{"id":3207,"date":"2019-05-20T15:51:12","date_gmt":"2019-05-20T14:51:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=3207"},"modified":"2019-05-20T15:52:13","modified_gmt":"2019-05-20T14:52:13","slug":"raumungkrawalle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3207","title":{"rendered":"&#8220;R\u00e4umung=Krawalle&#8221;"},"content":{"rendered":"<div class=\"chapo\">\n<p><strong>Quelle: <\/strong><a href=\"https:\/\/barrikade.info\/article\/2288\">https:\/\/barrikade.info\/article\/2288<\/a><\/p>\n<p><strong>Was f\u00e4llt euch ein, in unser Haus einzufallen? Mit Sondereinheiten einen Quartierstreffpunkt zu r\u00e4umen? Wo eben noch Leben war, steht jetzt ein K\u00e4fig. Kochequipment, Veloflickzeug, Kinderspielsachen, Druckutensilien, Sofas \u2013 alles &#8220;sicher&#8221; verstaut hinter einem vier Meter hohen Zaun, rund um die Uhr bewacht von Hilfssheriffs der Firma <\/strong><strong>V\u00fcch. Verstaut bis zum Verstauben. Verstaut, bis es \u201eentsorgt, verschenkt oder verkauft\u201c wird. Es ist, als wurde ein*e Freund*in von uns hinter Gitter gesperrt. Ihr habt dem Fabrikool die Augen genommen, die Fenster, die wir eigenh\u00e4ndig eingebaut haben. Drinnen ist jetzt kein Licht mehr, keine W\u00e4rme und kein Ger\u00e4usch.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/krawalle.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3209\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/krawalle-300x168.png\" alt=\"krawalle\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/krawalle-300x168.png 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/krawalle.png 710w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Einfach aus Prinzip wurde unser Lebensraum zerst\u00f6rt, obwohl klar ist, dass vor <a class=\"spip_out\" href=\"https:\/\/www.bernerzeitung.ch\/articles\/10038378\" rel=\"external\">2020 nicht gebaut wird<\/a>. Weil der Staat einen \u201evertragslosen Zustand\u201c nicht ertragen kann. Wir haben im Fabrikool nicht gewohnt, aber wir haben dort gelebt, wir haben das Haus belebt und es ist unser Haus. Es geh\u00f6rt niemandem und allen, aber sicher nicht denen, die es uns gewaltsam nehmen. Und schon gar nicht irgendwelchen profitgesteuerten Architekten, die 22.000 Fr. Miete im Monat abkassieren wollen. Und dennoch haben Hebeisen + Vatter mit ihrem Entwurf den 1. Platz in der Ausschreibung in puncto \u201eQuartiervertr\u00e4glichkeit\u201c erhalten.<\/p>\n<p>Die Bedeutung des Fabrikools f\u00fcr das Quartier ist dagegen nicht zu untersch\u00e4tzen. In Zeiten da der Heimatbegriff um sich greift und Menschen ihr eigenst\u00e4ndiges Denken ausknipsen, um den Heimatprediger*innen in Herden hinterherzurennen, setzt das Fabrikool dieser Seuche ein Zuhause entgegen. Ein Zuhause, das niemanden ausschliesst, die*der niemand anderen ausschliesst wegen Hautfarbe, K\u00f6rper, Alter, Geschlecht*, Herkunft, sozialem Status, Geld, Papieren \u2026 allem, was dazu benutzt wird, Hierarchien zwischen Menschen zu konstruieren. An der <a class=\"spip_out\" href=\"http:\/\/www.journal-b.ch\/de\/082013\/alltag\/3315\/Diskussion-Fabrikool-%E2%80%93-Gestern-Heute-Morgen.htm\" rel=\"external\">Quartiersversammlung am<\/a> Donnerstag fiel das Wort \u201eFreiheit\u201c, als es darum ging, das Zusammenleben im Fabrikool zu beschreiben. Diese Freiheit kann uns niemand nehmen.<\/p>\n<p>Schon im Vorfeld der Abriegelung des Fabrikools wurde die Botschaft \u201eR\u00e4umung = Krawalle\u201c auf einem kleiderb\u00fcgelgrossen Schild an der Hauswand medial hochstilisiert. Ein gefundenes Fressen f\u00fcr die Presse. \u201eFriedlich\u201c wurde die gewaltsame R\u00e4umung unseres Zuhauses wenige Tage darauf dann geradezu h\u00f6hnisch betitelt. Was ist daran friedlich, wenn bewaffnete Einheiten unseren Lebensraum zerst\u00f6ren. Wenn mitten im Fr\u00fchling alles Gr\u00fcn rund um das Geb\u00e4ude mit Motors\u00e4gen beseitigt wird (ironischerweise fand das Gemetzel unmittelbar unterhalb eines \u201eHambi bleibt\u201c-Banners statt). Wenn solidarische Menschen von Bullen bel\u00e4stigt und auf den Posten verschleppt werden, egal wie jung sie sind.<br class=\"autobr\" \/> All die solidarischen Menschen, die w\u00e4hrend der R\u00e4umung pr\u00e4sent waren, bleiben in der Presse nat\u00fcrlich unerw\u00e4hnt. Denn dem medial beliebten Bild des \u201elinksautonomen Terrors\u201c ist es wenig zutr\u00e4glich, von w\u00fctenden Anwohner*innen zu berichten, die den Cops ihre Meinung sagen.<br class=\"autobr\" \/> Vermutlich sollte der Kommentar \u201efriedlich\u201c ein Seitenhieb auf die Besetzer*innen sein, als h\u00e4tten diese nichts als leere Drohungen zu bieten.<\/p>\n<p>Aber wir wissen, wovor der Staat und seine Marionetten in Wahrheit am meisten Angst haben: Die \u201eBewegung Fabrikool\u201c lebt. Der R\u00fcckhalt, den das Fabrikool in der ganzen Stadt erf\u00e4hrt, ist ihr Alptraum. Aber er l\u00e4sst sich nicht einfach wegschweigen.<br class=\"autobr\" \/> Breit wie die Belebung des Fabrikools ist der Widerstand. Denn Widerstand ist nicht \u201enur\u201c Steine schmeissen und brennende Barrikaden errichten. Widerstand ist auch, wenn \u00fcberall im Quartier und in der ganzen Stadt \u201eFabrikool bleibt\u201c-Fahnen aus den Fenstern h\u00e4ngen. Wenn sich eine Anwohnerin bei der Quartiersversammlung am Donnerstag f\u00fcr eine Neubesetzung ausspricht und der gesamte Saal applaudiert. Wenn Menschen kochen f\u00fcr die bunte Demo am Freitag. Widerstand bedeutet, einfach da zu sein bei der R\u00e4umung. Und Widerstand ist: Kinder h\u00fcten, damit die Eltern mitmachen k\u00f6nnen bei den Riots am Samstag nach der R\u00e4umung.<\/p>\n<p>Riots sind eine weitere und wichtige Form des Widerstands. Sie haben etwas sehr befreiendes. All die Energie, die in das Fabrikool gesteckt wurde, ist noch lange nicht versiegt &#8211; sie wurde geradezu freigesetzt. Wir sind nicht friedlich. Aber wir reagieren nicht ziellos und unkontrolliert. Wir organisieren uns, und wir bleiben unkontrollierbar.<br class=\"autobr\" \/> Unser Angriff ist f\u00fcr alle, die genug haben von der tagt\u00e4glichen Schikane durch die Beh\u00f6rden. Von den st\u00e4ndigen Vorplatzkontrollen, der systematischen Willk\u00fcr, dem institutionalisierten Rassismus der Beh\u00f6rden, den Angriffen auf unsere Freiheit. Davon, dass Bullen und Staat versuchen, alles im Keim zu ersticken, was die herrschende Ordnung in Frage stellt und der allgegenw\u00e4rtigen Depression neue Ideen entgegensetzt.<br class=\"autobr\" \/> Und unser Angriff richtet sich gegen alle, die sich uns in den Weg stellen.<\/p>\n<p><strong>So sieht ein Tag X aus, Cioppi.<br class=\"autobr\" \/> Wir bleiben w\u00fctend.<br class=\"autobr\" \/> Nichts ist vorbei!<\/strong><\/p>\n<p><strong>No Cops \u2013 No Masters \u2013 No Hebeisen+Vatters \u2013 verpisst euch, ihr seid unerw\u00fcnscht!<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was f\u00e4llt euch ein, in unser Haus einzufallen? Mit Sondereinheiten einen Quartierstreffpunkt zu r\u00e4umen? Wo eben noch Leben war, steht jetzt ein K\u00e4fig. Kochequipment, Veloflickzeug, Kinderspielsachen, Druckutensilien, Sofas \u2013 alles &#8220;sicher&#8221; verstaut hinter einem vier Meter hohen Zaun, rund um die Uhr bewacht von Hilfssheriffs der Firma V\u00fcch. Verstaut bis zum Verstauben. Verstaut, bis es \u201eentsorgt, verschenkt oder verkauft\u201c wird. Es ist, als wurde ein*e Freund*in von uns hinter Gitter gesperrt. Ihr habt dem Fabrikool die Augen genommen, die Fenster, die wir eigenh\u00e4ndig eingebaut haben. Drinnen ist jetzt kein Licht mehr, keine W\u00e4rme und kein Ger\u00e4usch.<\/p>\n<p>Einfach aus Prinzip wurde unser Lebensraum zerst\u00f6rt, obwohl klar ist, dass vor 2020 nicht gebaut wird. Weil der Staat einen \u201evertragslosen Zustand\u201c nicht ertragen kann. Wir haben im Fabrikool nicht gewohnt, aber wir haben dort gelebt, wir haben das Haus belebt und es ist unser Haus. Es geh\u00f6rt niemandem und allen, aber sicher nicht denen, die es uns gewaltsam nehmen. Und schon gar nicht irgendwelchen profitgesteuerten Architekten, die 22.000 Fr. Miete im Monat abkassieren wollen. Und dennoch haben Hebeisen + Vatter mit ihrem Entwurf den 1. Platz in der Ausschreibung in puncto \u201eQuartiervertr\u00e4glichkeit\u201c erhalten.<\/p>\n<p>Die Bedeutung des Fabrikools f\u00fcr das Quartier ist dagegen nicht zu untersch\u00e4tzen. In Zeiten da der Heimatbegriff um sich greift und Menschen ihr eigenst\u00e4ndiges Denken ausknipsen, um den Heimatprediger*innen in Herden hinterherzurennen, setzt das Fabrikool dieser Seuche ein Zuhause entgegen. Ein Zuhause, das niemanden ausschliesst, die*der niemand anderen ausschliesst wegen Hautfarbe, K\u00f6rper, Alter, Geschlecht*, Herkunft, sozialem Status, Geld, Papieren \u2026 allem, was dazu benutzt wird, Hierarchien zwischen Menschen zu konstruieren. An der Quartiersversammlung am Donnerstag fiel das Wort \u201eFreiheit\u201c, als es darum ging, das Zusammenleben im Fabrikool zu beschreiben. Diese Freiheit kann uns niemand nehmen.<\/p>\n<p>Schon im Vorfeld der Abriegelung des Fabrikools wurde die Botschaft \u201eR\u00e4umung = Krawalle\u201c auf einem kleiderb\u00fcgelgrossen Schild an der Hauswand medial hochstilisiert. Ein gefundenes Fressen f\u00fcr die Presse. \u201eFriedlich\u201c wurde die gewaltsame R\u00e4umung unseres Zuhauses wenige Tage darauf dann geradezu h\u00f6hnisch betitelt. Was ist daran friedlich, wenn bewaffnete Einheiten unseren Lebensraum zerst\u00f6ren. Wenn mitten im Fr\u00fchling alles Gr\u00fcn rund um das Geb\u00e4ude mit Motors\u00e4gen beseitigt wird (ironischerweise fand das Gemetzel unmittelbar unterhalb eines \u201eHambi bleibt\u201c-Banners statt). Wenn solidarische Menschen von Bullen bel\u00e4stigt und auf den Posten verschleppt werden, egal wie jung sie sind.<br \/>\nAll die solidarischen Menschen, die w\u00e4hrend der R\u00e4umung pr\u00e4sent waren, bleiben in der Presse nat\u00fcrlich unerw\u00e4hnt. Denn dem medial beliebten Bild des \u201elinksautonomen Terrors\u201c ist es wenig zutr\u00e4glich, von w\u00fctenden Anwohner*innen zu berichten, die den Cops ihre Meinung sagen.<br \/>\nVermutlich sollte der Kommentar \u201efriedlich\u201c ein Seitenhieb auf die Besetzer*innen sein, als h\u00e4tten diese nichts als leere Drohungen zu bieten.<\/p>\n<p>Aber wir wissen, wovor der Staat und seine Marionetten in Wahrheit am meisten Angst haben: Die \u201eBewegung Fabrikool\u201c lebt. Der R\u00fcckhalt, den das Fabrikool in der ganzen Stadt erf\u00e4hrt, ist ihr Alptraum. Aber er l\u00e4sst sich nicht einfach wegschweigen.<br \/>\nBreit wie die Belebung des Fabrikools ist der Widerstand. Denn Widerstand ist nicht \u201enur\u201c Steine schmeissen und brennende Barrikaden errichten. Widerstand ist auch, wenn \u00fcberall im Quartier und in der ganzen Stadt \u201eFabrikool bleibt\u201c-Fahnen aus den Fenstern h\u00e4ngen. Wenn sich eine Anwohnerin bei der Quartiersversammlung am Donnerstag f\u00fcr eine Neubesetzung ausspricht und der gesamte Saal applaudiert. Wenn Menschen kochen f\u00fcr die bunte Demo am Freitag. Widerstand bedeutet, einfach da zu sein bei der R\u00e4umung. Und Widerstand ist: Kinder h\u00fcten, damit die Eltern mitmachen k\u00f6nnen bei den Riots am Samstag nach der R\u00e4umung.<\/p>\n<p>Riots sind eine weitere und wichtige Form des Widerstands. Sie haben etwas sehr befreiendes. All die Energie, die in das Fabrikool gesteckt wurde, ist noch lange nicht versiegt &#8211; sie wurde geradezu freigesetzt. Wir sind nicht friedlich. Aber wir reagieren nicht ziellos und unkontrolliert. Wir organisieren uns, und wir bleiben unkontrollierbar.<br \/>\nUnser Angriff ist f\u00fcr alle, die genug haben von der tagt\u00e4glichen Schikane durch die Beh\u00f6rden. Von den st\u00e4ndigen Vorplatzkontrollen, der systematischen Willk\u00fcr, dem institutionalisierten Rassismus der Beh\u00f6rden, den Angriffen auf unsere Freiheit. Davon, dass Bullen und Staat versuchen, alles im Keim zu ersticken, was die herrschende Ordnung in Frage stellt und der allgegenw\u00e4rtigen Depression neue Ideen entgegensetzt.<br \/>\nUnd unser Angriff richtet sich gegen alle, die sich uns in den Weg stellen.<\/p>\n<p>So sieht ein Tag X aus, Cioppi.<br \/>\nWir bleiben w\u00fctend.<br \/>\nNichts ist vorbei!<\/p>\n<p>No Cops \u2013 No Masters \u2013 No Hebeisen+Vatters \u2013 verpisst euch, ihr seid unerw\u00fcnscht! <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3207\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[49,18],"tags":[1140,402,68],"class_list":["post-3207","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antirep","category-squat-the-world","tag-fabrikool","tag-riots","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3207","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3207"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3207\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3210,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3207\/revisions\/3210"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3207"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3207"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3207"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}