{"id":3967,"date":"2022-12-19T12:00:10","date_gmt":"2022-12-19T11:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3967"},"modified":"2022-12-19T12:00:10","modified_gmt":"2022-12-19T11:00:10","slug":"selbst-schwerverletzte-wollen-keinen-rettungsdienst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3967","title":{"rendered":"\u00bbSelbst Schwerverletzte wollen keinen Rettungsdienst\u00ab"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Polen und Litauen: Brutale Gewalt gegen Fl\u00fcchtlinge an Grenze zu Belarus. Schweizer Gruppe hilft Opfern. Ein Gespr\u00e4ch mit Luca Ebner<\/strong><br><br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/175132.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"950\" height=\"453\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/175132.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3968\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/175132.jpg 950w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/175132-300x143.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/175132-768x366.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 950px) 100vw, 950px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Eine Gruppe<\/strong> <strong>aus der Schweiz<\/strong> <strong>unterst\u00fctzt seit Mitte November Menschen auf der Flucht, zun\u00e4chst an der Grenze von Belarus zu Polen, sp\u00e4ter dann auch an der zu Litauen. Geplant ist, d<\/strong><strong>as bis diesen Montag<\/strong> <strong>fortzusetzen. Was haben Sie erlebt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Grenzzaun zwischen Polen und Belarus, eine 5,5 Meter hohe und 186 Kilometer lange, mit NATO-Draht best\u00fcckte Stahlkonstruktion, soll Menschen davon abhalten, in die EU zu gelangen. J\u00fcngst wurden elektronische Bewegungsmelder und W\u00e4rmebildkameras installiert. Milit\u00e4r und freiwillige Armee-Einheiten patrouillieren in Polen. Doch all das stellt f\u00fcr die Fl\u00fcchtenden lediglich eine Erschwernis dar, kein Hindernis. Sie nehmen dann gef\u00e4hrlichere Wege in Kauf, durchwaten im Winter Fl\u00fcsse und S\u00fcmpfe. Auf dieser Route reisen meist Menschen aus ehemals kolonialisierten L\u00e4ndern in Zentral- und S\u00fcdasien oder auch Afrika. Viele hatten sich zuvor in Russland aufgehalten. Fluchtgr\u00fcnde sind Krieg, Vertreibung, politische Verfolgung, Verarmung und Hunger aufgrund kolonialer Ausbeutung, Folgen des Klimawandels oder die Hoffnung auf ein besseres Leben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es geht in der Grenzregion sehr repressiv zu.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder wird berichtet, dass Milit\u00e4r und Grenzbeamte Menschen in Belarus gewaltsam zwingen, die Grenze nach Polen zu \u00fcberqueren. Werden sie dort entdeckt, droht ihnen der \u00bbPush\u00ab zur\u00fcck. Selbst Schwerverletzte bitten darum, nicht den Rettungsdienst zu rufen, da sein Einsatz auch Polizei oder Grenzwachen alarmiert. Die polnische Grenztruppe \u00bbStraz Graniczna\u00ab kann eigenst\u00e4ndig entscheiden, wer das Recht hat, einen Asylantrag zu stellen. Wer es schafft, landet oft in geschlossenen, \u00fcberf\u00fcllten Lagern, sogenannten \u00bbDetention Centers\u00ab. Polen ist daher selten das Ziel, viele reisen zum Beispiel nach Deutschland und Frankreich weiter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gehen Polen und Litauen an ihren Grenzen zu Belarus unterschiedlich vor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Menschen in den polnischen W\u00e4ldern werden von staatlichen Beamten geschlagen, getreten, vergewaltigt und anderen k\u00f6rperlichen Gewalttaten ausgesetzt. Telefone, Geld und Klamotten werden ihnen geraubt und zerst\u00f6rt. Unbemerkt \u00fcber Felder und Waldwege zu laufen, ist fast unm\u00f6glich. Welche offiziellen Befugnisse das Milit\u00e4r in der Grenzregion hat, wird nicht kommuniziert. In Litauen hatten wir bisher keine Begegnung mit Beh\u00f6rden, doch auch hier kommt es t\u00e4glich zu \u00bbPushbacks\u00ab durch Grenzwache und Polizei. Nach Aussage von Betroffenen ist das Vorgehen der Grenzbeamten an der polnisch\u2013belarussischen und an der litauisch\u2013belarussischen Grenze \u00e4hnlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kann der Grenz\u00fcbergang in die EU \u00fcberhaupt gelingen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Werden Menschen in den W\u00e4ldern oder auf der Weiterreise in Richtung Deutschland aufgegriffen, werden sie in der Regel an die belarussische Grenze \u00bbzur\u00fcckgef\u00fchrt\u00ab. Oft treffen wir innerhalb kurzer Zeit mehrmals auf dieselben Menschen, da sie wenig sp\u00e4ter wieder in den polnischen W\u00e4ldern ankommen. Manche haben das mehr als zehn Mal hinter sich. Viele sind verletzt. Das Spektrum der Verletzungen reicht von Prellungen, Platzwunden und Knochenbr\u00fcchen bis hin zu Unterk\u00fchlungen und Erfrierungen sowie lebensbedrohlichen Infektionen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie m\u00f6chten nicht mit Klarnamen benannt sein \u2013 warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Umgang mit Aktivisten und Unterst\u00fctzern ist repressiv. Ermittlungsverfahren zum Vorwurf der Beihilfe zum illegalen Grenz\u00fcbertritt laufen. Die Polizei schikaniert w\u00e4hrend der Verkehrskontrollen im Grenzgebiet. Genossen berichten von gewaltt\u00e4tigen \u00dcbergriffen. Sie wurden aus Autos gezerrt, mussten sich zur Personenkontrolle auf die Stra\u00dfe legen, wurden bedroht. Juristisch stellen weder Hilfsma\u00dfnahmen im Wald, das Beherbergen von illegalisierten Menschen, noch deren Mitnahme in einem Fahrzeug einen Straftatbestand dar. Im Gegenteil: Es ist Pflicht, Menschen in Notsituationen zu helfen.<br><br>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/440675.eu-abschottungspolitik-selbst-schwerverletzte-wollen-keinen-rettungsdienst.html\">https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/440675.eu-abschottungspolitik-selbst-schwerverletzte-wollen-keinen-rettungsdienst.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Polen und Litauen: Brutale Gewalt gegen Fl\u00fcchtlinge an Grenze zu Belarus. Schweizer Gruppe hilft Opfern. 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