{"id":409,"date":"2011-02-01T15:34:14","date_gmt":"2011-02-01T13:34:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lagota.ch\/?p=409"},"modified":"2011-02-01T15:34:14","modified_gmt":"2011-02-01T13:34:14","slug":"ist-die-revolution-nach-agypten-gekommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=409","title":{"rendered":"Ist die Revolution nach \u00c4gypten gekommen?"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/2011_Egypt_protests.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-410\" title=\"2011 Egypt protests\" src=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/2011_Egypt_protests-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/2011_Egypt_protests-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.lagota.ch\/wp-content\/uploads\/2011_Egypt_protests.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>von Gwynne Dyer<\/em><\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlichung mit freundlicher Genehmigung von <a href=\"http:\/\/www.antikrieg.com\/aktuell\/2011_01_31_istdierevolution.htm\" target=\"_blank\">www.antikrieg.com<\/a><\/p>\n<p><strong>Zwei Drittel der 80 Millionen \u00c4gypter wurden geboren, seit Mubarak an der Macht ist, und sind nicht dankbar f\u00fcr die Armut, Korruption und Repression. Sie haben ihre Angst vor dem Regime verloren.<\/strong><\/p>\n<p>Heute um 3 Uhr nachmittags skandierten die Demonstranten im Stadtzentrum von Kairo: \u201eWo ist die Armee? Sie soll kommen und sehen, was die Polizei uns antut. Wir wollen die Armee.\u201c Und das ist die wirklich wichtige Frage: wo steht die \u00e4gyptische Armee in all dem?<\/p>\n<p>Wie Armeen \u00fcberall, sogar in Diktaturen, will die \u00e4gyptische Armee keine Gewalt gegen ihr eigenes Volk einsetzen. Sie m\u00f6chte derlei Dinge viel lieber der Polizei  \u00fcberlassen, die im Allgemeinen durchaus bereit ist, das zu tun. Aber in Alexandria h\u00f6rte heute mitten am Nachmittag die Polizei auf, gegen die Demonstranten zu k\u00e4mpfen und begann mit ihnen zu sprechen. So enden Regimes.<\/p>\n<p>Zu allererst realisiert die Polizei, dass sie es mit einer genuinen Volksbewegung zu tun hat, die alle Klassen und Lebenbereiche umfasst, und nicht nur mit den extremistischen Agitatoren, von denen die Propaganda des Regimes behauptet, dass sie gegen diese k\u00e4mpft. Sie realisiert, dass es falsch w\u00e4re \u2013 und auch sehr unklug \u2013 auf die K\u00f6pfe im Dienst eines Regimes einzudreschen, das mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit bald verschwinden wird. Am besten die Seiten wechseln, ehe es zu sp\u00e4t ist.<\/p>\n<p>Dann sagt die Armee, die sieht, dass das Spiel vorbei ist, dem Diktator, dass es Zeit ist, das Flugzeug zu besteigen und abzufliegen, um anderswo mit seinem Geld zu leben. \u00c4gyptens Herrscher Hosni Mubarak war General, bevor er Pr\u00e4sident wurde, und er hat immer darauf geachtet, dass dem Milit\u00e4r reichlich Geld und Privilegien zuflossen, aber in der Politik gibt es keine Dankbarkeit. Sie werden nicht mit ihm in den Abgrund gerissen werden wollen.<\/p>\n<p>Das alles k\u00f6nnte sehr schnell geschehen, oder es k\u00f6nnte im Lauf der kommenden paar Wochen geschehen, aber es wird wahrscheinlich geschehen. Sogar autokratische und repressive Regimes m\u00fcssen eine Art Zustimmung seitens des Volkes haben, denn man kann nicht genug Polizei anstellen, um jeden zu zwingen zu gehorchen. Sie erzwingen diese Zustimmung durch Angst: die Angst der gew\u00f6hnlichen B\u00fcrger um ihre Arbeitspl\u00e4tze, um ihre Freiheit, sogar um ihr Leben. Wenn also die Menschen ihre Angst verlieren, ist das Regime erledigt.<\/p>\n<p>Es w\u00fcrde eines wahrlich schrecklichen Massakers bed\u00fcrfen, um den \u00c4gyptern wieder die Angst einzuimpfen, und in dieser Phase werden weder die Polizei noch die Armee bereit sein, das durchzuf\u00fchren. Was passiert also, wenn Mubarak das Land verl\u00e4sst? Niemand wei\u00df es, da niemand diese Revolution anf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die ersten Menschen auf den Stra\u00dfen waren junge Universit\u00e4tsabsolventen, die vor einem Leben der Arbeitslosigkeit stehen. Nur wenige Tage sp\u00e4ter gewannen die Demonstrationen an Boden und umfassten Menschen aus allen sozialen Schichten und Lebensbereichen.<\/p>\n<p>Sie haben kein Programm, nur die \u00dcberzeugung, dass es h\u00f6chste Zeit ist f\u00fcr einen Wechsel \u2013 Kifaya! (\u201eGenug ist genug!\u201c), wie es die Kurzbezeichnung einer \u00e4gyptischen Oppositionspartei ausdr\u00fcckte, die in der Mitte des letzten Jahrzehnts florierte. Zwei Drittel der 80 Millionen \u00c4gypter wurden geboren, seit Mubarak an die Macht gekommen ist, und sie sind keineswegs dankbar f\u00fcr die Armut, Korruption und Repression, die ihre Leben bestimmen und einengen. Wer aber kann das alles in Ordnung bringen?<\/p>\n<p>Washington und die anderen Hauptst\u00e4dte des Westens, die Mubarak die vergangenen drei Jahrzehnte hindurch unterst\u00fctzt haben, beten, dass die Revolution Mohamed ElBaradei, den ehemaligen Chef der Internationalen Atomenergieagentur als ihren F\u00fchrer w\u00e4hlen wird. Am letzten Donnerstag flog dieser zur\u00fcck nach \u00c4gypten, und das Regime nimmt ihn sogar ernst genug, um ihn unter Hausarrest zu stellen. Aber er ist wahrscheinlich nicht der Auserw\u00e4hlte.<\/p>\n<p>ElBaradei ist ein Diplomat, der sein halbes Leben im Ausland verbracht hat und von den Regierungen des Westens als ein \u201esicheres Paar H\u00e4nde\u201c betrachtet wird. Er w\u00e4re bestenfalls ein Aush\u00e4ngeschild, aber ein Aush\u00e4ngeschild f\u00fcr wen?<\/p>\n<p>Nachdem es die Armee sein d\u00fcrfte, die schlussendlich Mubarak sagt, er solle verschwinden, d\u00fcrfte das Milit\u00e4r das interimistische Regime dominieren. Sie werden nicht gleich einen anderen General an die Spitze stellen wollen, k\u00f6nnten also entscheiden, dass ElBaradei der richtige Kandidat f\u00fcr einen interimistischen F\u00fchrer ist, schon aus dem Grund, dass er \u00fcber keine unabh\u00e4ngige Machtbasis verf\u00fcgt. Aber es w\u00fcrde dann zu Wahlen kommen m\u00fcssen, und ElBaradei w\u00fcrde nicht einmal in die N\u00e4he eines Sieges kommen.<\/p>\n<p>Wahrscheinlicher Gewinner einer authentischen freien \u00e4gyptischen Wahl w\u00e4re gem\u00e4\u00df den meisten Meinungsumfragen die Moslem-Br\u00fcderschaft. Die Br\u00fcder sind nicht so radikal, wie es von Islamisten angenommen wird, aber sie haben versprochen, dass sie, falls sie an die Macht kommen, als erstes eine Volksabstimmung \u00fcber \u00c4gyptens Friedensvertrag mit Israel abhalten werden. Und die meisten \u00c4gypter w\u00fcrden laut den gleichen Umfragen daf\u00fcr stimmen, diesen zu k\u00fcndigen.<\/p>\n<p>Das w\u00fcrde den Zufluss von offizieller Hilfe der Vereinigten Staaten von Amerika und privaten ausl\u00e4ndischen Investitionen, die derzeit die \u00e4gyptische Wirtschaft mehr oder weniger am Leben erhalten, beenden, auch wenn es wahrscheinlich nicht zu einem Krieg kommen w\u00fcrde. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass eine islamische Regierung die \u00e4gyptische Wirtschaft zu schnellerem Wachstum bringen w\u00fcrde, sie w\u00fcrde aber die Armut fairer aufteilen.<\/p>\n<p>Diese l\u00e4ngerfristigen \u00dcberlegungen werden allerdings keine Auswirkungen auf die Ereignisse der kommenden paar Wochen haben, in denen das Beispiel \u00c4gypten \u00e4hnliche Revolten gegen heruntergekommene Regimes in anderen Teilen der arabischen Welt entz\u00fcnden k\u00f6nnte \u2013 oder nicht, was auch sein kann. Aber es geht nicht mehr nur um Tunesien. \u00c4gypten ist weitaus das gr\u00f6\u00dfte arabische Land und kulturell das einflussreichste. Was dort geschieht, hat wirklich Bedeutung.<\/p>\n<p><em>Zuerst erschienen am 28. Januar 2011 in &gt; THE ORANGE COUNTY REGISTER &gt; <a href=\"http:\/\/www.ocregister.com\/opinion\/army-286175-egypt-police.html\" target=\"_blank\">Artikel<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Drittel der 80 Millionen \u00c4gypter wurden geboren, seit Mubarak an der Macht ist, und sind nicht dankbar f\u00fcr die Armut, Korruption und Repression. 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