{"id":4078,"date":"2023-10-22T19:06:03","date_gmt":"2023-10-22T18:06:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=4078"},"modified":"2023-10-22T19:06:03","modified_gmt":"2023-10-22T18:06:03","slug":"28-10-antifaschistischer-abendspaziergang-in-bern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=4078","title":{"rendered":"28.10: Antifaschistischer Abendspaziergang in Bern"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Widerstand von unten bauen heisst, sich im Kampf gegen Faschismus nicht auf den Staat zu verlassen. Das bedeutet unter anderem, dass Wahlen an der momentanen Situation nicht wirklich etwas verbessern werden. Daf\u00fcr gibt es mehrere Gr\u00fcnde:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/arton6158.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"710\" height=\"398\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/arton6158.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4079\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/arton6158.jpg 710w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/arton6158-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Der wohl offensichtlichste Grund ist die durch demokratische Wahlen vermeintliche Legitimation von Parteien, welche offen reaktion\u00e4re Ideologien propagieren und versuchen, ihre faschistoiden Ideen in der Gesellschaft zu verbreiten.<br>Darunter fallen alle jene, die gegen Minderheiten hetzen, sich gegen solidarische Gesellschaftsentw\u00fcrfe stellen oder Profit \u00fcber Mensch und Umwelt stellen. Solche Positionen finden sich nicht nur bei der SVP, sondern ziehen sich bis weit in die politische Mitte und finden in Ans\u00e4tzen auch im b\u00fcrgerlichen Fl\u00fcgel der SP durchaus Anklang.<br>Problematisch dabei ist, dass das Attribut \u00abdemokratisch gew\u00e4hlt\u00bb suggeriert, dass die Vertretenen Haltungen im weitesten Sinne legitim sind und deshalb nicht allzu verwerflich sein k\u00f6nnen. Nicht nur der rechten Rand, sondern auch vermeintlich gem\u00e4ssigte \u00abMitteparteien\u00bb propagieren so staatlich legitimiert zutiefst menschenverachtende Inhalte.<br>Doch auch Parteien, die sich progressiv geben, k\u00f6nnen nicht wirklich etwas gegen die Zust\u00e4nde tun. Denn manche Dinge stehen gar nicht erst zur Wahl. So darf zwar gew\u00e4hlt werden, wer beherrscht, die Herrschaft an sich wird durch Wahlen jedoch nie infrage gestellt. Auch das kapitalistische Wirtschaftssystem als Grundpfeiler unserer Gesellschaft steht nicht zur Wahl. Die grundlegenden Bedingungen des Zusammenlebens werden durch Wahlen nicht ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Demokratie zeichne sich, so die Annahme, dadurch aus, dass durch die Teilnahme an Wahlen \u00aballe\u00bb mithelfen k\u00f6nnen, das System in ihrem Interesse mitzugestalten. Wie fadenscheinig dieses Versprechen ist, l\u00e4sst sich am Begriff \u00aballe\u00bb sch\u00f6n aufzeigen: Nur rund 5,5 der 8,7 Millionen Menschen in der Schweiz sind \u00fcberhaupt stimmberechtigt, davon beteiligt sich weniger als die H\u00e4lfte tats\u00e4chlich an Wahlen\/Abstimmungen1. Personengruppen wie Migrant:innen ohne Schweizer Pass werden von Wahlen und Abstimmungen grunds\u00e4tzlich ausgeschlossen, obwohl sie rund ein Viertel der Bev\u00f6lkerung ausmachen. Dass diese Menschen strukturell benachteiligt werden und besonders oft von prek\u00e4ren Lebensbedingungen betroffen sind, macht die fehlende M\u00f6glichkeit zur Mitbestimmung umso zynischer. Auch dieses Beispiel zeigt, dass Wahlen als Mittel zur tats\u00e4chlichen Umverteilung von Kapital und Macht nur einen minimalen Beitrag leisten k\u00f6nnen und vielmehr dazu dienen, bestehende Machtstrukturen aufrecht zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser M\u00e4ngel werden Wahlen h\u00e4ufig als L\u00f6sung f\u00fcr die Unzufriedenheit mit der momentanen Situation inszeniert. Dass dies aus oben genannten Gr\u00fcnden nicht funktionieren kann, wollen insbesondere jene nicht zugeben, die von diesem System profitieren. Auf perfide Weise wird schlussendlich die Schuld an jeglichen Miseren all jenen zugeschoben, die sich nicht am System der Wahl beteiligen wollen. Denn h\u00e4tte mensch gew\u00e4hlt, so das Argument, w\u00e4ren jetzt vielleicht andere an der Macht und die Verh\u00e4ltnisse w\u00e4ren besser. Hat mensch aber gew\u00e4hlt, so wurde dem System ja grunds\u00e4tzlich zugestimmt und mensch muss sich nun halt mit der Niederlage abfinden. So oder so bleibt das Ergebnis der Wahl das gleiche.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem darf nicht vergessen werden, dass Wahlen T\u00fcr\u00f6ffner f\u00fcr faschistische Regimes und Machtanspr\u00fcche sein k\u00f6nnen. So gibt es mehrere historische Beispiele f\u00fcr faschistische Herrschaft, welche mitunter durch demokratische Wahlen erm\u00f6glicht wurde.<br>Selbst Parteien, die sich als antifaschistisch verstehen sind keine guten Verb\u00fcndeten im Kampf gegen Faschismus, denn auch wenn sie ihre Bem\u00fchungen durchaus ernst meinen, sind sie doch den Sachzw\u00e4ngen unterworfen und haben akzeptiert, dass Herrschaft und Kapitalismus Grundpfeiler der Gesellschaft sind. Werden Faschist:innen gew\u00e4hlt, sind auch antifaschistische Parteien im Rahmen des Parlaments gezwungen, diese als \u00abgleichwertige Entscheidungstr\u00e4ger:innen\u00bb zu tolerieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlussendlich scheint auf der Hand zu liegen, dass eine Teilnahme an Wahlen mit dem Motiv grundlegende Ver\u00e4nderungen herbeizuf\u00fchren bestenfalls naiv sein kann. Trotzdem kann durch Teilnahme an Wahlen auch Schadensbegrenzung betrieben werden, zumal eine Verschlimmerung der Gesamtsituation aufgrund von Wahlergebnissen durchaus m\u00f6glich ist. Wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass sich auch unsere politischen Gegner:innen aktiv an Wahlen beteiligen und so immer wieder an Macht und Einfluss gewinnen. Nat\u00fcrlich ist jede Wahl im weiteren Sinne auch eine Zustimmung zum momentanen System, ob ein radikaler Boykott der Wahl zum jetzigen Zeitpunkt als revolution\u00e4res Mittel zielf\u00fchrend ist, bleibt aus unserer Sicht aber offen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was bleibt ist eine Organisierung ausserhalb der Parlamente. Die Antwort auf die Normalisierung und Verbreitung von faschistischen Ideen muss eine grossfl\u00e4chige, nachhaltige und ausserparlamentarische antifaschistische Organisierung sein. In einem politischen System, welches Faschismus beg\u00fcnstigt braucht es selbstorganisierten Widerstand aus der Zivilgesellschaft. Anstatt darauf zu hoffen von Politiker:innen gerettet zu werden, m\u00fcssen wir uns verb\u00fcnden und unseren Widerstand laut auf die Strassen tragen. Darum: Widerstand von unten bauen, Antifa heisst zueinander schauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heraus zum antifaschistischen Abendspaziergang<br>28.10.2023 18:30 Bern Bahnhofplatz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Widerstand von unten bauen heisst, sich im Kampf gegen Faschismus nicht auf den Staat zu verlassen. Das bedeutet unter anderem, dass Wahlen an der momentanen Situation nicht wirklich etwas verbessern werden. 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