{"id":3154,"date":"2019-02-15T13:27:32","date_gmt":"2019-02-15T12:27:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=3154"},"modified":"2019-02-15T13:28:09","modified_gmt":"2019-02-15T12:28:09","slug":"es-ist-das-ol-doofi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3154","title":{"rendered":"Es ist das \u00d6l, Doofi"},"content":{"rendered":"<div class=\"body-wrapper col-xs-12 col-md-10 col-md-offset-1 col-xl-8 col-xl-offset-2\">\n<div class=\"row_bak\">\n<p><strong>Die USA und ihre Verb\u00fcndeten streben \u00bbregime change\u00ab in Venezuela an. Ihr Ziel ist es, Russland und China aus Lateinamerika zu verdr\u00e4ngen<\/strong><\/p>\n<p>Es scheint nicht v\u00f6llig ausgeschlossen, dass Venezuela Besuch von US-Truppen bekommt, falls Pr\u00e4sident \u00adNicolas Maduro nicht bald zur\u00fccktritt. Das \u00adhaben in den vergangenen Wochen und Monaten f\u00fchrende US-amerikanische Politiker wiederholt nahegelegt. Er werde alles tun, um der neuen Regierung\u00a0\u2013 gemeint ist selbstverst\u00e4ndlich der Oppositionspolitiker Juan Guaid\u00f3\u00a0\u2013 zur Macht zu verhelfen, hatte zuletzt US-Pr\u00e4sident Donald Trump im Kongress unter Beifall in seiner j\u00e4hrlichen Rede zur Lage der Nation gesagt.<\/p>\n<p>Was man sich im Wei\u00dfen Haus davon verspricht, hatte Trumps Sicherheitsberater John Bolton gut eine Woche zuvor in einem Interview im Fernsehsender Fox News formuliert. Es werde \u00bbf\u00fcr die USA einen gro\u00dfen wirtschaftlichen Unterschied ausmachen, wenn US-amerikanische \u00d6lkonzerne wirklich in die \u00d6lvorkommen in Venezuela investieren und diese f\u00f6rdern k\u00f6nnten\u00ab, sagte er.<\/p>\n<p>Dass in Venezuela letztlich alles am \u00d6l h\u00e4ngt, ist kein Geheimnis. Das Land verf\u00fcgt \u00fcber die gr\u00f6\u00dften Erd\u00f6lreserven der Welt. Nach Angaben der Regierung Maduros sollen noch etwa 267\u00a0Milliarden Barrel im Orinoco-Becken liegen. Die Exporterl\u00f6se des maroden staatlichen Erd\u00f6lkonzerns PDVSA, dessen F\u00f6rdermenge in den vergangenen Jahren von \u00fcber drei Millionen Barrel auf derzeit knapp 800 000 gesunken ist, sorgen f\u00fcr etwa 96\u00a0Prozent der Staatseinnahmen. Alle Versprechungen der bolivarischen Regierungen unter Maduro und seinem Vorg\u00e4nger Hugo Ch\u00e1vez, <a class=\"external\" href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2017\/19\/die-krise-des-oelrentensozialismus\" target=\"_blank\">die eigene Industrie oder die Agrarwirtschaft auszubauen<\/a>, sind weithin gescheitert.<\/p>\n<p>Venezuela blieb ein klassisches Beispiel einer gescheiterten Rentierwirtschaft. F\u00fcr das laufende Jahr rechnet der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF) mit einer Inflationsrate von 1,37 Millionen Prozent, das Bruttosozialprodukt soll laut der Prognose um weitere 18 Prozent einbrechen.<\/p>\n<p>Der \u00d6konom Andr\u00e9 Gunder Frank beschrieb das Problem des resourcenreichen Landes einst als \u00bbEntwicklung der Unterentwicklung\u00ab: totale Abh\u00e4ngigkeit vom Weltmarktpreis des jewei\u00adligen Rohstoffs, hohe Inflation, Import\u00adabh\u00e4ngigkeit und daher Versorgungsengp\u00e4sse selbst bei Alltagsg\u00fctern, \u00adgigantische soziale Ungleichheit, grassierende Korruption und eine Oligarchie, in deren H\u00e4nden die \u00f6konomische und politische Macht geb\u00fcndelt ist, die aber nur bei ausgesprochen hoher Nachfrage nach ihrem Rohstoff au\u00dfenpolitisch unabh\u00e4ngig agieren kann.So d\u00fcrften die anhaltenden innenpolitischen K\u00e4mpfe zwischen den verschiedenen Fraktionen der venezolanischen Oligarchie letztlich nur dar\u00fcber entscheiden, ob das Land ein von den USA oder Russland respektive China abh\u00e4ngiger Rohstofflieferant sein m\u00f6chte. Sich f\u00fcr die zweite Variante zu entscheiden, war in den vergangenen Jahren das letzte erb\u00e4rmliche Gl\u00fccksversprechen des \u00bbSozialismus des 21. Jahrhunderts\u00ab. Vor allem nach dem Einbruch des Roh\u00f6lpreises auf dem Weltmarkt ab 2009 waren es zun\u00e4chst russische Staatskonzerne, die die \u00adPleite des \u00d6lrentensozialismus verhinderten. Die Neue Z\u00fcrcher Zeitung zitiert dazu russische Quellen, die von Krediten von insgesamt etwa 17\u00a0Milliarden Dollar sprechen. Daf\u00fcr hat sich Russland allerdings abgesichert. Neben Anteilen an venezoelanischen Erd\u00f6lfeldern hatte sich etwa der russische \u00d6lkonzern Rosneft zuletzt 49,9\u00a0Prozent der zur PDVSA geh\u00f6renden und vor allem in den USA t\u00e4tigen Raffineriegesellschaft Citgo \u00fcbertragen lassen. Mit noch gr\u00f6\u00dferen Summen ist in den vergangenen Jahren China in Venezuela eingestiegen. Seit 2012 hat die Volksrepublik, deren \u00d6konomie stark von \u00d6limporten abh\u00e4ngig ist, 60\u00a0Milliarden Dollar an Krediten gew\u00e4hrt, die mit Erd\u00f6llieferungen zur\u00fcckgezahlt werden. Etwa ein Drittel der R\u00fcckzahlungen sollen noch aus\u00adstehen.<\/p>\n<p>Eine im vergangenen M\u00e4rz unter dem Titel \u00bbDie strategische Relevanz Lateinamerikas in der nationalen Sicherheitsstrategie der USA\u00ab ver\u00f6ffentlichte \u00adStudie des US Army War College kam zu dem Ergebnis, dass sich insbesondere in Venezuela \u00bbexterne Akteure wie China und Russland den Interessen der USA in den Weg stellen\u00ab. Bisher ist es jedoch beiden Staaten nicht gelungen, die Bedeutung der USA zu erlangen. Noch immer kommen zwei Drittel der Einnahmen aus dem \u00d6lgesch\u00e4ft aus den Vereinigten Staaten, fast alle importierten G\u00fcter stammen von dort\u00a0\u2013 ein Grund f\u00fcr die enge Verzahnung der nach wie vor privatwirtschaftlich t\u00e4tigen Oligarchie mit den USA\u00a0\u2013 und das schwere \u00d6l aus dem Orinoco-Becken kann weiterhin nur durch Zus\u00e4tze US-amerikanischen Leicht\u00f6ls zu Treibstoff raffiniert werden. Auch deshalb ist die neue Sanktionspolitik der US-Regierung so effizient. Venezolanisches Staatsverm\u00f6gen im Wert von sieben Milliarden Dollar wurde in den vergangenen Wochen eingefroren. \u00d6llieferungen aus Venezuela d\u00fcrfen nur noch in die USA importiert werden, wenn die Zahlungen statt an den Staatskonzern PDVSA auf Sperrkonten gehen.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Schritte bleibt der venezoelanischen Regierung offensichtlich nicht viel mehr, als zu verh\u00f6kern, was sich noch verh\u00f6kern l\u00e4sst: Immer weitere Goldverk\u00e4ufe, zuletzt an die T\u00fcrkei, Russland und die Vereinigten Arabischen Emirate, werden \u00adbekannt, mit denen zumindest ein Rest an Zahlungsf\u00e4higkeit aufrechterhalten wird. Lange wird dies nicht gutgehen.<\/p>\n<p>Bolton hatte schon mehrfach an\u00adklingen lassen, dass die 1976 vor allem gegen den US-Konzern Exxon gerichtete Verstaatlichungspolitik r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden k\u00f6nnte. Zwar k\u00f6nnen die USA zurzeit ihren Erd\u00f6lbedarf selbst decken. K\u00fcnftig aber w\u00e4re ein direkter Zugriff auf die venezolanischen Reserven, nicht nur hinsichtlich der Energiesicherheit, f\u00fcr die Machtposition der Vereinigten Staaten von Vorteil: Vor \u00adallem gegen\u00fcber den in der Region an Einfluss gewinnenden Staaten China und Russland w\u00fcrden die USA eine m\u00e4chtiges Instrument in die Hand bekommen.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.jungle.world\/artikel\/2019\/07\/es-ist-das-oel-doofi\">https:\/\/www.jungle.world\/artikel\/2019\/07\/es-ist-das-oel-doofi<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die USA und ihre Verb\u00fcndeten streben \u00bbregime change\u00ab in Venezuela an. 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