":3106,"date":"2018-12-10T13:16:46","date_gmt":"2018-12-10T12:16:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=3106"},"modified":"2018-12-10T13:16:56","modified_gmt":"2018-12-10T12:16:56","slug":"we-all-live-in-a-yellow-submarine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3106","title":{"rendered":"We all live in a yellow submarine"},"content":{"rendered":"<p><strong>F\u00fcr Samstag den 17. November, wurde erstmals eine Mobilisierung der sogenannten \u201cGelbwesten\u201d \u00fcber Facebook angek\u00fcndigt. Der Aufh\u00e4nger war die neue Treibstoff-Steuer die Anfang 2019 in Kraft treten sollte. Viele dachtenurspr\u00fcnglich an einen Flop dieser Mobilisierung, aber als dann am Sonntag den 18. November die Leute immer noch da waren, auch am Montag und Dienstag und so weiter, wurde doch vielen klar, dass das Fass wirklich voll zu sein scheint.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"surlignable\">\n<div class=\"crayon article-texte-1687 texte-principal text\">\n<p>Naja, und seit dem 17. November sind mittlerweile drei Wochen vergangen und die Leute befinden sich immer noch auf der Stra\u00dfe und an irgendwelchen Blockaden. Seit Samstag den 1. Dezember spricht die Regierung nun deutlich von einer aufst\u00e4ndischen Situation.<\/p>\n<p>Jetzt stellt sich nat\u00fcrlich die Frage, was sind denn das f\u00fcr Leute die diese Situation herbeigef\u00fchrt haben, und welche Ideen treiben sie an? Vor allem, da man ja st\u00e4ndig viele Nationalflaggen flattern sieht und immer wieder die franz\u00f6sische Nationalhymne angestimmt wird. Uns ist hier in Frankreich nat\u00fcrlich auch aufgefallen, dass zum Beispiel in Berlin am letzten Samstag die AfD und Pegida mit Gelbwesten auf die Stra\u00dfe gegangen sind. In England waren es auch Rechtspopulisten die sich darauf beziehen und nat\u00fcrlich auch in Italien. In Deutschland wird die Bezugnahme der AfD und von Pegida auf die Gelbwesten mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit dazu f\u00fchren, dass sich die emanzipatorischen Kr\u00e4fte davon eher distanzieren werden. Wir glauben hier, dass das ein Fehler sein wird.<\/p>\n<p>Die Situation in Frankreich zu beschreiben ist nicht einfach, vor allem da es nicht eine Wahrheit gibt und wahrscheinlich auch nicht geben wird. Das muss zugegeben werden. Die Pr\u00e4senz von rechtspopulistischen und sogar rechtsextremen Kr\u00e4ften in dieser Bewegung ist nicht zu leugnen. Das die Rechtspopulisten wie Le Pen aber auch die Linkspopulisten wie Melenchon versuchen werden das Ruder auf ihre Seite zu rei\u00dfen, ist eine Tatsache. In diesem Sinne kann man nat\u00fcrlich eine Parallele zu der italienischen Situation sehen, wo die technokratische, neoliberale Regierung von Mateo Renzi von den beiden populistischen Extremen abgel\u00f6st wurde. Die Menschen die sich auf der Stra\u00dfe oder zwischen den verschiedenen Blockade-Punkten bewegen, sind aber ein heterogener Haufen, dessen einziger gemeinsamer Nenner bis jetzt, die antagonistische Haltung gegen\u00fcber der jetzigen Regierung und vor allem gegen\u00fcber Macron und seiner unglaublichen Arroganz ist. Darin sind nat\u00fcrlich die \u00fcblichen Verlierer der unteren Schichten anzusiedeln, aber nicht nur. Ein gro\u00dfer Teil entspringt auch einer Mittelschicht, die langsam ihr Verschwinden zu sp\u00fcren bekommt. Die Vergleiche zu einer griechischen Situation wie vor 10 Jahren liegen hier ziemlich auf der Hand.<\/p>\n<p>Die Regierung hat gestern, ein Moratorium f\u00fcr die Treibstoff-Steuer angek\u00fcndigt. Doch die Bewegung hat sich mittlerweile gewandelt, und die Forderungen haben sich ausgeweitet. Der polarisierende Punkt der Treibstoff-Steuer, ist definitiv in den Hintergrund getreten und hat Platz f\u00fcr breitere Debatten, Diskussionen und Forderungen gemacht. Die Amtsenthebung Macrons, der hier als Pr\u00e4sident der Reichen betitelt wird, scheint heute ein gro\u00dfer gemeinsamer Nenner zu sein. Durch das Land geistert ein regelrechter Hass auf die Arroganz und \u00dcberheblichkeit dieser Welt von Eliten und Bonzen. Dass aus dieser Verachtung nicht nur emanzipatorische Ideen ihren Weg in die Herzen der Menschen finden, wissen wir nicht erst seit heute. F\u00fcr uns hier ist es das, was auf dem Spiel steht. Und obwohl viele Genossen und Genossinnen anfangs sehr skeptisch waren, angesichts der vielen franz\u00f6sischen Flaggen \u00fcberall, scheint sp\u00e4testens seit Samstag dem 24. November f\u00fcr viele klar zu sein, dass wir da sein wollen, mit unseren Vorstellungen einer emanzipierten Gesellschaft. Und somit denken wir auch, dass es wichtig sein wird, dass im Ausland die rechten Kr\u00e4fte kein einfaches Spiel haben. Vor allem da wir glauben, dass das einen reellen Einfluss haben wird.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall, gab es schon einige erfreuliche Gegebenheiten, wie zum Beispiel, dass ein selbsternannter Sprecher der Gelbwesten in Toulouse, als Rechtsradikaler geoutet wurde und dass das ihm und seiner Popularit\u00e4t gar nicht gut bekam. Er hat sich auf Grund dieses Outings von der Bewegung getrennt und eine Splitterbewegung die sich die gelben Zitronen nennt gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/gelbwesten.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3107\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/gelbwesten-300x168.png\" alt=\"gelbwesten\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/gelbwesten-300x168.png 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/gelbwesten.png 710w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dass mit den Sprecher*innen oder Repr\u00e4sentant*innen ist \u00fcbrigens ein ganz wesentlicher Bestandteil der St\u00e4rke dieser Bewegung. Bis jetzt wird jegliche Repr\u00e4sentation abgelehnt. Jedes mal wenn selbsternannte Sprecher*innen versuchen wollen die Bewegung zu f\u00fchren, bekommen sie massiv Morddrohungen usw.. Die Regierung hatte letzte Woche zum Beispiel 7 Repr\u00e4sentanten eingeladen. 5 davon haben aus Angst vor Repressalien abgelehnt.<\/p>\n<p>Das Misstrauen gegen\u00fcber jeglicher Form von Repr\u00e4sentation ist wirklich gro\u00df. Misstrauen gegen\u00fcber Politiker*innen, Gewerkschaften, Organisationen usw., zeichnet sich auch mehr und mehr als ein gro\u00dfer gemeinsamer Nenner der Bewegung ab. Und ohne Repr\u00e4sentant*innen kann es keine Verhandlungen geben. Dementsprechend wird das ein ausschlaggebender Punkt sein. Am Sonntag den 9. Dezember ist in Toulouse eine Gro\u00dfversammlung der Bewegung auf nationaler Ebene ausgerufen worden, mit der Idee Repr\u00e4sentant*innen zu w\u00e4hlen. Das st\u00f6\u00dft bis jetzt auf viel Ablehnung. Bleibt zu hoffen, dass die Versammlung ein Flop wird.<\/p>\n<p>Was auch ein interessanter Punkt ist, ist nat\u00fcrlich die einfache Tatsache, dass sich Menschen begegnen. Gestern noch konnten wir auf einer kleinen Blockade ein langes Gespr\u00e4ch mit einer Frau f\u00fchren, die erz\u00e4hlte, dass viel \u00fcber Rassismus und Faschismus diskutiert wird und dass das bei ihnen anfangs recht problematisch war, aber dass sich da vieles ge\u00e4ndert hat, in den letzten drei Wochen. Wenn Menschen sich begegnen und ihre Realit\u00e4ten miteinander konfrontieren, kann das immer etwas ver\u00e4ndern. Dass ist auch der Grund wieso wir diese Bewegung nicht desertieren werden und wieso wir finden, dass es wichtig ist, das in Europa, den Rechten das Ganze nicht einfach gemacht wird.<\/p>\n<p>Auf die Frage, wie in diesem ganzen Chaos intervenieren, konnten wir uns bis jetzt nur ein paar Antworten geben. Eine davon ist sicherlich, dass wir nicht die Stereotypen von linken Aktivist*innen reproduzieren wollen, sprich; wir wollen nicht mit ewig langen, moralisierenden Pamphleten die von einer externen Position daherkommen, da antanzen. Wir wollen da Teil sein, weil dass auch unsere Gesellschaft und unsere Zukunft ist. Gedankengut einer emanzipierten Gesellschaft entwickeln, mitdenken und f\u00e4hig sein zuzuh\u00f6ren und vor allem wollen wir auch f\u00e4hig sein, uns selbst auch ver\u00e4ndern zu lassen. An diesem Punkt der Geschichte m\u00fcssen wir uns eingestehen, dass wir ihren Ausgang nicht kennen und wahrscheinlich ist das auch besser so.<\/p>\n<p>Ein weiterer Umstand dem mittlerweile auch eine zentrale Rolle zukommt, ist die Polizeigewalt. F\u00fcr viele Menschen, die in den letzten Wochen auf der Stra\u00dfe waren, war die Konfrontation mit der staatlichen Repression ein Novum, und hat einen starken Hass gegen die Staatsh\u00fcter*Innen mit sich gebracht. In Toulouse liegt seit letzten Samstag eine Person im Koma auf Grund eines Flashball-Schusses am Kopf. In Marseille ist eine 80j\u00e4hrige Frau von einer Gasgranaten-Kartusche am Brustkorb getroffen worden und daran gestorben als sie in ihrer Wohnung war. Heute w\u00e4hrend wir diese Worte schreiben, zeigt der Kalender den 6. Dezember 2018. Vor genau zehn Jahren war es der 6. Dezember 2008&#8230;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/barrikade.info\/We-all-live-in-a-yellow-submarine-1687\">https:\/\/barrikade.info\/We-all-live-in-a-yellow-submarine-1687<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr Samstag den 17. November, wurde erstmals eine Mobilisierung der sogenannten \u201cGelbwesten\u201d \u00fcber Facebook angek\u00fcndigt. Der Aufh\u00e4nger war die neue Treibstoff-Steuer die Anfang 2019 in Kraft treten sollte. Viele dachtenurspr\u00fcnglich an einen Flop dieser Mobilisierung, aber als dann am Sonntag den 18. 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