{"id":3691,"date":"2021-06-30T07:40:53","date_gmt":"2021-06-30T06:40:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3691"},"modified":"2021-06-30T07:41:56","modified_gmt":"2021-06-30T06:41:56","slug":"il-molino-praktiken-des-kampfes-und-der-selbstverteidigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3691","title":{"rendered":"Il Molino, Praktiken des Kampfes und der Selbstverteidigung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die R\u00e4umung des CSOA Molino und der Abriss eines Teils der Geb\u00e4ude des ehemaligen Schlachthofs haben im Tessin, in der Schweiz und in anderen Teilen der Welt eine Welle der Solidarit\u00e4t ausgel\u00f6st. Eine Solidarit\u00e4t, die unsere Herzen erw\u00e4rmt und uns zeigt, dass das kleine St\u00fcck Land, das wir bewohnen, immer noch zu gro\u00dfen Dingen f\u00e4hig ist. In diesen Tagen haben sich Tausende von verschiedenen Menschen, die den Raum im Laufe der Jahrzehnte besucht haben, sei es f\u00fcr einen Abend oder f\u00fcr einen l\u00e4ngeren oder k\u00fcrzeren Zeitraum ihres Lebens, auf der Stra\u00dfe (wieder)getroffen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"710\" height=\"398\" class=\"wp-image-3692\" style=\"width: 500px; height: 300px\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/arton4626.png\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/arton4626.png 710w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/arton4626-300x168.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px\" \/><br><br>Das Molino war ein Ort, an dem k\u00fcnstlerische, kulturelle, politische, Breitensport-, Selbstproduktions- und Gemeinschaftsprojekte miteinander verflochten waren und zusammenlebten. Darunter immer wieder auch Momente von Schwierigkeiten, Diverenzen und Konfrontationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber man kann nicht alles auf &#8220;die Emp\u00f6rung \u00fcber die Bagger&#8221; reduzieren, denn das Molino war seit seiner Geburt immer ein Ort des Widerstands und des Kampfes von unten, antifaschistisch, antisexistisch, antirassistisch, antiklassistisch und antikapitalistisch: in Opposition zu einer Welt, die vor allem durch das Gesetz des Profits regiert wird. Von den Mobilisierungen gegen das Weltwirtschaftsforum (WEF) und den G8 in Genua bis hin zur internationalistischen Solidarit\u00e4t mit den K\u00e4mpfen der ZapatistInnen, der kurdischen, Mapuche- und pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung. Von den K\u00e4mpfen gegen Grenzen, staatlichen Rassismus und Internierungslager f\u00fcr MigrantInnen bis hin zur Solidarit\u00e4t mit revolution\u00e4ren Gefangenen, die in der Schweiz und in Staaten auf der ganzen Welt inhaftiert sind. Ohne dabei andere Themen wie \u00d6kologie, Widerstand gegen Gro\u00dfbauten, Umweltverschmutzung und extraktive Industrien sowie queer- feministische K\u00e4mpfe zu vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Ort der Schaffung und Verbreitung von Ideen und Praktiken des Widerstands in einer Stadt, die im Laufe der Jahre immer mehr von Bauspekulationen verschluckt wurde. In der jeder Aggregationsraum, der nicht funktional f\u00fcr das Projekt einer intelligenten, hypertechnologischen und hyper\u00fcberwachten Stadt ist, wegbetoniert oder weggebaggert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter diesen Bedingungen und in Kontinuit\u00e4t mit den grundlegenden Idealen, die von denen geteilt werden, die aktiv an den Projekten der CSOA teilgenommen haben, haben wir die Demonstration \u201cUnsere Ideen k\u00f6nnen nicht ger\u00e4umt werden\u201d am 5. Juni gegen die R\u00e4umung und f\u00fcr die Selbstverwaltung organisiert. Im Bewusstsein der Heterogenit\u00e4t der Zusammensetzung haben wir auch einen Text mit &#8220;N\u00fctzlichen Ratschl\u00e4gen&#8221; verfasst, eine Einladung zu einem freien und vielgestaltigen Ausdruck der Ideen und Praktiken aller Menschen, die teilnehmen w\u00fcrden. Dies nicht, um alle Unterschiede zu nivellieren oder die Leute glauben zu machen, dass wir alle gleich denken, sondern in der Hoffnung, alle Facetten der Realit\u00e4ten, auf die Stra\u00dfe zu bringen. Was eine der St\u00e4rken vom AZ ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so sah Lugano am 5. Juni aus: eine der teilnehmerst\u00e4rksten selbstorganisierten Demonstrationen der letzten Jahrzehnte im Kanton. Mindestens 2.500 Menschen, die sich erfolgreich die Strassen genommen haben.<br>W\u00e4hrend der Demo wurden auch Praktiken angewendet, die in vielen Stra\u00dfensituationen und sozialer Konflikte immer pr\u00e4sent waren und die das Erbe revolution\u00e4rer Bewegungen auf der ganzen Welt sind. Praktiken des Widerstands und der Selbstverteidigung &#8211; Sabotage und direkte Aktion -, die sich mit allen Mitteln der systemischen Gewalt einer kapitalistischen Gesellschaft widersetzen. Praktiken, die den freien und individuellen Ausdruck der Wut gegen dieses System und gegen die Arroganz der Repr\u00e4sentanten des Staates und ihres bewaffneten Fl\u00fcgels &#8211; Armee und Polizei- verk\u00f6rpern. Die einzigen Tr\u00e4ger von Gewalt, die in der gelobten Schweizer Demokratie legitimiert und bereit sind, zu schlagen, wenn es f\u00fcr n\u00f6tig gehalten wird. An W\u00e4nde geschriebene Slogans, ein zerst\u00f6rtes Bankfenster: direkte Aktion, selbstbestimmter Ausdruck, nicht einholbar durch die Beh\u00f6rden. In seiner Geschichte hat sich Molino nie von diesen Praktiken distanziert und wird dies auch nie tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Und anstatt sich auf die nutzlose Diskussion \u00fcber Gewalt und keine Gewalt einzulassen, w\u00fcrden wir es vorziehen, dass jeder Mensch &#8211; jeder mit seinen eigenen Mitteln, seiner eigenen Zeit, seinem eigenen Willen und seiner eigenen Vision &#8211; Praktiken einf\u00fchrt, die als Momente des Konflikts mit dem kapitalistischen System gesehen werden k\u00f6nnen, die auf die Konstruktion anderer Welten abzielen. In einer Stadt wie Lugano sind es gerade die Momente des Bruchs des sozialen Friedens, die die F\u00e4ulnis offenbaren, die sich hinter dem Reichtum an glitzernden Schaufenstern, anonymen B\u00fcros und Luxusautos verbirgt, der auf Kolonialismus, Auspl\u00fcnderung von Ressourcen und Kriegen aufgebaut ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die angeblichen \u201cInfiltrator*innen\u201d, die irgendwelche Unordnung geschaffen h\u00e4tten, wurden innerhalb der Demo angeprangert. Wir danken aber all den solidarischen Menschen &#8211; vermummt, um sich vor der Repression des Staates zu sch\u00fctzen -, die bereit waren, die Demo zu verteidigen, falls Polizei oder fascho-Leghistische Gruppen sie angegriffen h\u00e4tten.<br>Nicht besonders willkommen waren eigentlich diejenigen, die sich nicht an die mehrfach deutlich schriftlich und m\u00fcndlich ge\u00e4u\u00dferte Bitte hielten, keine Demonstrierenden zu filmen oder zu fotografieren. Offensichtlich ist in dieser \u00dcberwachungsgesellschaft der Gedanke, dass Menschen nicht st\u00e4ndig gefilmt werden m\u00f6chten, f\u00fcr viele unvorstellbar. Filmen, verpfeifen und mit dem Finger auf diejenigen zeigen, die bei Demonstrationen nicht dem vorherrschenden &#8220;pazifistischen&#8221; Denken entsprechen, tragen nicht nur dazu bei, B\u00f6se von Guten weiter zu trennen, sondern auch Gef\u00e4hrt*innen zu gef\u00e4hrden, die ihre Freiheit f\u00fcr ihre Ideale riskieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Traurig war es auch, rassistische, sexistische und homophobe Beleidigungen von einigen \u201cpazifistischen\u201d Teilnehmenden gegen vermummte Menschen zu h\u00f6ren. Diese weniger offensichtliche aber sch\u00e4dliche Gewalt wird von uns nicht akzeptiert, mit solchen Menschen wollen wir nichts zu tun haben.<br>Wie so oft in Zeiten gro\u00dfer medialer Aufmerksamkeit und Mobilisierung gibt es auch in diesen Tagen diejenigen, die sich als Sprechende vom Molino improvisieren und dabei Verwirrung unter den Menschen stiften und uns Worte und Positionen in den Mund legen, die nie gesagt oder vom AZ Plenum entschieden wurden. Alle Ausdr\u00fccke und Initiativen der Solidarit\u00e4t sind willkommen, aber bitte nicht im Namen der Molino-Versammlung. Was die Crowdfunding-Initiative angeht, die Menschen zur R\u00fcckzahlung des PKB-Schaufensters gestartet haben, so scheint es fast banal zu sagen, dass sie uns weder repr\u00e4sentiert noch interessiert.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang m\u00f6chten wir noch einmal betonen, dass der Molino nicht den Anspruch erhebt, der einzige Ausdruck der Selbstverwaltung in diesem Kanton zu sein. Neue Formen der Selbstverwaltung gab es, gibt es und wird es geben, es w\u00e4re absurd, das Vorrecht auf diese Praxis zu beanspruchen. Wir begr\u00fc\u00dfen alle andere Realit\u00e4ten, solange sie selbstorganisiert von unten, ohne Delegation und au\u00dferhalb der Logik des kapitalistischen Marktes sind. Wir hoffen daher auf die Gr\u00fcndung von 10, 100, 1000 Erfahrungen der Selbstverwaltung von unten, die neue Lebenssituationen au\u00dferhalb der aufgezwungenen Logik erzeugen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch au\u00dferhalb der Mauern des ehemaligen Schlachthofs, ohne einen physischen Raum, in dem man sich treffen und organisieren kann, existiert das Molino in seiner Besonderheit und mit seinen Widerspr\u00fcchen weiter, aber immer mit antiautorit\u00e4ren, antisexistischen, antirassistischen und antikapitalistischen Positionen.<br>Au\u00dferhalb des Schlachthofs besetzen wir Lugano und die Initiativen auf der Stra\u00dfe werden weitergehen. Der hei\u00dfe Sommer in Lugano hat gerade erst begonnen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Freiheit wird nicht erbettelt, sie wird erobert.<br>Gegen das Matrix Projekt und seine Welt!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sehen uns auf der Stra\u00dfe,<\/p>\n\n\n\n<p>Versammlung von SOA Molino<\/p>\n\n\n\n<p>inventati.org\/molino<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die R\u00e4umung des CSOA Molino und der Abriss eines Teils der Geb\u00e4ude des ehemaligen Schlachthofs haben im Tessin, in der Schweiz und in anderen Teilen der Welt eine Welle der Solidarit\u00e4t ausgel\u00f6st. 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