{"id":3981,"date":"2023-01-20T11:51:38","date_gmt":"2023-01-20T10:51:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3981"},"modified":"2023-01-20T11:51:38","modified_gmt":"2023-01-20T10:51:38","slug":"nehmt-den-faschisten-alles-weg-vor-allem-die-plattform","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3981","title":{"rendered":"Nehmt den Faschisten alles weg! Vor allem die Plattform."},"content":{"rendered":"\n<p>In letzter Zeit k\u00f6nnen wir in den verschiedensten etablierten Zeitungen immer \u00f6fters \u00fcber Neonazi-Gr\u00fcppchen wie die &#8220;Junge Tat&#8221; lesen. Dieser Hype hat uns dazu veranlasst, unsere Diskussionen dazu und vor allem auch unsere Kritik an einem b\u00fcrgerlichen Antifaschismus und dessen medialen Darstellung des Faschismus zu ver\u00f6ffentlichen. Daf\u00fcr ist es wichtig zu verstehen, wie er sich in unserer Gesellschaft bewegt und woher diese Ideologie kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Faschismus geh\u00f6rt zur kapitalistischen Gesellschaft, wie eine Pflanze in die Erde, sie ist ihr N\u00e4hrboden. Diese wirtschaftliche Ordnung basiert auf der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Doch nicht alle Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse sind gleich und es gibt Unterschiede, wie die der \u00dcberausbeutung. Von dieser sind insbesondere Menschen im globalen S\u00fcden und im lokalen, prekarisierten Niedriglohnsektor Arbeitenden betroffen. Diese Ungleichheit unter den Ausgebeuteten kann dazu genutzt werden, sie gegeneinander auszuspielen. Dass es immer Menschen gibt, die unter noch schlechteren Arbeitsbedingungen malochen m\u00fcssen, sch\u00fcrt die Angst davor abzusteigen und diese wird mittels kulturellem Rassismus noch verst\u00e4rkt. Eine repressive Migrationspolitik stellt genau diesen Zustand sicher und eine rassistische Kultur wird aufrechterhalten, um die Menschen dazu zu veranlassen, nach unten, zu den noch mehr Ausgebeuteten zu treten, statt nach oben, zu denen, die von diesen Verh\u00e4ltnissen profitieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Reproduktive Arbeit, also Arbeit die Ware Arbeitskraft reproduziert, sei es wortw\u00f6rtlich durch das Geb\u00e4ren, Erziehen und Pflegen oder durch Putzen, Kochen etc., wird zum gr\u00f6ssten Teil von Frauen oder Menschen die von der Gesellschaft in diese Rolle gedr\u00e4ngt werden, verrichtet. Diese Art von Arbeit ist vollkommen entwertet, denn die Kosten f\u00fcr diesen essentiellen Beitrag zur Gesellschaft k\u00f6nnen durch diese Entwertung des als &#8220;weiblich&#8221; verstandenen, externalisiert werden. Um die Profite der Reichen zu sch\u00fctzen, muss dieses Verh\u00e4ltnis also weiter bestehen, denn ansonsten m\u00fcsste der so geschaffene und erhaltene Reichtum der Menschheit auch wirklich unter den Menschen, die daf\u00fcr den Aufwand tragen verteilt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die bestehenden Verh\u00e4ltnisse aufrechtzuerhalten, ist es also oft im Interesse der Herrschenden, die r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Politik von Faschisten zu unterst\u00fctzen und sich wenigstens partiell auf ihre Seite zu stellen. Das soll nicht heissen, alle Herrschenden seien zwangsl\u00e4ufig ideologisch Faschisten, nur dass sich ihre Interessen oftmals \u00fcberschneiden. Neonazis sind allerdings nur der &#8220;verwilderte&#8221; und irrationale Auswuchs der kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse. Es ist aber klar, dass die kapitalistische Gesellschaft sie hervorbringt und ihnen den N\u00e4hrboden f\u00fcr ihre menschenverachtende Politik bereitet.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;(&#8230;) bl\u00f6d ist es zu sagen, der Kapitalismus geht noch, aber der Faschismus, das ist zu viel.&#8221; &#8211; Berthold Brecht: Der Idee, da\u00df man den Faschismus aushalten k\u00f6nnt, in: Fl\u00fcchtlings-gespr\u00e4che<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich die Berichterstattung \u00fcber faschistische Gruppen in den b\u00fcrgerlichen Medien der Deutschschweiz anschaut und f\u00fcr einen Moment das unterliegende Hufeisen vernachl\u00e4ssigt, wird merken, dass sie eine Bedrohung hochstilisieren, die der Realit\u00e4t nicht gerecht wird und komplett den Kontext vermissen l\u00e4sst. Klar, die Hampels der &#8220;Jungen Tat&#8221; gehen t\u00e4tlich Menschen an, aber sie haben gesellschaftlich gesehen keine politische Macht. Ihre gesamte Politik beruht auf Aufmerksamkeit und diese wird ihnen von der b\u00fcrgerlichen Presse sehr bereitwillig gegeben. Wahrscheinlich generiert es f\u00fcr sie sch\u00f6n Klicks und so sind sie auch \u00f6konomisch daran interessiert den Neonazi-Hype aufrechtzuerhalten. Dass dies die Neonazis st\u00e4rkt, scheint sie nicht zu interessieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die SVP direkt die Parole der &#8220;Jungen Tat&#8221; nach deren Angriff auf die Vorlesestunde &#8220;Drag Story Time&#8221; im Z\u00fcrcher Tanzhaus wiedergibt, kann vielleicht \u00fcberraschen, weil sie sich somit tats\u00e4chlich den Neonazis \u00f6ffentlich weiter ann\u00e4hert, nicht jedoch unter dem Gesichtspunkt, dass sie genau diese tief rechte politische Schiene seit eh und je fahren[1]. Nur verbreiten sie ihre Ideologie im Parlament und wirken damit bis in die Mitte der Gesellschaft, sodass scheints Vorlesestunden angegriffen werden m\u00fcssen, bis die b\u00fcrgerlichen Medien in der Schweiz Faschisten als solche erkennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was diese jungen Faschos gef\u00e4hrlich macht, sind weniger ihre Aktionen, als die zahlreichen Plattformen, die ihnen daf\u00fcr geboten werden, um sie zu verbreiten. Die &#8220;Junge Tat&#8221; hat einen tiefen Organisationsgrad und ihre Aktionen sind symbolisch und wirken nur durch ihre Medienpr\u00e4senz. Die SVP ist mit ihrer menschenverachtenden Migrationspolitik insofern viel gef\u00e4hrlicher, weil sie effektiv daf\u00fcr k\u00e4mpft, Menschen im Mittelmeer ertrinken zu lassen und prek\u00e4rere Bedingungen schafft f\u00fcr Menschen ohne schweizer Pass.<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00fcrgerliche Zeitungen sind mitverantwortlich, dass diese kleine Gruppe von Neonazis gef\u00e4hrlicher wird, weil sie mit ihrem Sensationsjournalismus ihnen eine Plattform f\u00fcr ihre rechte Hetze geben und so aufbauschen. Auch lenkt ein solcher Diskurs von der teilweise faschoiden Politik in den Parlamenten ab und es kann sich, ab ein paar extremen Spinnern enerviert werden. Der Diskurs verschiebt sich jedoch trotzdem, weil sie keine emanzipatorische Gegenposition entwickeln, die irgendeine realistische Perspektive aufzeigen w\u00fcrde. Es sollte allerdings nicht von ihnen erwartet werden, denn sie lehnen die kapitalistisch eingerichtete Gesellschaft nicht ab, die immer, wie oben beschrieben, eine Tendenz zum Faschismus hat. Das effektivste, um ihn einzud\u00e4mmen, ist es, dem Faschismus keinen Platz zu geben, was f\u00fcr diese Medien hiesse, ihnen keine Plattform zu Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt dabei auch vereinzelt Ausnahmen, wie zum Beispiel, wenn die Wochenzeitung (WOZ) schreibt, wie tief die Verbindungen zwischen &#8220;Junge Tat&#8221; und SVP sind und die Klarstellung, dass Identit\u00e4re einfach nett angezogene Neonazis sind[2]. Nichtsdestotrotz, b\u00fcrgerlicher Antifaschismus verl\u00e4uft sich leider allzu schnell darin, die Neonazis einfach schlecht zu finden, aber keine Gegenposition dazu zu haben. Es ist auch keine L\u00f6sung, den Faschos mehr staatliche Repression an den Hals zu w\u00fcnschen, denn im politischen Kampf um eine befreite Gesellschaft k\u00f6nnen wir nicht darauf z\u00e4hlen, dass der Staat nicht dieselben repressiven Mittel auf emanzipatorische Bewegungen anwendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Antifaschismus ist dann am effektivsten, wenn er aus einer emanzipatorischen und k\u00e4mpferischen Arbeiter:innen-Klasse oder breiten Solidarit\u00e4tsbewegung mit einer Perspektive kommt. Eine antifaschistische Praxis, die sich auf die St\u00e4rke der Bewegung verlassen kann und das Potenzial der Solidarit\u00e4t und Kritik anerkennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist wichtig, den Faschos ihre Plattformen zu nehmen, sei dies auf der Strasse, in den Medien oder in den Parlamenten. Auf eine revolution\u00e4re antifaschistische Praxis hinzuarbeiten, heisst, dass wir ein Alltagsverst\u00e4ndnis der gegenseitigen Hilfe und Solidarit\u00e4t, sowie der Anerkennung der Wichtigkeit von Selbstorganisation und Selbstschutz etablieren m\u00fcssen. Eine Gesellschaft ohne Faschismus werden wir allerdings erst erlangen k\u00f6nnen, wenn der Kapitalismus in Tr\u00fcmmern liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis dahin:<br>No pasar\u00e1n!<br>Schulter an Schulter gegen den Faschismus!<br>und Nazis aufs Maul!<\/p>\n\n\n\n<p>[1] Statement zur St\u00f6rung der Drag Story Time vom 16. Oktober &#8211; Tanzhaus Z\u00fcrich &#8211; 21.11.2022 <a href=\"https:\/\/www.tanzhaus-zuerich.ch\/aktuell\/details\/statement-zur-st\u00f6rung-der-drag-story-time-vom-16-oktober\">https:\/\/www.tanzhaus-zuerich.ch\/aktuell\/details\/statement-zur-st\u00f6rung-der-drag-story-time-vom-16-oktober<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>[2] Die Schwiegersohn-Neonazis &#8211; WOZ &#8211; 15.12.22<br><a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/2250\/rechtsextremismus\/rechtsextremismus-die-schwiegersohn-neonazis\/!JJPNM2QWZACD\">https:\/\/www.woz.ch\/2250\/rechtsextremismus\/rechtsextremismus-die-schwiegersohn-neonazis\/!JJPNM2QWZACD<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Gefunden auf <a href=\"https:\/\/rjbw.org\/archiv\/nehmt-den-faschisten-alles-weg-vor-allem-die-plattform\">https:\/\/rjbw.org\/archiv\/nehmt-den-faschisten-alles-weg-vor-allem-die-plattform<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In letzter Zeit k\u00f6nnen wir in den verschiedensten etablierten Zeitungen immer \u00f6fters \u00fcber Neonazi-Gr\u00fcppchen wie die &#8220;Junge Tat&#8221; lesen. Dieser Hype hat uns dazu veranlasst, unsere Diskussionen dazu und vor allem auch unsere Kritik an einem b\u00fcrgerlichen Antifaschismus und dessen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=3981\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13,328],"tags":[209,1263,129],"class_list":["post-3981","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antifa","category-antira","tag-antifaschismus","tag-junge-tat","tag-medien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3981","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3981"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3981\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3982,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3981\/revisions\/3982"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3981"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3981"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lagota.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3981"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}