{"id":3301,"date":"2019-10-25T10:07:56","date_gmt":"2019-10-25T09:07:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=3301"},"modified":"2019-10-25T10:07:56","modified_gmt":"2019-10-25T09:07:56","slug":"was-bleibt-vom-aufstand-in-ecuador","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3301","title":{"rendered":"Was bleibt vom Aufstand in Ecuador?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Nach zwei Wochen sozialer Unruhen und Ausnahmezustand knickte\n Ecuadors Regierung ein und nahm die umstrittenen Reformen vorerst \nzur\u00fcck. Die indigene Bewegung spielte bei den Mobilisierungen eine \nzentrale Rolle. Sie kann auf eine lange Widerstandstradition \nzur\u00fcckgreifen. Aber was sind ihre Perspektiven?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hintergr\u00fcnde zum Aufstand in Ecuador im ersten Artikel: <a href=\"https:\/\/www.ajour-mag.ch\/proteste-ecuador\/\">Sparmassnahmen, Proteste und Autoritarismus \u2013 Ecuador im Ausnahmezustand<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Von Mariana Lautr\u00e9amont.<\/em><\/strong> Als der \necuadorianische Pr\u00e4sident Lenin Moreno am 1. Oktober ein Reformpaket \nank\u00fcndigte, um den Forderungen des IWF f\u00fcr einen 4,2 Milliarden \nUS-Dollar schweren Kredit nachzukommen, ahnte er nicht, was er damit \nausl\u00f6sen w\u00fcrde. Die naive Untersch\u00e4tzung der Kraft und Entschlossenheit \nder proletarisierten Massen haben Moreno fast sein Amt gekostet. Es ging\n nicht nur um die Streichung der Treibstoffsubventionen, die unmittelbar\n die Verteuerung der Lebenshaltungskosten nach sich zog. Auch Lohn- und \nFerienk\u00fcrzungen, sowie die generelle Lockerung des Arbeitsschutzes \nsorgten f\u00fcr Wut in der Bev\u00f6lkerung. Bereits zwei Tage nach der \nAnk\u00fcndigung der Sparmassnahmen kam es zu Streiks im Transportsektor und \nMassenmobilisierungen im ganzen Land. Wenige Tage sp\u00e4ter k\u00fcndigte die \nCONAIE (der Dachverband der indigenen Nationalit\u00e4ten Ecuadors) einen \nMarsch auf Quito an. Am 9. Oktober kam es schliesslich zu einem \nGeneralstreik. Es folgten wilde Tage des Aufstands und der Unruhe im \nganzen Land. Regierungs- und Polizeigeb\u00e4ude wurden in Brand gesteckt, \nStrassenblockaden errichtet, Topfschlag-Proteste und Demonstrationen \norganisiert, Gesch\u00e4fte gepl\u00fcndert und \u00d6lfelder besetzt. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ajour-mag.ch\/content\/images\/2019\/10\/quito5.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>In der Hauptstadt Quito waren die Auseinandersetzungen auf den \nStrassen am Heftigsten. Doch auch eine immense Solidarit\u00e4t war zu \nsp\u00fcren. Viele Genoss*innen sprachen von der \u00abKommune von Quito\u00bb. Das \nLeben fand nicht mehr atomisiert in den eigenen vier W\u00e4nden statt, die \nLeute nahmen sich den sozialen Raum zur\u00fcck. Sie errichteten nicht nur \nBarrikaden, sondern auch solidarische Sammelzentren, befreite Zonen, in \ndenen Kostenlosigkeit, Selbstorganisation und Solidarit\u00e4t statt \nKonkurrenz und Warenf\u00f6rmigkeit im Mittelpunkt standen. In der ganzen \nStadt wurde in Volksk\u00fcchen gegessen und \u00fcberall gab es \nVollversammlungen. Die selbstorganisierten proletarischen Massen \nschnupperten an der Revolution.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ajour-mag.ch\/content\/images\/2019\/10\/quito8.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>\n<em>Kostenlosigkeit, Selbstorganisation und Solidarit\u00e4t in der \u00abKommune von Quito\u00bb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Doch fast zwei Wochen nach dem Ausbruch der gr\u00f6ssten Massenproteste \nder letzten 14 Jahre hat die Regierung Moreno nach Verhandlungen mit der\n CONAIE die angek\u00fcndigte Streichung der Treibstoffsubventionen \nzur\u00fcckgezogen. Die Massenmobilisierungen wurden vorerst beendet und \nMoreno kann seinen Posten behalten. Viele b\u00fcrgerliche Politiker*innen, \ndie auf Neuwahlen hofften und davon tr\u00e4umten im Zuge der Proteste an die\n Macht gesp\u00fclt zu werden, m\u00fcssen sich weiter gedulden. In Quito sind die\n Aufr\u00e4umarbeiten in vollem Gange, der Staat m\u00f6chte unbedingt wieder die \nKontrolle \u00fcber das ganze Territorium erlangen. Trotz der Einigung \nk\u00fcndigten die Demonstrant*innen an, wachsam zu bleiben, weil der \nRegierung kein Vertrauen geschenkt werden d\u00fcrfe. Die Staatsanwaltschaft \nhat derweil angek\u00fcndigt, die Verantwortlichen f\u00fcr den \u00abVandalismus\u00bb \nm\u00f6glichst schnell zur Rechenschaft ziehen zu wollen. Es droht eine \nRepressionswelle: Laut der b\u00fcrgerlichen Presse sollen 19 \u00ablinksextreme \nGruppierungen\u00bb im Visier des Staates sein. Damit sind Gruppierungen \ngemeint, die auf den Strassen und in den Sozialen Medien gegen den \nb\u00fcrgerlichen Staat, Kolonialismus, Kapital, Klassengesellschaft und den \nIWF agitiert haben. Die umstrittene Streichung der \nStreibstoffsubventionen wurden derweilen am Dienstag, 15. Oktober, \nzur\u00fcckgezogen. Die Treibstoffpreise sind wieder auf das Niveau vor den \nProtesten gesunken. Eine neues Dekret f\u00fcr die Treibstoffsubventionen \nsoll in Ausarbeitung sein. W\u00e4hrend einige Wortf\u00fchrer*innen indigener \nDachverb\u00e4nde und sozialer Organisationen, wie auch einige \nDemonstrant*innen, den R\u00fcckzug Morenos als Sieg werten, bleibt aus \nverschiedenen Gr\u00fcnden ein bitterer Nachgeschmack.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das wahre Gesicht des Staates<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Streichung der Treibstoffsubventionen war nur eine Massnahme \neines ganzen Reformpakets, welches der Internationale W\u00e4hrungsfonds \n(IWF) der ecuadorianischen Regierung auferlegte. Der neoliberale Angriff\n des Staates ist also bei weitem noch nicht abgewendet. Das \nHaushaltsdefizit und die Staatsverschuldung m\u00fcssen nach wie vor in \nAbsprache mit dem IWF gesenkt werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ajour-mag.ch\/content\/images\/2019\/10\/quito6.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>\n<em>Demonstrant*innen besetzen das Parlament in Quito, 8.10.2019<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Am augenf\u00e4lligsten ist die tragische Bilanz der Proteste: Die \nautorit\u00e4re Antwort des Staates auf die wilden Unruhen hat acht Tote, \n1&#8217;300 Verletzte und fast 1&#8217;200 Verhaftete gefordert. Dazu kommen \nunz\u00e4hlige Berichte \u00fcber Folter in den Gef\u00e4ngnissen. Trotzdem versucht \ndie Regierung v\u00f6llig unverfroren, jegliche Verantwortung f\u00fcr die \nmassiven Menschenrechtsverletzungen von sich zu weisen. Am Abend des 9. \nOktobers 2019 starb laut der Regierung der Familienvater Segundo \nInocencio Tucumbi Vega (49) aufgrund eines Sturzes. Sein Sohn hingegen \nberichtet, dass sein Vater per Distanzkopfschuss von der Polizei \nermordet worden sei. Marco Otto, ein 26-j\u00e4hriger Mann mit einer \ngeistigen Beeintr\u00e4chtigung und Jos\u00e9 Daniel Chaluisa (40) starben, als \nsie auf der Flucht von der Polizei von einer Br\u00fccke st\u00fcrzten. Die \nRegierung sprach von einem \u00abUnfall\u00bb, mit dem die Ordnungskr\u00e4fte nichts \nzu tun h\u00e4tten. Videos von Zeugen zeigen wie die Polizist*innen die \nbeiden jungen M\u00e4nner nach dem Sturz einfach liegen lie\u00dfen. Von den \nverzweifelten Aufforderungen der Anwohner*innen, den M\u00e4nnern zu helfen, \nliessen sie sich nicht beeindrucken. Zu den weiteren t\u00f6dlichen Opfer der\n Unruhen geh\u00f6ren: Abelardo Vega Caisaguano (41), Silvia Mera Navarrete \n(35), \u00c9dison Mosquera Amagua (29), Jos\u00e9 Rodrigo Chaluisa (36) und Ra\u00fal \nChilpe (alter unbekannt). Die latent gewaltt\u00e4tige Essenz des \nb\u00fcrgerlichen Staates trat in den letzten Tagen deutlich an die \nOberfl\u00e4che. Neben dem immer noch anhaltenden Ausnahmezustand wurde ab \ndem 8. Oktober 2019 zwischen 20 Uhr und 5 Uhr eine Ausgangssperre \nverh\u00e4ngt. Leider hat ein Teil der Bewegung, allen voran die CONAIE, die \nals gr\u00f6\u00dfte Institution der Indigenen Bev\u00f6lkerung Ecuadors eine \nbetr\u00e4chtliche Kraft besitzt, letzten Endes im Staat einen \nVerhandlungspartner gesehen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ajour-mag.ch\/content\/images\/2019\/10\/quito9.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Die indigene Bewegung und ihre lange Widerstandstradition<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem der Aufruf der Gewerkschaften zur Beendigung des Streiks im \nTransportsektor von der Basis gr\u00f6sstenteils nicht befolgt wurde und am \n8. Oktober 2019 der indigene Marsch in Quito eintraf, war klar, dass die\n verschiedenen indigenen Nationalit\u00e4ten eine zentrale Rolle einnehmen \nw\u00fcrden. Das ist weder \u00fcberraschend noch neu, geh\u00f6rt die indigene \nBev\u00f6lkerung Ecuadors doch zu den \u00e4rmsten Schichten des Landes und sieht \nsich in einer 500-j\u00e4hrigen Tradition des antikolonialen Widerstands. Sie\n leistet seit langem erbitterte Gegenwehr gegen die vielen verschiedenen\n Problemen, mit denen sie sich im Kapitalismus konfrontiert sieht. Nebst\n der Armut und den geringen Bildungschancen ist f\u00fcr viele Teile der \nindigenen Bev\u00f6lkerung Ecuadors auch der Landraub und Umweltsch\u00e4den in \nFolge der F\u00f6rderung von Erd\u00f6l und Erdgas ein grosses Problem. Land \nGrabbing ist das, was Marx \u00aburspr\u00fcngliche Akkumulation\u00bb nannte. Dies ist\n kein einmaliger Prozess in der Geschichte des Kapitalismus, sondern er \nschreitet kontinuierlich voran. Zudem leidet die indigene Bev\u00f6lkerung \nunter rassistischer Diskriminierung. Exemplarisch hierf\u00fcr steht die \nBekundung des rechten B\u00fcrgermeisters von Guayaquil, die Proteste w\u00fcrden \nzeigen, dass die indigene Bev\u00f6lkerung \u00abnicht f\u00e4hig zu einem \nzivilisierten Zusammenleben\u00bb sei. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ajour-mag.ch\/content\/images\/2019\/10\/quito7.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Dennoch ist die indigene Bev\u00f6lkerung Ecuadors (insgesamt gibt es in \nEcuador 13 verschiedene indigene Nationalit\u00e4ten) die am st\u00e4rksten \norganisierte indigene Bewegung in ganz Lateinamerika. Sie ist \ngr\u00f6sstenteils in der CONAIE organisiert und verf\u00fcgt \u00fcber eine ungeheure \nEntschlossenheit und Mobilisierungspotential. Wo in den kapitalistischen\n Metropolen Individualismus und Atomisierung herrscht, steht f\u00fcr die \nindigenen Gemeinden die Gemeinschaft und der Zusammenhalt im \nMittelpunkt. So marschierten teilweise ganze Familien teilweise \u00fcber \ndrei Tage in die Hauptstadt und blockierten die Stra\u00dfen. In Quito wurden\n sie von ihren Mitstreiter*innen mit offenen Armen empfangen. Bereits \nTage zuvor sammelten verschiedene soziale Organisationen Decken, \nLebensmittel oder Hygieneartikel. Die Universit\u00e4ten \u00abPolitecnica \nSalesiana\u00bb und \u00abPontificia Cat\u00f3lica\u00bb wurden zu \u00abhumanit\u00e4ren \nFriedenszonen\u00bb deklariert, in denen die Angereisten aus allen St\u00e4dten \n\u00fcbernachten, ausruhen und sich zur\u00fcckziehen konnten. Obwohl sich auch \nviele Kinder und \u00e4ltere Menschen darin aufhielten, wurden diese \nsolidarische Aufnahmestellen von der Polizei massiv mit Tr\u00e4nengas \nbeschossen. Trotzdem hielten die Proteste weiter an und gewannen an \nSt\u00e4rke. Die CONAIE verweigerte zun\u00e4chst jeglichen Dialog mit der \nRegierung, auch wenn ihr parlamentarischer Arm, die Pachakutik, schon \nziemlich fr\u00fch die Demonstrant*innen zur M\u00e4\u00dfigung und zum Dialog aufrief.\n Schlie\u00dflich forderte die CONAIE u.a. die sofortige R\u00fccknahme der \nStreichung der Treibstoffsubventionen und trat am 13. Oktober in \nVerhandlungen mit der Regierung unter Vermittlung der UNO und der \nBischofskonferenz. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ajour-mag.ch\/content\/images\/2019\/10\/quito4.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Indigen und Proletarisch?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was die indigene Bewegung angeht, so war insbesondere der sogenannte \n\u00abIndigenismus\u00bb oft Bestandteil vieler Diskussionen unter \nRevolution\u00e4r*innen in Ecuador. <a href=\"https:\/\/proletariosrevolucionarios.blogspot.com\/2015\/03\/una-critica-al-indigenismo-y-al_30.html\">Im\n Jahr 2010 gab es beispielsweise eine angeregte schriftliche \nAuseinandersetzung zwischen einem Mitglied der anarchistischen Gruppe \n\u00abChasqui Anarquista\u00bb und einem Mitglied der \nlinkskommunistisch-anarchistischen Gruppe \u00abComunistas Integrales\u00bb<\/a>, \ndie auch im Kontext der Geschehnisse der letzten Tage von Interesse sein\n kann und von der ich kurz einen spannenden Aspekt herauspicken m\u00f6chte: \nDas Mitglied von \u00abChasqui Anarquista\u00bb beteuerte, dass die indigenen \nGemeinschaften, aufgrund von ihrem Zusammenhalt und ihrer traditionellen\n Lebensweise quasi eine Keimzelle des Anarchismus seien. Zudem lebten \nviele indigene Gemeinschaften auf dem Land in einer Art \nSelbstverwaltung, die Landparzellen seien kleine Inseln des Widerstands.\n Die Subsistenzwirtschaft m\u00fcsse in diesem Sinne als Gegenpol zur \nLohnarbeit verstanden werden. Anders die Position des Mitglieds von \n\u00abComunistas Intergrales\u00bb: Die einseitige Fokussierung auf indigene \nGemeinschaften sei reduktionistisch, zumal die indigene Bev\u00f6lkerung \nnicht nur in den Gemeinschaften organisiert ist, sondern auch in \nbreiteren Zusammenschl\u00fcssen wie die CONAIE und deren parlamentarischer \nArm, die Pachakutik. Diese seien beide eindeutig reformistisch und \nw\u00fcrden nur nach Ver\u00e4nderungen im Rahmen des b\u00fcrgerlichen Staates \nstreben. Zudem g\u00e4be es auch f\u00fcr indigene Gemeinschaften kein \n\u00abAusserhalb\u00bb des Kapitalismus. So sei auch die \u00abindigene Bev\u00f6lkerung\u00bb \nkeine homogene Masse, sondern auch von Klassenunterschieden durchzogen. \nNeben zahlreichen indigenen informellen Arbeiter*innen, gibt es auch \neine b\u00fcrgerlich-indigene Klasse. Ein Gro\u00dfteil der indigenen Bewegung \ntendiere dazu, diese Differenzen nicht zu beachten. Des Weiteren seien \nindigenen Gemeinschaften mit eigenen Landparzellen keine Projekte einer \nantikapitalistischen Selbstverwaltung. Die Leute, die L\u00e4ndereien \nbeackern seien lohnabh\u00e4ngige Akkordarbeiter*innen und abh\u00e4ngig vom \nMarkt: Irgendwo m\u00fcssen sie ja ihre Produkte loswerden. Diejenigen Teile \nder indigenen Bev\u00f6lkerung, die nicht auf dem Land arbeiten und sich als \nformelle oder informelle Arbeiter*innen in den St\u00e4dten verdingen m\u00fcssen,\n seien umso offensichtlicher Teil des Proletariats. Letzten Endes m\u00fcndet\n die Kritik des Mitglieds von \u00abComunistas Integrales\u00bb darin, dass die \npraktische Kritik der indigenen Bewegung beschr\u00e4nkt bleibt, solange sie \nsich lediglich als Indigene verst\u00fcnden und nicht als proletarisierte \nSubjekte innerhalb des Kapitalismus. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was bleibt von den Protesten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn die indigene Bewegung einen gro\u00dfen Einfluss auf die \nProteste hatte, so darf nicht vergessen werden, dass auch weitere Teile \nder Bev\u00f6lkerung Ecuadors sich an den Massenmobilisierungen beteiligten. \nAuch wenn die CONAIE im Verlauf des Konflikts immer mehr ins Zentrum \nr\u00fcckte, handelte es sich nicht um einen indigenen, sondern um einen \nsozialen Aufstand. Ebenso w\u00e4re es falsch die ganzen Proteste \nkleinzureden, nur weil sie nicht aufs Ganze gehen konnten und sich die \nLeute letztendlich mit reformistischen Errungenschaften zufrieden gaben.\n Die Massenmobilisierungen waren beeindruckend und sind sicher sehr \nlehrreich f\u00fcr die Proletarisierten, die mit einer unerwarteten Wucht aus\n einem fast 15-j\u00e4hrigen Schlaf erwacht sind. Der soziale Konflikt bleibt\n bestehen und auch das weitere Vorgehen der Regierung ist noch unklar. \nDie Limitierungen mit denen sich die Aufst\u00e4ndischen in Ecuador \nkonfrontiert sahen, waren unter anderem bedingt durch einen fehlenden \nl\u00e4nder\u00fcbergreifenden Klassenkampf, wie auch durch die mangelnde \npraktische Kritik an der Warengesellschaft, dem Staat und den \nverschiedenen politischen Institutionen seien es Gewerkschaften oder \nParteien. Auch die Rolle der CONAIE und ihrer F\u00fchrung ist in diesem \nSinne kritisch zu betrachten. Was oft als w\u00fctender und f\u00fchrungsloser \nAufstand beginnt, wird meist in traditionell b\u00fcrgerliche Bahnen \ngeleitet: Die Macht der Integration zeigt sich dort am deutlichsten, wo \ndie Integration selbst als Sieg gefeiert wird und dort wo das kleinste \n\u00dcbel zu einer Ver\u00e4nderungen des Status quo hochstilisiert wird. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/kosmoprolet.org\/de\/ecuador-eine-kurze-bilanz-ueber-den-proletarischen-kampf-vom-oktober-2019-und-dessen-perspektiven\">Ecuador: Eine kurze Bilanz \u00fcber den proletarischen Kampf<\/a> \u2013 \u00dcbersetzung eines Textes \u00abeiniger angepisste Proletarier*innen aus Ecuador\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/translibleipzig.wordpress.com\/2019\/10\/16\/dokumentiert-interview-mit-einem-genossen-aus-ecuador\/\">La Commune de Quito: Krise und Aufstand in Ecuador<\/a> \u2013 \u00dcbersetzung eines Interviews des brasilianischen Kollektivs <em>Fac\u00e7\u00e3o Fict\u00edcia<\/em> mit einem Militanten aus Ecuador.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/lowerclassmag.com\/2019\/10\/15\/ecuador-die-kommune-von-quito\/\">Ecuador: Die Kommune von Quito<\/a> \u2013 Artikel aus dem Lower Class Magazine.<br><br>Quelle: <a href=\"https:\/\/ajour-mag.ch\/ecuador-2\/\">https:\/\/ajour-mag.ch\/ecuador-2\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach zwei Wochen sozialer Unruhen und Ausnahmezustand knickte Ecuadors Regierung ein und nahm die umstrittenen Reformen vorerst zur\u00fcck. 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