{"id":3219,"date":"2019-06-16T16:00:42","date_gmt":"2019-06-16T15:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=3219"},"modified":"2019-06-16T16:00:42","modified_gmt":"2019-06-16T15:00:42","slug":"das-war-der-frauenstreik-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3219","title":{"rendered":"Das war der Frauen*streik 2019"},"content":{"rendered":"<div class=\"chapo\">\n<p><strong>Heute am 14. Juni gab es in der Schweiz einen nationalen Frauen*streik. Daran beteiligten sich schweizweit hunderttausende Frauen* und solidarische M\u00e4nner. Gegen Sexismus, f\u00fcr gleichen Lohn und gegen die ganze Scheisse. Im folgende eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Der Streik startete um Mitternacht in Z\u00fcrich und in der Westschweiz mit L\u00e4rmdemos und weitet sich w\u00e4hrend des Tages aus. In vielen St\u00e4dten und D\u00f6rfern kam es bereits in den fr\u00fchen Morgenstunden zu Streikkaffees. Danach mobiliserte der Protest immer gr\u00f6ssere Kreise und m\u00fcndete in Grossdemonstrationen in den Abendstunden. Daran nahmen deutlich mehr Menschen als erwartet teil. In den St\u00e4dten Z\u00fcrich nach offiziellen Angaben \u00fcber 70\u2019000 Menschen, in Bern \u00fcber 50\u2019000, in Genf \u00fcber 50\u2019000, in Basel 50\u2019000 und in St. Gallen mehrere tausend Personen. Auch in kleineren D\u00f6rfern gab es Proteste und Demonstrationen. Damit ist der Frauen*streik bei Weitem die gr\u00f6sste Mobiliserung der letzten Jahre.<\/p>\n<figure class=\"spip_document_3760\">\n<div class=\"limage\"><img decoding=\"async\" class=\"img-fluid\" src=\"https:\/\/publish.barrikade.info\/home\/chroot_ml\/ml-barrikade\/ml-barrikade\/public_html\/IMG\/jpg\/central-5.jpg\" alt=\"JPEG - 85.6\u00a0kB\" \/><\/div><figcaption>\n<div class=\"crayon document-descriptif-3760 spip_doc_descriptif\">Centralblockade, Z\u00fcrich<\/div>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>In Z\u00fcrich wurde am Morgen der zentrale Verkehrsknoten &#8220;Central&#8221; besetzt und die Stadt dadurch lahmgelegt. 2\u2019000 Frauen* blockierten den Verkehr und forderten mehr Frauen*r\u00e4ume. Die Besetzung wurde am Mittag selbstbestimmt aufgel\u00f6st. In der Folge kam es zu mehreren wilden Demonstration und dezentralen Aktionen in der Stadt. Unter anderem wurde gegen den Ausverkauf des Gesundheitssystem protestiert und Solidarit\u00e4t mit den Frauen im Gef\u00e4ngnis gezeigt. Am Abend kam es zur grossen Abschlusskundgebung, an der mindestens 70\u2019000 Personen teilnahmen.<\/p>\n<figure class=\"spip_document_3761\">\n<div class=\"limage\"><img decoding=\"async\" class=\"img-fluid\" src=\"https:\/\/publish.barrikade.info\/home\/chroot_ml\/ml-barrikade\/ml-barrikade\/public_html\/IMG\/jpg\/paradeplatz-2-2.jpg\" alt=\"JPEG - 67.1\u00a0kB\" \/><\/div><figcaption>\n<div class=\"crayon document-descriptif-3761 spip_doc_descriptif\">Paradeplatz, Z\u00fcrich<\/div>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>In Basel kam es in den fr\u00fchen Mogenstunden zu mehreren Blockaden von Verkehrsknoten und des Novartis Campus. Es folgten mehrere dezentrale Demos, die den Verkehr massiv st\u00f6rten. An den Protesten beteiligten sich auch Student*innen, Sch\u00fcler*innen der Gymnasien, Sans-Papiers und B\u00e4uer*innen. Ab dem Mittag versammelten sich die Menschen auf dem Theaterplatz und besuchten Workshops und Vortr\u00e4ge. Zur abendlichen Abschlusskundgebung sammelten sich 50\u2019000 Personen, die gr\u00f6sste Kundgebung der Nachkriegszeit.<\/p>\n<figure class=\"spip_document_3763\">\n<div class=\"limage\"><img decoding=\"async\" class=\"img-fluid\" src=\"https:\/\/publish.barrikade.info\/home\/chroot_ml\/ml-barrikade\/ml-barrikade\/public_html\/IMG\/jpg\/spital_iunispital-2.jpg\" alt=\"JPEG - 69\u00a0kB\" \/><\/div><figcaption>\n<div class=\"crayon document-descriptif-3763 spip_doc_descriptif\">Gegen den Ausverkauf unserer Gesundheit, Z\u00fcrich<\/div>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>In Bern fanden in der ganzen Stadt dezentrale Kundgebungen und Aktionen statt. Das Lorrainequartier wurde besetzt und ein anarchistisches Frauen*dorf Jinwar aufgebaut. Um 11:00 zur offiziellen Arbeitsniederlegung startete die Kinderwagendemo mit 5000 Teilnehmenden. Mit dem Migrant Solidarity Network demonstrierten Frauen* und nonbin\u00e4re Personen gegen die doppelte Diskrminierung von Sexismus und Rassismus. Von \u00fcberall str\u00f6mten am Nachmittag Demos Richtung Innenstadt wo sie mit 50\u2019000 Menschen die gesamte Altstadt Lila f\u00e4rbten. Auf dem Bundesplatz gabs k\u00e4mpferische Reden und lautstarke Stimmung.<\/p>\n<figure class=\"spip_document_3759\">\n<div class=\"limage\"><img decoding=\"async\" class=\"img-fluid\" src=\"https:\/\/publish.barrikade.info\/home\/chroot_ml\/ml-barrikade\/ml-barrikade\/public_html\/IMG\/jpg\/bern-2.jpg\" alt=\"JPEG - 101.7\u00a0kB\" \/><\/div><figcaption>\n<div class=\"crayon document-descriptif-3759 spip_doc_descriptif\">Bundesplatz, Bern<\/div>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mindestens 50\u2019000 Menschen nehmen sich k\u00e4mpferisch Genfs Strassen. Das Putzpersonal des Spitals trat in Streik. Gleichzeitig laufen verschiedene Demos und Aktionen. Die Cops werden mit Wasserbomben beworfen und Luxusgesch\u00e4fte mit Sirup getr\u00e4nkt. Auch in den westschweizer St\u00e4dten Lausanne und Freiburg kam es zu grossen Streikversammlungen. In Lausanne schlossen sich 30\u2019000 Personen der Abschlusskundgebung an und marschierten wild durch die Stadt.<\/p>\n<figure class=\"spip_document_3762\">\n<div class=\"limage\"><img decoding=\"async\" class=\"img-fluid\" src=\"https:\/\/publish.barrikade.info\/home\/chroot_ml\/ml-barrikade\/ml-barrikade\/public_html\/IMG\/jpg\/spale3-2.jpg\" alt=\"JPEG - 625.9\u00a0kB\" \/><\/div><figcaption>\n<div class=\"crayon document-descriptif-3762 spip_doc_descriptif\">Strassenblockade in Basel<\/div>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Frauen* k\u00e4mpften in der Schweiz lange Zeit um politische Anerkennung. Erst 1971 erhielten Frauen das aktive und passive Wahlrecht. Und erst 1991 wurde im Kanton Appenzell Innerrhoden das Frauenstimmrecht eingef\u00fchrt. In den Kantonalen und Nationalen Parlamenten sind Frauen mit knapp 30% weiterhin massiv untervertreten. Doch nicht nur politisch auch wirtschaftlich wurden und werden Frauen* in der Schweiz diskriminiert. Die ungleiche Bezahlung f\u00fcr gleiche Arbeit f\u00fchrte am 14. Juni 1991 zum ersten Frauenstreik. Uhrenarbeiter*innen aus dem Jura demonstrierten gegen ihre Ungleichbehandlung. Heute 30 Jahre sp\u00e4ter ist es leider nur wenig anders. Weiterhin verdienen in der Schweiz Frauen* 20% weniger als ihre m\u00e4nnlichen Kollegen in derselben Position. Seit Monaten mobilisieren Frauen* f\u00fcr den Streik und schafften eine breite Diskussion \u00fcber sexualisierte Gewalt, ungleichen Lohn und Seximus. Ein grosses Thema war heute die unbezahlte Carearbeit, die mehrheitlich von Frauen* erbracht wird und weder Lohn noch gen\u00fcgend Anerkennung erh\u00e4lt. Die Arbeit im Haushalt, Pflege, Kinderbetreuung wird noch immer als Aufgabe von Frauen* angesehen und bleibt an ihnen h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Sexualisierte Gewalt ist auch in der Schweiz weiterhin an der Tagesordnung. Ziemlich alle Frauen* erleben immer wieder sexualisierte Gewalt, r\u00fccksichslose Anmache im Ausgang, Angst auf dem Nachhauseweg oder antifeministische Drohungen. Alle zwei Wochen wird eine Frau bei einem Beziehungsdelikt get\u00f6tet, was oft als Familien- oder Beziehungsdrama verharmlost wird. Von 100 Vergewaltigungen werden gerade mal zehn zur Anzeige gebracht. Zu einer Verurteilung kommt es nur in zwei F\u00e4llen.<\/p>\n<p>Sehr wichtig f\u00fcr den heutigen Tag und die folgenden K\u00e4mpfe ist auch die grosse Beteiligung von Trans- und nonbin\u00e4ren Menschen, die sich heute ihren Raum genommen haben. Fight the Cistem! Queer the resistance!<\/p>\n<p>Der heutige Tag hat gezeigt, dass endlich mit diesen Zust\u00e4nden gebrochen werden muss. Antiseximus kann nicht einfach delegiert werden, sondern muss in unserem Alltag gelebt und erk\u00e4mpft werden. Heute haben wir eine kollektive Kraft gesp\u00fcrt, die wir in unsere K\u00e4mpfe zur\u00fccktragen. Der Streik ist erst der Anfang, wir kommen wieder.<\/p>\n<p>Liveticker auf barrikade.info: <a class=\"spip_url spip_out auto\" href=\"https:\/\/barrikade.info\/article\/2308\" rel=\"nofollow external\">https:\/\/barrikade.info\/article\/2308<\/a><br class=\"autobr\" \/> Liveticker auf renverse.co: <a class=\"spip_url spip_out auto\" href=\"https:\/\/renverse.co\/Suivi-de-la-greve-feministe-en-images-2107\" rel=\"nofollow external\">https:\/\/renverse.co\/Suivi-de-la-greve-feministe-en-images-2107<\/a><br class=\"autobr\" \/> Eindr\u00fccke vom Ajour-Mag: <a class=\"spip_url spip_out auto\" href=\"https:\/\/www.ajour-mag.ch\/14juni\/\" rel=\"nofollow external\">https:\/\/www.ajour-mag.ch\/14juni\/<\/a><\/p>\n<p>Dieser Text ist eine lose Zusammenfassung der heutigen Ereignisse. Vieles ist nicht gesagt und wird zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt analysiert. Jetzt feiern wir erst mal.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/barrikade.info\/article\/2374\">https:\/\/barrikade.info\/article\/2374<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute am 14. Juni gab es in der Schweiz einen nationalen Frauen*streik. Daran beteiligten sich schweizweit hunderttausende Frauen* und solidarische M\u00e4nner. Gegen Sexismus, f\u00fcr gleichen Lohn und gegen die ganze Scheisse. 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