{"id":344,"date":"2011-01-04T10:00:46","date_gmt":"2011-01-04T08:00:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=344"},"modified":"2011-01-04T10:00:46","modified_gmt":"2011-01-04T08:00:46","slug":"von-israel-in-einem-gefangnis-gehalten-von-der-hamas-verprugelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=344","title":{"rendered":"Von Israel in einem Gef\u00e4ngnis gehalten, von der Hamas verpr\u00fcgelt.."},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-345\" style=\"margin: 2px;\" title=\"gaza_youth\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/gaza_youth.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"144\" \/>Vor zirka drei Wochen verfassten in Gaza drei Studentinnen und f\u00fcnf Studenten zusammen und verfassten eine offene e-mail an die Welt, in der sie ihrer tiefen Frustration Luft machten: \u00fcber die Belagerung Gazas, die zynischen politischen Spiele von Hamas, Fatah, der UN und der Internationalen Gemeinschaft und \u00fcber die Allgegenwart der Kontrolle und des Terrors durch religi\u00f6se Fanatiker in ihrem Leben. Die Gazauischen Cyber-AktivistInnen, die ihre Namen nicht preisgeben, um ihre Familien und sich selber nicht zu gef\u00e4hrden, sind \u00fcber die Resonanz ihres Aufschreis \u00fcberrascht: Tausende aus Gaza selber und aus aller Welt sind ihrer Aufforderung bereits gefolgt und haben ihnen zur\u00fcckgeschrieben, bereit, sie zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die Schlie\u00dfung des Jugendzentrums Sharek, einer der letzten unabh\u00e4ngigen Nichtregierungsorganisationen Gazas, am 30.11.2011 hatte das Fass zum \u00dcberlaufen gebracht. Die Proteste dagegen waren von der Polizei brutal niedergeschlagen worden. Neben vielen anderen Jugendlichen waren auch zwei der VerfasserInnen des Manifests verhaftet und misshandelt worden.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Manifest der Jugend von Gaza:<\/strong><\/p>\n<p>Es muss sich was \u00e4ndern!<\/p>\n<p>Fuck Hamas. Fuck Israel. Fuck Fatah. Fuck UN. Fuck UNWRA. Fuck USA! Wir, die Jugend von Gaza haben die Schnauze voll von Israel, der Hamas, der Besatzung, den Menschenrechtsverletzungen und der Gleichg\u00fcltigkeit der Internationalen Gemeinschaft! Wir w\u00fcrden am liebsten schreien und diese Mauer des Schweigens, der Ungerechtigkeit und der Gleichg\u00fcltigkeit durchbrechen, wie die israelischen F16 die Schallmauer; schreien mit der ganzen Kraft unserer Seele, um die gigantische Frustration rauszulassen, die uns in der geschissenen Situation, in der wir leben, innerlich verzehrt; wir sind wie L\u00e4use zwischen zwei Fingern\u00e4geln, leben in einem Albtraum innerhalb eines Albtraums, da ist kein Raum f\u00fcr Hoffnung, kein Raum f\u00fcr Freiheit. Wir haben es satt, in diesen politischen Auseinandersetzungen festzustecken; haben die pechschwarzen N\u00e4chte satt, in denen Flugzeuge \u00fcber unseren H\u00e4usern kreisen; haben es satt, dass unschuldige Bauern in der Pufferzone abgeknallt werden, weil sie ihr Land bestellen; haben die b\u00e4rtigen Typen satt, die \u00fcberall rumrennen und ihre Macht missbrauchen und junge Leute verpr\u00fcgeln oder einsperren, die f\u00fcr das auf die Stra\u00dfe gehen, woran sie glauben; wir haben die Mauer der Schande satt, die uns vom Rest des Landes abschottet und uns in einem winzigen Fleckchen Land einsperrt; wir haben es satt, als Terroristen dargestellt zu werden, als hausgemachte Fanatiker, die Taschen gef\u00fcllt mit Sprengstoff und die Augen voller Hass; wir haben die Gleichg\u00fcltigkeit satt, mit der die Internationale Gemeinschaft uns begegnet, die sogenannten Experten in der Formulierung von Betroffenheit und in der Verabschiedung von Resolutionen, aber Feiglinge, wenn es darum geht, irgendwas von dem, was sie beschlie\u00dfen, auch umzusetzen; wir haben die Schnauze gestrichen voll davon, ein beschissenes Leben zu f\u00fchren, von Israel gefangen gehalten, von der Hamas verpr\u00fcgelt und vom Rest der Welt total ignoriert zu werden.<\/p>\n<p>In uns w\u00e4chst eine Revolution heran, eine riesige Unzufriedenheit und Frustration, die uns zerst\u00f6ren wird, wenn wir keinen Weg finden, diese Energie in etwas umzusetzen, was den Status Quo in Frage stellt und uns irgendeine Art Hoffnung gibt. Der letzteTropfen, der unser Herz vor Frustration und Hoffnungslosigkeit \u00fcberlaufen lie\u00df, war das, was am 30. November geschah, als Sicherheitsleute von der Hamas mit ihren Knarren, ihren L\u00fcgen und ihrer Aggressivit\u00e4t zum Sharek Youth Forum (www.sharek.ps), einer der f\u00fchrenden Jugendorganisationen, kamen, alle rauswarfen, manche ins Gef\u00e4ngnis brachten und Sharek verboten weiter zu machen. Ein paar Tage sp\u00e4ter wurden Demonstranten vor Sharek geschlagen und manche eingelocht. Wir erleben wirklich einen Albtraum in einem Albtraum. Es ist schwer, in Worten zu beschreiben, unter was f\u00fcr einem Druck wir leben. Mit M\u00fch und Not haben wir die Operation Gegossenes Blei \u00fcberstanden, als uns Israel in Grund und Boden gebombt, Tausende Wohnungen und noch viel mehr Leben und Tr\u00e4ume zerst\u00f6rt und ausgel\u00f6scht hat. Die Hamas sind sie nicht losgeworden, wie sie eigentlich vorhatten, aber eins haben sie geschafft: uns Angst einzujagen, die wir nicht mehr loswerden, und uns alle mit posttraumatischem Stress-Syndrom zu infizieren, weil es kein Entkommen gab.<\/p>\n<p>Wir sind Jugendliche, auf deren Herzen eine gro\u00dfe Last liegt. Wir tragen eine Schwermut in uns, die so dr\u00fcckend ist, dass wir es kaum schaffen, den Sonnenuntergang zu genie\u00dfen. Wie sollten wir auch, da d\u00fcstere Wolken am Horizont aufziehen und sich Bilder elender Erinnerungen einstellen, sobald wir nur die Augen schlie\u00dfen. Wir l\u00e4cheln, um den Schmerz zu verbergen. Wir lachen, um den Krieg zu vergessen. Wir hoffen, um nicht gleich und auf der Stelle Selbstmord zu begehen. W\u00e4hrend des Angriffs beschlich uns die Gewissheit, dass Israel uns ausl\u00f6schen und von der Erde verschwinden lassen wollte. In den letzten Jahren hat die Hamas alles daran gesetzt, unsere Gedanken, unser Verhalten und unsere Bestrebungen zu beherrschen. Wir sind eine Generation junger Leute, die daran gew\u00f6hnt sind, durch Raketenbeschuss bedroht zu sein, eine Generation mit der scheinbar nicht erf\u00fcllbaren Mission, unter diesen Umst\u00e4nden ein normales, gesundes Leben zu f\u00fchren, und werden dabei nur z\u00e4hneknirschend von einer m\u00e4chtigen Organisation geduldet, die sich in unserer Gesellschaft wie ein Kebsgeschw\u00fcr ausgebreitet hat, Chaos und Verw\u00fcstung produziert und dabei in alle lebendigen Zellen, Gedanken und Tr\u00e4ume dringt und sie zerst\u00f6rt, w\u00e4hrend sie die Menschen unter ihrem Terrorregime l\u00e4hmt &#8211; ganz abgesehen davon, dass wir in einem Gef\u00e4ngnis leben, einem Gef\u00e4ngnis, das von einem sich als \u201edemokratisch\u201c bezeichnenden Land betrieben wird.<\/p>\n<p>Die Geschichte wiederholt sich auf das Grausamste, und es scheint niemanden zu k\u00fcmmern. Wir haben Angst. Hier in Gaza haben wir Angst davor, in den Knast zu kommen, verh\u00f6rt, geschlagen, gefoltert, bombardiert, get\u00f6tet zu werden. Wir haben Angst vor dem Leben, denn jeder einzelne Schritt, den wir tun, will genau kalkuliert und \u00fcberlegt sein, allenthalben gibt es Einschr\u00e4nkungen, wir k\u00f6nnen uns nicht bewegen, wie wir wollen, sagen, was wir wollen, tun, was wir wollen, manchmal k\u00f6nnen wir nicht mal denken, was wir wollen, weil die Besatzung unsere Herzen und Hirne auf eine so gr\u00e4\u00dfliche Weise besetzt hat, dass es wehtut und uns danach ist, vor Frust und Wut endlos Tr\u00e4nen zu vergie\u00dfen!<\/p>\n<p>Wir wollen nicht hassen, wir wollen all das nicht empfinden, wir haben keine Lust mehr, Opfer zu sein. ES REICHT! Schmerz, Leiden, Kontrolle, Einschr\u00e4nkungen, unlautere Rechtfertigungen, Terror, Folter, Ausfl\u00fcchte, Bombardierungen, schlaflose N\u00e4chte, get\u00f6tete Zivilisten, schwarze Erinnerungen, elende Zukunft, qu\u00e4lende Gegenwart, entgleiste Politik, fanatische Politiker, religi\u00f6ser Schei\u00dfdreck, Einkerkerung &#8211; es reicht! WIR SAGEN SCHLUSS DAMIT! Das ist nicht die Zukunft, die wir wollen!<\/p>\n<p>Drei Dinge wollen wir: Wir wollen frei sein. Wir wollen ein normales Leben f\u00fchren k\u00f6nnen. Wir wollen Frieden. Ist das zu viel verlangt? Wir sind eine Friedensbewegung aus jungen Leuten in Gaza und mit Unterst\u00fctzern anderswo, und wir werden keine Ruhe geben, solange die Wahrheit \u00fcber Gaza nicht \u00fcberall auf der Welt bekannt ist und zwar so, dass stille Zustimmung oder dr\u00f6hnende Gleichg\u00fcltigkeit nicht mehr m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p>Das ist das Manifest der Jugend von Gaza f\u00fcr Ver\u00e4nderung!<\/p>\n<p>Wir werden damit beginnen, die Besatzung, die uns umgibt zu zerschlagen, wir werden uns aus diesem mentalen Kerker befreien und unsere W\u00fcrde und unsere Selbstachtung zur\u00fcckgewinnen. Wir werden aufrecht gehen, auch wenn man uns angreift. Wir werden Tag und Nacht daran arbeiten, diese miesen Bedingungen, unter denen wir leben, zu \u00e4ndern. Wo wir auf Mauern treffen, werden wir Tr\u00e4ume errichten.<\/p>\n<p>Wir hoffen nur, dass du, ja du, der du dies gerade liest, uns dabei unterst\u00fctzen kannst. Um rauszukriegen, wie, schreib an unsere Wand oder kontaktiere uns direkt:<\/p>\n<p>freegazayouth [at] hotmail.com<\/p>\n<p>Wir wollen frei sein, wir wollen leben, wie wollen Frieden.<\/p>\n<p>FREE GAZA YOUTH!<\/p><\/blockquote>\n<p><em>\u00dcbersetzung und Einleitung: Sophia Deeg \/ Quelle: <a href=\"http:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/31393\" target=\"_blank\">linksunten<\/a><\/em><\/p>\n<p>Mehr Information<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/world\/2011\/jan\/02\/free-gaza-youth-manifesto-palestinian\" target=\"_blank\">Interview mit den Verfasser_innen des Aufrufs<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/pages\/Gaza-Youth-Breaks-Out-GYBO\/118914244840679\" target=\"_blank\">Die Gruppe im Facebook<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor zirka drei Wochen verfassten in Gaza drei Studentinnen und f\u00fcnf Studenten zusammen und verfassten eine offene e-mail an die Welt, in der sie ihrer tiefen Frustration Luft machten: \u00fcber die Belagerung Gazas, die zynischen politischen Spiele von Hamas, Fatah, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=344\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,6],"tags":[],"class_list":["post-344","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-aller-welt","category-news"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/344","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=344"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/344\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":349,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/344\/revisions\/349"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=344"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=344"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=344"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}