{"id":3814,"date":"2022-01-24T15:21:01","date_gmt":"2022-01-24T14:21:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3814"},"modified":"2022-01-24T15:21:01","modified_gmt":"2022-01-24T14:21:01","slug":"krokodilstranen-des-kapitals","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3814","title":{"rendered":"Krokodilstr\u00e4nen des Kapitals"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Weltwirtschaftsforum: Westliche Staatschefs beklagen zunehmende Ungleichheit. Ausbeutungs- und Abschottungskurs gegen \u00c4rmste wird fortgesetzt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/162473.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"950\" height=\"453\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/162473.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3815\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/162473.jpg 950w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/162473-300x143.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/162473-768x366.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 950px) 100vw, 950px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>D\u00fcstere T\u00f6ne gab es zum Abschluss der Onlineversion des Weltwirtschaftsforums, die am vergangenen Freitag anstatt in Davos in den virtuellen R\u00e4umen des Internets zu Ende ging. \u00dcber die fortdauernde Covid-19-Pandemie hatten die Teilnehmer debattiert, \u00fcber den Klimawandel und \u00fcber die gef\u00e4hrlich eskalierenden politischen Spannungen zwischen den westlichen M\u00e4chten und Russland. \u00bbWir sehen Herausforderungen zunehmen\u00ab, z\u00e4hlte Klaus Schwab, der 83j\u00e4hrige Gr\u00fcnder des Weltwirtschaftsforums, auf, \u00bbvon Unterbrechungen in den Lieferketten \u00fcber tektonische Verschiebungen auf den Arbeitsm\u00e4rkten bis zu Inflationswerten, die bei Politikern und Privatpersonen gleicherma\u00dfen Sorgen wecken\u00ab. F\u00fchrende Politiker von Chinas Pr\u00e4sident Xi Jinping \u00fcber Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bis zu US-Finanzministerin Janet Yellen hatten sich eine Woche lang mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten zur \u00bbLage der Welt\u00ab ge\u00e4u\u00dfert. Das Resultat, so klang es bei Schwab recht eindeutig durch: besorgniserregend.<\/p>\n\n\n\n<p>Da war zum einen die wachsende Ungleichheit zwischen Reich und Arm, die UN-Generalsekret\u00e4r Ant\u00f3nio Guterres bereits am ersten Tag des Weltwirtschaftsforums beklagt hatte. Guterres hatte nicht nur darauf hingewiesen, die Impfquoten in den wohlhabenden Staaten seien \u00bbsch\u00e4ndlicherweise\u00ab um ein Vielfaches h\u00f6her als auf dem afrikanischen Kontinent. Er hatte auch erw\u00e4hnt, dass 80&nbsp;Prozent der Mittel, die weltweit zur wirtschaftlichen Erholung nach der Covid-19-Pandemie bereitgestellt worden seien, in entwickelten Industriestaaten zur Verf\u00fcgung st\u00fcnden: Die \u00e4rmeren L\u00e4nder seien auch diesbez\u00fcglich enorm benachteiligt; sie verzeichneten zur Zeit das geringste Wachstum seit Jahrzehnten und m\u00fcssten zudem verzweifelt versuchen, sich \u00bbmit beklagenswert unzul\u00e4nglichen nationalen Haushalten\u00ab aus der Krise herauszuarbeiten. Die Welt k\u00f6nne es sich \u00bbnicht leisten, die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten zu wiederholen, die weiterhin Dutzende Millionen Menschen zu einem Leben in Not, Armut und schlechter Gesundheit verdammen\u00ab, mahnte Guterres: \u00bbWir k\u00f6nnen nicht weiterhin Mauern zwischen den Besitzenden und den Nichtbesitzenden errichten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Ob der UN-Generalsekret\u00e4r damit auch die EU gemeint hatte, die&nbsp;\u2013 wie die Vereinigten Staaten&nbsp;\u2013 Mauern, pardon: Grenzz\u00e4une gegen\u00fcber Elendsfl\u00fcchtlingen aus drei Kontinenten baut? Wie auch immer: Die EU schottet sich mit aller Kraft nach au\u00dfen ab. Sie hortet zwar ohne Ende Impfstoffe, die in den \u00e4rmeren L\u00e4ndern fehlen, erweckte aber in den Onlineauftritten etwa von EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen und EZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde dennoch nicht den Eindruck, als liefe f\u00fcr sie alles rund. Lagarde etwa \u00e4u\u00dferte sich zu den heftig gestiegenen Energiepreisen und zur Inflation: Sie teilte mit, in der EZB gehe man \u00bbdavon aus, dass sich die Energiepreise im Laufe des Jahres 2022 stabilisieren\u00ab und \u00bbdie Inflationsraten allm\u00e4hlich zur\u00fcckgehen\u00ab w\u00fcrden. Allerdings r\u00e4umte sie unumwunden ein, all dies sei \u00bbmit gro\u00dfer Unsicherheit behaftet\u00ab. Von der Leyen wiederum \u00e4u\u00dferte sich zu einem Bereich, der der Industrie Bauchschmerzen bereitet: zur Produktion von Halbleitern, an denen starker Mangel herrscht, und dies ganz besonders in der EU. Anfang Februar will von der Leyen einen \u00bbEuropean Chips Act\u00ab vorstellen, um Abhilfe zu schaffen: \u00bbBis 2030 sollte ein F\u00fcnftel der weltweiten Mikrochipproduktion in Europa erfolgen.\u00ab Sehr erfolgreich war die EU mit derlei Ank\u00fcndigungen zuletzt nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den eskalierenden Spannungen mit Russland, die immer wieder thematisiert wurden, schienen auch die Spannungen zwischen dem Westen und China immer wieder durch. Chinas Pr\u00e4sident Xi hatte gleich am ersten Tag der Veranstaltung f\u00fcr Offenheit geworben&nbsp;\u2013 nicht nur in der Weltwirtschaft, sondern auch in der Politik: Es gelte, die \u00bbKalter-Krieg-Mentalit\u00e4t abzulegen und friedliche Koexistenz zu suchen\u00ab, hatte er betont. Ironischerweise beklagte am letzten Tag der Veranstaltung auch ein Politiker die Spannungen, der sie wie kaum ein zweiter in den vergangenen Jahren forciert hat: Australiens Premierminister Scott Morrison. Morrison, der sein Land seit Beginn der Trumpschen Angriffe gegen Beijing immer wieder als Rammbock f\u00fcr allerlei Aggressionen gegen China zur Verf\u00fcgung gestellt hat, jammerte mit Blick auf chinesische Gegenma\u00dfnahmen, Australien habe \u00bban unseren Werten festgehalten\u00ab, obwohl dies \u00bbnicht ohne Kosten\u00ab vonstatten gegangen sei. In den nun entstandenen Auseinandersetzungen gewinne wohl niemand. \u00bbDie Welt kann es sich nicht erlauben, in diese Richtung zu marschieren.\u00ab Seltsame Klage: Morrison h\u00e4tte die Abkehr vom gro\u00dfen Konflikt mit Beijing schlie\u00dflich selbst in der Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein wenig positivere Perspektiven sagte zumindest Chido Munyati, ein Afrikaexperte des Weltwirtschaftsforums, \u00fcberraschenderweise dem afrikanischen Kontinent voraus. Zwar ist die Versorgung mit Covid-19-Impfstoffen dort zur Zeit desolat, die Pandemie d\u00fcrfte noch gravierende Sch\u00e4den in Afrika anrichten, doch f\u00fcr die Zeit danach gab sich Munyati \u00fcberraschend optimistisch. Nicht nur wachse die Wirtschaft in Afrika mit aktuell rund 3,8\u00a0Prozent deutlich schneller als etwa in S\u00fcdasien (1,2\u00a0Prozent) und in Lateinamerika (0,9\u00a0Prozent). Es komme hinzu, dass die afrikanische Bev\u00f6lkerung schneller als diejenige aller anderen Kontinente wachse. W\u00e4hrend weithin\u00a0\u2013 so auch in Europa\u00a0\u2013 die Arbeitsbev\u00f6lkerung schrumpfe, nehme sie in Afrika zu. Munyati zog aus dem Wachstum von Wirtschaft und Bev\u00f6lkerung die Hoffnung, beides k\u00f6nne \u00bbdem Kontinent eine gr\u00f6\u00dfere Rolle in der globalen Politik und in der Weltwirtschaft verschaffen\u00ab. Auch wenn man skeptisch sein mag: Es gibt immerhin Hoffnung.<br><br>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/419109.davos-krokodilstr%C3%A4nen-des-kapitals.html\">https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/419109.davos-krokodilstr%C3%A4nen-des-kapitals.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weltwirtschaftsforum: Westliche Staatschefs beklagen zunehmende Ungleichheit. 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