{"id":3758,"date":"2021-10-15T10:53:01","date_gmt":"2021-10-15T09:53:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3758"},"modified":"2021-10-15T10:53:01","modified_gmt":"2021-10-15T09:53:01","slug":"uber-covid-zertifikate-impfungen-und-qr-codes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3758","title":{"rendered":"\u00dcber Covid-Zertifikate, Impfungen und QR-Codes"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wir m\u00f6chten aus anarchistischer Perspektive einige Anmerkungen machen zur aktuellen Situation in der Schweiz (und \u00e4hnlich in einigen Orten in Europa) zum Thema COVID-Massnahmen, COVID-Zertifikat, sowie \u00fcber die Wissenschaften und Impfstoffe.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zu lange hat es in der Schweiz an kritischen Stimmen aus anarchistischen oder antiautorit\u00e4ren Kreisen gefehlt. Jetzt ist es an der Zeit, sich zu Wort zu melden und zu handeln. Der Staat ma\u00dft sich an, uns die Gewissheit zur\u00fcckzugeben, die L\u00f6sung f\u00fcr eine R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t zu haben. Aber vielleicht haben wir vergessen, dass die Anker dieser Sicherheit, dieser Normalit\u00e4t, vor langer Zeit (f\u00fcr viele immer noch aktuell&#8230; zum Gl\u00fcck) als Ketten empfunden wurden, die gesprengt werden mussten, um das Schiff in Richtung Anarchie zu lenken; im Bewusstsein, dass es eine st\u00fcrmische See sein w\u00fcrde, aber in Richtung eines unbekannten Horizonts der Freiheit.<br>Aber jetzt werfen sich viele, zu viele, in die Rettungsboote, rudern zur\u00fcck, kehren an Land zur\u00fcck, f\u00fchlen Melancholie \u00fcber unsere gl\u00fccklichen antagonistischen Inseln und nehmen die vom Staat angebotene Normalit\u00e4t an.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber Solidarit\u00e4t und Heuchelei<\/strong><br>Seit dem Ausbruch des Corona-Virus scheint &#8220;Solidarit\u00e4t&#8221; das neue Modewort innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft zu sein. Solidarit\u00e4t, die von denselben Staaten gefordert wird, die Kriege f\u00fchren, Menschen auf dem Mittelmeer, an den Grenzen und in den Gef\u00e4ngnissen t\u00f6ten, Festungen bauen, aus denen arme Menschen ausgeschlossen werden m\u00fcssen.<br>Diese Solidarit\u00e4t wird von denselben Pharmakonzernen propagiert, die den Profit immer \u00fcber Menschenleben stellen, die so viel Dreck am Stecken haben, dass ihre &#8220;guten Taten&#8221; B\u00fccher f\u00fcllen w\u00fcrden. Alles heuchlerische &#8220;Moralapostel&#8221;, die uns aus Angst vor dem Verlust ihres bequemen Lebens anschreien und von Solidarit\u00e4t reden, w\u00e4hrend sie ihr ganzes Leben lang gleichg\u00fcltig zugesehen und (sogar applaudiert) haben, wenn Menschen Hunger, Ausbeutung, Folter, Krieg, Zerst\u00f6rung ihrer Lebensr\u00e4ume erleben, nur damit wir hier in den reichen europ\u00e4ischen Gegenden jederzeit alles konsumieren k\u00f6nnen, mit so viel Komfort wie m\u00f6glich, und reisen k\u00f6nnen, wohin wir wollen. All diese Heuchler schreien jetzt nach Solidarit\u00e4t.<br>Was ist das f\u00fcr eine Solidarit\u00e4t? Solidarit\u00e4t mit einer Gesellschaftsordnung, die auf Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung beruht? Solidarit\u00e4t mit wem, f\u00fcr wen? Diese Solidarit\u00e4t kann nicht die gleiche Art von Solidarit\u00e4t sein, auf der wir aufbauen wollen. Solidarit\u00e4t kann nicht von Staaten vorgeschrieben werden oder durch einen moralischen und sozialen Druck entstehen. So wird die Solidarit\u00e4t zur Heuchelei. Solidarit\u00e4t ist kontextabh\u00e4ngig und h\u00e4ngt von dem Weltbild und den Ideen ab, die die Menschen teilen oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Sogar Teile der &#8220;radikalen Linken&#8221;, die sich an den Sozialdemokrat*innen orientieren, haben die gleiche Idee von &#8220;Solidarit\u00e4t&#8221; \u00fcbernommen, die von den Staaten propagiert wird, und rufen zu &#8220;solidarischen Lock-Downs&#8221; oder &#8220;#Stayathome&#8221;, zur Verwendung von Covid-Zertifikate und Impfungen auf. In diesen Aufrufen zur Isolation, die Stra\u00dfen leer zu lassen und QR-Codes und COVID-Zertifikate zu verwenden, gibt es keinen Raum f\u00fcr Praktiken wie die Verbindung mit den Widerst\u00e4ndigen und Unterdr\u00fcckten, sich zu verschw\u00f6ren und gemeinsam in einer praktischen t\u00e4glichen Solidarit\u00e4t zu organisieren oder unsere Ideen und Praktiken in den bereits bestehenden sozialen Spannungen und Konflikten zu tragen, in einem Moment der Krise oder der Umstrukturierung der kapitalistischen Gesellschaft.<br>W\u00e4hrend &#8220;wir&#8221; #Zuhause bleiben, bietet der Staat die einzige Alternative aus dem Lock-Down, indem er die Situation verwaltet und die &#8220;Solidarit\u00e4t&#8221; organisiert, mit &#8220;unserem&#8221; stillschweigenden Einverst\u00e4ndnis. Seit wann geh\u00f6rt das Delegieren &#8211; insbesondere an den Staat &#8211; zum anarchistischen Werkzeugkasten? Die L\u00fccke, die die &#8220;radikale Linke&#8221; hinterl\u00e4sst, indem sie die staatlichen Ma\u00dfnahmen nicht kritisiert und ihnen keinen Widerstand entgegensetzt, wird nun meist durch faschistische und andere reaktion\u00e4re Scheisspropaganda ausgef\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang stellt sich f\u00fcr uns die Frage, ob die Menschen in den Kreisen der &#8220;radikalen Linken&#8221; sich der realen Konsequenzen der oft verwendeten Slogans bewusst sind? &#8220;Gegen den Kapitalismus&#8221; &#8220;Gegen die Autorit\u00e4ten&#8221; &#8220;f\u00fcr ein selbstorganisiertes und selbstbestimmtes Leben&#8221; (f\u00fcr manche auch &#8220;Zerst\u00f6rung von Staat, Grenzen, Kn\u00e4ste\u201c). Sind das Sachen, f\u00fcr die Menschen k\u00e4mpfen wollen und zu denen sie stehen, was auch immer passiert? Oder sind das leere Worte, die auf Aufklebern oder T-Shirts cool aussehen und nur ein erforderlicher Teil einer Subkultur sind?<br>Denn liebe Leute, der Kampf f\u00fcr eine andere Welt, eine Revolution oder revolution\u00e4re Momente, im wirklichen Leben, wird wahrscheinlich so sch\u00f6n und voller Emotionen sein, aber auch voller Leiden, schwierigen Momenten, Verlusten, wird uns aus unseren Komfortzonen heraus zwingen. Den Vorschlag zu machen, #Stayathome oder sich zu isolieren und sich auf die vom Staat vorgeschriebenen Ma\u00dfnahmen zu verlassen, ist unserer Meinung nach, kein guter Anfang, wenn wir lernen wollen wie wir k\u00e4mpfen, ein selbstbestimmtes und selbstorganisiertes Leben f\u00fchren und wie wir uns gegenseitig in &#8220;Krisenzeiten&#8221; unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist uns wichtig zu erw\u00e4hnen, wie sich &#8220;linksradikale&#8221; Kreise zu den aktuellen Protesten gegen die COVID-Massnahmen des Staates verhalten. Die &#8220;soziale Revolution&#8221;, &#8221; soziale Bewegungen&#8221; oder andere soziale Konfliktmomente sind Protagonisten in einigen unserer Reden, Texte und Ideen, aber mittlerweile gehen Menschen auf die Stra\u00dfe und wir beteiligen uns nicht daran, wegen der Anwesenheit von faschistischen oder nationalistischen Arschl\u00f6chern. Ja, das ist ein wichtiger Diskussionspunkt, und wir sind der Meinung, dass wir gemeinsam dar\u00fcber nachdenken sollten, wie wir damit umgehen k\u00f6nnen. Aber haben wir jemals \u00fcber die Bedeutung von &#8220;sozialen&#8221; Konflikten nachgedacht? Gl\u00fccklicherweise sehen zumindest wir (die diesen Text schreiben) einen &#8220;sozialen&#8221; oder Konflikt nicht als einen Konflikt, bei dem die Gesamtheit der beteiligten Menschen unseren perfekten, idealisierten, revolution\u00e4ren Individuen entspricht, die alle dieselben Konzepte, Ideen und Perspektiven teilen. Diese K\u00e4mpfe entstehen in der Gesellschaft, in der wir leben, mit all ihren Widerspr\u00fcchen und au\u00dferhalb der Blasen, die wir f\u00fcr uns selbst gern schaffen. Pl\u00f6tzlich stellen wir fest, dass wir nicht gewohnt sind, mit diesen Widerspr\u00fcchen umzugehen. Das ist eine Sackgasse, ein Hindernis, das wir \u00fcberwinden wollen, um unsere Ideen, unsere Kritik und unsere Praktiken auf die Stra\u00dfe zu bringen, unter die Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den Gilet Jaunes-Protesten in Frankreich bis zu den Gezi-Aufst\u00e4nden in der T\u00fcrkei beteiligten und beteiligen sich immer noch eine Vielzahl von Menschen an diesen K\u00e4mpfen, in denen anfangs auch faschistische, b\u00fcrgerliche und konservative Kr\u00e4fte ihren Einfluss hatten. Die Pr\u00e4senz und die Entschlossenheit von Gef\u00e4hrt*innen mit revolution\u00e4ren Ideen auf den Stra\u00dfen, innerhalb dieser K\u00e4mpfe, hat dazu beigetragen, diese Kr\u00e4fte zur\u00fcckzudr\u00e4ngen und zu isolieren.<br>In der Schweiz sehen wir auch die Pr\u00e4senz von Antifaschist*innen auf der Stra\u00dfe. Sie organisieren Gegendemonstrationen und Aktionen gegen die Anti-Korona-Ma\u00dfnahmen und Anti-Impf-Proteste, ohne eine kritische Haltung gegen\u00fcber den Einschr\u00e4nkungen und Ma\u00dfnahmen des Staates einzunehmen, die zu mehr \u00dcberwachung und Kontrolle f\u00fchren. Diese &#8220;Antifaschist*innen&#8221; neigen dazu, zu verallgemeinern und zu behaupten, dass jeder, der mit den Faschist*innen mitl\u00e4uft, auch ein*e Faschist*in ist, oder dass die Leute zumindest &#8220;irrationale Verschw\u00f6rungstheoretiker*innen&#8221; sind. Mit diesen Verallgemeinerungen, Stigmatisierungen und Verharmlosungen aller Menschen, die an diesen Protesten teilnehmen, nehmen sie als Reaktion auf die Anwesenheit von Faschist*innen bei diesen Protesten eine Gegenposition ein, die dem Staat unangenehm \u00e4hnlich ist. Unserer Meinung nach sollten wir uns gegen die Faschist*innen stellen und gleichzeitig eine kritische Haltung gegen\u00fcber den staatlich verordneten Ma\u00dfnahmen zum Ausdruck bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir denken, dass wir die F\u00e4higkeit aufbauen sollten, bei diesen Protesten pr\u00e4sent zu sein oder zumindest eigene Initiativen zu haben, um die Reaktion\u00e4re und Faschist*innen zu entlarven. Wir wollen in der Lage sein, unsere anarchistische Perspektive auf die Situation innerhalb der verschiedenen Formen von Konflikten und Praktiken umzusetzen (damit meinen wir, dass wir nicht nur die Proteste verfolgen und darauf warten, dass Gruppen und Menschen etwas fordern oder tun, damit wir reagieren k\u00f6nnen, sondern unsere eigenen Praktiken und Positionen haben, indem wir das Know-How nutzen, das wir haben) und deutlich machen, wof\u00fcr wir stehen. Wie das geht, ist nat\u00fcrlich Gegenstand vieler Diskussionen, aber Diskussionen, die wir gerne f\u00fchren und ausprobieren w\u00fcrden. Das k\u00f6nnte uns in eine Situation versetzen, in der sch\u00e4rfer definiert ist, wen wir als Kompliz*innen und wen wir als Feinde haben k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Neutralit\u00e4t der Wissenschaft<\/strong><br>Die Vorstellung von der Neutralit\u00e4t der Wissenschaft ist eine tr\u00fcgerische Geschichte. Die Wissenschaft entwickelt sich unter bestimmten sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Bedingungen, so dass sie keineswegs neutral sein kann, wie viele andere Strukturen es auch nicht sind. In der wissenschaftlichen Logik und in der westlichen Medizin gibt es ein standardisiertes Paradigma, das Menschen zu messbaren Objekten macht und alle Unterschiede, Geschichten, Emotionen und die Bedingungen und das Umfeld, in dem mensch lebt, ignoriert. Die westliche Wissenschaft hat es geschafft, sich als die allgemeine, neutrale und einzig m\u00f6gliche Wahrheit zu etablieren. Durch die Verdr\u00e4ngung alternativer Wissensans\u00e4tze kann sie ihre Dominanz aufrechterhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wissenschaft ist nichts statisches und ver\u00e4ndert sich st\u00e4ndig. Wer finanziert die Forschung, mit welchem Ziel, zu welchem Zeitpunkt&#8230;? All die Unternehmen, die sich mit der Erforschung und dem Vertrieb von Impfstoffen, Biotechnologien, Gentechnik, Nano- und Digitaltechnologie und Robotik befassen, sind eng miteinander verbunden, schieben Geld und Ressourcen hin und her und f\u00f6rdern ihre Interessen, indem sie den Regeln der kapitalistischen Wirtschaft folgen. Das ist nichts Neues! Eigentlich ist es eine alte Geschichte, und der Fortschritt von Wissenschaft und Biomedizin ist eng mit Ausbeutung, Kolonialismus, westlicher Dominanz und patriarchalen imperialistischen Praktiken verbunden. Es ist nicht besonders schwer, diese Verbindungen in der Geschichte zu finden, genauso wie es nicht schwer ist, die Geschichte des Widerstands und der Sabotage gegen sie zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr uns vielleicht neu ist, ist die Tatsache, dass die Kritik an die Corona-Impfungen oder an der Gentechnik sofort mit dem unkritischen Label &#8221; Corona-Skeptiker*in&#8221;, &#8220;Verschw\u00f6rungstheoretiker*in&#8221; oder &#8220;Schwurbler*in&#8221; versehen wird, was jeden m\u00f6glichen Widerstand dagegen beseitigt und zum Verstummen bringt. Es wird ein neuer gef\u00e4hrlicher Dualismus und eine Kategorisierung innerhalb der Gesellschaft (auch innerhalb unserer eigenen Kreise) geschaffen, die Konflikte erzeugen, die nur f\u00fcr den Staat funktional sind. Denn die Konflikte bleiben horizontal, anstatt vertikal zu werden. Was auch immer an Kritik dagegen vorgebracht wird, egal von wem und aus welchen Kreisen &#8211; auch wenn es seit Jahren Teil der K\u00e4mpfe von Gef\u00e4hrt*innen an verschiedenen Orten ist (nehmen wir als Beispiel die kritische Betrachtung der Bio- und Nanotechnologie oder der Digitalisierung der Gesellschaft) &#8211; wird heute alles unter das Dach der*s &#8220;Corona-Skeptiker*in&#8221;, der &#8220;Verschw\u00f6rung&#8221;, zusammen mit faschistischen, reaktion\u00e4ren und nationalistischen Gedankengut gestellt. Diese Kategorisierung wurde vom Staat und den Medien gen\u00e4hrt, ohne dass es \u00fcberrascht. Aber auch innerhalb der ausserparlamentarische Linke wurde sie aufgegriffen und fortgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist der &#8220;Krieg gegen das Virus&#8221; der perfekte Anlass, neue Technologien auszuprobieren, Digitalisierung, Kontrolle und \u00dcberwachung voranzutreiben, Grenzen zu schlie\u00dfen, den staatlichen und kapitalistischen Zugriff auf den menschlichen K\u00f6rper auszuweiten. Die Unsicherheiten und \u00c4ngste, die durch diese &#8220;Krise&#8221; erzeugt und von Staaten, Medien und Expert*innen gef\u00f6rdert werden, f\u00fchren dazu, dass sich die Menschen langsam und stillschweigend an Umst\u00e4nde gew\u00f6hnen und diese akzeptieren, die viele (zumindest von uns) noch vor einigen Monaten f\u00fcr undenkbar hielten. Hinzu kommt der wirtschaftliche Aspekt, dass einige der Unternehmen, die in die Forschung, die Produktion und den Vertrieb von Impfstoffen, Tests, Medikamenten und nicht zu vergessen in die Entwicklung digitaler L\u00f6sungen zur &#8220;Eind\u00e4mmung&#8221; des Virus investiert haben, aus dieser Situation einen immensen Profit ziehen. Viel Geld und Ressourcen werden dann wieder in die Forschung investiert, und pl\u00f6tzlich er\u00f6ffnen sich all diese M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Technologien, die vor nicht allzu langer Zeit noch vielen Beschr\u00e4nkungen unterlagen. Ein weiterer wirtschaftlicher Aspekt ist, dass all diese Technologien und Forschungen die Entwicklung neuer Sektoren vorantreiben, die dazu beitragen, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die Normalit\u00e4t der kapitalistischen Gesellschaft wiederherzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine \u00fcberm\u00e4ssig umweltsch\u00e4dliche kapitalistische Gesellschaft, die in ihrer Vergangenheit und Gegenwart alles zerst\u00f6rt hat, was ihr im Weg stand und steht, mit Monokulturen, Abholzung, intensiver Landwirtschaft, Globalisierung, extremer Ausbeutung des menschlichen Lebens, der Natur und jeglicher Lebewesen,&#8230;. All dies hat die perfekte Grundlage f\u00fcr die Entwicklung dieses Virus (und vieler anderer Krankheiten) geschaffen, und der Impfstoff \u00e4ndert die Richtung nicht, er ist nur ein Pflaster, das auf eine kranke Gesellschaft geklebt wird. All diese Entwicklungen m\u00fcssen immer mit einer gesunden Skepsis und Kritik betrachtet werden, und in unserer radikalen Kritik meinen wir, dass wir \u00fcber den Impfstoff hinausgehen und uns zu den Bedingungen \u00e4u\u00dfern sollten, unter denen wir leben und die die Ausbreitung von Krankheiten beg\u00fcnstigen.<br>Es stellen sich Fragen wie: In was f\u00fcr einer Welt wollen wir leben? Solange wir leben, wird es Krankheiten, Viren und Tod geben. Wie wollen wir damit umgehen? Ist die Welt, in der wir leben m\u00f6chten, eine Welt, in der jede*r nur noch als Gefahr verstanden wird und wir uns immer mehr voneinander abgrenzen und distanzieren wollen, st\u00e4ndig misstrauisch sind, uns gegenseitig kontrollieren und \u00fcberwachen wollen? Zwischenmenschliche Kontakt ist notwendig, um zu leben und zu \u00fcberleben. Auf ihn zu verzichten, bedeutet, auf das Leben zu verzichten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gentechnologie und ein selbstbestimmtes Leben<\/strong><br>Die Impfungen gegen das Corona-Virus sind so genannte mRNA- oder Vektorimpfungen, sie geh\u00f6ren zur Kategorie der genetischen Impfungen. Wir haben es also mit Genforschung, Gentechnik und Biotechnologie zu tun. Die Forschung auf diesem Gebiet l\u00e4uft schon seit einigen Jahren. Diese mRNA-Impfstoffe wurden jedoch erstmals im Jahr 2020 zugelassen, aufgrund der &#8220;Dringlichkeit&#8221;, einen Impfstoff zu finden, der gegen das Covid19-Virus sch\u00fctzt. Die Untersuchungs- und Testzeit f\u00fcr solche Technologien wurde massiv verk\u00fcrzt und die M\u00f6glichkeit, sich rechtlich gegen m\u00f6gliche Sp\u00e4tfolgen zu wehren, besteht nicht.<br>Dass hier Skepsis oder eine kritische Haltung bei Menschen besteht, ist nicht so abwegig. Und dass viele Menschen auch aus anarchistischen und anti-autorit\u00e4ren Kreisen eine kritische Haltung in Bezug auf Genforschung, Biotechnologien oder den technisch-medizinischen Fortschritt einnehmen, sollte ebenfalls nicht verwundern. Der Fortschritt der biomedizinischen Wissenschaften zielt auf eine Verl\u00e4ngerung des Lebens ins Unendliche, um jeden Preis. Die Menschen werden zu Konsumenten medizinisch-technischer L\u00f6sungen gemacht und verlieren langsam immer mehr den Bezug zum eigenen K\u00f6rper und zur Natur.<\/p>\n\n\n\n<p>Genetik und Biotechnologie entspringen dem Bed\u00fcrfnis einer patriarchalischen, kapitalistischen Welt, alles zu kontrollieren, zu standardisieren und zu perfektionieren. Derzeit wird, wie in anderen Momenten der Geschichte auch, eine vermeintliche Krise, eine Bedrohung, als Anlass genommen, um in vielen Lebensbereichen neue Technologien am menschlichen und gesellschaftlichen K\u00f6rper zu testen. In anderen Situationen w\u00e4re die Erprobung dieser Technologien auf mehr Widerstand gesto\u00dfen und h\u00e4tte l\u00e4nger gedauert. Und so wird die Akzeptanz dieser Technologien erzwungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings, ob ein Mensch beschlie\u00dft, sich impfen zu lassen oder nicht: Mein K\u00f6rper, meine Entscheidung! galt gestern, gilt heute und wird auch morgen noch f\u00fcr uns gelten. Wir stehen nach wie vor zu der Idee, dass jeder Mensch (im besten Fall in einem kollektiven Kontext) entscheidet, was mit seinem eigenen K\u00f6rper geschieht. Es gibt keinen Grund (und das gilt auch in Bezug auf die Gesundheit), warum Menschen die F\u00e4higkeit geraubt werden sollte, \u00fcber ihre eigene K\u00f6rper zu entscheiden, und schon gar nicht von einem Staat oder aufgrund gesellschaftlichen Drucks. Die Themen rund um die Kontrolle \u00fcber den eigenen K\u00f6rper und Gesundheit sind von grosser Bedeutung und es k\u00f6nnte und sollte einen Austausch und Diskussionen in unseren Kreisen geben. Zudem denken wir, dass wir versuchen und herausfinden wollen, wie wir mit diesen Themen auf selbstbestimmte Weise umgehen k\u00f6nnen. Was in letzter Zeit in einigen R\u00e4umen der &#8220;radikalen Linken&#8221;, in besetzten H\u00e4usern, Treffpunkten und sozialen Zentren passiert, funktioniert nicht in diesem Sinne. R\u00e4ume, die sich selbst als selbstorganisiert bezeichnen, haben sich den Massnahmen des Staates unterworfen und verlangen von den Leuten das Covid-Zertifikat oder mehrere G\u2019s (getestet, geheilt oder geimpft). Einige gehen sogar so weit, zu sagen, dass Menschen ohne das Covid-Zertifikat diese Orte nicht betreten oder sich dort aufhalten d\u00fcrfen, oder raten den Menschen, sich impfen zu lassen. Diese Handlungen als Solidarit\u00e4t oder Verantwortung zu bezeichnen, ist irgendwie irref\u00fchrend. Das Reproduzieren und Umsetzen von staatlich verordneten Regeln &#8211; vor allem, wenn sie eine Registrierung, Kategorisierung, mehr Kontrolle, Isolierung bedeuten &#8211; ist Verantwortung gegen\u00fcber dem Staat, was auch einfach als Gehorsam angesehen werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neue Technologien zur \u00dcberwachung und Kontrolle<\/strong><br>Das Covid-Zerifikat ist nur die j\u00fcngste Entwicklung in einem Prozess, der schlie\u00dflich die vollst\u00e4ndige \u00dcberwachung ganzer Gesellschaftsgruppen und Gebiete erm\u00f6glichen k\u00f6nnte. Nicht nur im Sinne der Repression, sondern auch wirtschaftlich: &#8220;Big Data&#8221; &#8211; die Menge an Daten, die wir tagt\u00e4glich mit Hilfe vieler digitaler Werkzeuge produzieren, die kategorisiert, analysiert usw. werden m\u00fcssen, daraus Profit gemacht werden kann &#8211; ist einer der neuesten &#8220;Rohstoffe&#8221; der Zukunft, auf den sich viele Interessen konzentrieren. Dem sollte eine antikapitalistische Kritik Rechnung tragen.<br>In den Bereichen Digitalisierung, Kontrolle und \u00dcberwachung vollziehen sich derzeit gewaltige Spr\u00fcnge.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Apps, die sich alle auf ihre Smartphones laden sollen und die Bewegungs- und Standortdaten preisgeben, die zunehmende M\u00f6glichkeit, diese Daten und Metadaten in Echtzeit zu \u00fcbermitteln, die Video\u00fcberwachung, Contact Tracing &#8211; all das ist Teil einer immer weiter um sich greifenden und standardisierten Entwicklung von \u00dcberwachungstechnologien. Ebenso wie das k\u00fcrzlich verabschiedete Terrorismusgesetz (PMT, polizeiliche Massnahmen zur Bek\u00e4mpfung von Terrorismus) erm\u00f6glicht das COVID-Zertifikat die Kontrolle und \u00dcberwachung immer gr\u00f6\u00dferer Teile der Bev\u00f6lkerung. Der Mensch wird zu einer Datensammlung, die kontrolliert und verwaltet werden kann. Und mit der Begr\u00fcndung der Bedrohung (Virus, Terroristen, Zusammenbruch der Wirtschaft) sollen sich die Menschen der Kontrolle, Selbstkontrolle und \u00dcberwachung unterwerfen. Zum &#8220;Wohl&#8221; aller. Ein Traum f\u00fcr Staaten und alle, die ein Interesse daran haben, dass alle Lebensbereiche kontrolliert, analysiert und kapitalisiert werden k\u00f6nnen. Bei der Bedrohung durch einen Virus, eine Krise, den Terrorismus k\u00f6nnen diese Technologien schneller, mit Legitimation und ohne die Zustimmung einer Bev\u00f6lkerung eingesetzt werden. \u00dcbrigens auch Mittel, die von Faschist*innen und Rechten immer wieder gerne eingesetzt und begr\u00fcsst werden. Der Ruf nach dem Einsatz dieser Mittel gegen Migrant*innen, Gruppen am &#8220;Rande&#8221; der Gesellschaft, widerst\u00e4ndige und rebellische Menschen und Gruppen ist legitim, aber nat\u00fcrlich nicht gegen sich selbst. Deshalb halten wir ihre Rufe nach Freiheit f\u00fcr opportunistisch und heuchlerisch.<\/p>\n\n\n\n<p>QR-Codes und Zertifikate, st\u00e4ndige Registrierung und Datenerfassung, die langsame Gew\u00f6hnung an die Digitalisierung unseres Lebens und die allumfassende und st\u00e4ndige \u00dcberwachung schreiten voran. COVID-Massnahmen (Grenzschliessungen, COVID-Apps, Covid-Zertifikate,&#8230;) bringen Probleme wie die Kontrolle von K\u00f6rpern und Bewegung, die Digitalisierung und Registrierung von Menschen mit krasser Geschwindigkeit auf eine neue Ebene. Der Gesundheitszustand der Menschen, wo und wann sie sich aufhalten, mit wem sie unterwegs sind, wird in Form von Daten erfasst und kontrollierbar gemacht. Das Covid-Zertifikat ist eine Fortsetzung der krassen Eingriffe und Zugriffe des Staates in unser Leben, ebenso wie das k\u00fcrzlich verabschiedete Terrorismusgesetz (PMT). All das k\u00f6nnen wir nicht stillschweigend hinnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus all diesen Gr\u00fcnden und vielen mehr&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gegen die staatlichen COVID-Massnahmen, gegen das COVID-Zertifikat, gegen Kontrolle und \u00dcberwachung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcr ein selbstbestimmtes Leben, f\u00fcr die Freiheit, f\u00fcr die Anarchie<\/strong><br><br>Quelle: <a href=\"https:\/\/barrikade.info\/article\/4798\">https:\/\/barrikade.info\/article\/4798<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir m\u00f6chten aus anarchistischer Perspektive einige Anmerkungen machen zur aktuellen Situation in der Schweiz (und \u00e4hnlich in einigen Orten in Europa) zum Thema COVID-Massnahmen, COVID-Zertifikat, sowie \u00fcber die Wissenschaften und Impfstoffe. 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