{"id":378,"date":"2011-01-14T17:32:17","date_gmt":"2011-01-14T15:32:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=378"},"modified":"2011-01-14T17:36:02","modified_gmt":"2011-01-14T15:36:02","slug":"das-andere-davos-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=378","title":{"rendered":"Das andere Davos 2011"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.otherdavos.net\" target=\"_blank\">http:\/\/www.otherdavos.net<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/anderedavos.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-379\" title=\"anderedavos\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/anderedavos-300x170.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"170\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/anderedavos-300x170.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/anderedavos.jpg 454w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Der Titel des Anderen Davos 2011: \u00abF\u00fcr eine andere Welt. F\u00fcr ein anderes Gesellschaftssystem\u00bb verweist auf die vielf\u00e4ltigen Erscheinungsformen der Krise des internationalen kapitalistischen Systems.<\/p>\n<p>Es ist nicht einfach nur eine neue Episode der Konjunkturkrisen des Kapitalismus seit 1974-75 (1981-1982, 1990-1991 usw.).<\/p>\n<p>Es ist nicht einfach nur eine \u00abFinanzkrise\u00bb nach der Krise von 1997-1998 (Asien und Russland), der \u00abDotcom-Blase\u00bb (2000), der \u00abSubprime-Krise\u00bb (2007), der Krise der \u00abBad Banks\u00bb (Lehman Brothers) oder der \u00abStaatsschuldenkrise\u00bb Griechenlands (2009-2010), gefolgt von Irland, Portugal und Spanien \u2013 allesamt Staaten und Bev\u00f6lkerungen, die damit entm\u00fcndigt werden.<\/p>\n<p>Es ist nicht einfach nur das Scheitern der \u00abAntworten\u00bb der herrschenden Klassen auf die Probleme der Kapitalverwertung. Antworten wie erstens die gesteigerte Ausbeutung der Arbeit, mit gleichzeitiger Sch\u00e4digung der Gesundheit der Lohnabh\u00e4ngigen; zweitens die massive Umverteilung des Reichtums zugunsten der \u00abAktion\u00e4re\u00bb (mit sprunghaftem Ansteigen der sozialen Ungleichheiten); und drittens die F\u00f6rderung verschiedener Formen von privater und \u00f6ffentlicher Verschuldung, zur Ankurbelung des ersch\u00f6pften Wirtschaftsmotors.<\/p>\n<p>Es ist all das\u2026 und gleichzeitig viel mehr. Es ist eine weltweite Krise des (kapitalistischen) Entwicklungsmodus. Eine besondere Kombination von Wirtschaftskrise, sozialer Krise und Klima-ersch\u00fctterung. Gerade diese letzte Komponente wird heute schon auf die \u00c4rmsten der Welt abgew\u00e4lzt. Die Bedingungen f\u00fcr ihr \u00dcberleben und f\u00fcr die Reproduktion ihrer Gesellschaften werden ganz konkret untergraben.<\/p>\n<p>Die Auswirkungen dieser Krise des 21. Jahrhunderts zeigen verschiedene Gesichter :<\/p>\n<p>* Angriff auf die gesellschaftlichen Lohnanteile wie die \u00f6ffentliche Finanzierung des Bildungswesens, die Alters-renten, das \u00f6ffentliche Gesundheitswesen. Anders gesagt geht es um Abbau und Privatisierung des \u00abWohlfahrtsstaats\u00bb und des Service public.<\/p>\n<p>* Dauerhafte Massenarbeitslosigkeit im Weltmassstab, wobei die industrielle Reservearmee immer mehr Langzeitarbeitslose umfasst, die zunehmend verarmen. Damit hat das Kapital ein leichtes Spiel, alle Kategorien von Lohnabh\u00e4ngigen gegen einander auszuspielen. Die Folge ist Lohndr\u00fcckerei und die erleichterte Durchsetzung von despotischen Formen der Arbeitsorganisation und der Nutzung der Arbeitsf\u00e4higkeit der Lohnabh\u00e4ngigen durch die Unternehmen.<\/p>\n<p>* Explosion der \u00abZwangsvollstreckungen\u00bb, der \u00abZwangsr\u00e4um-ungen\u00bb und der Zahl der Obdachlosen, w\u00e4hrend die faktische Konzentration des Immobilienbesitzes nie gekannte Ausmasse erreicht.<\/p>\n<p>* Enteignung des wissenschaftlichen Fortschritts durch eine wirtschaftliche Macht mit steigender Zentralisation und Konzentration, indem das geistige Eigentum immer mehr ausgeweitet wird.<\/p>\n<p>* Aneignung von riesigen Landwirtschaftsfl\u00e4chen durch Konzerne oder \u00abStaatsfonds\u00bb f\u00fcr den Raubbau durch das Kapital. W\u00e4hrenddessen sind Kleinbauer_innen und Landlose massiver Verarmung ausgeliefert. Und der Zugang zu Nahrung wird f\u00fcr immer mehr Menschen ein Problem, in den L\u00e4ndern der Peripherie wie auch in den sogenannt \u00abreichen\u00bb L\u00e4ndern, wo \u00abSuppenk\u00fcchen\u00bb die Nachfrage nicht mehr erf\u00fcllen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>* Zunehmende private Aneignung von Wasser, einer lebenswichtigen Ressource\u2026<\/p>\n<p>Der soziale Krieg \u2013 zynischerweise als \u00abEpoche der notwendigen Reformen\u00bb bezeichnet \u2013 bedingt sehr reale und konkrete Kriege um die Kontrolle beschr\u00e4nkter Ressourcen (Energie, Boden, G\u00fcter des Grundbedarfs usw.). Damit werden auch k\u00fcnftige Konflikte in Regionen vorbereitet, die als strategisch wichtig gelten (Mittlerer Osten, Zentralasien).<\/p>\n<p>Betreffend staatliche Institutionen und Regierungen zeigen die j\u00fcngsten Episoden der Wirtschafts- und Umweltkrise den \u00fcberragenden Einfluss einer herrschenden Fraktion des Kapitals \u2013 des Finanz-kapitals \u2013 auf. Privatbanken werden ohne Gegenleistung oder ohne jene elementaren Auflagen gerettet, die das Ausmass der \u00abOpfer\u00bb ber\u00fccksichtigen w\u00fcrden, die sie der grossen Mehrheit der Bev\u00f6lkerung aufzwingen. Die Durchsetzung dieser Opfer gr\u00fcndet auf autorit\u00e4ren Massnahmen im Geist von \u00abLaw and Order\u00bb. Soziale Bewegungen werden kriminalisiert, demokratische Rechte werden eingeschr\u00e4nkt. Hinzu kommt gegen\u00fcber Migrant_innen institutionalisierte Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Es entstehen \u00abneue Mauern\u00bb und \u00abInternierungslager\u00bb. \u00dcberall in Europa sind B\u00fcndnisse zwischen der \u00abanst\u00e4ndigen\u00bb Rechten und offen fremdenfeindlichen, rassistischen und faschismusnahen Parteien politischer Alltag geworden.<\/p>\n<p>Einige sogenannte Schwellenl\u00e4nder (China, Indien, Brasilien) \u2013 deren Eliten imperialistische Ambitionen hegen \u2013 scheinen mit ihrem Wirtschaftswachstum die Zeichen eines endzeitlichen Kapitalismus zu widerlegen. Dabei werden jedoch die menschlichen und \u00f6kologischen Kosten dieser Entwicklung ignoriert. Es ist zudem alles andere als sicher, dass der aktuelle Verlauf dieses \u00abWachstums\u00bb nicht gest\u00f6rt wird durch die Auflehnung der unterdr\u00fcckten und ausgebeuteten Bev\u00f6lkerung sowie durch spezifische Krisen, die mit diesem Expansionsmodell einhergehen.<\/p>\n<p>Damit wird deutlich, dass die verschiedenen sozialen Mobilisierungen \u2013 in Europa, Lateinamerika, China \u2013 auf massive Herausforderungen stossen. Antworten und Reaktionen, auch nur in Ans\u00e4tzen, k\u00f6nnen nicht mehr einfach als Verl\u00e4ngerung vergangener Kampfformen der \u00ab Arbeiterbewegung \u00bb des 19. und 20. Jahrhunderts gedacht werden. Umso mehr als die Sozialdemokratie bewiesen hat, dass sie sich vollst\u00e4ndig in das herrschende System und in den Regierungsturnus \u00abMitte-Links\u00bb \u2013 \u00abMitte-Rechts\u00bb eingef\u00fcgt hat.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ergibt sich die Dringlichkeit, dass Erfahrungen von Selbstorganisation der Lohnabh\u00e4ngigen Schwerpunkt s\u00e4mtlicher \u00dcberlegungen und Vorschl\u00e4ge bilden. Diese Erfahrungen spiegeln \u00fcbrigens auch die vom Kapital eingeforderte Intelligenz des \u00abGesamtarbeiters\u00bb, dessen \u00abKompetenz\u00bb und \u00abLeistung\u00bb von Abteilungen f\u00fcr Humanressourcen gerne gelobt werden\u2026<\/p>\n<p>Zudem zeigt sich die Notwendigkeit, den beschr\u00e4nkten Rahmen der traditionellen Gewerkschaftsarbeit zu \u00fcberwinden. Daf\u00fcr m\u00fcssen Formen von Verbindungen entwickelt werden, die \u2013 \u00abkleine\u00bb oder \u00abgrosse\u00bb \u2013 kollektive Antworten erm\u00f6glichen gegen\u00fcber den entschlossenen und andauernden Angriffen in allen Bereichen des \u00fcberalterten Kapitalismus. Damit verbunden ist auch die notwendige Erneuerung des Internationalismus, nicht nur gegen transnationale Konzerne, sondern auch gegen Staaten, die faktisch ihre Sparpolitik koordinieren, gleichzeitig aber ihre \u00abkomparativen Vorteile\u00bb weiterhin ausspielen wollen gegen\u00fcber ihren Rivalen.<\/p>\n<p>Schliesslich muss auch die Frage der Umverteilung von Einkommen und Reichtum offen angegangen werden. Damit ist auch die Frage der privaten Aneignung von gesellschaftlichen Produktions- und Reproduktionsmittel gestellt. Im Bewusstsein, dass die Art des \u00abWachstums\u00bb des kapitalistischen Systems eine Form der Zerst\u00f6rung von Menschen und \u00d6kosystemen ist, unter dem Kommando von Profitinteressen und Erfordernissen privater Kapitalakkumulation.<\/p>\n<p>Das Andere Davos 2011 sieht sich als Initiative im Zusammenhang mit vielen \u00e4hnlichen Aktionen die \u2013 im Wissen um den niedrigen Stand der Bewegungen der Lohnabh\u00e4ngigen weltweit \u2013 sich dennoch in die Lage versetzen wollen, alle Erfahrungen zur Geltung zu bringen, die den intelligenten und subversiven Charakter der K\u00e4mpfe der Bev\u00f6lkerung enth\u00fcllen, wie es die soziale Bewegung in Frankreich \u00fcberaus deutlich gemacht hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Titel des Anderen Davos 2011: \u00abF\u00fcr eine andere Welt. F\u00fcr ein anderes Gesellschaftssystem\u00bb verweist auf die vielf\u00e4ltigen Erscheinungsformen der Krise des internationalen kapitalistischen Systems.<\/p>\n<p>Es ist nicht einfach nur eine neue Episode der Konjunkturkrisen des Kapitalismus seit 1974-75 (1981-1982, 1990-1991 usw.).<\/p>\n<p>Es ist nicht einfach nur eine \u00abFinanzkrise\u00bb nach der Krise von 1997-1998 (Asien und Russland), der \u00abDotcom-Blase\u00bb (2000), der \u00abSubprime-Krise\u00bb (2007), der Krise der \u00abBad Banks\u00bb (Lehman Brothers) oder der \u00abStaatsschuldenkrise\u00bb Griechenlands (2009-2010), gefolgt von Irland, Portugal und Spanien \u2013 allesamt Staaten und Bev\u00f6lkerungen, die damit entm\u00fcndigt werden.<br \/>\n <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=378\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14,6,16],"tags":[],"class_list":["post-378","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitskampf","category-news","category-schweiz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/378","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=378"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/378\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":381,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/378\/revisions\/381"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=378"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=378"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=378"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}