{"id":4261,"date":"2025-04-07T17:12:42","date_gmt":"2025-04-07T16:12:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=4261"},"modified":"2025-04-07T17:13:34","modified_gmt":"2025-04-07T16:13:34","slug":"srf-bi-de-rachtsextreme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lagota.ch\/?p=4261","title":{"rendered":"SRF bi de R\u00e4chts\u00adextreme"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.republik.ch\/2025\/04\/01\/srf-bi-de-raechtsextreme\">https:\/\/www.republik.ch\/2025\/04\/01\/srf-bi-de-raechtsextreme<\/a><br><br><strong>Das Reportageformat \u00abrec.\u00bb des Schweizer Fernsehens geht mit Rechts\u00adextremen wandern und gibt ihnen Raum f\u00fcr ihre Selbst\u00adinszenierung. F\u00fcr die Junge Tat ist das ein Coup. F\u00fcr die Schweizer Medien\u00adlandschaft ein Dammbruch.<\/strong><br><br>\u00abH\u00e4? Das ist doch ein 1A Werbespot. Wtf\u00bb, schreibt ein deutscher Rechts\u00adextremist auf\u00a0X.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00ab\ud83d\udc4c\ud83c\udffb Richtig gut. Abgesehen von den \u00fcblichen Diffamierungen\u00bb, antwortet Manuel Corchia, der Chef der rechts\u00adextremen Gruppierung Junge Tat&nbsp;\u2013 und meint mit dem Emoji nicht etwa \u00abokay\u00bb, sondern <em>\u00ab<\/em><a href=\"https:\/\/www.adl.org\/resources\/hate-symbol\/okay-hand-gesture\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>white power<\/em><\/a><em>\u00bb<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abEndlich wird mit meinen Zwangs\u00adgeb\u00fchren Sinnvolles produziert, 1A-Werbung. \u270a\ud83c\udffb\u00bb, schreibt auch der Corona-Massnahmen\u00adgegner Nicolas Rimoldi, der mit den Rechts\u00adextremen zusammen\u00adarbeitet und regelm\u00e4ssig an ihren Veranstaltungen <a href=\"https:\/\/www.republik.ch\/2025\/01\/31\/am-tisch-mit-neonazis-querdenkern-afd-und-der-jungen-svp\">teilnimmt<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00abWerbung\u00bb, \u00fcber die sich die Rechts\u00adextremisten so freuen, sollte eigentlich keine Werbung sein, sondern eine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=FgzA3rkO71E&amp;lc=UgwNgTQWTmmMpb3CnDJ4AaABAg.AG3oOtxkTUWAG51nsDYJWl\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Reportage von&nbsp;SRF<\/a>. Doch heraus\u00adgekommen ist nicht weniger als einer der gr\u00f6ssten Coups, die die Junge Tat in ihrer viereinhalb\u00adj\u00e4hrigen Geschichte bisher landen konnte: ihre Inhalte, ihre Forderungen, ihre Bild\u00adsprache&nbsp;\u2013 verbreitet vom gr\u00f6ssten Verst\u00e4rker, den es in der Schweiz f\u00fcr audio\u00advisuelle Inhalte gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>72\u2019000 Views verzeichnete der \u00abWerbespot\u00bb keine 30&nbsp;Stunden nach seiner Ver\u00f6ffentlichung auf Youtube. Noch nie in ihrer Geschichte bekam die Junge Tat derart viel Platz in einem Schweizer Medium, um ihre Inhalte direkt beim Publikum zu platzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Junge Tat ist eine rechts\u00adextreme Organisation, die aus der organisierten Schweizer Neonazi\u00adszene entstanden ist. Heute ist sie der neuen Rechts\u00adextremen nach dem Vorbild der Identit\u00e4ren Bewegung zuzurechnen. Die Mitglieder der Jungen Tat gehen <a href=\"https:\/\/www.republik.ch\/2024\/06\/21\/wie-rechtsextreme-in-die-svp-draengen\">sehr strategisch<\/a> vor, pflegen <a href=\"https:\/\/www.republik.ch\/2024\/09\/06\/die-rechtsextreme-internationale-reicht-bis-in-die-schweiz\">gute Beziehungen<\/a> zu inter\u00adnationalen Rechts\u00adextremen und h\u00e4ngen immer noch <a href=\"https:\/\/www.republik.ch\/2025\/01\/31\/am-tisch-mit-neonazis-querdenkern-afd-und-der-jungen-svp\">mit Hitler-Fans rum<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Entstanden ist die Reportage \u00fcber diese Rechts\u00adextremisten f\u00fcr das SRF-Format \u00abrec.\u00bb. \u00ab\u2039rec.\u203a steht f\u00fcr \u2039record\u203a\u00bb, <a href=\"https:\/\/medien.srf.ch\/-\/-rec-neues-reportageformat-gestartet\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">schrieb die Medien\u00adstelle des SRF<\/a>, als die Sendung vor vier Jahren eingef\u00fchrt wurde. \u00abDas rund 20-min\u00fctige Reportage\u00adformat \u2039rec.\u203a taucht jede Woche in Szenen, Mikrokosmen und Lebens\u00adwelten ein, die das Publikum und die Reportage\u00adbegeisterten bewegen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Woche bestand die \u00abSzene\u00bb, der \u00abMikro\u00adkosmos\u00bb, die \u00abLebenswelt\u00bb aus Nazisymbolen, rechts\u00adextremen Tarn\u00adbegriffen und verharmlosender Selbst\u00adinszenierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Und \u00abSRF&nbsp;rec.\u00bb tauchte bis zum Hals ein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>\u00abEmbedded Journalism\u00bb an der Wanderfront<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Reportage beginnt&nbsp;\u2013 nach einem kurzen Intro&nbsp;\u2013 in \u00fcblicher \u00abrec.\u00bb-Manier. Das heisst: mit dem Reporter Samuel Konrad, der sich selbst filmt, wie er zu einem Treffen mit den Rechts\u00adextremisten f\u00e4hrt. Die haben ihn n\u00e4mlich zu einer ihrer Wanderungen eingeladen, mit denen sie mehrmals j\u00e4hrlich neue Leute rekrutieren.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Wanderung merkt man schnell, wie sehr sich das Fernsehen von den Rechts\u00adextremen die Bedingungen vorgeben l\u00e4sst. Der Reporter wird st\u00e4ndig \u00fcberwacht: Die Chefs der Jungen Tat schauen, wo er ist und mit wem er wor\u00fcber spricht. Als er ein einziges Mal mit einem verpixelten und pseudonymisierten Teilnehmer sprechen darf und diesen fragt, ob ein Verbot der Jungen Tat f\u00fcr ihn eine rote Linie w\u00e4re, antwortet statt des Interviewten die Aufpasserin: \u00abNein nein nein, lieber Severin. Dann erst recht!\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Antwort des Neumitglieds \u00abSeverin\u00bb w\u00e4re, erf\u00e4hrt man in der Reportage nicht. Und auch nicht, was andere Teilnehmerinnen zu sagen h\u00e4tten. Denn&nbsp;\u2013 so beschreibt es der Reporter zu Beginn der Wanderung&nbsp;\u2013 \u00abSRF&nbsp;rec.\u00bb hat mit der Jungen Tat \u00ababgemacht\u00bb, mit wem man \u00ab\u00fcberhaupt reden darf\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Darum kommen immer wieder nur die offiziellen&nbsp;\u2013 und ziemlich sicher vorbereiteten&nbsp;\u2013 Exponenten der Jungen Tat zu Wort und k\u00f6nnen ihre Inhalte an das Fernseh\u00adpublikum verbreiten. Das Leben als Mitglied der Jungen Tat sei \u00absaugeil\u00bb, sagen diese, man k\u00f6nne gratis an Box\u00adtrainings teilnehmen und man sei ja gar nicht gegen queere Menschen, sondern wolle nur verhindern, dass Kindern \u00abdas\u00bb aufgezwungen werde.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Fall zeigt das SRF in seiner Reportage sogar eine Sequenz, in der ein Junge-Tat-Anf\u00fchrer ein Buch von Martin Sellner in die Kamera h\u00e4lt. Sellner ist der Kopf der \u00f6sterreichischen Identit\u00e4ren Bewegung und aktuell der wohl einfluss\u00adreichste Rechts\u00adextremist im deutsch\u00adsprachigen Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Frage, warum SRF diese weitreichenden Einschr\u00e4nkungen seiner Arbeit akzeptiert hat, antwortet die Sendungs\u00adverantwortliche Anita Richner sehr allgemein. \u00abSRF&nbsp;rec.\u00bb zeige \u00abunterschiedliche Lebens\u00adwelten und Wert\u00adhaltungen\u00bb auf und wolle \u00abkontroverse Themen\u00bb besprechen. Die Bedingungen, unter denen der Reporter arbeiten \u00abmusste\u00bb, habe man transparent gemacht. Und man habe den Anspruch, \u00abechte und authentische Einblicke zu gew\u00e4hren\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie \u00abecht und authentisch\u00bb diese Einblicke noch sind, wenn die Junge Tat derart starke Vorgaben macht, geht aus der Stellung\u00adnahme nicht hervor. Auch dass man derartige Bedingungen als Journalist selbst\u00adverst\u00e4ndlich einfach ablehnen kann, spielt offenbar keine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>Die Strategie der neuen Rechts\u00adextremen<\/h2>\n\n\n\n<p>Zwar versucht die Reportage mehrmals, die Junge Tat kritisch einzuordnen. So befragt der Journalist die zwei Anf\u00fchrer zu ihrem Logo&nbsp;\u2013 einer Rune, die von der NSDAP verwendet wurde&nbsp;\u2013 oder konfrontiert sie mit, wie er es nennt, \u00abdem Rassismus-Vorwurf\u00bb. Die Rechts\u00adextremisten reagieren mit einge\u00fcbten Antworten: Man lasse sich das Symbol in ihrem Logo nicht wegnehmen, \u00abbloss weil es in einer Zeitspanne von 12&nbsp;Jahren mal falsch verwendet wurde\u00bb. Und man werte \u00abandere V\u00f6lker\u00bb nicht ab, sondern bejahe \u00abunser Volk und unsere Kultur\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel wert sind solche Antworten nicht. Es geh\u00f6rt zur Strategie neuer Rechts\u00adextremer wie der Jungen Tat, dass sie sich nicht offen zum National\u00adsozialismus bekennen und ihre Positionen so formulieren, dass man ihnen keinen Strick daraus drehen kann. Sie wollen provokant genug sein, um die Grenzen des Sagbaren zu verschieben, aber auch anschluss\u00adf\u00e4hig genug, um die Normalisierung ihrer Begriffe und Forderungen zu erreichen. So hat es Martin Sellner, der Kopf des \u00f6sterreichischen Rechts\u00adextremismus, einmal formuliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Geheimnis ist diese Strategie nicht: Man kann sie in den B\u00fcchern nachlesen, die die Junge Tat in ihrem Onlineshop <a href=\"https:\/\/www.republik.ch\/2024\/06\/21\/wie-rechtsextreme-in-die-svp-draengen\">verkaufen will<\/a>. Die Journalisten von \u00abSRF&nbsp;rec.\u00bb durchschauen dieses Vorgehen der neuen Rechts\u00adextremen offensichtlich nicht. Stattdessen laufen sie geradewegs in deren Falle.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei geben die publizistischen Leit\u00adlinien von SRF <a href=\"https:\/\/publizistische-leitlinien.srf.ch\/leitlinie\/themenwahl\/distanz-zu-protagonistinnen-und-protagonisten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">eigentlich etwas anderes vor<\/a>: \u00abUm Aufmerksamkeit zu schaffen, lancieren Akteurinnen und Akteure sowie Interessen- und Lobby\u00adgruppen ihre Themen zunehmend nach Marketing\u00adkriterien und aufgrund von \u00dcberlegungen des Ereignis\u00admanagements. Auf die Aufbereitung beziehungs\u00adweise die Inszenierung eines Themas legen sie dabei ebenso viel Wert wie auf den Inhalt. Wir m\u00fcssen diese Methoden kennen und d\u00fcrfen uns nicht instrumentalisieren lassen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Eine ernsthafte Einordnung dessen, was die Junge Tat jenseits ihrer Selbst\u00advermarktung ist, bieten nur ein paar Zwischen\u00adsequenzen in der Reportage. Etwa wenn der SRF-Extremismus\u00adredaktor Daniel Glaus die Geschichte der Gruppierung und ihre Begriffe einordnet. Oder wenn der Journalist Samuel Konrad nach den Aussagen der Junge-Tat-Anf\u00fchrer jeweils seine Meinung zum Gesagten \u00e4ussert. Oder&nbsp;\u2013 ein bisschen&nbsp;\u2013 wenn Strafrechts\u00adprofessor Martino Mona darauf hinweist, dass die Junge Tat abweichende Lebens\u00adformen ausmerzen will. Aber eben nur ein bisschen, denn Mona f\u00fcgt hinzu, dass sich das \u00ababstrakt\u00bb zwar nicht mit einer freiheitlichen Gesellschaft vertrage, gerade eine freiheitliche Gesellschaft m\u00fcsse solche Tendenzen in der Bev\u00f6lkerung aber \u00abrespektieren\u00bb und \u00abzulassen\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen Einsch\u00fcben rechtfertigt \u00abSRF&nbsp;rec.\u00bb seine Reportage auch in den Kommentaren zum Youtube-Video und in seiner Stellung\u00adnahme gegen\u00fcber der Republik. Doch wenn die Einordnung von Rechts\u00adextremen sich abwechselt mit der Propaganda der Rechts\u00adextremen, dann verkommt der ganze Beitrag zu einer <em>Both-sides<\/em>-\u00dcbung: hier die Rechts\u00adextremen, die behaupten, gar nicht rechts\u00adextrem zu sein. Dort die Fach\u00adpersonen, die betonen, dass die Rechts\u00adextremen rechts\u00adextrem sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Wahrheit \u2013 so der Eindruck, den die Reportage hinterl\u00e4sst&nbsp;\u2013 muss wohl irgendwo dazwischenliegen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>Fast die Kurve gekriegt&nbsp;\u2013 aber nur fast<\/h2>\n\n\n\n<p>Dabei hinterfragt der SRF-Reporter seine Rolle durchaus. Zwischen all der rechts\u00adextremen Selbst\u00adinszenierung und den kritischen Beurteilungen sticht eine Sequenz heraus, in der Konrad selber auf den Punkt bringt, was eigentlich das Problem ist an dieser Reportage, die er da gerade produziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Journalist sitzt in seinem Auto und denkt laut in die Kamera. Zuvor hat er eine PR-Aktion der Jungen Tat mit Martin Sellner gefilmt. Dort hat ihn eine Gegen\u00addemonstrantin angesprochen und ihm gesagt, er stehe auf der falschen Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Er frage sich das schon, ob er auf der falschen Seite stehe, sagt der Reporter. \u00abSolche Aktionen wie heute haben einen Zweck, n\u00e4mlich Aufmerksamkeit zu generieren. F\u00fcr Gruppen wie die Junge Tat, Personen wie Martin Sellner und so indirekt f\u00fcr die Inhalte, die sie vertreten. Damit ihre Positionen Anschluss finden in der Mitte der Gesellschaft. Damit verschoben werden kann, was man sagen darf und was nicht.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Reportage, die er gerade am Produzieren sei, generiere solche Aufmerksamkeit. Und darum habe die Gegen\u00addemonstrantin vielleicht nicht unrecht, vielleicht stehe er auf der falschen Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>An diesem Punkt&nbsp;\u2013 so denkt man&nbsp;\u2013 h\u00e4tte \u00abSRF&nbsp;rec.\u00bb die \u00dcbung eigentlich abbrechen m\u00fcssen. Offenbar war dem Reporter bewusst, wie er den Rechts\u00adextremisten gerade zudient. Doch dann greift er auf das Standard\u00adargument zur\u00fcck, mit dem Journalistinnen fast jede Geschichte recht\u00adfertigen k\u00f6nnen, die sie gerne machen m\u00f6chten&nbsp;\u2013 oder in die sie schon so viel investiert haben, dass sie sie nicht mehr abbrechen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abIch glaube, dass es genauso wichtig ist, zu erz\u00e4hlen, was die Strategie dieser Gruppen ist.\u00bb Wie sie vorgingen, wie sie versuchten, Anschluss zu finden und ihre Ideologien salon\u00adf\u00e4hig zu machen. \u00abStehe ich auf der falschen Seite? Ich hoffe schluss\u00adendlich, auf keiner Seite zu stehen, sondern einfach zu zeigen, was ist.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Zeigen, was ist. Ausser eben das, was die Junge Tat nicht gezeigt haben m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a>Dammbruch<\/h2>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich hat der SRF-Journalist recht, wenn er sagt, dass man die Strategien der neuen Rechts\u00adextremen aufzeigen und erkl\u00e4ren muss. Das tun seit vielen Jahren auch viele Journalistinnen in der Schweiz. Doch dabei die Rechts\u00adextremen in aller Ausf\u00fchrlichkeit zu Wort kommen zu lassen, ihnen Gelegenheit zu geben, sich zu verharmlosen und zu inszenieren&nbsp;\u2013 das braucht es daf\u00fcr nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Meinung sind auch rund 200&nbsp;Medien- und Kultur\u00adschaffende, die kurz nach Ausstrahlung des Beitrags einen Brief unterzeichnet haben. Darin kritisieren sie unter anderem, dass der Jungen Tat eine breite Plattform geboten und das Thema als unter\u00adhaltsame Provokation verkauft worden sei. Der Brief wurde vergangene Woche der Redaktion von \u00abSRF&nbsp;rec.\u00bb, der Ombuds\u00adstelle der SRG und dem Publikums\u00adservice des SRF zugestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es scheint, als habe \u00abSRF&nbsp;rec.\u00bb nicht erkannt, dass die neue Rechts\u00adextreme ein fundamental anderes Verh\u00e4ltnis zu Medien hat als ihre klassisch neo\u00adnazistischen Kameraden. Die Glatzen\u00adnazis von fr\u00fcher scheuten die \u00d6ffentlichkeit. Sie trafen sich im Geheimen zu Rechtsrock\u00adkonzerten, um dort unter sich und ungest\u00f6rt abhitlern zu k\u00f6nnen. Wenn Medien sie an die \u00d6ffentlichkeit zerrten, waren sie weder erfreut noch vorbereitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die neuen Rechts\u00adextremen aber sehen die Medien als Instrument. Sie sind PR-Agenturen, die sehr gut wissen, wie man sich einem breiten Publikum gegen\u00fcber darzustellen hat. Sie geben sich brav und nahbar. Sie verpacken ihre Menschen\u00adverachtung in besch\u00f6nigende Worte. Und sie distanzieren sich von \u00abJugends\u00fcnden\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Egal, wie viel Einordnung drumherum passiert&nbsp;\u2013 Medien, die diese Inszenierungen zulassen, fallen auf eine Strategie herein.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn die braven Rechts\u00adextremen <a href=\"https:\/\/archive.is\/wPYEk\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">trainieren den Strassenkampf<\/a>. Ihre sch\u00f6nen Worte bedeuten <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/rechtsextremismus\/dossier-rechtsextremismus\/500773\/ethnopluralismus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Segregation<\/a> und <a href=\"https:\/\/correctiv.org\/aktuelles\/neue-rechte\/2024\/01\/10\/geheimplan-remigration-vertreibung-afd-rechtsextreme-november-treffen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vertreibung<\/a>. F\u00fcr ihre \u00abJugend\u00ads\u00fcnden\u00bb&nbsp;\u2013 wie es die Junge Tat selber nennt&nbsp;\u2013 wurden sie verurteilt, als Junge-Tat-Chef Manuel Corchia schon zwanzig Jahre alt war. Und diese \u00abS\u00fcnden\u00bb <a href=\"https:\/\/www.ekr.admin.ch\/d524\/2021-060N.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">bestanden darin<\/a>, an Adolf Hitlers Geburtstag in einem Zoom-Call \u00abHeil Hitler\u00bb zu schreien und Aufkleber mit Begriffen wie \u00abRassen\u00admischen\u00bb oder \u00abMisch\u00adkinder\u00bb zu drucken.<\/p>\n\n\n\n<p>Bisher bestand in der Schweizer Medien\u00adlandschaft&nbsp;\u2013 bis auf wenige Ausnahmen&nbsp;\u2013 das stillschweigende Einverst\u00e4ndnis, dass man die Junge Tat nicht wie eine gew\u00f6hnliche Organisation behandelt. Dass man sie nur zu Wort kommen l\u00e4sst, wenn es zwingend notwendig ist&nbsp;\u2013 etwa wenn man sie mit schwer\u00adwiegenden Vorw\u00fcrfen konfrontieren muss. Und dass man anhand ihrer Inhalte zwar aufzeigt, wie sie funktionieren&nbsp;\u2013 ihnen aber nicht den Raum gibt, extra f\u00fcr die Medien vorbereitete Statements abzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abSRF rec.\u00bb hat dieses Einverst\u00e4ndnis nun gebrochen. Ohne Not geben die Journalistinnen der Jungen Tat grossz\u00fcgige Redezeit. Und tragen so zur Normalisierung einer rechts\u00adextremen Gruppierung bei, deren explizites Ziel die eigene Normalisierung ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Um zu begreifen, in wessen Interesse die Reportage am Ende war, gen\u00fcgt es eigentlich, den Rechts\u00adextremisten selbst zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abDieses Mal haben wir die Doku als klar vorteilhaft eingestuft&nbsp;\u2013 da m.A.n das SRF-Jugend\u00adformat unglaublich Reichweite f\u00fcr uns schafft.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Das sagte letzte Woche der Anf\u00fchrer der Jungen Tat.<\/p>\n\n\n\n<p>Und postete einen Link auf die Sendung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>https:\/\/www.republik.ch\/2025\/04\/01\/srf-bi-de-raechtsextreme Das Reportageformat \u00abrec.\u00bb des Schweizer Fernsehens geht mit Rechts\u00adextremen wandern und gibt ihnen Raum f\u00fcr ihre Selbst\u00adinszenierung. F\u00fcr die Junge Tat ist das ein Coup. F\u00fcr die Schweizer Medien\u00adlandschaft ein Dammbruch. \u00abH\u00e4? 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